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Posted on 04 September 2010.
Jede Biografie hinterlässt Spuren und Prägungen. Nur weil du den transzendenten Raum betrittst, hören diese deine Wahrnehmungsfilter und Projektionen nicht auf. Im Gegenteil, sie werden dir Täuschungen, Gaukeleien und Missverständnisse präsentieren, die in perfekter Resonanz zu deinen unbewussten Wünschen und Ängsten stehen. Wisse um dieses Phänomen bei dir und bei anderen. Zentriere dich immer wieder auf die bedingungslose Liebe, in deren Mitte du schonungslos deine persönliche Wunsch- und Angstparade beobachtest und der Transformation anvertraust. Aber wisse auch hier: Zu behaupten, es zu tun, ist nicht dasselbe, wie es wirklich zu tun.
In der psychotherapeutischen Meditationsbegleitung beobachte ich immer wieder, wie Menschen ihre Absicht erklären, in die Klarheit zu gehen oder etwas ins Herz zu nehmen, ohne dabei in ihrem Wort zu sein. Ich kenne das auch aus meiner eigenen Entwicklung. Es geschieht unbewusst, weshalb es hilfreich ist, von Zeit zu Zeit gemeinsam zu meditieren und miteinander die Wahrnehmungen zu vergleichen.
Sehr, sehr oft ist das, was wir in spiritiuellen Kreisen derzeit noch “Medialität” oder “Channeln” nennen, zwar durchaus geistige Kommunikation (offen gesagt: ich kenne nichts, was nicht geistige Kommunikation wäre), aber mit deinen gut verkleideten dunklen Anteilen. Nicht alles, was glänzt, ist auch Gold. Wenn ich das in einer Meditationsbegleitung wahrnehme, stelle ich meine Sicht zur Reflexion zur Verfügung. Ich rege an, das vermeintlich Glanzvolle ins Herz zu nehmen und achtsam zu spüren, was geschieht. Manchmal ist dieser Schritt der Transformation eine Kleinigkeit (dann war das Persönlichkeitsthema in der Regel bekannt und schon zu großen Teilen bearbeitet). Manchmal werden Schmerzen frei gesetzt, die überhaupt erst Zugang zu einem lange verdrängten Thema schaffen.
Lässt sich das Thema im transzendeten Raum bearbeiten, bleiben wir dort. Manchmal ist es der Erschütterung angemessener, in ein “normales” Gespräch zu wechseln. Dies ist fallweise auch deshalb sinnvoll, weil die bestehende Wahrnehmungsverzerrung vermehrt zu eingetrübten Bildern und Falschinformationen in der Meditation führt. In meiner Praxis (oder am Telefon) schwingen wir oft auch fließend hin und her, da gibt es kein Dogma, sondern nur “Freistil” und stete Orientierung an deinem Heilungs- und Entwickungsprozess.
Eine gemeinhin bekannte Herausforderung in der Meditation besteht darin, wahrgenommene Bilder, Empfindungen und Texte nicht vorschnell mit eigenen Konzepten zu überformen. Das ist leichter gesagt als getan. Denn wie willst du beispielsweise Licht oder einen Engel wahrnehmen, wenn du kein Konzept davon hast? Auch die, die angeblich konzeptfrei durchs Leben gehen, sind nicht frei von Bewertungen. Ein Bekannter von mir, mit dem ich gelegentlich gemeinsam meditiere, kommentiert viele unserer gemeinsamen Bilder mit “Schööön!”. Wenn seine Schön-Bewertungen versiegen, weiß ich, dass ihm die aktuellen Bilder gerade gegen den Strich gehen. Wiederum nimmt er manchmal Geschehnisse wahr, die mir durch die Maschen gerutscht sind.
Wie kannst du das Problem der Überformung vermeiden? Indem du den Bildern, Empfindungen und Texten ihren Lauf lässt, anstatt mit deinen eigenen Vorstellungen dirigierend einzugreifen. Das ist nicht immer einfach. “Channelst” du beispielsweise eine dich positiv stimmende Nachricht, ist es ein Leichtes, unbemerkt Teile deines persönlichen Wunschkonzerts mit einfließen zu lassen. Aber auch die Zweifler auf der ewigen Hut vor der “Verdunklungsgefahr” haben ein Problem: Sie resonieren in ihrer Angst vor einer fehlerhaften Wahrnehmung ebenfalls stärker mit der Dunkelheit als mit dem Licht. Im transzendenten Raum besteht also das Risiko, dich entweder blenden zu lassen oder zu sehr an dir zu zweifeln. Beides sind Spielarten der Dunkelheit. Ihre Extreme rufen nach der liebevollen Mitte, in der alles sein darf.
Auch das ist leichter gesagt als getan. Sehr oft beobachte ich in den Meditationsbegleitungen, wie Szenen zugunsten einer Idealvorstellung von Frieden u.ä. aufgelöst oder unverbundene Fragmente mutwillig zusammengefügt werden. Das ist heikel, weil es unerkannt das Persönlichkeitswachstum hemmt, und eine Chance, wenn die eigenen Projektion erkannt und zurückgenommen werden kann. Ein Beispiel: Im transzendenten Raum begegnen wir nicht nur schönen Bildern, sondern auch solchen, die uns schrecklich vorkommen. Dazu zählen auch teuflische Archetypen, also fratzenhafte oder herrlich verkleidete Seelenbilder, die für die destruktiven Kräfte in uns stehen. So wie wir uns im Täglichen gerne vom Hässlichen abwenden, geschieht das auch reflexhaft in der Meditation. Der zweite Impuls ist häufig eine Befriedung, da wird der Fratze vorschnell eine Nuckelflasche aus Liebe gereicht oder eine alles versöhnende Umarmung inszeniert. Die dahinter stehenden Motive mögen ehrenwert sein, doch verschleiert solches “Dazwischenfunken” die tatsächliche Dynamik der Bilder. In der Meditationsbegleitung ermutige ich dazu, sich den Bildern zu stellen und abzuwarten, was geschehen möchte. Dadurch erhellt sich vieles auf überraschende Weise, entstehen tiefe, nonverbale Erkenntnisse.
Wiederum gibt es auch viele Meditationssituationen, in denen du gefordert bist, dich mit deinen Impulsen, deinem Wissen und deinen Absichten aktiv einzubringen. Mir ist klar, dass das jetzt für manche verwirrend klingen mag. Denn das, worauf ich mit diesem Artikel hinauswill, ist zum einen eine Sensibilisierung für die Selbsttäuschung im transzendenten Raum (der keineswegs objektiver ist als unsere äußere Welt) und zum anderen eine Stärkung deines Gefühls für prozessorientierte Angemessenheit.
Ich möchte dort zur Skepsis anregen, wo nur von den allerschönsten Meditationserfahrungen erzählt wird. Falls du einen Meditationslehrer hast, möchte ich dich ermutigen, ihn nach den (verborgenen) Schattenseiten im transzendeten Raum zu fragen. Ich möchte dir Zuversicht schenken, wenn du den Eindruck hast, in deiner meditativen Entwicklung zu stagnieren. Es könnte daran liegen, dass du unbemerkt einer Vernebelungsaktion aus deinem Schattenreich zum Opfer gefallen bist. Vielleicht kannst du jetzt, nachdem du den Text gelesen hast, dich noch bewusster in der bedingungslosen Liebe verankern, um den Nebel zu lichten. Oder du wählst eine Person deines Vertrauens, mit der du gemeinsam meditierst und deine Wahrnehmung abgleichen kannst.
In der Meditation erfährst du dich selbst als spirituelles Wesen. Du wirst konfrontiert mit Spiegelungen deines Seins. Du lernst, dich einerseits dem Strom der Bilder zu ergeben, ohne der Verblendung zu verfallen; andererseits das Geschehen zu reflektieren, ohne es durch Perfektionismus oder Überformung zu zerstören. Was in Worten kompliziert scheint, ist in korrekter Praxis einfach zu erfahren. Korrekt bezieht sich nicht auf die richtige Anwendung einer (traditionellen) Technik, sondern auf die permanente Ausrichtung deines Prozesses auf die bedingungslose Liebe. Du wirst tausende Male vom Weg abkommen und ihn tausende Male wieder finden im Glauben, ihn jetzt nicht mehr zu verlieren. Denn das ist der Weg.
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Dies ist eine Unterseite meines Informationsangebots über Psychotherapie. Ich biete psychotherapeutische Telefonberatung und Meditationsbegleitung (überregional), Kurz-/Langzeit- und Intensivtherapie (in Hamburg) sowie Krisenintervention bis hin zu 24-h-Begleitung in besonderen Notfallsituationen (vor Ort).
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Posted on 04 September 2010.
Wer sein wahres Sein woanders als im augenblicklichen Moment (und sei es auf der Toilette oder in der Schlange an der Supermarktkasse) sucht, wird ewig suchen, ohne jemals verloren zu sein.
Wer den tiefsten Kern seiner Seele nicht auch identisch mit der Peripherie weiß, wird ewig kämpfen, ohne jemals verloren zu sein.
Wer sein Leben zuckergussgleich mit voreiliger Liebe übertüncht, wird ewig vom Schatten heimgesucht, ohne jemals verloren zu sein.
Wer sich vor der Dunkelheit ängstigt, weil er in ihr nur das Gegenteil von Licht und nicht dessen Schöpfung sieht, wird ewig spalten, ohne jemals verloren zu sein.
Was jemals tragisch scheint, ist ewig sicher geborgen.
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Posted on 03 September 2010.
Vor kurzem berichtete eine Kundin von ihrem schlechten Gewissen, weil sie einen letzten Willen ihrer verstorbenen Großmutter nicht hatte umsetzen können. Außerdem fühlte sie sich sowieso grundsätzlich von der mütterlichen Herkunftslinie karmisch belastet und überlegte, wo sie Hilfe für eine Karmaauflösung finden könnte. Ich erwiderte, dass dies sehr leicht im Rahmen eines unserer Herzensgespräche möglich sei. Zwar gibt es gut funktionierende Karmareinigungs-Rituale, zu denen ich früher anregte. Jedoch bevorzuge ich mit gewachsener Erfahrung den nicht-rituellen Weg. Er ist mühelos, anmutig und treffsicher. Ohne zeitaufwändigen Ballast ermöglicht er schnörkellos und individuell passgenau die notwendige Transformation.
So geschah es auch in der Sitzung mit besagter Kundin. Wir erklärten unsere Bereitschaft und sanken gemeinsam in den Prozess ihrer Karmaauflösung. Kurz gesagt kam es zu einer sehr berührenden Begegnung mit den Seelen ihrer verstorbenen Großeltern, einer tiefgreifenden Auflösung von unerbittlicher Härte mit anschließendem Segen und einem angedeuteten Einheitserleben, das sich bei ihr primär als überwältigende Dankbarkeit manifestierte.
Eines der Geschenke dieser Sitzung, das ich hier mit dir teilen möchte, war die Reaktion der Seele der Großmutter auf das Hadern der Enkelin, sie habe ihren letzten Wunsch nicht geachtet. Immer wieder unterbrach die Seele liebevoll das Hadern und wiederholte: “Mein letzter Wunsch ist nicht wichtig, denn jetzt bin ich hier bei dir.” Die Seele stellte klar, dass sie nicht mit der einstigen Rolle der gestrengen und harten Großmutter identifiziert ist, aber vollständig zu dieser einstigen Erfahrung und Seelenaufgabe stand. Sie ermaß achtend und mitfühlend die Folgen für die Enkelin und half ihr innerhalb kürzester Zeit aus dem karmischen Clinch heraus.
Ähnliche Erfahrungen verdichtete ich vor längerer Zeit in dem Text Versprechen auf dem Sterbebett. Ich finde, wir können diese Informationen nicht oft genug streuen. Denn im Zusammenhang mit dem Loslassen verstorbener Angehöriger und Freunde sind vielernorts immer noch Schuldgefühle, Ängste und abergläubische Vorstellungen verbunden. Wie genial und vor allem prägnant ist da die Aussage “Mein letzter Wunsch ist nicht wichtig”!
Keinesfalls möchte ich damit den Freibrief zur Missachtung der letzten Wünsche von Sterbenden erteilen. Wir leisten nicht nur dem Sterbenden, sondern uns selbst einen Dienst, wenn wir ihn liebevoll und achtsam bejahend begleiten. Doch dienen wir weder ihm noch uns, wenn wir uns wider besseren Wissens zu Versprechen hinreißen oder gar nötigen lassen, die nicht mit unseren Werten oder Möglichkeiten konform gehen. Und selbst wenn wir einst – weniger reif als heute - etwas versprachen, das wir mit gewachsener Einsicht nicht zu halten imstande waren, dürfen wir loslassen in der Gewissheit: “Mein letzter Wunsch ist nicht wichtig, denn jetzt bin ich hier bei dir.”
Bitte sag’ es weiter!
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