Tag Archive | "Spiritualität"

Das Wort des freien Herzens II


1. das wort des freien herzens
achtet jede grenze und ist grenzenlos zugleich
denn es wurzelt im ewigen wandel des wortlosen seins

2. das wort des abhängigen herzens
missachtet grenzen und sucht die anerkennung
denn es ist haltlos im ewigen wandel des verkannten seins

3. das wort des freien herzens
entspricht dem archetyp des göttlichen kindes
und damit der einheit von feminin und maskulin von yin und yang

4. das wort des abhängigen herzens
entspricht dem archetyp des verletzten kindes
und damit seiner verlassenheit durch mann und frau

5. das wort des freien herzens
entsteht aus der transformation des verletzten kindes
aus der heilung von mann und frau hin zum göttlichen kind

6. das wort des freien herzens
entspringt der selbstklärung eines erwachsenen menschen
der seine verantwortung nicht delegiert und keine fremde verantwortung übernimmt

7. das wort des freien herzens
lässt sich geduldig auf alle realitäten ein
denn weder verliert es seine energie im anderen noch folgt es fremder energie

8. das wort des freien herzens
entspringt der vereinigung von agape und eros
diese herzenslust entspricht dem archetyp der erotikblüte

9. das wort des freien herzens
grenzenlos und verwurzelt zugleich
entspricht den chakren von den sohlen bis zum scheitel vereinigt in einem punkt

10. das wort des freien herzens
ist wechselnder ausdruck lebendiger dualität
ohne polarität zu verstärken und ohne zur einheit zu zwingen

11. das wort des freien herzens
entspringt zwischen ich und du sowie zwischen leib und seele
es ist die zeitliche bewegung des sich ausdehnenden geistes im multidimensionalen raum

12. das wort des freien herzens ist leicht
das wort des abhängigen herzens ist schwer
traurig stimmende begegnung ruft neu zu klären das eigene herz

simone meller

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Das Werk am Schwarzen, am Roten und am Weißen


In der esoterischen Überlieferung ist von drei Feuern die Rede: dem Ur- oder Schlangenfeuer, welches in seiner außerordentlichen Kraft an der Basis der Wirbelsäule zusammengerollt liegt, diese hinaufklettert und, beim Herzen angelangt, über die Arme mit den beiden anderen Feuern in Verbindung tritt – mit der Energie der Sonne, Ida, und mit der brennenden Materie, Pingala. Die brennende Materie ist das Zeichen Gottes auf Erden. Alles wird aus ihr geboren.

Durch das ansteigende Feuer wird das Werk am Schwarzen, das Werk am Roten und das Werk am Weißen bestimmt. Das Werk am Schwarzen bezieht sich auf die ersten beiden Chakras, d.h. auf die Lebenskraft, die Sexualität und die Gefühlswelt und auf alles, was die Dualität eskalieren lässt und Konflikte vermehrt. (…)

Wenn man alle Farben mischt, entsteht daraus das Schwarz. Das weiße Licht hingegen enthält alle Farben, d.h. es ist zugleich Einheit und Transparenz. So beginnt jeder spirituelle Weg mit dem Werk am Schwarzen, mit der Reinigung der Persönlichkeit, welche die egoistischen Kräfte transformiert, damit das Werk am Roten beginnen kann. In jener Zeit verwandelt sich menschliche Liebe in spirituelle Liebe.

Die menschliche Liebe ist von Emotionen in all ihren Höhen und Tiefen bestimmt. Gerade sind wir noch mit der geliebten Person zusammen, und sie versichert uns ihre Zuneigung, da kehrt ein Blick, ein falsches Wort oder eine Geste die Situation um und stellt das Gefühl der Einheit in Frage. (…)

Im Gegensatz dazu wird die spirituelle Liebe auf der Ebene des Herzens erfahren. Sie zeichnet sich nicht nur durch ihre zeitliche Unbegrenztheit aus, sondern auch dadurch, dass sie jeder Probe mit Gleichmut standhält.

Die Umwandlung durch die steigenden Feuer findet ihre Vollendung in der Reinheit des Werkes am Weißen.

Dieses Werk betrifft die drei letzten Chakras: das Halschakra, das Stirnchakra, das auch als drittes Auge bekannt ist, und das Scheitel- oder Kronenchakra.

Nun hat der Mensch Einheit und Transparenz erlangt. Er kann als reiner Kanal dienen, welcher das göttliche Licht in die Welt strahlt (nicht zuletzt ist “mondän” fast ein Anagramm von “Dämon”), während er die Gefühle, die in ihm wohnen, bewältigt und beherrscht.

aus: Caffin, Michèle (2005). Was Zähne zeigen. Hamburg: Aurum. (S. 91-93, Fettdruck durch mich)

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“Das ist doch völliger Quatsch” oder: Wege zum Frieden


Wenn mir einst jemand sagte “Das ist doch völliger Quatsch”, fühlte ich mich entwertet, bis mir dämmerte, dass dies nichts anderes als eine persönliche Meinungsäußerung ist. In dem Moment, da ich eine solche Unterscheidung (für dich Quatsch, für mich nicht) stehen lasse – vielleicht sogar noch interessiert nachfrage (“Aha, wieso denn?”) – bleibt mein Selbstwertgefühl unberührt.

Persönliche Meinungen (Anwendung von Urteilsvermögen auf das eigene Leben) tasten keinen anderen Menschen  in seiner Würde an, es sei denn sie resultieren in bedrohlichen Handlungen für Leben und Freiheit (z.B. Nötigung, Diskriminierung, Verfolgung, Todesstrafe etc.). Ich rede hier also von einer emotionalen Destabilisierung des Selbstwertgefühls, und diese passiert meiner Beobachtung erst dann, wenn eine Unterscheidung reflexartig schmerzliche Gefühle auslöst und infolge als potenzielle Abwertung der eigenen Person interpretiert wird. Es kommt zu einer inneren Wirklichkeitskonstruktion, die Bestandteil unserer Schöpferkraft ist. In psychologischer Sprache bezeichnet man das als Projektion oder Übertragung.

  • In der Projektion sehe ich im Gegenüber meine eigene Tendenz zur Selbstabwertung und bekämpfe sie dort. Wenn ich also heimlich selbst daran zweifle, ob ich Quatsch fabriziere, dann resoniere ich entsprechend angegriffen auf jemanden, der das sagt – genau so wie auch auf jemanden, der das gar nicht im Sinn hatte, mir aber für meine Projektion geeignet scheint.
  • Bei der Übertragung lebe ich noch in der biografischen Trance, dass das (vermeintliche) Quatsch-Urteil eines anderen (z.B. Eltern, Lehrer, Regime) automatisch auch eine tätliche Unterdrückung meines Seins (bis hin zu Totalitarismus) bedeute. Dann kann ich angesichts meines unerwünschten Seins unangenehme Gefühle wie Scham und (Todes-)Angst erleben.

Projektionen und Übertragungen sind also Chancen, mir alte Gefühlsmuster bewusst zu machen. Dort, wo diese emotionalen Vorgänge in ihrer Tiefe und Tragweite (noch) nicht bewusst wahrgenommen und reflektiert werden können, entsteht Streit. Was mir nicht bewusst ist, muss ich agieren. Rationale Erkenntnis hilft, aber erst das Erleben der Schmerzen und ihre Annahme in Selbstliebe bringt die Erlösung. In beiden Fällen, der Projektion wie der Übertragung (die im übrigen dem spirituell konnotierten Spiegelprinzip entspricht), wird die Verantwortung für diese bislang unbewussten, schmerzlichen Selbstaspekte in dem gesucht, der sie durch seine vorgenommene Unterscheidung auslöst (nicht verursacht!). Es bedarf dafür nicht mal einer deutlich dargelegten Meinung. Mittels Projektion und Übertragung kann bereits die Unterhaltung über ein zu weiches Frühstücksei im Streit enden. (Genauso gibt es aber auch positive Übertragungen und Projektionen, dann kommt es zu Verherrlichung und Idealisierung wie zum Beispiel in der Verliebtheit.)

Das Ende vom Streit beginnt in der Heilung des Schmerzes. Jeder heilt sich selbst, indem er sich immer mehr lieben lernt.  So ist für alle gesorgt. Je mehr ich mir meiner selbst und der Berechtigung meines Daseins gewiss bin, desto weniger muss ich die, die mir weh taten (also alten Schmerz auslösten) bekämpfen oder umerziehen (dies stellt einen Versuch dar, ihr jeweiliges Sein zu kontrollieren, also zu unterdrücken!). Dann kann ich sie lassen, wie sie sind. Indem ich mir Liebe schenke, anstatt sie (autoritär bis totalitär) von anderen zu fordern, übernehme ich Verantwortung für mich sich selbst. Auf diese Weise werden wir alle freier. Indem ich bei mir bleibe und mich meiner Gefühle annehme, geschieht ein absichtsloser Beitrag zum Frieden.

In solcher Zurücknahme von persönlichen Projektionen und Übertragungen lässt sich das Prinzip der Schöpferkraft beschreiben: In der äußeren Welt manifestiert sich das Geschehen meiner inneren Welt. Ob ich das nun psychologisch oder spirituell ausdrücke, ist gehupft wie gesprungen. Mir geht es hier um das Aufzeigen der inhaltlichen Entsprechung. Der Weg zum Weltfrieden führt nicht an der eigenen Persönlichkeit vorbei, sondern manifestiert sich schrittweise durch Arbeit an sich selbst. Insofern ist es für mich kein Quatsch, sondern anteilig erfahrene Realität: Der Frieden auf Erden beginnt als Friede in uns selbst.

Simone Meller

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Der Schüler und der Meister


Ein Schüler kann viel von seinem Meister lernen, indem er das, was ihn an der ausgewählten Person fasziniert, in sich selbst entdeckt und entwickelt. Er lernt auch anhand von Reibung und Unterscheidung, indem er erkennt, was ihm entspricht und was eben nicht (mehr). Ein Schüler, der versucht, wie sein Meister zu werden, wird sich ewig bemühen. Er wird sich ewig bemühen, anders zu sein, als es seiner eigenen Wahrheit entspricht. Dieses Bemühen ist nicht vergeblich, sondern wichtig, weil es die Erfahrung dessen ermöglicht, was keine Erlösung bringt. In dem Moment, da der Schüler kein Schüler und der Meister kein Meister mehr ist, leuchtet etwas auf, was das Leben unwiderruflich erhellt: Der Mensch wird frei, so zu leben, wie es ihm entspricht. Er erlaubt sich jeden Tag neu zu wählen, was ihm entspricht. Dann wird ALLES ihm Begegnende zum Meister, ohne dass es noch so genannt werden müsste.

Simone Meller

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