Tag Archive | "Schwärze"

Das Werk am Schwarzen, am Roten und am Weißen


In der esoterischen Überlieferung ist von drei Feuern die Rede: dem Ur- oder Schlangenfeuer, welches in seiner außerordentlichen Kraft an der Basis der Wirbelsäule zusammengerollt liegt, diese hinaufklettert und, beim Herzen angelangt, über die Arme mit den beiden anderen Feuern in Verbindung tritt – mit der Energie der Sonne, Ida, und mit der brennenden Materie, Pingala. Die brennende Materie ist das Zeichen Gottes auf Erden. Alles wird aus ihr geboren.

Durch das ansteigende Feuer wird das Werk am Schwarzen, das Werk am Roten und das Werk am Weißen bestimmt. Das Werk am Schwarzen bezieht sich auf die ersten beiden Chakras, d.h. auf die Lebenskraft, die Sexualität und die Gefühlswelt und auf alles, was die Dualität eskalieren lässt und Konflikte vermehrt. (…)

Wenn man alle Farben mischt, entsteht daraus das Schwarz. Das weiße Licht hingegen enthält alle Farben, d.h. es ist zugleich Einheit und Transparenz. So beginnt jeder spirituelle Weg mit dem Werk am Schwarzen, mit der Reinigung der Persönlichkeit, welche die egoistischen Kräfte transformiert, damit das Werk am Roten beginnen kann. In jener Zeit verwandelt sich menschliche Liebe in spirituelle Liebe.

Die menschliche Liebe ist von Emotionen in all ihren Höhen und Tiefen bestimmt. Gerade sind wir noch mit der geliebten Person zusammen, und sie versichert uns ihre Zuneigung, da kehrt ein Blick, ein falsches Wort oder eine Geste die Situation um und stellt das Gefühl der Einheit in Frage. (…)

Im Gegensatz dazu wird die spirituelle Liebe auf der Ebene des Herzens erfahren. Sie zeichnet sich nicht nur durch ihre zeitliche Unbegrenztheit aus, sondern auch dadurch, dass sie jeder Probe mit Gleichmut standhält.

Die Umwandlung durch die steigenden Feuer findet ihre Vollendung in der Reinheit des Werkes am Weißen.

Dieses Werk betrifft die drei letzten Chakras: das Halschakra, das Stirnchakra, das auch als drittes Auge bekannt ist, und das Scheitel- oder Kronenchakra.

Nun hat der Mensch Einheit und Transparenz erlangt. Er kann als reiner Kanal dienen, welcher das göttliche Licht in die Welt strahlt (nicht zuletzt ist “mondän” fast ein Anagramm von “Dämon”), während er die Gefühle, die in ihm wohnen, bewältigt und beherrscht.

aus: Caffin, Michèle (2005). Was Zähne zeigen. Hamburg: Aurum. (S. 91-93, Fettdruck durch mich)

Posted in ZitateKommentare deaktiviert

immer ist es ihres


das was so weit von der liebe entfernt schien
schluchzt
wenn es fällt
und von der liebe gehalten wird

es steigt
wenn du erkennst
dass es nie von der liebe entbunden war

immer ist es ihres
auch in den dunkelsten momenten

es gibt ein licht
das so sehr der liebe ergeben ist
dass es sich verdunkelt und den abstand wählt

doch immer ist es ihres
strahlt verborgen in der schwärzesten finsternis

simone meller

Posted in LyrikKommentare deaktiviert

Geborgen in der Schwärze


Ich gebe mich den Ein- und Entfaltungen von Dualität hin, während ich zwischen diesen Erfahrungen vom Verschwinden der Welt weiterhin meine Büroarbeit erledige, Spaß habe und Konflikte austrage.

Der Unterschied zwischen der in Einheit eingefalteten Welt und der in Dualität entfalteten Welt wird zum Kunststück meiner Existenz im multidimensionalen Raum. Ich will meine irdische Entwicklung nicht überspringen, doch auch nicht mehr unter meinen Möglichkeiten leben. So bleibt ein schmaler Grat, auf dem zu balancieren nur unangestrengt Freude macht.

An den Seiten und hinter mir ist es schwarz. Schritt für Schritt balanciere ich auf einem Leuchtstreifen, der heim ins Licht führt. Jedes Streben nach Perfektion zerstört das Gleichgewicht und lässt mich erinnernd in das teuflisch belebte Schwarze taumeln. Jedesmal nehme ich das Schwarze in mein Herz und fühle Erlösung. Damit ist mein nächster Schritt nach vorn getan, an dessen Seite und dort, wo ich eben noch stand, wieder Schwärze auftaucht.

Es ist nicht das Bild eines Sisyphos, denn kein Schritt und keine beherzte Annahme des Schwarzen sind umsonst. Lichtbefreiung geschieht von Moment zu Moment. Es ist eher das Bild einer spirituellen Peristaltik, in der ich mich Stück für Stück nach vorne schiebe. Es gibt kein Zurück, ja, theoretisch schon, aber im Erleben dieser Peristaltik geht es nur nach vorn. Es erinnert von der Idee her an die Tunnelbilder von Menschen mit Nah-Tod-Erfahrungen, nur viel langsamer. Es ähnelt einem Geburtskanal, durch den ich mich selbst gebäre. War das Schwarze zeitweilig noch bedrohlich, so erlebe ich es jetzt als unbestechlichen Freund, der mir den Weg nach vorne weist. Rechts und links, oben und unten, hinter mir ist es schwarz, nur nach vorne geht es zum Licht – und mein Schwarzes reist mit.

Wenn ich mich erinnere, ist das Schwarze ein liebendes Geländer. Wenn ich vergesse, wird das Schwarze zum teuflisch vergoldeten Abgrund. Goethe ließ seinen Mephisto so zutreffend sagen: „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ – Ich lernte das Schwarze lieben, und es kehrte heim. Ich lernte das Schwarze noch mehr lieben, und noch mehr kehrte heim. Ich lernte auch die unerträgliche Schwärze lieben, und das Unerträgliche kehrt heim. So geht das seit Jahren, und so geht es weiter. Zwischendurch verschwindet alles in der Einheit, bis ich und meine Welt wieder ausgeschieden werden und uns geborgen in spiritueller Peristaltik weiter voran schieben.

Je öfter ich in bedingungsloser Liebe schwinge, desto deutlicher sticht mir der Unterschied ins Auge, wenn ich es nicht tue. Auf diese fühlende Weise wird jeder Tag zu einer Heimkehr in vielen, vielen kleinen Schritten, die all meinen Mut und all meine Demut erfordern. Denn nichts ist, wie es scheint. Doch so oft sich der Schleier von Zeit und Raum auch hebt, bleibt mir im Alltäglichen nur, sämtliche Erscheinungen zu leben, solange sie mir entgegen wehen. Dabei verfliegt die Zeit immer schneller, und ich werde immer langsamer. Wenn alles Illusion ist und es keinen Ausdruck mehr gibt für das Erleben, bleibt nur noch eines: Hingabe und dann Ergebung.

Simone Meller
Foto: Pixelio, Martina Taylor

Posted in KlartextKommentare deaktiviert

Als die Schwärze weich wurde


Du und ich
wurden weich
wie noch nie zuvor
Neue Frau und Neuer Mann
in einer himmelweichen Kugel

Das Hohelied der Liebe
erklingt über die ganze Erde

Wir ließen die unerträgliche Schwärze
hinein in unsere weichste Mitte
und fanden ihn
im großen einen Sein

Alles sinkt in Anmut
in weiche Ewigkeit ein
Ein Ton singt

Simone Meller
Foto: Pixelio, gpalm

Posted in LyrikKommentare deaktiviert

Seite 1 von 212
Welle