Kein Wort bringt mehr Missverständnisse ans Licht als die Liebe. Vor kurzem schrieb ich auf persönliche Weise über die gängigen Verwechslungen der Liebe mit Abhängigkeit, Leiden, Erotik, Sexualität und Prostitution. Mir fällt es nicht leicht, das Wesen der Liebe in Worte zu fassen. Meine Versuche münden in Lyrik, aber selten in Klartext. Deshalb freue ich mich sehr, hier einen klärenden Gastbeitrag von Reiner Schmid veröffentlichen zu dürfen. Möge er mehr Licht in die Verwirrungen rund um die Liebe bringen. Simone Meller, Foto: Pixelio, Sonja Winzer
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Die romantische Liebe im Kontext der allumfassenden Liebe
Die romantische Liebe ist etwas, was sich fast jeder wünscht, nämlich eine erfüllte Liebesbeziehung mit einem anderen Menschen. Was hat so eine erfüllte Liebebeziehung mit einer Liebesbeziehung mit der absoluten, allumfassenden Liebe zu tun, die wir sind? Über diese romantische Beziehung sind Bücher geschrieben worden, Geschichten, Filme gemacht worden. Sie ist vielfach gleichgesetzt worden mit sexueller Anziehung, jemandem die Wünsche von den Augen abzulesen, jemanden auf den Händen zu tragen, alles gemeinsam zu tun. Das sind natürlich Klischees und trotzdem ist tief in vielen gerade der Wunsch, die Sehnsucht nach so einer Beziehung vorhanden. Dies ist eigentlich der Wunsch nach Verschmelzung mit einem anderen Menschen, obwohl das nur das äußere Bild ist. Die allumfassende Liebe ist niemals teilbar. Sie ist nicht etwas, was wir für jemanden empfinden.
Allumfassende Liebe ist das, was wir sind. Sie ist das, was in uns atmet und denkt und fühlt. Sie ist schlicht das, was das ganze Leben überhaupt erst möglich macht. Dies allumfassende Liebe auf romantische Beziehungen zu reduzieren ist die Sonne auf eine gelbe Scheibe reduzieren, wie sie auf Kinderbildern erscheint.
Die allumfassende Liebe ist die Antriebskraft, die allem inne wohnt. Antriebskraft wohnt in allem, was wir aus vollstem Herzen tun. Sie wohnt aber auch in allen Dingen, die wir auch aus anderen Beweggründen tun, weil wir ja letztlich immer dort hin zur Liebe wollen.
Die Frage ist nun, wie komme ich denn zu einer erfüllen Liebesbeziehung, die im Einklang mit meinem ganzen Sein, also der allumfassenden Liebe steht? Da ich bereits die allumfassende Liebe bin, gilt es meinen Fokus genau darauf zu richten. In der Erkenntnis, das wachzurufen in meinem Bewusstsein, was sowieso da ist, stärke ich den spürbaren Einfluss auf meine Leben. Je mehr Raum ich der allumfassenden Liebe gebe, desto mehr durchdringt sie mein gesamtes Sein, desto mehr kann sie sich in meinem Leben entfalten. Dazu gehört Vertrauen. Vertrauen bedeutet, alle scheinbaren, sichtbaren Ereignisse, Handlungen und Geschehnisse zu durchdringen, zu durchschauen, auf den Kern der Dinge zu schauen, ohne mich ablenken zu lassen von ihren Illusionen. Schaue ich durch den Schleier dieser äußeren Scheinwelt, schaue ich immer auf die allumfassende Liebe, und das ist die Aufgabe, die ich habe, um die wahre Liebe in meinem Leben zum Grundton, zur Grundlage zu machen. Dieses Fundament ermöglicht es erst, ein stabiles Haus darauf zu bauen, das Haus einer Beziehung, die auch äußeren Erdbeben, Stürmen und Gewittern standhält. Bin ich verankert in der allumfassenden Liebe, so kann ich diese in jedem Menschen wahrnehmen. Es ist die Spiegelung meiner eigenen Existenz. Ich erkenne so auch, dass der Nächste identisch ist mit mir, was unseren Wesenskern angeht. Die Aussage „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ ist genau dies.
Das Einswerden im Bewusstsein der allumfassenden Liebe hat seinen materiellen Ausdruck in dem Wunsch eins zu werden mit einem anderen Menschen. Wenn dies aus freien Stücken in der freien Unschuld der Liebe passiert, so ist es das Ideal, nach dem alle streben. So wird die Unendlichkeit der allumfassenden Liebe spürbar im körperlichen Akt und werden wir hinausgetragen aus unserer äußeren Empfindung in die Gleichzeitigkeit der Weite und der Schönheit der wahren Liebe.
Die Anziehung, die zwischen zwei Menschen vor sich geht, kann ich einteilen, so glaube ich wenigsten, nach gemeinsamen Eigenschaften, nach Aussehen, nach Interessen, wonach auch immer. Letztlich spielt aber die Schwingung des momentanen SoSeins eine viel größere Rolle. Wenn ich eingetuned bin auf die absolute Liebe, so kann mir leicht ein Partner über den Weg laufen, der auf der selben Frequenz schwingt. Das ist sozusagen die Korrespondenz der Seelen auf einer gewissen Ebene, so können sie miteinander kommunizieren. In der absoluten Offenheit ziehe ich leichter die Offenheit an, als aus einer Disposition der Angst oder Wut heraus.
Das tägliche Ritual des sich Verankerns und Einschwingens auf die absolute Liebe ermöglicht Begegnungen mit Menschen, die auch auf dieser Frequenz liegen und sich bewusst darauf ausgerichtet haben. Das ist das Ziel, sich in Gemeinsamkeit auf die absolute Liebe einzuschwingen und diese durch alles, was wir tun, denken und fühlen, wirksam werden zu lassen. So entsteht diese tiefe Befriedigung, die Freude und das Gefühl, des eins Seins, des Zusammengehörens. Es ist nur die äußere Spiegelung dessen, was wir bereits sind. Aus dieser Spiegelung erwachsen all diese Freundlichkeiten, die jeden Tag immer wieder zu einer Bestätigung der Ausrichtung auf die wahre Liebe machen.
Informationen zu hören und sie umsetzen zu können, sind manchmal zwei verschiedene Dinge. Mancher muss dabei gründlicher vorgehen, weil die Tendenz da ist, von dieser Linie wieder abzuschweifen. Oder es fehlt das Vertrauen. Beides schwächt die Intention, die Absicht, in der wahren Liebe verankert zu bleiben.
Es ist wichtig, in der wahren Liebe verankert zu bleiben, weil sie die Basis ist, für alles, was im Äußeren passiert. Ich bin nicht verankert in der Liebe, also kann sich im Äußeren diese Spiegelung der wahren Liebe in einer absolut erfüllten Beziehung, die passgenau für mich da ist, nicht wirklich erfüllen.
Es geht erst einmal um eine Liebesbeziehung mit der Liebe selbst. Mit der wahren Liebe, die der Urgrund unseres Seins ist. Erst daraus kann sich als logische Folge des verankert Seins in der wahren Liebe die Entsprechung im Außen zeigen. Dazu gehört das Vertrauen. Das Vertrauen ist der Katalysator. Ohne Vertrauen kann die Entfaltung der Liebe nicht wirklich vonstatten gehen. Die Liebe ist wie eine Saat, die nicht wirklich aufgehen kann, wenn sie nicht durch das Vertrauen begossen wird. Die Saat der Liebe braucht Nahrung. Die Nahrung ist Vertrauen. Der Boden, in dem diese Saat sich entfaltet, ist unser wahres Selbst.
Reiner Schmid




