Tag Archive | "Wertschätzung"

Wer bringt uns in Liebe, wenn nicht wir?


Im Kontext einer Diskussion habe ich neulich ausformuliert, was ich bislang auf verschiedene Texte verstreut und in Ausdehnung von Liebe ist kein Zerfallen von Persönlichkeit komprimiert zusammengefasst hatte. Hier folgen einige Auszüge mit nachträglich eingefügten Zwischenüberschriften:

[...]

Herzensausdehnung: Wer ist die Welt und wer bin ich?

Ich bezeichne diese liebevolle Annahme des Schrecklichen manchmal auch als Selbsterlösung und es meint jene Herzensausweitung [...]. Das eigene Herz dehnt sich aus, wird weit genug für den eigenen Schmerz. Der in Liebe aufgenommene Schmerz durchläuft einen energetischen Wandlungsprozess, der die eigene Sicht immer wieder neu erhellt. Ich beschreibe hier keine Theorie, sondern meine Erfahrung in der mehrschichtigen Transformation der kleinen und großen Widrigkeiten des Lebens. In solch einem Herzensprozess kann plötzlich ein tief strömendes Mitgefühl entstehen, mein Herz noch weiter aufgehen und das Gegenüber, das einst meine Schmerzen auslöste, darin Platz finden. Auf diese angedeutete Weise “esse” ich seit Jahren die Welt. Das kostet zwar zunehmend mehr Zeit und Kraft. Doch unbeschreiblich die daraus erwachsende Leichtigkeit, Freude und Fülle. Ich “bekomme” immer mehr, aber ich “brauche” auch immer mehr, um meinen Transformationsprozess fortsetzen zu können. Je wohler ich mich fühle, desto mehr Unwohlsein bereitet mir das, wofür ich mich bislang nicht zuständig fühlte. Auch jetzt bin ich nicht zuständig dafür im Sinne die Welt retten zu wollen, sondern zuständig im Sinne von Verantwortung für die Gefühle, die die Welt in mir auslöst. Also nehme ich das einst Fremde in mein Herz, lasse mich ein auf die Transformation der Energien, bis ich mich wieder wohler fühle und neue (Handlungs-)Impulse entstehen. Stößt mein Blick erneut auf etwas von mir Ausgegrenztes, dehne ich mein Herz erneut… Was gestern noch Welt war, belangt mich heute persönlich. Wer ist die Welt und wer bin ich? Alles schiebt sich immer mehr ineinander. So geht das immer weiter. Auf diese Weise entstand zum Beispiel mein Gedicht Soldat, ich ehre dein tapferes Herz. Und auf dieselbe Weise geht immer mehr im Wortlosen auf.

[...]

Deshalb formuliere ich manchmal, dass ich einfach nur nach Herzenslust lebe. Ich folge keinen Dogma, sondern meinem Wohlsein, das sich an Liebe ausrichtet. Das ist auch der wesentliche Unterschied zum Egoismus (siehe bei Interesse hier und hier).

Was auch geschieht, Selbstannahme ist immer möglich

Wenn ich also davon schreibe, immer mehr in Freude zu sein, bedeutet das nichts anderes, als dass ich ständig esse, was mir auf den Tisch kommt, mich aber nicht zwinge, wenn ich mich ekle, sondern dann eben ein paar Tage oder Jahre [sic!] mit dem Ekel herzensschwanger gehe, um die Bilder nun endgültig zu vermischen *schalk*. Und der einzige Grund, warum ich mich auch über den Ekel hermache, ist der, weil ich aus meiner Erfahrung weiß, dass es mir mit ihm im Herzen besser geht, als wenn ich ihn außen vor lasse. Doch solange mein Herz nicht weit genug ist, kann ich ihn nicht aufnehmen. Aber auch mit diesem Unvermögen kann ich mich liebevoll annehmen! Also gleichgültig, was mir passiert: Ständig kann ich mich annehmen, mit dem was ist, mit meinem Unvermögen wie mit meinen Sternstunden und bin dabei immer in der einen Liebe. Die Momente, in denen ich mit meinem Bewusstsein nicht in der Liebe bin, gibt es natürlich. Doch kann ich sie immer schwerer ertragen, weil der Unterschied so gravierend ist! Deshalb sinke ich immer schneller ins Herz – mit alledem, was gerade ist. Und wenn ich in der Liebe bin, kann ich gar nicht anders, als meinen Gegenübern eben mit dieser bedingungslosen Liebe zu begegnen, in der zugleich Platz für meine Präferenzen [...] bleibt.

[...]

In der bedingungslosen Liebe dürfen Präferenzen sein

Durcheinander geht in dieser Diskussion die Sache mit dem Wert. “Wert” kommt in vielen Begriffen vor und ich sehe da (vergleichbar zum Begriff “Spiritualität”) mehrere Bedeutungsebenen.

Ich negiere nicht die lebensnotwendige Existenz von kognitiv-emotionalen Bewertungsprozessen, wenn ich Auf- und Abwertungen im Widerspruch zur Gleichwertigkeit aller Menschen sehe. In der bedingungslosen Liebe, in der alles Seiende wie beschrieben seinen Platz findet, dürfen Präferenzen (unser freier Wille) weiterhin sein. Dürfen wir unser Urteilsvermögen bewahren, nach unseren Bedürfnissen und Werten immer wieder neu bewerten und entscheiden, was uns entspricht. Wenn ich also den Weg in die Freude wähle, so wie ich auch eine Tasse Tee oder ein Kleid wähle, werte ich mit meiner Wahl weder die Traurigkeit, noch den Kaffee, noch die Hose ab. [...]

Kein Gott, sondern dein Wohlsein macht den Unterschied

Ich erhebe meinen Weg nicht zur Norm und beschreibe auch keine Wachstumsnotwendigkeit [...]. Wer sich mit seinem Interesse für Heilung und Fülle an meine Website oder mich wendet, erfährt: Ab in die Liebe mit dir und allem, was in deinem Rucksack ist. Doch, ob du es machst oder nicht, ist vor dem, was du Gott nennst, egal. Einzig und allein für dich macht es einen Unterschied im Wohlbefinden.

Damit behaupte ich nicht, dass mein menschliches Wesen völlig frei von Tendenzen zur Abwertung wäre. Sondern ich pflege eine Haltung, in der jeder frei ist, zu leben wie es ihm gefällt, ohne dabei jemals an (Ehren-)Wert zu verlieren oder zu gewinnen. Auch in meiner Unzulänglichkeit bleibe ich immer gleich viel wert. Das enthebt uns nicht des operativen Handelns (s. bei Interesse: erster Abschnitt von In der Welt zu Hause sein), aber eben auch nicht der Verantwortung für unser Leid (s. bei Interesse: Dialog mit Nicoletta und Helga).

[...]

Eine Freiheit, die den Totalitarismus nicht bedient, sondern in die Liebe überführt

Mir geht es um die subjektive Stimmigkeit, der ich immer wieder neu folgen darf – ohne Angst, jemals in göttliche Ungnade zu fallen.

Daraus erwächst eine Freiheit, die den Totalitarismus nicht bedient, ihm aber seinen Platz in der Welt lässt. Dabei geschieht laaangfristig etwas Wunderschönes (das ist eine Bewertung!): In dem Maße, wie sich die Freiheit in Liebe ausdehnt, verschwindet der Totalitarismus. Er wird von Liebe gegessen. Nicht der Kampf gegen Totalitarismus (das wäre Abwertung!) bringt ihn aus der Welt, sondern unsere wachsende Annahme von allem, was ist (Gleichwertigkeit alles Seienden!). Denn auch meiner Anschauung nach, sehnt sich alles, was ist, im tiefsten Grund nach dieser liebenden Annahme [...]. Aber nicht alles, was ist, fühlt sich bereits dieser Liebe wert (Selbstwertgefühl!). Noch einmal betone ich: Das enthebt uns nicht unserer alltäglichen Verantwortung angesichts dessen, was uns widerfährt und zum angemessenen Handeln auffordert. Das Gegenteil ist der Fall: Die Arbeit beginnt immer in uns selbst. Wenn nicht wir uns mit allem, was wir erleben, alltagstauglich in die Liebe bringen, wer dann?

Simone Meller

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Verehrung und Anbetung entsprechen mir nicht


Ich habe mich diese Woche wiederholt an Menschen gerieben, bei denen ich so etwas wahrnehme, was ich als Verehrung und Anbetung bezeichnen möchte. Also eine Bereitschaft, etwas außerhalb ihrer Person existierendes über sich zu stellen. Ich spüre, dass mir das nicht entspricht. Bislang habe ich das im Fachjargon als Idealisieren oder umgangssprachlich als Anhimmeln bezeichnet. Nun bediene ich mich mit Verehrung und Anbetung eher spirituell konnotierter Begriffe.

Meinem Erleben nach dürfen sich alle Aspekte des Seins auf Augenhöhe begegnen. Alles zwischen Himmel und Erde Existierende verdient Ehre, niemand mehr, niemand weniger. Das Verteilen von besonderer Ehrerbietung bis hin zur Ehrfurcht und all die Formen von Anbetung speisen sich meiner Wahrnehmung nach aus einem Glaubenssystem von Unter- und Überlegenheit. In einem solchen Glaubenssystem wird durch künstliche Rangstufen eine Distanz zwischen dem Menschlichen und dem Göttlichen geschaffen. Das Ausmaß an Verehrung und Anbetung von spirituellen Lehrern, Geistwesen, Engeln und Gott wird zum Gradmesser (noch nicht) erreichter Nähe.

Mir geht es nicht um Gleichmacherei alles Seienden, sondern um Gleichwertigkeit des Unterschiedlichen.  Ich bin nicht gegen das Beten und auch nicht gegen die Erfahrung heiliger Momente. Und schon oft hat es mir gut getan, mit gesenkter Stirn auf dem Boden zu knieen. Aber mir entspricht es nicht, eine Stufe in den Fluss des Seins zu meißeln und meine Kraft solchem Gebilde zu unterwerfen. Auch lehne ich die, die das tun, nicht ab. Ich merke dank unserer Unterscheidung einfach nur, dass ich einen anderen Weg gehe: Ich dulde niemanden über mir und niemanden unter mir. Natürlich ist jeder frei, sein Bild von mir dort “oben” oder “unten” anzusiedeln, aber Begegnung mit mir entfaltet sich auf Augenhöhe.

Das wollte ich formulieren. Und nachdem ich das nun versucht habe, frage ich mich, wie das hier Geschriebene mit meinen bisherigen Texten über Demut und Ergebung zusammengeht. Das tut es. Aber ich kann es derzeit nicht in Worte fassen. Vielleicht vorläufig so: Die Demut meinem mir (un-)bekannten Wachstumsprozess gegenüber bleibt erhalten, während ich allen Aspekten des Seins auf Augenhöhe begegne. Auch bin ich weiterhin bereit, ergeben dem höchsten Wohl derer zu dienen, die sich mir anvertrauen, aber die Augenhöhe bleibt. Egal, was gerade ansteht. Ich stelle mich dem Sein und zwar mit meiner Kraft – wie sie mir nur in Demut zuteil wird.

Text und Foto: Simone Meller

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wie unsicherheit entsteht und wozu sie einlädt


unsicherheit entsteht aus kindlicher verlassenheit
es ist die einsamkeit nicht gesehen zu werden
unsicherheit ist der versuch nicht ich selbst zu sein mich zu verlassen
der versuch meine wahrnehmung deiner wahrnehmung zu opfern
der versuch deiner erwartung entgegen zu kommen in deinen augen zu sein

ich muss nicht anders sein nicht besser sein ich muss nicht erklären
ich darf enttäuschen darf die sein die ich bin – ohne wenn und aber
ich darf meinem fühlen und wahrnehmen folgen
ich bin nicht verantwortlich für deine gefühle wohl aber
für die folgen meines handelns für mich

doch keine dieser folgen stellt meinen wert als mensch infrage
immer bin und bleibe ich ein dir ebenbürtiges göttliches kind
immer bin ich vollkommen genau wie du
ohne dass wir jemals anders oder besser sein müssten

unsicherheit ist ein audruck für perfektionistische tendenzen
damit wird mir unsicherheit zur einladung ins hier und jetzt
gewahrsein von vollkommenheit die platz lässt
für die unterschiedenheit von dir und mir

dann steht meine wahrnehmung deiner gegenüber
und es geschieht was geschehen will
dann bin ich sicher
und begegne dir

text: simone meller | foto: nicole celik, pixelio

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Streit konstruktiv auflösen


Zum Streiten gehören immer zwei, zum Aufhören genügt einer. Wenn du mit jemanden Streit hast, so kläre dich selbst, bevor ihr eine Aussprache führt. Wenn du während der Aussprache unklar wirst (das merkst du daran, dass du schneller, lauter und impulsiver reagierst), dann unterbreche euer Gespräch, um dich selbst in Stille zu klären. Aus dieser Klarheit heraus nimmst du den Dialog wieder auf. So fährst du fort, bis euer Gesprächsergebnis klar ist. Der andere klärt sich an dir, wenn du klar bist.  Wenn du aus dieser Klarheit heraus sprichst und handelst, sind das genau die Impulse, die auch deinem Gegenüber zur Klarheit verhelfen, sofern er diese ebenfalls anstrebt. Ist er nicht an Klarheit interessiert, wirst du – wenn du klar bist – zu einem gewissen Zeitpunkt keine Lust mehr haben, das Gespräch fortzuführen und es respektvoll beenden.

Ein solches Ende kann auch disharmonisch ausfallen, wenn der andere deine Grenze nicht achten möchte. Aus deiner Klarheit heraus darfst du deine Grenze nachdrücklich vertreten, auch wenn dies bedeutet, den Hörer auflegen oder den Raum verlassen zu müssen. Eine Repressalie wäre solches Verhalten nur, wenn du es benutzt, um den anderen zu verändern. Doch in der Klarheit ist dies nicht deine Intention. In der Klarheit sorgst du  für deine wahrgenommene Grenze, ohne den anderen verändern zu wollen. Du vermittelst deine Wertschätzung, indem du ihn lässt, wie er ist. Wenn er sich an deiner Grenze stößt, liegt dies in seiner und nicht in deiner Verantwortung. Er wird zurückgeworfen auf sich selbst. Vielleicht nutzt er die Chance, um sich selbst zu klären. Vielleicht auch nicht. Das darf sein.

In der Klarheit ist es egal, wer recht hat, wichtig ist vielmehr, dass sich jeder in Liebe selbst treu bleibt. Unterschiede dürfen sein. Wenn du das nicht aushalten kannst und/oder es dir schwer fällt, dich selbst konsequent zu klären, unterstütze ich dich gern. Konflikte kommen und gehen und werden weiterhin sein. Aber dieses anstrengende Streiten muss nicht sein. Es darf aufhören. Überall.

Simone Meller

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