Tag Archive | "Patient"

Das Leid meiner Patienten


Was meine Patienten nicht erzählen können, muss ich erleben. So erleide ich in Auszügen ihr Schicksal, bringe es in mir zur Heilung und biete das sich dabei als hilfreich erweisende als Speise an. Manchmal genügt es auch, dass ich es erfahren habe und davon zu sprechen weiß. Immer geht es darum, mich berühren zu lassen vom Furchtbaren, ohne darin unterzugehen. Es sind meine Ich-Grenzen, die uns retten, denn sie ermöglichen mir aus einer tiefen Geborgenheit heraus eine Öffnung für das vermeintlich Fremde. Noch nie fand ich Fremdes in der Tiefe, wohl aber unüberwindbare Hilflosigkeit, die gemeinsam ausgehalten werden wollte. So sind die tapfersten Momente oft jene gewesen, in denen nichts mehr ging und ich meine Bereitschaft erklärte, die vollständige Lähmung durch das Leid zu erfahren. Wie von Zauberhand löste sich dann der Bann, wenn ich mein Erleben in Worte zu fassen begann. Es war, als ob ich etwas hatte sehen müssen, wovor zu oft die Augen verschlossen gewesen waren. Immer war es das Hässliche, ob es nun als entsetzliche Ohnmacht, Scham oder anders abscheulich daher kam und das mich fragte: Siehst du mich? Siehst du mich endlich? Endlich siehst du mich. Jetzt kann ich endlich sein. So schöpfen wir Hoffnung in der Tiefe und tragen sie in die Welt. Während wir das tun, verändert sich unser Antlitz und mit ihm das Antlitz der Welt.

Simone Meller

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Meine göttlichen Patienten


Es sind die Seelen, die vor Antritt der Inkarnation das Leid wählen. Es sind Menschen, die sich dem Leid stellen. Beides geschieht um der Evolution Willen, um zu lernen und sich zu entwickeln. Dem seelischen Mut entspricht die menschliche Verzweiflung; was das eine vom anderen nur scheinbar trennt, ist die Erinnerung. Dekarnierte Seelen “vergessen”, wie schlimm die Hölle auf Erden sein kann. Inkarnierte Seelen “vergessen” den Plan, für den sie angetreten sind. Jeder Mensch, der meine psychotherapeutische Praxis in Hamburg betritt, berührt mich. Mich berührt die Paarung seines seelischen Muts und seiner menschlichen Verzweiflung. Mich berührt seine Bereitschaft, sich dem Leid zu stellen, den Seelenplan anzunehmen und die Energien zu transformieren. Mich berührt, Zeugin werden zu dürfen, wie er den Himmel auf die Erde holt. Ich ehre in ihm den Gott, der auf die Erde kam, sich planmäßig verirrte und neuen Frieden findet. Ich ehre seine Angst, seinen Mut und seine Fähigkeit zur Liebe, mit der er sich selbst erlöst.

Simone Meller

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Kann man von Psychotherapie abhängig werden?


165020_R_K_by_wunder1_pixelio.deKann man von Psychotherapie abhängig werden? Ja, kann man – im ungünstigen Fall, nämlich dann, wenn die Psychotherapeutin ihre eigenen Hausaufgaben nicht gemacht hat. In diesem Falle wird die Abhängigkeit des Patienten jedoch nicht geschaffen, sondern er bringt sie mit und die Therapeutin bedient sich ihrer. Jemand, der diese Frage stellt, ist bereits abhängig, von was auch immer. Gefühlt 90% der Menschen sind abhängig: von der Bestätigung durch ihre Mitmenschen. Gefühlt 90% der Menschen haben kein hinreichend stabiles Selbstwertgefühl, sondern werden durch kritische Äußerungen dermaßen erschüttert, dass sie alles dafür tun, um “gemocht” zu werden und keine “falschen” Entscheidungen zu treffen. Gefühlt 90% der Menschen waren in ihrer Kindheit nicht sicher geborgen, so dass sie noch als Erwachsene wie abhängige Kinder agieren – auf der Suche nach einer Sicherheit durch Ersatzeltern. Menschen übertragen diese Sehnsüchte auf Freunde, Partner, Ärzte, Berater und eben auch Psychotherapeuten.

Die Qualifikation einer Psychotherapeutin besteht darin, mit dieser Sehnsucht zum Wohle des Patienten und wachstumsfördernd umzugehen. Dazu gehört auch, bei aller seelischen Nähe, die während einer Zusammenarbeit entsteht, eine professionelle Distanz zu halten. Dazu gehört, seine Patienten nicht mit Freunden zu verwechseln. Es ist eben eine therapeutische, eine dezidiert heilende Beziehung (die im Praxisraum stattfindet) und keine private Beziehung (die sich im privaten Wohnbereich ereignet). Es bedarf sehr viel Klarheit und Bewusstheit seitens der Therapeutin, diese Grenzen zum Schutze und Wohle des Patienten zu bewahren. Patienten sind sehr kreativ in ihren legitimen Versuchen, diese Grenzen zu unterwandern. Ich betone: Der Versuch patientenseitig ist völlig legitim, aber der Therapeut darf sich nicht verführen lassen, sondern hat die Aufgabe, die Kurve in Richtung Heilung einzuschlagen. Immer wieder neu.

Kann man von Psychotherapie abhängig werden? Das fragte mich gestern eine Patientin. Die dahinter steckende Angst ist in psychotherapeutischen Praxen kein Einzelfall. Auch das Faktum – Abhängigkeit seitens des Patienten und narzisstischer Missbrauch seitens der Therapeutin  – ist keine Seltenheit. Es geht also nicht darum, das Risiko zu leugnen, sondern vielmehr zuzugeben und aufzuklären. Die Kunst der Psychotherapie besteht nämlich darin, um diese mitgebrachte Abhängigkeit zu wissen und angemessen mit ihr umzugehen. Nur wer seine eigene Abhängigkeit entdeckt und geheilt hat, vermag andere zur Auflösung deren Abhängigkeit anzuleiten. Schwer ist, das in eine für den Patienten jeweils individuell passende Antwort zu kleiden. Denn vielleicht geht es gerade darum, sich das Bedürfnis einzugestehen, Hilfe zu brauchen, was ja überhaupt nicht verkehrt, sondern im Gegenteil wünschenswert ist. Sobald ich jedoch merke, dass jemand in das Muster rutscht, sich abhängig von meiner Unterstützung zu machen anstatt selbst zu reifen, leite ich zur Transformation dieses Musters an.

In der esoterischen Lebensberatungsszene ist dieses Bewusstsein weitaus weniger vorhanden als in der verkammerten psychotherapeutischen Zunft, doch selbst dort landen immer wieder Fälle vor der Ethikkommission  – und viele eben leider auch nicht…

Wie schützen Sie sich vor Abhängigkeit und Missbrauch? Eine gute Möglichkeit ist, diese Frage Ihrer Therapeutin oder Ihrem Lebensberater zu stellen und aufmerksam die Antwort auf sich wirken zu lassen. Wer einseitig beschwichtigend reagiert, disqualifiziert sich – so meine persönliche Erfahrungen mit Psychotherapie und meine Beobachtungen auf dem Markt der selbst ernannten Lebensberater. Ich bin nicht grundsätzlich gegen selbst ernannte Lebensberater. Ich habe mir selbst hier und da schon Inspiration geholt, wie eine leckere Speise vom Buffet. Nur habe ich beim Zugreifen daneben auch unreife Früchte (= undifferenzierte Erklärungen) und verdorbene Speisen (= narzisstische Bedürftigkeit) gesehen und war froh, dass ich vor diesem Kontakt meine Abhängigkeit an kompetenter und weiser Stelle hatte heilen dürfen.

An dieser Stelle noch eine Anmerkung: Gerade in esoterischen Kreisen begegnet mir manchmal eine anti-psychotherapeutische Haltung. Ich kann das verstehen, da ich selbst nach einem gescheiterten Psychotherapieversuch über Jahre despektierlich über diese Zunft redete und erst wachsenden Leidensdruck brauchte, um einen zweiten Versuch zu wagen, der letztlich glücklich endete. Hätte ich diesen zweiten Versuch (der zwei nahtlos aneinander schließende Prozesse bei zwei sich für mich ergänzenden Personen beinhaltete) nicht gewagt, nicht auszudenken, wie mein Leben versickert wäre… Psychotherapie hat mir geholfen, zu meiner wahren Größe zu erwachen und zu erfahren, dass nur ich selbst mich heilen kann. Die therapeutische Hilfe habe ich gebraucht, um den Weg dahin frei zu räumen. Zudem hatte ich mich unglaublich verlaufen… Aber meine Heilung, die konnte ich an niemanden delegieren.

Damit bin ich bei einem zweiten Kriterium, mit dem man die Güte einer helfenden professionellen Beziehung (und das muss wahrlich nicht Psychotherapie sein) beurteilen kann: Darf ich hier wachsen? Darf ich hier groß sein? Oder muss ich in gewisser Weise klein bleiben, damit der andere mir “helfen” (= seine Konzepte auf mich anwenden) kann? Muss ich am Altar der Großartigkeit des Helfers beten, oder kann ich gefahrlos andere Gedanken und Gefühle äußern? Darf ich hier sein, was ich bin, oder muss ich so sein, wie der andere mich braucht? Wenn Sie Zweifel haben, lassen Sie sich nicht vernebeln, sondern vertrauen Sie Ihrem Gefühl und/oder holen Sie sich eine zweite Meinung ein. Ein Ihnen aufrichtig zugewandter Berater wird deshalb nicht gekränkt sein! Das ist übrigens schon ein drittes Kriterium.

Ich beobachte in der esoterischen Szene, dass Menschen, die aus welchen Gründen auch immer eine Psychotherapie vermieden haben, in ihrem scheinbar so anderem Tun exakt die Strukturen schaffen, vor denen sie Angst haben. Sie agieren genau das aus, von dem sie sich abzugrenzen glauben. Sie missbrauchen und/oder lassen sich missbrauchen, auch wenn das Ganze nicht in einem psychotherapeutischen Setting stattfindet. Diese mehr oder weniger subtile Missbrauchs-Struktur ist eine Variante im Menschenspiel, gleichgültig vor welcher Kulisse sie aufgeführt wird. Sie wird in individuellen Varianten so lange wiederholt, bis  man dieses Bewusstseinsmuster in der Seele nachhaltig transformiert hat. Erst dann werden diese Spiele für die Seele uninteressant, die nach neuen Lernerfahrungen strebt.

Man kann von Menschen (Partner, Berater, Internet etc.), Substanzen (Alkohol, Schokolade, überkorrekte Ernährung etc.) und Verhaltensweisen (Sex, Einkaufen, Diät etc.) abhängig werden. Nämlich immer dann, wenn Menschen ihrer Verantwortung für ihre wahren Bedürfnisse (Heilung) zu entkommen versuchen und in eine Ersatzbefriedigung (“fauler Kompromiss”) fliehen. Wir dürfen wählen – jeden Tag aufs Neue. So ist das Spiel.

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» Telefonberatung: Für Menschen in laufenden Psychotherapien/Beratungen, die aufgrund eines Problems oder Konflikts mit ihrem/ihrer Therapeut/in,  Lebensberater/in, Heiler/in etc. verunsichert sind und eine zweite Meinung wünschen

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Text: Simone Meller
Foto: Pixelio, wunder1

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