Posted on 06 Juli 2010. Tags: Beziehung, Fliegen, Freiheit, Geschenk, Grenzen, Klopfen, Kommunikation, Liebe, Loslassen, Ohnmacht, Segen, Sprache, Tür, Verschlossenheit, Wünsche

Vor einer verschlossenen Tür
kannst du die schönsten Töne singen
kein Sesam-öffne-dich
kein Zauberwort
kein Schlüssel der passt
Alles nur Klopfen lauter und leiser
bis der Tag kommt und
die Tür sich von innen öffnet
Das Warten lohnt nicht
wohl aber Fliegen lassen
von haltenden Wünschen -
Freiwerden für das was ist
Denn lauter als jedes Pochen
ist dein Orchester das da
spielt ohne Noten voll Herrlichkeit
all deine Töne ohne Begrenzung
des Schalls an der verschlossenen Tür
Komm’, hafte nicht an der Tür
der Unerreichbarkeit
Nur der der sich da einschloss
vermag sie zu öffnen oder auch nie
Dein größtes Geschenk ist ihn
in Liebe zu lassen zu segnen seinen Weg
und dann: Flieg!
Simone Meller
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Posted on 19 Juni 2010. Tags: Aufbruch, Auferstehung, gelobtes Land, lebendig, leblos, Ohnmacht, Spiegelung

Sich im Leblosen
unverletzt zu spiegeln
zeigt ein neues Leben an
Es ist der Aufbruch
der Ohnmächtigen
ins gelobte Land
Wenn das Erfrorene
seine Auferstehung feiert
folgt das Leblose hinterher
Und es kommt der Tag
an dem sich das Leblose
in deiner Lebendigkeit spiegelt
Simone Meller
Foto; Karin Jung/Pixelio
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Posted on 09 Juni 2010. Tags: Angst, anschlussfähig, Arbeitsstörung, Aufschieberitis, Dissertation, Doktorarbeit, Entspannung, Entwicklung, Freiheit, Gesundheitspsychologie, Herz, Hilfe, Kongruenz, Liebe, Mainstream, Musik, Mut, Neue Energie, Ohnmacht, Paradigma, Paradigmenwechsel, Persönlichkeit, Prokrastination, Promotion, Schreibblockade, Schreibhemmung, Schreibtisch, Sein, Sofa, Spaziergang, Spiritualität, Tabu, Telefon, Tipp, Transformation, Versagen, Wahrheit, Widerspruch
Die Schreibblockaden während meiner Promotionszeit waren äußerst quälend, weil ich mich dabei so inkompent, versagend und ohnmächtig erlebte. Dennoch möchte ich im Nachhinein keine einzige dieser “Pestbeulen” missen, denn jede verwies auf eine mangelnde Kongruenz zwischen dem, was ich meinte schreiben zu müssen, und dem, was ich wirklich dachte.
Auch in der strengen Welt der Wissenschaft das schreiben zu lernen, was der Wahrheit meines Herzens entsprach, wurde zum Katalysator einer intensiven Persönlichkeitsentwicklung (s. Nachwort zu Fröhlich wandelnde Wissenschaft). Damit bin ich bei meinem ersten Tipp:
- Grundsätzlich kannst du alles schreiben, so sehr es auch vom akademischen Mainstream abweicht oder einem Tabu-Bruch gleichkommt, wenn du deine Gedanken wissenschaftlich anschlussfähig machst. Viele kluge Gedanken werden vom Mainstream nur deswegen ignoriert, weil sie in den gängigen Paradigmen noch nicht nachvollzogen werden können oder weil zum Verstehen ein Paradigmenwechsel notwendig ist. Bedenke, dass die Legitimation einer wissenschaftlichen Arbeit ja genau darin liegt, etwas neues zu schreiben. Ja, ich weiß, je mehr man sich mit einem Thema beschäftigt, desto mehr erkennt man, dass es eigentlich keine neuen Gedanken gibt und alles irgendwo schon enthalten ist. Tatsächlich verursachte dies bei mir eine weitere Schreibblockade, bis mir klar wurde, dass meine Sicht nicht von drei Jahrzehnten publizierter Gesundheitspsychologie geteilt wurde. Deshalb wurde meine Diss zu einem Buch, in dem ich anderen zeige, was ich sehe.
- Überfordere dich nicht. Das Wesen einer wissenschaftlichen Arbeit besteht zwar darin, die Gedanken möglichst widerspruchsfrei zu entfalten und anzuordnen. Wiederum muss man sich auch Widersprüche erlauben können, um in einen Schreibfluss zu kommen. Du brauchst Worte und Begriffe, die du einfach akzeptierst, sie dienen dir sozusagen als Gefäße, um deine neue Essenz überhaupt transportieren zu können. Zum Beispiel hatte meine Diss zum Ziel, die Begriffe Selbstverwirklichung und Ganzheitlichkeit gesundheitspsychologisch zu klären und zu rehabilitieren (u.a. mit der Begründung, dass deren Vermeidung zu einer Aufblähung und Stagnation des Fachs geführt hatte). Außerdem arbeite ich mich an der Definition von Gesundheit und Krankheit ab, schied den Begriff der Salutogenese von Antonovskys Werk und argumentierte mit Hilfe von Quantenphysik und Erkenntnistheorie dafür, Geist und Materie als gemeinsamen Ursprungs anzusehen. Dafür brauchte ich bereits 400 Seiten. Ich ließ jedoch davon ab, die Begriffe Psyche, Seele und Geist oder Körper, Materie und Leib auseinander zu klamüseren. Einerseits fühlte ich mich damit unwohl, meinte, dass das doch ebenfalls sehr klar herausgearbeitet werden müsste. Andererseits wusste ich, dass der Stoff für ein, zwei weitere Dissertationen reichen würde und irgendwo auch mal “Schluss” sein muss. Also verwandte ich die ungeklärten Begriffe rein intuitiv, indem ich mal den einen, mal den anderen benutzte. Im Nachhinein bin ich froh darüber, sonst würde ich vielleicht heute noch promovieren.
- Erkenne die Vielzahl deiner Ängste hinter den Schreibblockaden. Bei den ersten beiden Tipps klang das bereits an. Wir trauen uns nicht, etwas zu schreiben, weil es ein Tabu-Bruch oder unvollständig ist. Wir haben Angst vor Ächtung oder schlimmer noch, mit der Dissertation nicht zur Prüfung zugelassen zu werden, also zu versagen. Doch das sind nur zwei von unzähligen anderen Varianten. In der Angst war es mir nicht möglich, die Wahrheit meines Herzens schreibend anschlussfähig zu machen, das ging nur in der Liebe zu mir selbst. Meine Selbsterfahrung war mir eine große Hilfe, auch meine spirituelle Praxis, das Wissen um Energie und ihre Transformation. Ich habe viel mit anderen über meine Zweifel und Sorgen gesprochen, konkrete Hilfen (z.B. Gegenlesen von Abschnitten, Erörtern statistischer Alternativen etc.) angenommen. Am wichtigsten war vielleicht dies: Bei der Blockade den Schreibtisch verlassen, aber nicht, um den Gummibaum abzustauben oder Geschirr zu spülen (Aufschieberitis!), sondern um zur Ruhe zu kommen und zu schauen (nicht zu grübeln!) was gerade los ist. Spaziergänge und Sofa waren meine liebsten Varianten. Ich kann wirklich sagen, dass ich die wesentlichen Teile meiner Diss auf dem Sofa empfangen habe, wenn ich entspannt und meiner Wahrheit liebevoll zugewandt war. Am Schreibtisch ging’s dann nur um die blanke Ausführung. Dabei half mir Musik im Dauer-Repeat, um die empfänglich-liebevolle Schwingung zu halten und nicht wieder in eine Angstblockade zu rutschen. Bestimmte Musikstücke habe ich tagelang gehört, sie waren für mich wie ein Geländer auf einem sich mir stückweise offenbarenden Weg.
Dürfte ich nicht drei, sondern nur einen Tipp nennen, so wäre es der letzte. In liebender Ruhe liegt die Kraft, die Wandel schafft. In der Ruhe finden wir zurück in unsere Mitte, in unsere Liebe. Weder vermeiden wir die Auseinandersetzung mit der Schreibblockade noch versuchen wir, sie mit Gewalt zu brechen. Sie darf sein, und wir mit ihr – während wir schauen, was sie uns offenbaren möchte. Meine Erfahrung ist, dass in jeder Schreibblockade die Botschaft lag: “So, nicht, liebe Simone. Schreib dich frei. Folge auch und gerade hier der Wahrheit deines Herzens.”
So wünsche ich auch dir den Mut, dem Ruf deiner Schreibblockaden zu folgen: Komm, schreib dich frei!
Gerne unterstütze ich dich am Telefon.
Simone Meller | Foto: Oliver Haja/Pixelio.de
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