Posted on 07 November 2010. Tags: ablehnen, Begegnung, Bemühen, Bereitschaft, Dialog, Erleben, Evolution, Gefühl, Herz, Impuls, Mut, Ohnmacht, Scheitern, Sein, Sprache, Spüren, Stille, Tod, Transformation, transrational, Unterscheidung, Verstehen, Wachstum, Wahrheit, Wahrnehmung, Wort
Dort, wo meine Wahrnehmung nicht in der gleichen Selbstverständlichkeit wie andere gilt,
bleibt Sprache hilflos. Misslingt Verständigung wieder und wieder.
Ich rede nicht von misslingender Einigung auf eine Wahrheit,
sondern vom Scheitern dialogischer Verständigung über subjektive Wahrheiten
und vom anstrengenden Austausch von Impulsen.
Dort, wo meine Wahrnehmung zwar gilt, aber nicht geteilt wird,
ist Sprache hilfreich. Gelingt Verständigung durch Bemühen.
Ich rede nicht vom Bemühen um eine Wahrheit,
sondern von Zugewandtheit in der Unterscheidung
und von Bereitschaft miteinander zu wachsen.
Dort, wo meine Wahrnehmung mein bisheriges Verstehen übersteigt,
ringe ich um Sprache. Suche ich Wort für Wort ein neues Verstehen.
Ich rede nicht vom Eingemeinden der Wahrnehmung,
sondern von einer ihr angemessenen Be-Zeichnung
und dem Vorrang des Erlebten vor dem Wort.
In allen drei Fällen dürfen meine mitgebrachten Worte sterben,
um sich der jeweiligen Situation angemessen neu zu gebären.
Manchmal geschieht das rasch, manchmal brauche ich Spürzeit und Stille.
Immer öfter mute ich diese meine Art zu sein all meinen Gesprächspartnern zu.
Ich kann nicht mehr anders, das alte Sprechen stirbt mir auf der Zunge oder schon früher.
Die neuen Worte sind diesselben, durch Spüren nur anders gesetzt.
Die Transformation von Sprache geschieht im Herzen und lässt
meinen Gegenübern Raum, ob sie bleiben oder gehen, ablehnen oder genießen,
was sich zwischen uns verändert und ereignet in wagender Begegnung.
Dort, wo Sprache sterben durfte, beginnt sie sich einzufinden in jeder Situation neu.
Simone Meller
Posted in Klartext
Posted on 29 Oktober 2010. Tags: Angst, Frau, Freiheit, Heilen, Innen, Kind, Klarheit, Korrektur, Liebe, Loslassen, Macht, Mangel, Mann, narzisstischer Missbrauch, Ohnmacht, Symbiose, Verwirrung
Heute kein Machtmissbrauch ohne Symbiose.
Keine Symbiose ohne Ohnmacht.
Keine Ohnmacht ohne einst misslungene Symbiose.
Misslungene Symbiose ist Einladung zur Selbstheilung.
Heilung ist harmonische Korrektur des Zusammenspiels
von innerem Kind, innerer Frau und innerem Mann.
An die Stelle von Verwirrung tritt Klarheit.
Wo Angst herrschte, führt Liebe.
An die Stelle von Symbiose tritt Freiheit.
Ein heiler Mensch lässt frei.
Denn indem er seine Freiheit liebt,
liebt er auch die seines Gegenübers.
Simone Meller
Posted in Klartext
Posted on 05 September 2010. Tags: Erkenntnis, Ohnmacht, Schweigen, Sprache
Hätte ich Worte für meine Erkenntnis,
würde ich sie teilen Tag für Tag.
Doch da ich die Worte nicht kenne,
schweige ich Tag für Tag.
Simone Meller
*
Posted in Lyrik
Posted on 28 Juli 2010. Tags: Antlitz, Erfahrung, Geborgenheit, Gesicht, Grenzen, hässlich, Heilen, Hilflosigkeit, Hoffnung, Leid, Ohnmacht, Patient, Psychotherapie, Scham, Schicksal, Sprache
Was meine Patienten nicht erzählen können, muss ich erleben. So erleide ich in Auszügen ihr Schicksal, bringe es in mir zur Heilung und biete das sich dabei als hilfreich erweisende als Speise an. Manchmal genügt es auch, dass ich es erfahren habe und davon zu sprechen weiß. Immer geht es darum, mich berühren zu lassen vom Furchtbaren, ohne darin unterzugehen. Es sind meine Ich-Grenzen, die uns retten, denn sie ermöglichen mir aus einer tiefen Geborgenheit heraus eine Öffnung für das vermeintlich Fremde. Noch nie fand ich Fremdes in der Tiefe, wohl aber unüberwindbare Hilflosigkeit, die gemeinsam ausgehalten werden wollte. So sind die tapfersten Momente oft jene gewesen, in denen nichts mehr ging und ich meine Bereitschaft erklärte, die vollständige Lähmung durch das Leid zu erfahren. Wie von Zauberhand löste sich dann der Bann, wenn ich mein Erleben in Worte zu fassen begann. Es war, als ob ich etwas hatte sehen müssen, wovor zu oft die Augen verschlossen gewesen waren. Immer war es das Hässliche, ob es nun als entsetzliche Ohnmacht, Scham oder anders abscheulich daher kam und das mich fragte: Siehst du mich? Siehst du mich endlich? Endlich siehst du mich. Jetzt kann ich endlich sein. So schöpfen wir Hoffnung in der Tiefe und tragen sie in die Welt. Während wir das tun, verändert sich unser Antlitz und mit ihm das Antlitz der Welt.
Simone Meller
Posted in Klartext