Tag Archive | "Selbsttäuschung"

Das wahre Selbst ist kein Ideal-Zustand


Jenseits von Normen und Idealen bin ich

Mein wahres Selbst ist mein unmittelbares Erleben hier und jetzt. Ich bezeichne mit dem wahren Selbst keinen angenehmen Ideal-Zustand, sondern alles, was jeweils in mir ist. Mein wahres Selbst ist keine Finest Selection meiner Lieblingszustände, sondern ein ununterbrochener Fluss wechselnder Zustände. Manche davon sind so unbeschreiblich herrlich, dass die Versuchung naheliegt, sie als das anzustrebend Wahre zu bezeichnen. Doch so verjüngend und strahlend manche zwischenmenschlichen und transzendenten Zustände auch sind, sie sind meiner Erfahrung nach nicht wahrer oder richtiger als andere Zustände.

Mein wahres Selbst gibt es nur in diesem Augenblick – jenseits von Normen und Idealen. Jetzt bin ich. Jetzt bin ich, die ich bin. Auch in Momenten völliger Finsternis. In der Bejahung eines jeden sich gerade in mir ereignenden Zustands bin ich jeweils in meiner vollen Kraft. Mein wahres Selbst ist mein unmittelbares Erleben hier und jetzt. Seine Bejahung erfordert Liebe, ist annehmende Liebe.

Selbstverrat und (Selbst-)Täuschung

Das wahre Selbst wird dort geopfert, wo es nach Liebe verlangt, aber auf Ablehnung stößt. Diese Erfahrung habe ich als Kind gemacht, z.B. wenn ich wütend war, aber auch wenn ich für meine Familie unangenehm klar war. An die Stelle meines abgelehnten wahren Selbst trat das falsche Selbst, eine (Selbst-)Täuschung, um der Ablehnung zu entgehen und Liebe zu ernten. Nur wurde ich ja nicht für das geliebt, was ich war, sondern für das, was ich vorgab zu sein. In diesem kontinuierlichen Selbstverrat vermehrte sich mein Schatten, wuchsen in mir Probleme heran, bis ich mich ihnen als junge Erwachsene zu stellen begann. Ich hatte genug von meinem Leid. Ich begann mich dort zu lieben, wo ich einst in die Verbannung gegangen war. In diesem Leben und in vielen anderen Inkarnationen.

Vom falschen Selbst (Selbstverrat) spreche ich also nur dann, wenn das unmittelbare Erleben verneint und infolge unstimmig gehandelt wird. Sobald ich meinen Selbstverrat erkenne und liebevoll annehme, lebe ich schon wieder mein wahres Selbst. Doch unabhängig davon, wie (un-)stimmig ich jeweils handele, bin ich dank unaufhörlicher Synchronizitäten immer auf meinem Seelenweg. Aus dieser höheren Sicht bin ich nie verloren und verstoßen, sondern immer ein geliebtes göttliches Kind, das sich mit jedem Schritt in neuen Umständen spiegeln darf (s. Von scheinbarer Tragik und ewiger Sicherheit). Das ist eine unglaubliche Geborgenheit, in der das, was wir gerne als “Fehler” bezeichnen, nichts weiter als Erfahrungen sind. Zugleich sind wir als Erwachsene niemals unserer Verantwortung enthoben, denn wir entscheiden immer aufgrund unseres freien Willens.

Es gibt kein objektiv Richtiges oder Falsches. Das jeweils subjektiv Wahre und Stimmige verändert sich von Moment zu Moment. Gestern kann meine Abgrenzung gegenüber einem Seins-Aspekt noch stimmig gewesen sein, während sie heute Selbstverrat wäre, weil die Öffnung meiner Grenze für diesen Seins-Aspekt ansteht.

Kontinuierliche Einladung zum Wachstum

Das wahre Selbst ist also nicht etwas gegenständlich Festes, sondern etwas, das sich fortlaufend im puren Sinne des Wortes ent-wickelt. Es ist etwas, das immer wieder neu und anders ist.  Es ist ein Weg zu mehr Wohlbefinden. Auf diese Weise geschieht Wachstum. Mein wahres Selbst hebt mich Stufe um Stufe empor, ohne dass deshalb die vorherigen Stufen an sich falsch oder weniger wert würden, sie entsprechen mir nur nicht mehr, sind nicht mehr stimmig.

Ich befinde mich in einem ununterbrochenen Häutungsprozess. Keine meiner alten Häute entspricht mir noch, keine davon ist mein wahres Selbst. Doch eine jede von ihnen war einmal für einen kurzen oder langen Moment mein wahres Selbst. Keine Haut war besser oder schlechter als die andere, aber jede war vollkommen. So wie mein wahres Selbst jetzt.

Text: Simone Meller | Foto: bellmers, Pixelio

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Wie im “echten” Leben: Selbsterfahrung in der Meditation


Die Brille unserer Biografie

Jede Biografie hinterlässt Spuren und Prägungen. Nur weil wir den transzendenten Raum betreten, hören diese Wahrnehmungsfilter und Projektionen nicht auf. Im Gegenteil, sie präsentieren uns Täuschungen und Gaukeleien, die in Resonanz zu unseren unbewussten Wünschen und Ängsten stehen. Dieses Phänomen der unterschiedlichen Ausdeutung von Energien beschert uns die bunte Landschaft an widersprüchlichen Channelings und letztlich auch die Religionskriege (s. Die Vielfalt Gottes).

Wollen wir klar werden, ist es hilfreich, sich immer wieder neu auf die bedingungslose Liebe zu zentrieren. Mit diesem Anker können wir achtsam unsere psönliche Wunsch- und Angstparade beobachten und der Transformation anvertrauen. Aber auch hier können wir uns täuschen: In der Meditationsbegleitung beobachte ich, wie Menschen ihre Absicht erklären, in die Klarheit zu gehen oder etwas ins Herz zu nehmen, ohne dabei in ihrem Wort zu sein. Ich kenne das auch aus meiner eigenen Entwicklung. Es geschieht unbewusst, weshalb es hilfreich ist, von Zeit zu Zeit gemeinsam zu meditieren und sich in den Wahrnehmungen zu ergänzen.

Nicht alles, was glänzt, ist auch Gold

Oft ist das, was wir derzeit noch “Medialität” oder “Channeln” nennen, zwar durchaus geistige Kommunikation (offen gesagt: ich kenne nichts, was nicht geistige Kommunikation wäre), aber mit unseren lichtvoll verkleideten dunklen Anteilen. Nicht alles, was glänzt, ist auch Gold. Wenn ich das in einer Meditationsbegleitung wahrnehme, stelle ich meine Sicht als eine ergänzende Wahrnehmung zur Verfügung. Ich rege an, das vermeintlich Glanzvolle ins Herz zu nehmen und achtsam zu spüren, was geschieht. Manchmal ist dieser Schritt der Transformation eine Kleinigkeit (dann war das Persönlichkeitsthema in der Regel bekannt und schon zu großen Teilen bearbeitet). Manchmal werden Schmerzen frei gesetzt, die überhaupt erst Zugang zu einem lange verdrängten Thema schaffen.

Lässt sich das Thema im transzendeten Raum bearbeiten, bleiben wir dort. Manchmal ist es der Erschütterung angemessener, in ein “normales” Gespräch zu wechseln. Dies ist fallweise auch deshalb sinnvoll, weil die bestehende Wahrnehmungsverzerrung vermehrt zu eingetrübten Bildern und Falschinformationen in der Meditation führt. In  den Herzensgesprächen schwingen wir oft auch fließend hin und her, da gibt es kein Dogma, sondern nur “Freistil” und stete Orientierung an deinem Heilungs- und Entwickungsprozess.

Eine allgemein bekannte Herausforderung in der Meditation besteht darin, wahrgenommene Bilder, Empfindungen und Texte nicht vorschnell mit eigenen Konzepten zu überformen. Das ist leichter gesagt als getan. Denn wie willst du beispielsweise Licht oder einen Engel wahrnehmen, wenn du kein Konzept davon hast? Auch die, die angeblich konzeptfrei durchs Leben gehen, sind nicht frei von Bewertungen. Ein Bekannter von mir, mit dem ich gelegentlich gemeinsam meditiere, kommentiert viele unserer gemeinsamen Bilder mit “Schööön!”. Wenn seine  Schön-Bewertungen versiegen, weiß ich, dass ihm die aktuellen Bilder gerade gegen den Strich gehen. Wiederum nimmt er manchmal Geschehnisse wahr, die mir durch die Maschen gerutscht sind.

Den Bildern ihren Lauf lassen

Wie können wir das Problem der Überformung vermeiden? Indem wir den Bildern, Empfindungen und Texten ihren Lauf lassen, anstatt mit eigenen Vorstellungen dirigierend einzugreifen. Das ist nicht immer einfach. “Channeln” wir beispielsweise eine uns positiv stimmende Nachricht, ist es ein Leichtes, unbemerkt Teile unseres persönlichen Wunschkonzerts (Perfektionismus!) mit einfließen zu lassen. Aber auch die Zweifler auf der ewigen Hut vor der “Verdunklungsgefahr” haben ein Problem: Sie resonieren in ihrer Angst vor einer fehlerhaften Wahrnehmung (Perfektionismus!) ebenfalls stärker mit der Dunkelheit als mit dem Licht. Im transzendenten Raum besteht also das Risiko, dich entweder blenden zu lassen oder zu sehr an dir zu zweifeln. Beides sind Spielarten der Dunkelheit. Erst in der liebevollen Mitte werden die Spielarten des Perfektionismus erlöst, nämlich dort, wo alles sein darf und in seiner Vollkommenheit anerkannt wird.

Auch hier geht es nicht um Lippenbekenntnisse. In Meditationsbegleitungen beobachte ich, wie Szenen zugunsten einer Idealvorstellung von Frieden u.ä. aufgelöst oder unverbundene Fragmente mutwillig zusammengefügt werden. Das ist heikel, weil es unerkannt das Persönlichkeitswachstum hemmt, und eine Chance, wenn die eigenen Projektion erkannt und zurückgenommen werden kann. Ein Beispiel: Im transzendenten Raum begegnen wir nicht nur schönen Bildern, sondern auch solchen, die uns schrecklich vorkommen. Dazu zählen teuflische Archetypen, also fratzenhafte, aber auch herrlich ausschauende Seelenbilder, die für die destruktiven Kräfte in uns stehen. So wie wir uns im Täglichen gerne vom Hässlichen abwenden, geschieht das auch reflexhaft in der Meditation. Der zweite Impuls ist häufig eine vorschnelle Befriedung, da wird der Fratze eine Nuckelflasche aus Liebe gereicht oder eine alles versöhnende Umarmung inszeniert. Die dahinter stehenden Motive sind ehrenwert, doch verschleiert solches “Dazwischenfunken” die tatsächliche Dynamik der Bilder. In der Meditationsbegleitung ermutige ich dazu, sich den Bildern zu stellen und abzuwarten, was geschehen möchte. Dadurch erhellt sich vieles auf überraschende Weise. Es entstehen tiefe, nonverbale Gewissheiten. Wiederum gibt es auch viele Meditationssituationen, in denen wir aufgefordert sind, uns mit unseren Impulsen, Wissen und Absichten aktiv einzubringen.

Es geht nicht um Technik, sondern um Liebe

Wir brauchen also nicht nur Sensibilität für die Selbsttäuschung im transzendenten Raum (der keineswegs objektiver ist als unsere äußere Welt), sondern auch ein Gefühl für prozessorientierte Angemessenheit. Ich rege dort zur Skepsis an, wo die allerschönsten Meditationserfahrungen erzählt und die Schatten im transzendeten Raum ausgeblendet werden. Ich bin zuversichtlich, wenn Menschen den Eindruck haben, in ihrer meditativen Entwicklung zu stagnieren. Zumeist liegt es daran, dass sie an ihrem Schatten nicht vorbei kommen. Ich begleite sie beim Erlösen dieses Schattens in der bedingungslosen Liebe. Dabei entsteht Klarheit.

In der Meditation erfahren wir uns selbst als spirituelles Wesen. Wir werden konfrontiert mit Spiegelungen unseres Seins. Wir lernen, uns einerseits dem Strom der Bilder zu ergeben, ohne der Verblendung zu verfallen; andererseits das Geschehen zu reflektieren, ohne es durch perfektionistische Überformung zu zerstören. Was in Worten kompliziert scheint, ist in korrekter Praxis einfach zu erfahren. Korrekt bezieht sich nicht auf die richtige Anwendung einer  (traditionellen) Technik, sondern auf die permanente Ausrichtung des Prozesses auf die bedingungslose Liebe. Wir werden tausende Male vom Weg abkommen und ihn tausende Male wieder finden im Glauben, ihn jetzt nicht mehr zu verlieren. Denn das ist der Weg.

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Dies ist eine Unterseite meines Informationsangebots über Psychotherapie. Ich biete Heilungs- und Meditationsbegleitung am Telefon (überregional), Kurz-/Langzeit- und Intensivtherapie (in Hamburg) sowie Krisenintervention bis hin zu 24-h-Begleitung in besonderen Notfallsituationen (vor Ort).

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Text: Simone Meller | Foto: Ren, Pixelio

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Wild, schön und frei


Wenn ich dich offen wahrnehme, wie du bist, kannst du mir nicht weh tun. Verletzung entsteht nur durch meine Täuschung über dich. Ich wollte dich anders als du bist und verletze meine Finger an der zerspringenden Form.

Ich brauche dich nicht in einer bestimmten Form, um meine Schwingung voll und ganz leben zu können. Denn indem ich bin, was ich bin, wandelt sich das ganze Feld zu meinem höchsten Wohl (s. Die wilden Tulpen).

In diesem liebevollen Raum für das Neue kann etwas gedeihen, was wir beide noch nicht kennen (s. Begegnung im Niemandsland).

Im freien Geist der Neuen Energie erblühen Beziehungen in wilder Schönheit.

Simone Meller

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Die Vergoldung des Schattens


Ahriman vergoldet deinen Schatten stets auf der Hut vor dem Kind, das im Andersen-Märchen sprach: “Der Kaiser ist ja nackt” (s. Des Kaisers neue Kleider). Triffst du dieses entlarvende Kind nicht, so fliegt die Gaukelei bei der nächsten Gelegenheit auf, wenn du auf das Gold zurückgreifen möchtest und ins Leere fällst. Ahriman wird dir in deiner Verwirrung gerne zur Seite stehen und dir die friedhöfliche Ruhe deines Schattens als Stille verkaufen. So sinkst du in einer vergoldeten Spirale immer tiefer in die Dualität, während du aufzusteigen glaubst. Ja, es ist eine Falle, eine tückische Variante im Spiel. Aber es gibt einen Ausgang und der heißt Beziehung. Lässt du dich ein auf andere Menschen und ihre Wahrnehmungen von dir, so durchschaust du im Laufe der Zeit deine ahrimanischen Spiele. Deine? Nicht Ahrimans? Ja, Ahriman spielt in deinem Auftrag. Er spielt in dir. Du spielst in dir. Du spielst mit dir selbst.

Simone Meller

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