Tag Archive | "Produktivität"

Nicht mehr funktionieren müssen


Von der Schwere zur Leichtigkeit

Wenn ich in meinem Tun nicht produktiv bin oder in einer Projektarbeit nicht vorankomme, merke ich, dass ich meinen seelischen Schwerpunkt zu dir verlagert habe. Deine Erwartung killt mich, wenn ICH sie über DAS stelle, was sich in mir zu Leben formen will. Dann unterdrücke ICH mein SELBST unter dem Vorwand deiner Erwartung, die meiner entspricht: Ich MUSS funktionieren.

Hebe ich diesen Glaubenssatz in ein liebevolles BEWUSSTSEIN, wandelt er sich in: Ich DARF sein, wie ich bin. Jetzt bin ICH mir wieder treu und kann gebären, was durch mich ins Leben kommen will. Das so Neugeborene ist zwar ungewohnt und kann befremden, aber es ist LEBENSTÜCHTIG. Es ist eine NEUE Antwort auf eine altbekannte Situation. So geschieht Wandel. So lösen sich Zwänge auf. So entsteht LEICHTIGKEIT.

Auf diese Weise ERFÜLLE ich meine (berufliche) Funktion. Das hat eine völlig andere Qualität, als wenn ich mich selbst hinter der FASSADE des Funktionierens im Stich lasse. Ich belebe das, was ich tue, indem ich es auf MEINE Weise mache, also auf die Weise, die sich in mir formt.

Federleicht und felsenfest

Selbstverwirklichung beinhaltet also ein scheinbares Paradox: Auf der einen Seite gilt es meine Grenzen derart zu erweitern, dass ich das empfangen kann, was durch mich geboren werden will (feminines Prinzip). Auf der anderen Seite gilt es meine Grenzen derart zu festigen, dass sich dieser Prozess ungestört und geschützt vollziehen kann (maskulines Prinzip). Mein innerer Mann (Animus) dient meiner inneren Frau (Anima). Yang trägt Ying und Ying nährt Yang. Aber Ying könnte Yang nicht nähren, wenn Yang nicht Ying beschützte. Auf diese Weise bin ich FEDERLEICHT und FELSENFEST.

Wenn ich in meinem Tun nicht produktiv bin oder in einer Projektarbeit nicht vorankomme, weiß ich, dass ich gerade meinem inneren Mann gestatte meine innere Frau zu unterdrücken, indem er sich mit dem verbündet, was ich in dich projiziere: Man (!) MUSS das doch so machen, sonst FUNKTIONIERT es nicht.

Stagnation vergeudet mehr Zeit als Ausruhen

Solchem Selbstverrat folgt die STAGNATION. Im Laufe der Jahre wurde mir immer mehr bewusst, wie ich mit diesem Stagnieren MEINE ZEIT vergeude. In dieser Zeit, in der ich geschäftig, aber nicht produktiv bin und mich zudem unwohl fühle, kann ich beispielsweise auch schlafen, tanzen oder still werden. Dies auch umzusetzen, bedeutet: Mein innerer Mann lenkt ein und folgt den Vorschlägen meiner inneren Frau. Ich WÄHLE mein Wohl.

Auf diese Weise finde ich zurück zu meinem WOHL. Ich bin wieder verbunden mit meiner LUST, der harmonischen Vereinigung von femininer und maskuliner Energie. Ich werde wieder fruchtbar und pflanze mich fort. Ich werde produktiv. Ich komme wieder voran. Weil ich wählte, ich selbst zu sein.

Mit dieser KLARHEIT diene ich dir am Telefon.

Simone Meller

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Selten, doch produktiv: Stille im Unternehmen


Wer kauft Stille?

Noch nie wurde ich dafür engagiert, Stille ins Unternehmen zu bringen, aber immer habe ich sie im Handgepäck. Noch bevor ich mir darüber bewusst zu werden begann, erhielt ich oft die Rückmeldung, man würde in meiner Gegenwart zur Ruhe finden. Für Schwung hatte man mich engagiert und fand ihn in der Ruhe der von mir moderierten und begleiteten Prozesse. Mir war’s recht, ich konnte sowieso nicht anders und begann zu explizieren, was ich ohnehin schon tat: nämlich zur Stille anregen.

Stille funktioniert ohne Spiritualität und Psychologie

Wir brauchen weder über Spiritualität noch über Psychologie zu reden, wenn wir hier und da im Unternehmen zur Stille anregen. Ich tue das mittlerweile überall, wo ich auftrete, egal ob es sich um eine Teamentwicklung, einen Vortrag oder eine kleinere Gesprächsrunde handelt. Stille: ungewohnte Labsal in der zuweilen hektischen Betriebsamkeit von Unternehmen und eine oft unterschätzte Quelle für richtungsweisende Erkenntnisse!

Vor Jahren traf ich auf einem Kongress einen Manager der Europäischen Zentralbank, der öffentlich – sonst würde ich das hier nicht wiedergeben – darüber berichtete, wie er gemeinsam mit seinem Team meditierte. Zunächst heimlich, später standen alle dazu. Doch Meditation ist nicht jedermanns Sache, weshalb ich das Wort zumeist vermeide und niedrigschwellige Einstiege in die Stille anbiete. Es folgen ein paar Vorschläge, die alle nicht neu sind, sondern einzig und allein davon leben, wie wir sie realisieren. Der Ton macht die Musik, und unsere Worte der Einleitung bestellen das Feld. Mein persönlicher Stil ist eine entwaffnende Mischung aus Offenheit, Charme und Unerschütterlichkeit. Ich habe eine Idee (Stille!), weiß um ihre Ungewöhnlichkeit und signalisiere dennoch meine Überzeugtheit. Ich beharre nicht auf einer bestimmten Form, sondern achte das Feld, dass ich in meiner Gastrolle als Beraterin oder Moderatorin betrete.

Niedrigschwellige Einstiege in die Stille

  • Minimale Übungen zur achtsamen Wahrnehmung von Boden, Stuhl, Körper, Atmung, Geräuschen, Gedanken und Gefühlen
  • Vor, während, nach der Besprechung einfach eine Minute still miteinander sitzen – ohne Ehrgeiz, ohne Anspruch auf das Erleben phantastischer Phänomene
  • Wenn sich das Gespräch erhitzt oder anderweitig aus dem Ruder läuft, zu ein paar Minuten Stille einladen
  • Wenn der Weg zur lautlosen Stille zu weit ist, zum Beispiel weil es gerade einen heftigen Konflikt gab, dann erzähle ich eine kleine Parabel, zitiere einen passenden Spruch und/oder geleite mit eigenen Herzensworten in ruhigere Gewässer.

Der Schlüssel ist die eigene Stille

All das funktioniert natürlich nur, wenn man selbst still ist und mit jeder Pore des eigenen Körpers ausstrahlt, dass es einem mit dieser Intervention wirklich ernst ist. Das Schließen meiner Augen und der Rhythmus meines Atmens dienen anderen dabei als greifbare Haltepunkte, während natürlich in der Tiefe eine stärkere Feldeinwirkung durch die Kraft meiner eigenen Stille geschieht. Zum Beispiel kenne ich einen Angestellten einer Reederei, der unter fachlichen Vorwänden zu schwierigen Verhandlungen hinzugebeten wird, weil in seiner Präsenz keines dieser heiklen Gespräche eskaliert. Und viele, die Trainings und Seminare selbst durchführen, kennen das Phänomen, dass eine Gruppe still wird, wenn der Referent still wird. Ich werde auch still bei Unterbrechungen, Störungen und bedeutsamen Ereignissen, die leicht übergangen werden könnten.

Ich bereite meine Kunden mit wenigen und zur Situation passenden Worten auf Stille vor. Ich gewöhne sie bereits in unseren vorangegangenen Gesprächen an das Aroma der Stille, indem ich mit Verweis auf meine Langsamkeit das Tempo aus dem Gespräch nehme oder davon erzähle, dass nicht jede Geschäftigkeit auch produktiv ist. Obwohl ich noch nie auf die Anregung von Stille verzichtet habe, wenn sie mir wichtig war, kann ich mir Situationen vorstellen, in denen es sehr schwer sein könnte. Dann wäre meine Empfehlung, an anderen Stellschrauben der Unternehmenskultur zu drehen, z.B. eine Unterbrechungspause von 5 Minuten anzuregen und ggf. anschließend die Sitzordnung verändern. Auch erlebe ich immer wieder Unternehmen, in denen nicht einmal eine Mittagspause kultiviert wird. Wie will man da still werden? Also je schneller die Taktung einer Firma, desto basaler und entschiedener haben unsere Interventionen zu sein. Auch hier brauchen wir weder Spiritualität noch Psychologie. Ich bleibe schlichtweg bei meinen Bedürfnissen und meinem daraus resultierenden Erstaunen: “Wie? Sie machen keine Mittagspause? Also, ich brauche jetzt eine. Kommen Sie mit?”

Den Nutzen der Stille ins Bewusstsein heben

Ob wir nun in die Stille oder immerhin in die Mittagspause gegangen sind – danach ist es wichtig, den erfahrenen Nutzen dieser Zeitinvestition ins Bewusstsein zu heben! Nur zu schnell gehen der Gewinn oder zumindest der Return on invest in der Email-Flut, dem nächsten Telefonat oder der neuen Akte auf dem Schreibtisch unter. Beim Explorieren bestehe ich natürlich nicht auf diesem hier demonstrativ verwendeten betriebswirtschaftlichen Vokabular. Auch referiere ich nicht die Vorteile von vegetativer Entspannung, sondern frage, was in der Stille erlebt oder wahrgenommen wurde oder wie man sich jetzt nach der Mittagspause fühlt. Viele machen die Erfahrung, dass ihnen erst in der (relativen) Stille klar wurde, dass sie die Lösung für ein Problem längst wissen und nur noch zur Anwendung zu bringen haben. Anderen kamen in dieser Pufferzone zwischen Alltag und Alltag auf neue Ideen, die vorher niemand bedacht hatte. Manche bemerken Kopfschmerzen oder Erschöpfung und wissen dann, worum sie sich eben auch zu kümmern haben.

Doch für all das werde ich nicht engagiert. Ich bringe es eben einfach mit, weil es zu mir und meinen Dienstleistungen gehört. Rege ich zur Stille an, so nicht, weil ich Psychologin oder spirituell bin, sondern weil es erfahrungsgemäß gut tut. Immer dient Stille dem Wohl aller Beteiligten und zeitigt ganzheitliche Wirkung. Stille verändert Menschen und damit die Unternehmen, in denen sie arbeiten. Jedes Unternehmen existiert nur durch die Menschen, die es realisieren. Immer sind es Menschen, die etwas unternehmen.

Text: Simone Meller
Foto: Rainer Sturm, Pixelio

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Was Führungskräfte wirklich leisten


Führungskräfte werden durchschnittlich alle 7 Minuten (durch Telefonate, Fragen von Mitarbeiter/innen etc.) gestört und mit ihrer Arbeit aufgrund von Masse nie wirklich fertig. Wenn sie abends nach Hause fahren, gehen sie im Geiste die Dinge durch, die sie noch nicht erledigen konnten. Dabei entgleitet ihnen das, was sie tagsüber faktisch geschafft haben.

Es ist riskant, sich auf das “Nicht” zu fokussieren, während das “Geschaffte” durch das Netz der Erinnerung fällt. Denn auf diese Weise bahnt man Insuffizienzgefühlen, Zweifeln an der eigenen Kompetenz und anderen Energieräubern den Weg. Häufig gestehen sich auf Perfektion bedachte Führungskräfte dieses negative Selbsterleben nicht ein, so dass es unbewusst antreibend wirkt und im Bewusstsein nur als “Druck” ankommt (s. Von der Maßlosigkeit zur Angemessenheit).

Mögliche Folgen sind Reizbarkeit, Schlafstörungen, Vernachlässigung von Hobbies, übermäßiges Arbeiten, zunehmende Flüchtigkeitsfehler, Konzentrations- und Arbeitsstörungen etc.. Schnell schaukelt sich das in einer Spirale bis zum Burnout hoch, das dann letztlich zu der Ruhe zwingt, die bereits jeden Abend auf der Heimfahrt oder, besser noch, bereits am Tage hätte sein dürfen. Auch Führungskräfte sind Menschen mit Grenzen. Einige Punkte auf der täglichen Aufgabenliste können abgehakt werden, andere nicht.

Allen, die sich abends ihr Soll vorhalten, empfehle ich eine banale Haben-Liste, auf der das Erledigte vermerkt wird UND das Unvorhergesehene, das ebenfalls geleistet wurde. Ganz abgesehen von diesem Leistungskatalog rate ich Führungskräften, sich bewusst zu machen, dass ihr größter Beitrag darin besteht, sich auf ihre persönliche Art und Weise in das Unternehmen einzubringen. Es hat einen Sinn, dass sie auf den Posten sitzen und nicht andere. Ihre Handschrift ist gefragt. Diese jeden Tag neu zu erbringen – bei all dem Wahnsinn, der in den letzten Jahren durch die Großunternehmen tobt und auch die KMU nicht unberührt lässt – das ist die wahre Leistung.

Es ist diese Leistung, die in meinen Augen bloßes Management von ernsthaftem Leadership unterscheidet. Sie taucht in keiner Balanced Score Card auf, obwohl sie langfristig und entscheidend auf die Bilanz eines Unternehmens wirkt. Sie ist das, was man im Business-Slang auch “Bewusstseinsfaktor” nennen könnte. Ginge es nur um die Funktion, so wäre jede Führungskraft jederzeit austauschbar. Doch gefragt ist eben auch ihr Sein, das über das Managen von Aufgaben hinaus auf Mitarbeiter, Kolleginnen, Kunden und in Feedbackschleifen zum nächst höheren Vorgesetzten wirkt.

So wie sich die Atmosphäre einer U-Bahn von Station zu Station beim Ein- und Aussteigen der verschiedenen Leute verändert, wandelt sich der Geist eines Unternehmens durch die ihm angehörenden Menschen über ihre bloße Aufgabenerfüllung hinaus. Ob man es nun als Seele oder Bewusstsein eines Unternehmens bezeichnet, ist mir mir weniger wichtig als die Sensibilisierung für den Unterschied, ob DU oder jemand anders den Job macht.

Wie im Privaten beginnt Selbstverwirklichung im Business ebenfalls im Kleinen. Von der Gestaltung der Meetings, der Organisation von Projekten, dem Umgang mit Personalmangel und unhaltbaren Zielvereinbarungen bis hin zu  Schritten mehr oder weniger erfolgreicher Umstrukturierungen. In der Rückverbindung an die eigenen wahren Werte und deren mutiger Verfolgung im unternehmerischen Alltag geschehen Dinge, die die To-Do-Liste übersteigen, ohne dass diese nun unwichtig geworden wäre. Nur sollte in all der Geschäftigkeit (übrigens: ist diese wirklich immer produktiv?) nicht der eigentliche Herzensbeitrag zu einer sich wandelnden Wirtschaft untergehen. Nicht immer ist der Beitrag sofort und für alle sichtbar, doch er entfaltet augenblicklich seine Wirkung, wie ein Same, der in die Erde gesetzt wurde.

Mein Business-Coaching bewegt sich genau in diesem scheinbaren Spagat zwischen Leistungserbringung und Bewusstseinswandel. Beides bleibt nur solange ein Widerspruch, wie der Glaubenssatz gepflegt wird, das eine sei mit dem anderen unvereinbar. Dabei kommt beides in einer Person zur Deckung, die sich traut, ihr wahres Sein in das Unternehmen einzubringen und dadurch in Leichtigkeit Prozesse verändern kann, die vorher mit Meißeln nicht zu durchdringen waren. Sehr viele Menschen gehen diesen Weg bereits, und täglich werden es mehr.

Simone Meller

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