Tag Archive | "Normen"

gewahren (m)einer tendenz


keine worte zu merken zu lernen zu vermitteln
nur erneuerung» von hier nach dort

keine visionen zu verkünden oder anzupreisen
nur still sein» mit auf sie gerichtetem blick

kein wirken mit absicht und ohne auftrag»
nur ausdruck wortlosen seins»

kein sprachloses oder überflüssiges reden
nur freies schwingen» von herz zu herz»

keine normen» entspringen dieser worte
nur gewahren (m)einer tendenz»

simone meller

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Wer bringt uns in Liebe, wenn nicht wir?


Im Kontext einer Diskussion habe ich neulich ausformuliert, was ich bislang auf verschiedene Texte verstreut und in Ausdehnung von Liebe ist kein Zerfallen von Persönlichkeit komprimiert zusammengefasst hatte. Hier folgen einige Auszüge mit nachträglich eingefügten Zwischenüberschriften:

[...]

Herzensausdehnung: Wer ist die Welt und wer bin ich?

Ich bezeichne diese liebevolle Annahme des Schrecklichen manchmal auch als Selbsterlösung und es meint jene Herzensausweitung [...]. Das eigene Herz dehnt sich aus, wird weit genug für den eigenen Schmerz. Der in Liebe aufgenommene Schmerz durchläuft einen energetischen Wandlungsprozess, der die eigene Sicht immer wieder neu erhellt. Ich beschreibe hier keine Theorie, sondern meine Erfahrung in der mehrschichtigen Transformation der kleinen und großen Widrigkeiten des Lebens. In solch einem Herzensprozess kann plötzlich ein tief strömendes Mitgefühl entstehen, mein Herz noch weiter aufgehen und das Gegenüber, das einst meine Schmerzen auslöste, darin Platz finden. Auf diese angedeutete Weise “esse” ich seit Jahren die Welt. Das kostet zwar zunehmend mehr Zeit und Kraft. Doch unbeschreiblich die daraus erwachsende Leichtigkeit, Freude und Fülle. Ich “bekomme” immer mehr, aber ich “brauche” auch immer mehr, um meinen Transformationsprozess fortsetzen zu können. Je wohler ich mich fühle, desto mehr Unwohlsein bereitet mir das, wofür ich mich bislang nicht zuständig fühlte. Auch jetzt bin ich nicht zuständig dafür im Sinne die Welt retten zu wollen, sondern zuständig im Sinne von Verantwortung für die Gefühle, die die Welt in mir auslöst. Also nehme ich das einst Fremde in mein Herz, lasse mich ein auf die Transformation der Energien, bis ich mich wieder wohler fühle und neue (Handlungs-)Impulse entstehen. Stößt mein Blick erneut auf etwas von mir Ausgegrenztes, dehne ich mein Herz erneut… Was gestern noch Welt war, belangt mich heute persönlich. Wer ist die Welt und wer bin ich? Alles schiebt sich immer mehr ineinander. So geht das immer weiter. Auf diese Weise entstand zum Beispiel mein Gedicht Soldat, ich ehre dein tapferes Herz. Und auf dieselbe Weise geht immer mehr im Wortlosen auf.

[...]

Deshalb formuliere ich manchmal, dass ich einfach nur nach Herzenslust lebe. Ich folge keinen Dogma, sondern meinem Wohlsein, das sich an Liebe ausrichtet. Das ist auch der wesentliche Unterschied zum Egoismus (siehe bei Interesse hier und hier).

Was auch geschieht, Selbstannahme ist immer möglich

Wenn ich also davon schreibe, immer mehr in Freude zu sein, bedeutet das nichts anderes, als dass ich ständig esse, was mir auf den Tisch kommt, mich aber nicht zwinge, wenn ich mich ekle, sondern dann eben ein paar Tage oder Jahre [sic!] mit dem Ekel herzensschwanger gehe, um die Bilder nun endgültig zu vermischen *schalk*. Und der einzige Grund, warum ich mich auch über den Ekel hermache, ist der, weil ich aus meiner Erfahrung weiß, dass es mir mit ihm im Herzen besser geht, als wenn ich ihn außen vor lasse. Doch solange mein Herz nicht weit genug ist, kann ich ihn nicht aufnehmen. Aber auch mit diesem Unvermögen kann ich mich liebevoll annehmen! Also gleichgültig, was mir passiert: Ständig kann ich mich annehmen, mit dem was ist, mit meinem Unvermögen wie mit meinen Sternstunden und bin dabei immer in der einen Liebe. Die Momente, in denen ich mit meinem Bewusstsein nicht in der Liebe bin, gibt es natürlich. Doch kann ich sie immer schwerer ertragen, weil der Unterschied so gravierend ist! Deshalb sinke ich immer schneller ins Herz – mit alledem, was gerade ist. Und wenn ich in der Liebe bin, kann ich gar nicht anders, als meinen Gegenübern eben mit dieser bedingungslosen Liebe zu begegnen, in der zugleich Platz für meine Präferenzen [...] bleibt.

[...]

In der bedingungslosen Liebe dürfen Präferenzen sein

Durcheinander geht in dieser Diskussion die Sache mit dem Wert. “Wert” kommt in vielen Begriffen vor und ich sehe da (vergleichbar zum Begriff “Spiritualität”) mehrere Bedeutungsebenen.

Ich negiere nicht die lebensnotwendige Existenz von kognitiv-emotionalen Bewertungsprozessen, wenn ich Auf- und Abwertungen im Widerspruch zur Gleichwertigkeit aller Menschen sehe. In der bedingungslosen Liebe, in der alles Seiende wie beschrieben seinen Platz findet, dürfen Präferenzen (unser freier Wille) weiterhin sein. Dürfen wir unser Urteilsvermögen bewahren, nach unseren Bedürfnissen und Werten immer wieder neu bewerten und entscheiden, was uns entspricht. Wenn ich also den Weg in die Freude wähle, so wie ich auch eine Tasse Tee oder ein Kleid wähle, werte ich mit meiner Wahl weder die Traurigkeit, noch den Kaffee, noch die Hose ab. [...]

Kein Gott, sondern dein Wohlsein macht den Unterschied

Ich erhebe meinen Weg nicht zur Norm und beschreibe auch keine Wachstumsnotwendigkeit [...]. Wer sich mit seinem Interesse für Heilung und Fülle an meine Website oder mich wendet, erfährt: Ab in die Liebe mit dir und allem, was in deinem Rucksack ist. Doch, ob du es machst oder nicht, ist vor dem, was du Gott nennst, egal. Einzig und allein für dich macht es einen Unterschied im Wohlbefinden.

Damit behaupte ich nicht, dass mein menschliches Wesen völlig frei von Tendenzen zur Abwertung wäre. Sondern ich pflege eine Haltung, in der jeder frei ist, zu leben wie es ihm gefällt, ohne dabei jemals an (Ehren-)Wert zu verlieren oder zu gewinnen. Auch in meiner Unzulänglichkeit bleibe ich immer gleich viel wert. Das enthebt uns nicht des operativen Handelns (s. bei Interesse: erster Abschnitt von In der Welt zu Hause sein), aber eben auch nicht der Verantwortung für unser Leid (s. bei Interesse: Dialog mit Nicoletta und Helga).

[...]

Eine Freiheit, die den Totalitarismus nicht bedient, sondern in die Liebe überführt

Mir geht es um die subjektive Stimmigkeit, der ich immer wieder neu folgen darf – ohne Angst, jemals in göttliche Ungnade zu fallen.

Daraus erwächst eine Freiheit, die den Totalitarismus nicht bedient, ihm aber seinen Platz in der Welt lässt. Dabei geschieht laaangfristig etwas Wunderschönes (das ist eine Bewertung!): In dem Maße, wie sich die Freiheit in Liebe ausdehnt, verschwindet der Totalitarismus. Er wird von Liebe gegessen. Nicht der Kampf gegen Totalitarismus (das wäre Abwertung!) bringt ihn aus der Welt, sondern unsere wachsende Annahme von allem, was ist (Gleichwertigkeit alles Seienden!). Denn auch meiner Anschauung nach, sehnt sich alles, was ist, im tiefsten Grund nach dieser liebenden Annahme [...]. Aber nicht alles, was ist, fühlt sich bereits dieser Liebe wert (Selbstwertgefühl!). Noch einmal betone ich: Das enthebt uns nicht unserer alltäglichen Verantwortung angesichts dessen, was uns widerfährt und zum angemessenen Handeln auffordert. Das Gegenteil ist der Fall: Die Arbeit beginnt immer in uns selbst. Wenn nicht wir uns mit allem, was wir erleben, alltagstauglich in die Liebe bringen, wer dann?

Simone Meller

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es gibt nichts zu verbessern


ich verspreche dir keine bessere welt für morgen oder übermorgen
ich erzähle dir nur von dem schlüssel der fülle hier und jetzt erschließt
wenn du mich beauftragst stelle ich mich in den dienst deines höchsten wohls
gemeinsam mit dir zu erlösen das alte damit das neue strömen kann in leichtigkeit
doch weder erwächst daraus eine norm für andere noch für dich oder mich
bleiben wir offen für das was kommt immer wieder neu und geben unser altes hin
widerstehen der versuchung des normativen schmelzen mit ihr im feuer der Liebe
es gibt nichts zu verbessern nur zu erfahren das vollkommene von moment zu moment in steter wandlung
noch nie richtete sich evolution nach normen sondern geschieht dort wo altes überlebt wurde und wird
wer das neue fand und integrierte drängt es anderen nicht auf sondern lebt freigebend in vergnügter stille

simone meller

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Das wahre Selbst ist kein Ideal-Zustand


Jenseits von Normen und Idealen bin ich

Mein wahres Selbst ist mein unmittelbares Erleben hier und jetzt. Ich bezeichne mit dem wahren Selbst keinen angenehmen Ideal-Zustand, sondern alles, was jeweils in mir ist. Mein wahres Selbst ist keine Finest Selection meiner Lieblingszustände, sondern ein ununterbrochener Fluss wechselnder Zustände. Manche davon sind so unbeschreiblich herrlich, dass die Versuchung naheliegt, sie als das anzustrebend Wahre zu bezeichnen. Doch so verjüngend und strahlend manche zwischenmenschlichen und transzendenten Zustände auch sind, sie sind meiner Erfahrung nach nicht wahrer oder richtiger als andere Zustände.

Mein wahres Selbst gibt es nur in diesem Augenblick – jenseits von Normen und Idealen. Jetzt bin ich. Jetzt bin ich, die ich bin. Auch in Momenten völliger Finsternis. In der Bejahung eines jeden sich gerade in mir ereignenden Zustands bin ich jeweils in meiner vollen Kraft. Mein wahres Selbst ist mein unmittelbares Erleben hier und jetzt. Seine Bejahung erfordert Liebe, ist annehmende Liebe.

Selbstverrat und (Selbst-)Täuschung

Das wahre Selbst wird dort geopfert, wo es nach Liebe verlangt, aber auf Ablehnung stößt. Diese Erfahrung habe ich als Kind gemacht, z.B. wenn ich wütend war, aber auch wenn ich für meine Familie unangenehm klar war. An die Stelle meines abgelehnten wahren Selbst trat das falsche Selbst, eine (Selbst-)Täuschung, um der Ablehnung zu entgehen und Liebe zu ernten. Nur wurde ich ja nicht für das geliebt, was ich war, sondern für das, was ich vorgab zu sein. In diesem kontinuierlichen Selbstverrat vermehrte sich mein Schatten, wuchsen in mir Probleme heran, bis ich mich ihnen als junge Erwachsene zu stellen begann. Ich hatte genug von meinem Leid. Ich begann mich dort zu lieben, wo ich einst in die Verbannung gegangen war. In diesem Leben und in vielen anderen Inkarnationen.

Vom falschen Selbst (Selbstverrat) spreche ich also nur dann, wenn das unmittelbare Erleben verneint und infolge unstimmig gehandelt wird. Sobald ich meinen Selbstverrat erkenne und liebevoll annehme, lebe ich schon wieder mein wahres Selbst. Doch unabhängig davon, wie (un-)stimmig ich jeweils handele, bin ich dank unaufhörlicher Synchronizitäten immer auf meinem Seelenweg. Aus dieser höheren Sicht bin ich nie verloren und verstoßen, sondern immer ein geliebtes göttliches Kind, das sich mit jedem Schritt in neuen Umständen spiegeln darf (s. Von scheinbarer Tragik und ewiger Sicherheit). Das ist eine unglaubliche Geborgenheit, in der das, was wir gerne als “Fehler” bezeichnen, nichts weiter als Erfahrungen sind. Zugleich sind wir als Erwachsene niemals unserer Verantwortung enthoben, denn wir entscheiden immer aufgrund unseres freien Willens.

Es gibt kein objektiv Richtiges oder Falsches. Das jeweils subjektiv Wahre und Stimmige verändert sich von Moment zu Moment. Gestern kann meine Abgrenzung gegenüber einem Seins-Aspekt noch stimmig gewesen sein, während sie heute Selbstverrat wäre, weil die Öffnung meiner Grenze für diesen Seins-Aspekt ansteht.

Kontinuierliche Einladung zum Wachstum

Das wahre Selbst ist also nicht etwas gegenständlich Festes, sondern etwas, das sich fortlaufend im puren Sinne des Wortes ent-wickelt. Es ist etwas, das immer wieder neu und anders ist.  Es ist ein Weg zu mehr Wohlbefinden. Auf diese Weise geschieht Wachstum. Mein wahres Selbst hebt mich Stufe um Stufe empor, ohne dass deshalb die vorherigen Stufen an sich falsch oder weniger wert würden, sie entsprechen mir nur nicht mehr, sind nicht mehr stimmig.

Ich befinde mich in einem ununterbrochenen Häutungsprozess. Keine meiner alten Häute entspricht mir noch, keine davon ist mein wahres Selbst. Doch eine jede von ihnen war einmal für einen kurzen oder langen Moment mein wahres Selbst. Keine Haut war besser oder schlechter als die andere, aber jede war vollkommen. So wie mein wahres Selbst jetzt.

Text: Simone Meller | Foto: bellmers, Pixelio

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