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Wofür Transzendenz hilfreich ist


Die Erfahrung der Transzendenz ist nicht wichtig, weil sie besser oder richtiger wäre als die materielle Welt. Sondern sie ist hilfreich, weil sie beim Auflösen alter Gewissheiten hilft, während in uns  eine neue Gewissheit reift. Die geistige Welt ist nicht wahrer als die materielle Welt, nur anders. Dieses “Anders” hilft die materielle Welt anders zu sehen. Auf diese Weise ent-wickelt sich Gewahrsein, das nicht entwickelbar ist. Materie und Geist sind eine Polarität unseres Lebens, keiner dieser Pole ist wahrer als der andere. Wir schrauben uns spiralförmig durch diese Polarität, ein Abenteuer nach dem anderen entdeckend, während wir immer weniger anhaften, obwohl wir uns  gleichzeitig immer mehr hingeben.

Simone Meller

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Es kommt darauf an, was gerade angemessen ist


Wie oft lese und höre ich Menschen sagen: “Mein Verstand will dies…”, “Mein Herz will das…”, “Mein Ego sagt…”, “Mein inneres Kind…”, “Mein höheres Selbst meint…”, “Der Geizhals in mir…”, “Meine Seele möchte…” etc. Solche Arbeit mit inneren Teilen (“Teilearbeit” nennen wir das in der Psychologie) ist manchmal nützlich, wenn es um die Auflösung innerer Konflikte geht.

Anfänger staunen über die Entdeckung ihrer inneren Pluralität, Fortgeschrittene tüten sorgfältig alles wieder ein und dazwischen ist viel Raum für Entwicklung. Denn so sehr wir uns auch hilfsweise unter-teilen können, so bleiben wir doch die Person, die wir nun mal sind. Ich bejahe vorübergehende Teilearbeit und warne vor dauerhafter Abspaltung, so salbungsvoll freundlich getarnt sie auch daher kommen mag. Dies sei den akut an sich selbst arbeitenden Menschen genau so gesagt wie den von Teilearbeit begeisterten Lebensberatern. So wie nach dem Wort des Paracelsus die Menge das Gift macht, kann eine unangemessen verwendete Methode schädlich wirken.

Das Ziel von Teilearbeit ist die Integration

Teilearbeit sollte immer in Integration münden und nicht im Ausgrenzen des Geizhals, des Verstands und anderer ungeliebter, als Sündenbock fungierender Anteile (die häufig unter “Ego” subsummiert werden). Immer bedarf es eines liebenden Ichs, das alle seine Teile heimholt. Dieses Ich weiß: Ich bin nicht nur dieser und jener Teil. Aber auch dieses und jenes bin ich. Damit hat es den Übergang von einer einschränkenden Identifizierung in eine gesunde und frei schwingende Identität vollzogen. Nur dazu dient ja die Methode der Teilarbeit: Aus der Identifikation mit einem Teil heraustreten, sein freies Ich spüren und damit den ursprünglich behindernden Teil versöhnt integrieren können. Ein solcher Mensch übernimmt Verantwortung für sich selbst und weiß, dass es immer seine eigene Energie ist, die diese und jene Anteile speist.

Erst aus einer solchen gefestigten Persönlichkeit heraus kann das Einheitserleben mit anderen Menschen angestrebt werden, ohne unterwegs kindliche Symbiose, kalten Dogmatismus oder eine spirituelle Krise zu riskieren. Die Einheit muss dann nämlich überhaupt nicht “angestrebt” werden, sondern entsteht auf ganz natürliche Weise von allein. Auch deshalb mag ich so sehr das Zitat des Khalil Gibran von der Seele, die auf allen Pfaden wandelt und wie eine Lotusblume mit zahllosen Blättern wächst.

Es gibt keine Trennung von Ego und Seele

Wir sind herausgefordert zur Flexibilität und Achtsamkeit, zum permanenten Fühlkontakt mit der Frage “Was ist jetzt angemessen?”. So unterstütze ich beispielsweise jene, die einen Unterschied zwischen Ego und Seele zu entdecken beginnen. Und ich konfrontiere solche, die die Einheit von allem preisen, ohne sie in sich zu beschließen. Diesen, die vom bedingungslosen Annehmen reden, während sie im gleichen Atemzug subtil ausschließen, sage ich gern augenzwinkernd: “Zeige mir, wie du Ego und Seele trennst – und ich zeige dir, was du nicht bist.”

Damit rede ich nicht dem grundsätzlichen Abschied von der Teilearbeit das Wort, sondern möchte dafür sensibilisieren, offen für die eigene Entwicklung zu bleiben. Das meint permanentes Loslassen von Konzepten, so sehr sie einem früher auch geholfen haben. Zugleich bedeutet es nicht, grundsätzlich alle Konzepte über Bord zu werfen. Mein hiesiges Plädoyer ist ein energisches “Es kommt darauf an”. Es kommt darauf an, was gerade angemessen ist. Ich möchte dafür werben, die Essenz führen und die Form dienen zu lassen. Mit anderen Worten: Praktiziere deine Teilearbeit, so lange es dir bei deiner Ganzwerdung dient. Höre auf damit, sobald sie dich in deiner Ganzwerdung behindert. Sei achtsam dafür, dass es heute so und morgen anders und übermorgen wieder so, nur anders sein kann.

Einverleibung erfolgt jenseits von Diät und Völlerei

Wir entwickeln uns nicht linear, sondern spiralförmig aufwärts. Wir durchlaufen Wachstumskreise, innerhalb derer wir uns schrittweise auf höhere Bewusstseinsebenen schwingen. Da gibt es Tage, an denen ich mit mir selbst Teilearbeit praktiziere, und Tage, an denen ich nicht einmal weiß, wie man Teilearbeit buchstabiert. Ich beuge mich demütig meinem Prozess.

Ich begleite Menschen also nicht beim Abspecken ihres Ichs, indem sie sich trickreich zerlegen und dabei heimlich von immer mehr Teilen trennen dürfen. Solche perfektionistisch motivierten Diätversuche sind nichts als eine Gegenbewegung zur in Status und Prestige verhafteten Völlerei.  Zwischen diesen Extremen gibt es einen Weg der Mitte. Jenseits von Diät und Völlerei unterstütze ich Menschen beim Einverleiben von allem, was ihnen begegnet.  Damit diese Einverleibung nicht zu tatsächlichem Übergewicht führt, empfehle ich die Hineinnahme in das Herz als einen allverbundenen, inneren Ort der Liebe (s. Als das Pferd die Katze zu essen begann). Je öfter wir diesen Prozess durchlaufen, desto mehr werden wir zu dem Herz, von dem Khalil Gibran so beschwörend einfach spricht:

… stellt euch ein Herz vor, das all eure Herzen enthält, eine Liebe, die all eure Liebe umfasst, einen Geist, in dem sich der Geist eines jeden von euch wiederfindet, eine Stimme, die all eure Stimmen in sich vereint, und ein Schweigen, das tiefer ist als das eure und zudem zeitlos und ewig.

Wie könntest du auch nur einem einzigen Teil von dir diese bergende Erfahrung vorenthalten? Doch selbst wenn du es versuchtest, wäre er geborgen. Denn kein Teil von dir und keiner deiner Wege liegt außerhalb des Göttlichen oder des persönlich Seelischen. Alles ist eine Manifestation aus ein- und derselben Quelle. Ob du dich zerteilst oder nicht – immer bist du in dem Einen geborgen. Du wählst nur, wie sehr du es fühlst. Darauf wollte ich hinweisen.

Simone Meller

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Die Vergoldung des Schattens


Ahriman vergoldet deinen Schatten stets auf der Hut vor dem Kind, das im Andersen-Märchen sprach: “Der Kaiser ist ja nackt” (s. Des Kaisers neue Kleider). Triffst du dieses entlarvende Kind nicht, so fliegt die Gaukelei bei der nächsten Gelegenheit auf, wenn du auf das Gold zurückgreifen möchtest und ins Leere fällst. Ahriman wird dir in deiner Verwirrung gerne zur Seite stehen und dir die friedhöfliche Ruhe deines Schattens als Stille verkaufen. So sinkst du in einer vergoldeten Spirale immer tiefer in die Dualität, während du aufzusteigen glaubst. Ja, es ist eine Falle, eine tückische Variante im Spiel. Aber es gibt einen Ausgang und der heißt Beziehung. Lässt du dich ein auf andere Menschen und ihre Wahrnehmungen von dir, so durchschaust du im Laufe der Zeit deine ahrimanischen Spiele. Deine? Nicht Ahrimans? Ja, Ahriman spielt in deinem Auftrag. Er spielt in dir. Du spielst in dir. Du spielst mit dir selbst.

Simone Meller

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Wenn es angenehmer wird


Ich liebe das Gefühl, wenn etwas angenehmer wird. Dieses Erleben entspringt dem spiralförmigen Kreisen durch die Polaritäten (erläutert im Absatz “[e] Polarität” dieses Textes). Jeder Schatten fordert mich zu neuen Höhen heraus. Kein Thema ist neu, doch mit jedem Eintritt in das nächste Schwingungsniveau zeigt es sich noch einmal in neuer Gestalt. Alles ist leichter und fließender als einst zu Beginn. Weiter und weiter spiele ich mich heim. Noch weicher… noch heiterer. Wem kann ich im Einheitsbewusstsein danken, außer mir selbst? Oh, ich liebe die Dualität und ihren Geschenkesegen. Danke, danke, dass du und du und du, dass Ihr mit mir spielt. Denn spielend finden wir heim. Oh, wie schön es ist, auf der Erde unterwegs zu sein.

Simone Meller

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