Tag Archive | "Ursprung"

Simone staunt und staunt


Kein mystisches Abenteuer ist ungeheuerlicher als ein Nagel in einer Wand. Keine Erscheinung der geistigen Welt ist unglaublicher als ein Flugzeug in der Luft. Kein Erwachungserlebnis ist schillernder als ein gelungenes Experiment im Labor.

Ich sehe nichts als verschiedene Realitäten ein und desselben Ursprungs.

Weder bete ich die Materie an, noch sehe ich mich determiniert durch eine geistige Welt. Ich staune einfach über eine Welt, deren geistige und materielle Phänomene gemeinsamen Ursprungs sind.

Mehr und mehr falle ich in das Staunen eines unverletzten Kindes.

Und ich staune, wie selbstverständlich dies nach einer schweren Biografie und deren Erlösung (» mehr) möglich ist.

Ich staune, wie ich mir meine Realitäten wählen darf. Und du dir deine. Wie wir uns treffen und verfehlen.

Ist unsere Erde nicht ein unglaublicher Spielplatz? So viel Raum für alle möglichen Spiele! Und das Tolle daran ist, dass sich immer nur die begegnen, die an einem gemeinsamen Spiel teilhaben. Die anderen kommen sich nicht in die Quere oder wissen vielleicht nicht einmal von einander. Zugleich ist alles nur vielfacher Ausdruck eines gemeinsamen Ursprungs. So ein großer Abenteuerspielplatz für alle, wie wundervoll ist das denn!?

Ich komme aus dem Staunen nicht heraus. Wie erstaunlich…

Im ewigen Gewahrsein beobachte ich: Simone staunt und staunt…

Simone Meller
Foto: Martina Taylor/Pixelio.de

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Als ich ohne Kraft einen Berg bestieg


Vor einem Jahr um diese Zeit bestieg ich ohne Kraft den Berg “El Fuerte” (“Der Starke”). Ich war geschwächt durch einen zwei Tage zurück liegenden Durchfall, den ich nicht als Infekt, sondern als intensiven Reinigungsprozess erlebt hatte. Da ich am Vortag schon wieder einen ausgedehnten Spaziergang mit kleiner Steigung hatte unternehmen können, war ich guter Dinge. Auf der Mauer an unserem Parkplatz sah ich zu meiner Überraschung eine Schnecke, auf die ich die anderen aufmerksam zu machen versuchte. Doch es schien nicht deren Thema zu sein.

Froh, an diesem wunderbaren Sonnentag dabei sein zu können, schritt ich in unserer Wandergruppe kräftig aus. Nach wenigen Höhenmetern war ich kurzatmig, kurze Zeit später wich mir die Kraft aus den Beinen, und mein Herz raste. Ich weinte vor Schwäche und Enttäuschung. Wandern ist für mich mehr ein sinnliches, weniger ein sportliches Erlebnis. Aber an diesem Tag wurde mir bewusst, dass auch sinnliches Wandern auf einem Minimum an Kondition basiert. Vor Schwäche klackerten meine Ohren, an Lauschen und Riechen war nicht zu denken. An steilen Hängen konnte ich mangels Trittfestigkeit die Aussicht nicht genießen, und der Gipfel schien mir in unerreichbarer Ferne.

Ich dachte daran, vom Ziel der Wanderung abzulassen und mit meinem Proviant einen gemütlichen Tag im Halbschatten zu verbringen, bis die anderen nachmittags zurückkommen würden. Ich musste den Gipfel nicht erreichen, zumal er mir nur der Anlass, nicht der Grund meines Wanderns war. Auch hatte ich schon mal wegen ungünstiger Witterung eine faszinierende Wanderung abgebrochen, obwohl ich am nächsten Tag abreisen musste. Obwohl ich also zum Abbrechen in der Lage war, wollte ich diesen Berg besteigen. Sofern die Gruppe mich als schwächstes Glied mitnehmen würde. Sie wollte. Wieder weinte ich, diesmal vor Rührung über die erfahrene Annahme.

Unsere Verabredung war, dass immer ein Teil der Gruppe im Normal-Tempo zu den Rastplätzen wanderte und dort wartete. Ich folgte in meinem Tempo, das stets von zwei Personen, die hinter mir blieben, unterschritten wurde. Psychologisch war das ungemein stärkend, zugleich war ich aber auch froh, dass die Personen hinter mir im Laufe des Aufstiegs wechselten. Denn ich blieb alle paar Meter in sengender Sonne stehen (auch wenn mich hinter mir jemand sanft auf den nicht unweit entfernten Schatten aufmerksam machte) und kroch wie eine Schnecke diesen Berg hinauf. Beides ähnelt bei normaler Kondition einer Folter, doch akut war es für mich die einzige Gangart. Unerträglich war mir, wenn mich jemand mit den Worten aufzumuntern versuchte, dass der Gipfel jetzt schon sooo nah wäre, während ich meine Kräfte einfach nur für den nächsten Schritt zu bündeln versuchte.

Ich wusste, dass die lieb gemeinten Worte Trost spenden sollten. Doch war mit mentaler Unterstützung mein Defizit an körperlicher Kraft nicht zu kompensieren. Ich blieb immer stehen, wenn ich nicht mehr konnte. Egal ob es ein schattiger oder sonniger Platz war. Wie sollte ich das Gipfelkreuz erreichen, wenn ich nicht einmal wusste, wie ich zur nächsten Gesteinsformation kommen sollte? Ich hatte kein Motivations-, sondern ein Kraftproblem.

Als ich auf dem Gipfel angekommen war, legte ich mich dankbar auf die Wiese und genoss mein Leben. Ich dankte der Gruppe und erzählte, wie man ohne Kraft einen Berg besteigt: In völliger Demut Schritt für Schritt. Ohne entsprechenden Willen wäre ich im Tal geblieben. Doch mit blanker Härte wäre ich unterwegs zusammen gebrochen. Indem ich den Gipfel wählte und mich zugleich bedingungslos meiner Schwäche ergab, bestieg ich den Berg.

Die Erfahrung am El Fuerte rundete einen mehrjährigen Wachstumsprozess ab. Ich konnte bereits  vor mir und gegenüber anderen zu meinem wahren Selbst stehen. Darum war es hier im andalusischen Bergland nicht gegangen. Ich begriff, dass ich entgegen aller Vernunft nicht im Tal geblieben war, weil ich meiner Intuition vertraut hatte. Der Gipfel war nur Mittel zum Zweck gewesen. Das wahre Geschenk dieser Wanderung war, dass ich der Gruppe meine Schwäche hatte zumuten, sie hatte ausbremsen dürfen. Ich machte die Erfahrung, als schwächstes Glied einer Gruppe gehalten zu werden und das Ziel zu erreichen.

Ich fühlte mich fundamental transformiert und von Mitgefühl mit den Schwächsten der Welt durchflutet. Ich begriff, dass etwas sehr Wichtiges geschehen war, und versuchte, anderen davon zu erzählen. Ähnlich wie bei der Schnecke am Parkplatz fand ich nicht die entsprechende Resonanz. Mir ging es nicht um die Geschichte einer heldenhaften Bergbesteigung, sondern um die  siegende Stärke der Schnecke, die ich hatte erfahren dürfen. Darüber schreiben wollte ich schon lange, gelungen ist es erst heute. Schritt für Schritt enthüllt El Fuerte seine Geschenke.

Heute sehe ich, dass ich am El Fuerte das Bodhisattva-Prinzip empfangen hatte. Wieder heimgekehrt beeinflusste diese Erfahrung fortan meine alltägliche Pionierarbeit, ohne dass ich das Prinzip so benannte. Es war mir zwar Jahre zuvor auf einem Kongress begegnet, aber für das Gedankengut der (Welt-)Religionen war ich ca. 20 Jahre lang wenig empfänglich, da ich mich schon früh als freien Geist erlebte (s. Auf der Suche nach eigenwilligen Verbindungen), der sich gegen jede einschränkende Form wehrte.

Dieses Jahr wurde mir zunehmend bewusst, wie sich in mir “Grundenergien” verschiedener Religionen vereinigen (s. Kommentar und Transformation von Religion). Eine  Synchronizität dazu ist, dass ich vor einigen Monaten in der Nachbarschaft eine Malerin kennenlernte, die genau das in ihren Bildern darstellt. Ich sehe, wie jede Grundenergie eine reine Einladung zur Heimfindung  ist. Ich verstehe meine Ablehnung der real existierenden Religionen neu, wenn ich sehe, wie dort die Grundenergie verformt wird. Es sind Varianten des Menschenspiels. Die Besinnung auf die Ursprünge der jeweiligen Religionen scheint mir zum Wesen der Neuen Energie zu gehören. Immer mehr habe ich den Eindruck, dass sich all diese Ursprünge wie runde Glasscheiben übereinander legen lassen und durch das dabei entstehende Muster einer Blüte eine Sicht auf die Quelle freigeben. Dieses Spiel gefällt mir.

Simone Meller

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Selbstverwirklichung als triadisches Konzept in der Gesundheitspsychologie. Eine integrative und ganzheitliche Perspektive auf Persönlichkeit und Salutogenese.


Vorbemerkung: Ich veröffentliche hier die bislang kürzeste Zusammenfassung meiner Dissertation, wie sie 2008 für das Handout eines wissenschaftlichen Kurzvortrags an der Universität Hamburg entstanden ist. Die zugehörige Buchveröffentlichung kann portofrei als Hardcover (451 Seiten) oder als E-Book direkt beim Verlag bestellt werden. Inhaltsverzeichnis, Abstract, Einführungskapitel und einige weitere Leseproben finden sich hier.

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Theoriebildung anhand von 5 Thesen

  1. Der Mensch gilt dann als gesund, wenn er funktioniert. Diese mechanistische Sichtweise in Verbindung mit dem traditionellen Leib-Seele-Dualismus hat die Gesund­heits­psychologie bislang wirksam behindert: Die Idee eines engen Zu­sam­men­hangs zwischen Persön­lichkeit und Gesundheit lässt sich empirisch nicht nach­weisen.

  2. Die Quantentheorie beschreibt präzise Konzepte von materiel­ler Ganzheit (Einheit, Ungeteiltheit, Komplementariät) jenseits von Beliebigkeit und Phra­senhaftigkeit und führt auf er­kennt­nistheoretischem Wege die cartesianische Trennung von Geist und Materie ad ab­sur­dum. Geist und Materie sind gemeinsamen Ursprungs, so dass in unserem Alltag die Prin­­zipien Kausalität und Nichtlokalität (EPR-Korrelation, Synchronizität) wirk­­sam sind.

  3. Gesundheit und Krankheit stellen komplementäre Seins-Formen von persönlicher Ganzheit dar. Gesundheit meint im Idealzustand ein vollständiges geistig-körperliches Wohlbefinden, zunehmende Krankheitsanteile gehen mit wachsendem Unwohlsein einher. Menschen sind zu jedem Zeitpunkt mehr oder weniger gesund bzw. krank.

  4. Selbstverwirklichung als triadisches Konzept bedeutet Selbstbestimmung unter perma­nenter Bezugnahme auf Prozesse der Selbstwerdung (sein wahres Selbst zulassen) und Selbstrealisie­rung (sein wahres Selbst im alltäglichen Handeln berücksichtigen). Komple­men­tär dazu be­steht Selbstentfremdung in selbstbestimmten Akten der Selbst­ver­ken­nung und Selbstverleug­nung.

  5. Selbstverwirklichung geht mit Salutogenese einher, Selbstentfremdung mit Pathogenese: Kausal bedingte Akte von Selbstver­wirk­li­chung sind durch EPR-Korrela­tionen instantan mit Mikro-Zeichen von Gesundheit ver­bun­den und Akte von Selbstent­fremdung mit Mikro-Zeichen von Krankheit. Die Akku­mu­lierung solcher Mikro-Zeichen erklärt Prozesse von Heilung und Erkrankung.

Simone Meller

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“Ich sehe dein Licht”


Der früh verletzte Mensch (s. Von der Flucht in die Stille) kann sein Leid nicht erzählen. So bleibt ihm nur, seine Bezugspersonen sein Leid erfahren zu lassen. Je mitfühlender und liebevoller man auf einen früh verletzten Menschen ZUGEHT desto aggressiver und verletzender wird er. Er agiert aus, was ihm widerfuhr. Dies geschieht unbewusst. Wäre es ihm bewusst, könnte er darüber sprechen und den Weg des Erzählens gehen. Was nicht bewusst ist, kann nur agiert werden.

Partner, Freundinnen und Therapeuten geben hier meist ihr Bestes, doch oft reicht das nicht. Häufig bedarf es zahlreicher zerschlagener Beziehungen und mehrerer Therapieversuche, um Bewusstwerdung und damit Heilung zu erreichen. Ich möchte zwei Widerstände beschreiben, die gemeistert werden müssen, der eine liegt in der helfenden Person, der andere im früh verletzten Menschen.

Wenn die helfende Person nicht kompromisslos auf Liebe ausgerichtet ist und alle Übertragungen, Projektionen, Verblendungen und Aggressionen in ihr Herz nehmen kann, wird sie zur blind zurückschießenden Mitspielerin in der Wiederaufführung der Traumata. In diesem Inferno verliert sie die eigene Klarheit, die entscheidend für einen heilsam korrigierenden Prozess ist. Das passiert, wenn die helfende Person selbst eine helfende Person bräuchte.

Das Leid des früh verletzten Menschen sprengt jede Beziehung, wenn nicht beide voll und ganz zum Heilungsbündnis entschlossen sind. Keinesfalls bedeutet das, auf die eigenen Grenzen zu verzichten, denn das wäre lieblos sich selbst gegenüber. Es bedeutet, vollständig “Ja” zu mir und “Ja” zum anderen zu sagen und “Nein” zum Leid gegen mich.

Am Anfang war Beziehung. Der Mensch wird am Du zum Ich. – Martin Buber

Der früh verletzte Mensch versucht, mich mit der Kraft der Verzweiflung zu nötigen, mein Fundament der liebevollen Klarheit zu verlassen. Er versucht mich auf subtile und/oder brutale Weise zu provozieren. Damit bin ich bei seinem Widerstand, der sich u.a. darin äußert, dass er Gründe sucht, sich über sein Leiden nicht bewusst werden zu müssen. Wenn es ihm gelänge, mich wie viele andere vor mir auszuschalten, dann müsste er sich nicht mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen. Widersteht die helfende Person den zahlreichen Versuchungen, so bleibt ihm nur noch, sich zu stellen. Vergangenheitsauflösung ist kein Selbstzweck, sondern dient einzig und allein dazu, Schmerzen von gestern, die den gegenwärtigen Eintritt in die Freude verhindern, zu transformieren.

Die Gegenwart ist der Kraftpunkt, der Vergangenheit und Zukunft verbindet. Nur im gegenwärtigen Augenblick ist es möglich, unbewältigte Vergangenheit abzuschließen und neue Weichen für die Zukunft zu stellen. – Gerd Ziegler

Ein früh verletzter Mensch weigert sich, diesen Schritt zu gehen, wenn er Angst hat, in der eigenen Dunkelheit unterzugehen. Er hat Angst, noch einmal fallen gelassen zu werden. Und so ist sein Widerstand zugleich die Prüfung der helfenden Person auf Geborgenheit: “Hältst du mich wirklich? Hältst du mich aus? Wirst du zu all der Hässlichkeit in mir stehen?” Während ich diese dunkle Seite nur als einen Teil von ihm sehe (eine spielerische Schöpfung des Lichts), fühlt er sich mit dieser finsteren Energie unbewusst identifiziert. Er kann diesen großen Schatten erst sehen und annehmen, wenn die Identifizierung in eine Arbeit mit Teilen übergeht. Dafür braucht er mich. Deshalb greift er mich an. In meinem modellhaften Umgang damit erreicht ihn Inspiration zur Erlösung seiner selbst.

Selbsterlösung ist nichts anderes als die mannigfach wiederholte Erfahrung, dass alles in uns selbst seinen Ursprung nimmt und auch dort wieder sein Ende findet. Wir sind alles und nichts. Erkenntnis genügt nicht. Wir wollten es erfahren, deshalb sind wir hier.

Genauso genügt auch dem verletzten Menschen nicht das verbale “Ja” der helfenden Person: “Ja, ich werde dich halten, egal, was geschieht.” – Bevor er sich für den Abgrund in sich öffnet, will er überzeugt sein. Sein Abgrund ist der eisigste Tiefpunkt an Dualität und Polarität, das maximal erfahrbare Leid im Menschenspiel (s. Kosmische Gesetze). Nun will er erfahren, dass er in bedingungsloser Herzenswärme gehalten wird, egal, was geschieht. Also überzeugt er sich, indem er um sich schlägt.

Jeder Schlag ist eine verzweifelte Frage. Und jede Hineinnahme in das helfende Herz ist eine heilende Antwort. Sie lautet: “Ja, du verletzt mich. Und ich sehe dein Licht.”

Simone Meller
Foto: Pixelio, Achim Lueckemeyer

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