Posted on 29 September 2010. Tags: Erlösung, Frieden, Fülle, Genuss, Glück, Hotel, katholisch, Kreuz, Krieg, Kruzifix, Pabst, Punkt, Queen, Reform, Sexualität, Transformation, transkonfessionell, vegetarisch, Waffel, Zimmer, Zölibat, Zwietracht
Vor kurzem war ich – den Umständen geschuldet – in einem katholisch geführten Hotel untergebracht. Das Zimmer war schäbig, schmuddelig und düster. An der Wand hing das Leiden Christi in Form eines der Kreuze mit einem darauf genagelten Leib. Ich führte meine aufwallenden Gefühle in Stille und mit ihnen meine Gedanken über institutionalisierte Religionen, Machtkämpfe in Glaubensfragen und ihre Ausläufer. Gibt es überhaupt einen einzigen Krieg auf der Welt, der letztlich nicht auf einen Streit der Religionen zurückzuführen ist? Und wie streitlustig war ich gerade mit Blick auf das Kreuz, in dessen Namen scheinheilige Kriege, Folter und Hinrichtungen verübt worden sind! In dessen Namen noch heute Menschen Schuldgefühle eingetrichtert werden. Ich dachte an den Pabst, seinen Besuch bei der Queen und wie konsequent es in meinen Augen wäre, wenn er zur Aufhebung des Zölibats und damit zur Erlösung der katholischen Sexualität beitragen würde. Mit einem noch viel weiter gehenden, imaginären Reformpaket, also letztlich meinen unerlösten Resten von Wut und Trauer, entflammte ich am Kreuz, einem gefühlten Ort menschlicher Zwietracht. Und ich fand Frieden im (Vereinigungs-)Punkt der beiden Holzbalken, der auch unabhängig vom Kreuz in vielen mystischen Symbolen erscheint und alles erlöst, was danach verlangt.
Der Mann an der Rezeption war ohne Stigmata, quicklebendig und die Freundlichkeit in Person. Er lebte diese Freundlichkeit auf eine so natürliche und wohltuende Weise, dass ich mich bei ihm für sein Geschenk bedankte. Das machte ihn verlegen. Zum Frühstück gab es frisch gebackene Waffeln, ich stöhnte vor Glück. Der Restaurantbereich war modern und in hellen Tönen gehalten. Irgendein Mensch war auf die begnadete Idee gekommen, ein Waffeleisen nebst Teigschüssel im Selbstbedienungsbereich zu deponieren. Das Mittagsbuffet fiel aus meiner Sicht als Vegetarierin einseitig aus (wo man doch überall Fleisch hineinschneiden kann!) und den Kollegen war es nicht heiß genug, also das Essen, nicht das Wetter. Ich erzählte von den Waffeln, hielt mich an den Nachtisch – innerlich die Frage bewegend, ob ich vielleicht doch bestechlich bin? Den inkludierten Kaffee schlug ich aus, obwohl ich damit, so wurde kundgetan, mehr aus dem Preis-Leistungs-Verhältnis hätte herausholen können. Ich dankte innerlich, dass ich immer alles essen und trinken kann, worauf ich Appetit habe und wie unübertreffbar das ist. Den Kaffee gab’s zwei Tage später, behaglich am heimatlichen Elbstrand. Dort machte er mich glücklich. Fast so wie das katholisch geführte Hotel, das mir wieder einmal zeigt: Ich bekomme immer, was ich brauche. Transformationsaufgaben inklusive.
Text & Bild: Simone Meller
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Posted on 12 Juli 2010. Tags: Abwertung, Achtung, Alte Energie, Atmen, Auseinandersetzung, Befriedung, Beruf, Bewertung, Beziehungsabbrüche, Dualität, Einheit, Einladung, extrem, Fremdheit, Freude, Frieden, Friedhöflichkeit, Gefühl, Gemeinsamkeiten, Geringschätzung, Gleichmacherei, Grandiosität, Idealisierung, Konflikt, Leben, Lernen, Liebe, Mitte, Neue Energie, Nondualität, Ping Pong, Polarität, sich stellen, Spiritualität, Streit, Symbiose, Transformation, Überforderung, Überheblichkeit, Unternehmen, Unterscheidung, Verachtung, Verantwortung, Werteabwägung, Wunder, Zwietracht
Wie kann man nur so sein! So legen wir gerne Maß an an dem, der uns aus der Ruhe bringt. Jeder private oder berufliche Konflikt hat mit zwischenmenschlichen Unterschieden zu tun. Doch konfliktverursachend sind nicht die Unterschiede, sondern unsere Unfähigkeit, sie zu ertragen. Sei es zu Hause oder in der Firma.
Da können wir helle und dunkle Seiten an uns erleben. In der einen Situation gehen wir liebevoll mit Unterschieden zwischen uns und anderen um. Doch schon im nächsten Moment finden wir uns überfordert von der Fremdheit des anderen in einem handfesten Streit wieder oder kehren um des lieben Frieden Willens die Unterschiede unter den Teppich.
Zwei beliebte Ausweichmanöver im Konflikt
Wenn wir Unterschiede als bedrohlich erleben und uns diesem inneren Thema nicht stellen möchten, haben wir zwei Möglichkeiten zum Ausweichen:
- Nivellieren von Unterschieden und Streben nach Symbiose (“Befriedung”)
- Bewerten der Unterschiede und Abbrechen des Kontakts (“Zwietracht”)
Damit sind zwei extreme Pole beschrieben, über die zu reflektieren sich lohnt. Gerade in dieser Zeit, da so viele spirituell orientierte Menschen davon sprechen, in der Neuen Energie würden Bewertungen aufhören. Bewertungen hören erst dann auf, wenn wir uns klar machen, was wir gewohnheitsmäßig mit Bewertung wegzumachen versuchen, nämlich die wahrhaftige Aus-ein-ander-Setzung mit uns und unserem Gegen-Über.
Nur eine bemerkte Bewertung kann transformiert werden
Viele Menschen, die die Ebene der Bewertung (“Zwietracht”) überwinden möchten, stellen sich nicht dieser Auseinandersetzung, sondern kippen einfach nur in das andere Extrem (“Befriedung”) und halten dies fälschlicherweise für Einheit und überwundene Dualität. Sie wähnen sich in der Neuen Energie, dabei sind sie am gegenüberliegenden Pol schon wieder in der Alten Energie gelandet. Noch haben sie nicht gelernt, die Bewertung zu transformieren, sondern nur sie zu vermeiden. Das ist nicht schlimm, sondern typisch Mensch.
Ich möchte mit diesen Zeilen für Klarheit werben, wo sich derzeit viele verwirren. Ich möchte dazu ermutigen, sich Konflikten zu stellen. Sich der Aufgabe zu stellen, die Unterschiede zwischen dir und mir auszuhalten, während wir gleichzeitig auf gemeinsamen Grund stehen.
Erst in der Mitte kann das Aushalten von Unterschieden gelernt werden. Zwischen “Befriedung” und “Zwietracht” führt ein schmaler Grat durch die Polarität in die Einheit. In der Mitte darf jeder sein, wie er ist. Da gibt es gewährenden Platz für die Unterschiede genauso wie Raum lassende Freude über Gemeinsamkeiten.
Verantwortung für die eigenen Gefühle übernehmen
In der Mitte enden Konflikte, weil jeder Verantwortung für seine Gefühle übernimmt und für sich sorgt. Weil er das liebevoll tut, ist es nicht zum Schaden des anderen, sondern dient dessen Wachstum genauso wie dem eigenen.
Die Mitte ist nicht rechnerisch zu ermitteln. Auch ist sie kein Kompromiss. Sie ist ein Ort der gemäßigten Polarität und der heimfindenden Dualität. Weder vermeidet sie, was ist, noch verstärkt sie, was trennt. Sie lebt in Liebe, was zu leben ist.
In der Mitte bestehen Werte und Wertungen in fließender Weise fort: Nein, diese Vorgehensweise liegt mir nicht. Ja, diese Entscheidung stimmt mit meinen ethischen Vorstellungen überein. Nein, so möchte ich nicht leben. Ja, das gefällt mir sehr. – Das alles darf weiterhin sein und ist etwas völlig anderes, als wenn ich mich oder andere bewerte.
In der Mitte enden Idealisierung und Verachtung
In der Mitte enden Überhebung und Abwertung, Idealisierung und Geringschätzung, Grandiosität und Verachtung. In der Mitte enden Gleichmacherei, Friedhöflichkeit und fromme Verhaltenskodices. In der Mitte werden Polarität und Dualität in gegenseitiger Achtung gelebt und immer wieder auf die eine Liebe ausgerichtet.
In der Mitte atmet das Bewusstsein für das Wunder des Lebens, das ohne Polarität und Dualität nicht möglich wäre.
In der Mitte darfst du weiterhin du selbst und deinen Werten treu sein. In der Mitte darfst du nonduale Erfahrungen sammeln und dein duales Leben lieben.
Die eine Liebe ist überall. In der Mitte und an den Extremen. Doch erst in der Mitte lässt du sie zu. In der Mitte nimmst du mehr und mehr von dieser Liebe an. Du machst den Unterschied.
Du bist der Unterschied zwischen gestern und morgen
Du bist der Unterschied zwischen Neuer und Alter Energie. In tausenden von Entscheidungen Tag für Tag. Sei nachsichtig mit dir. Denn es gibt keinen Grund, streng oder besonders schnell zu sein. Wir alle sind auf dem Weg. Und dieser Weg heißt Leben.
Unterschiede gehören zum Leben. Sie sind eine Einladung uns selbst zu erfahren (s. Von der Bewertung zur Unterscheidung). Nehmen wir die Einladung an. Jetzt.
Text: Simone Meller
Posted in Klartext