Tag Archive | "Versprechen"

Verrat setzt Loyalität voraus


Das Konzept Verrat setzt das Konzept Loyalität voraus. Ich erfahre, dass sich in der freigebenden Liebe das Konzept Loyalität schrittweise auflöst und damit auch die Idee von Verrat. Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal so sprechen würde, denn… obwohl, doch! Vor langer Zeit – das war 1999 – bin ich zerbrochen an einem biografisch gelernten und von mir selbst zur Spitze getriebenen Loyalitätskodex. Es war ein not-wendiges Zerbrechen von erbarmungsloser Härte. Die Härte zerbrach sich selbst, bevor ich die Gnade der Weichheit zuzulassen begann. Zusammen mit intensiven Karmaauflösungserfahrungen der letzten Jahre hat das dazu geführt, dass ich niemanden mehr etwas verspreche und niemanden mehr ein Versprechen abverlange. Nicht aus Furcht vor Karma, sondern aus der Einsicht, dass sich lebendiges Leben nicht festnageln lässt. Mir ist bewusst geworden, wie ich die Entfaltung von Leben mit Versprechen beschränken würde. Liebe gibt frei. Nicht dem anderen, sondern seinem eigenen inneren Frieden zuliebe.

Simone Meller

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warum


warum sollte ich dich fragen
ob du mich liebst?
warum sollte ich versprechen
nur dich zu begehren?
warum sollte ich messen
deinen blick für andere?
warum sollten wir halten
was in freiheit blühen will?
warum sollten wir ausschließen
was uns erlöst bereichern will?
warum sollten wir missverstehen
die freiheit der liebe?
warum sollten wir verhindern
unser höchstes wohl?
warum sollten wir misstrauen
den wandlungen der liebe?
warum solllen wir nicht alles
uns widerfahrende ihr anvertrauen?
warum sollten wir nicht schauen
was zwischen uns immer wieder neu entsteht?

simone meller

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Wir kamen überein


Für L. und alle anderen
in Achtung und Dankbarkeit

* * *

Ich habe erkannt:

Wir waren zwei verletzte Menschenkinder, die miteinander spielten, so wie wir es verabredet hatten vor Anbeginn der Zeit.

Wir kamen zueinander, um uns zu lehren, was wir jeweils vergessen hatten in unserem Schicksal. Wir kamen zueinander, um uns zu erinneren an Heilungsaufgaben und Projekte. Wir kamen überein, zur gleichen Zeit auf der Erde zu sein. Wir kamen überein, in enger Berührung miteinander zu sein. Wir kamen überein, mit so einem großen Unterschied zwischen uns zu sein, dass uns diese Berührung schwer fallen würde. Wir kamen überein, in so vielem gemeinsam zu sein, dass wir den Unterschied nicht als Ausrede nutzen konnten, nichts voneinander wissen zu wollen.

Wir kamen überein, in der gleichen Sache verschiedenen Menschen von Nutzen zu sein, wir kamen überein, bedingungslos zu dienen. Wir kamen überein, voneinander trotz Skepsis, trotz Berührungsängsten überzeugt zu sein. Wir kamen überein, miteinander wieder im Frieden zu sein. Wir kamen überein, uns eines Tages die Masken vom Gesicht zu reißen und den Bruder, die Schwester zu sehen, die wir uns immer schon waren und weiterhin sind.

Wir sind zwei Menschenkinder auf ihrem Weg, auf ihren Wegen. Wir sind zwei Menschenkinder, die sich kennen, voneinander wissen, die sich zuwinken, die voneinander lernen, die sich übereinander ärgern, die sich gegenseitig trösten und Signale der Zuversicht schenken. Wir sprechen eine offizielle und eine geheime Sprache und dazwischen gibt es Platz für sehr viele Wunder, die unseren Verstand überschreiten.

Wir kamen überein, noch einmal in der Idealisierung zu sein – und in der Entwertung. Wir kamen überein, nach all der Verwirrung mit diesen Spielen in Klarheit zu sein. Wir kamen überein, nicht mehr aufsässig gegen unsere wahre Natur zu sein.

Wir kamen überein, nie mehr anders als wir selbst zu sein. Wir kamen überein, nie mehr anders als unser wahres Selbst zu sein. Wir kamen überein, miteinander in Wahrheit und in Frieden zu sein. Nichts kann uns abhalten, diesen Frieden aufzugeben, denn da wir ihn fanden, kennen wir seinen Wert und geben ihn nicht mehr her. Er ist unverkäuflich, wir sind unbestechlich. Wir lassen uns nicht mehr ein auf die Spiele der Heuchelei und die Verkleidungen der Angst. Wir lassen uns nicht mehr mehr darauf ein.

Wir kamen überein, parallel in dieser Erfahrung zu sein. Wir kamen überein, dabei weiterhin in einem großen Unterschied miteinander zu sein. Wir kamen überein, uns gegenseitig diese Wachstumsaufgabe zu schenken und so lange vor Augen zu halten, bis sie erlöst ist. Niemand könnte dass besser als du, niemand besser als ich. Denn wir kennen uns schon sehr lange, haben schon tausende von Spielen miteinander gespielt. Tausende Male verkannt, tausende Male Schmerzen zugefügt. Und warum? Aus dieser einen tiefen Liebe heraus, uns die Erfahrungen zu ermöglichen, weswegen wir hier sind. Hier zu sein und diese Erfahrung einerseits zu teilen und gleichzeitig nicht teilen zu können. Wir blicken aufeinander, während wir das jeweilig unsere tun.

Es ist wie eine fortwährende Prüfung, eine fortwährende Aufgabe mit diesem Unterschied und mit dieser Einigkeit zu sein. Es ist eine fortwährende Aufgabe, es nicht in einer überschwenglichen Umarmung auflösen zu können, Friede, Freude, Eierkuchen zu backen, sondern aus einer zunehmend wohlwollenden Distanz heraus auf das Tun der anderen zu blicken und dabei uneingeschränkt das eigene zu tun. Es ist Verführung und Bestärkung zugleich. Es ist Geschenk und Prüfung zugleich. Es ist das, was wir Karma oder Schicksal oder Fügung nennen. Es ist das, was wir vereinbarten vor Anbeginn der Zeit.

Und wir hielten uns an unsere Versprechen. Und wir taten das so gut, dass wir  f a s t  vergaßen, dass es nur Versprechen waren. Es sind Vereinbarungen und Verträge, an die wir uns halten, um zu werden, was wir sind. Es sind die besten Absichten, die uns bis hierhin getragen haben und weiterhin tragen werden. Wir schauen aufeinander in Liebe. Und obwohl wir uns in Liebe erlösen, fallen wir einander nicht in die leiblichen Arme, denn dies gehört (noch) nicht zum Plan.

Aus dieser liebevollen Distanz heraus… eine Spannung zu halten, an der wir beide wachsen… hin… dorthin zum Anbeginn der Zeit.

Amen.

Simone
01/09/10

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“Mein letzter Wunsch ist nicht wichtig”


Vor kurzem berichtete eine Kundin von ihrem schlechten Gewissen, weil sie einen letzten Willen ihrer verstorbenen Großmutter nicht hatte umsetzen können. Außerdem fühlte sie sich sowieso grundsätzlich von der mütterlichen Herkunftslinie karmisch belastet und überlegte, wo sie Hilfe für eine Karmaauflösung finden könnte. Ich erwiderte, dass dies sehr leicht im Rahmen eines unserer Herzensgespräche möglich sei. Zwar gibt es gut funktionierende Karmareinigungs-Rituale, zu denen ich früher anregte. Jedoch bevorzuge ich mit gewachsener Erfahrung den nicht-rituellen Weg. Er ist mühelos, anmutig und treffsicher. Ohne zeitaufwändigen Ballast ermöglicht er schnörkellos und individuell passgenau die notwendige Transformation.

So geschah es auch in der Sitzung mit besagter Kundin. Wir erklärten  unsere Bereitschaft und sanken gemeinsam in den Prozess ihrer Karmaauflösung. Kurz gesagt kam es zu einer sehr berührenden Begegnung mit den Seelen ihrer verstorbenen Großeltern, einer tiefgreifenden Auflösung von unerbittlicher Härte mit anschließendem Segen und einem angedeuteten Einheitserleben, das sich bei ihr primär als überwältigende Dankbarkeit manifestierte.

Eines der Geschenke dieser Sitzung, von dem ich hier erzählen möchte, war die Reaktion der Seele der Großmutter auf das Hadern der Enkelin, sie habe ihren letzten Wunsch nicht geachtet. Immer wieder unterbrach die Seele liebevoll das Hadern und wiederholte: “Mein letzter Wunsch ist nicht wichtig, denn jetzt bin ich hier bei dir.” Die Seele stellte klar, dass sie nicht mit der einstigen Rolle der gestrengen und harten Großmutter identifiziert ist, aber vollständig zu dieser einstigen Erfahrung und Seelenaufgabe stand. Sie ermaß achtend und mitfühlend die Folgen für die Enkelin und half ihr innerhalb kürzester Zeit aus dem karmischen Clinch heraus.

Ähnliche Erfahrungen verdichtete ich vor längerer Zeit in dem Text Versprechen auf dem Sterbebett. Beim Loslassen verstorbener Angehöriger und Freunde sind vielernorts immer noch Schuldgefühle, Ängste und abergläubische Vorstellungen verbunden. Wie prägnant ist da die Aussage “Mein letzter Wunsch ist nicht wichtig”!

Keinesfalls möchte ich damit den Freibrief zur Missachtung der letzten Wünsche von Sterbenden erteilen. Wir leisten nicht nur dem Sterbenden, sondern uns selbst einen Dienst, wenn wir ihn liebevoll und achtsam bejahend begleiten. Doch dienen wir weder ihm noch uns, wenn wir uns wider besseren Wissens zu Versprechen hinreißen oder gar nötigen lassen, die nicht mit unseren Werten oder Möglichkeiten konform gehen. Und selbst wenn wir einst – weniger reif als heute -  etwas versprachen, das wir mit gewachsener Einsicht nicht zu halten imstande waren, dürfen wir loslassen in der Gewissheit: “Mein letzter Wunsch ist nicht wichtig, denn jetzt bin ich hier bei dir.”

Text: Simone Meller | Foto: Christoph Aron, Pixelio

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