Tag Archive | "Nein"

Mein Weg in die Fülle begann mit Nein-Sagen


Nie wäre ich dort, wo ich heute bin, hätte ich die Kraft des Neins ausgeschlagen. Jedes ausgesprochene und tapfer gelebte Nein war eine bedingungslose Bejahung meiner selbst. So schuf ich Platz für Fülle, die sich weniger im Materiellen äußert als in der ideellen Tatsache, dass ich zwischen Aufstehen und Schlafengehen das lebe, wonach mir jeweils ist. Darüber verdiene ich dann letztlich auch das Geld, das zur Deckung meiner materiellen Bedürfnisse reicht, die allerdings  im Laufe der Jahre sehr einfach geworden sind.

Ich kenne Menschen, die über ein wesentlich höheres Einkommen und mehr finanzielle Rücklagen verfügen als ich. Sie haben oft keine Zeit, um mit mir den gemeinsamen Augenblick, wie der Himmel ihn schickt, zu teilen und zu genießen. Natürlich brauchen sie dann auch mehr Geld, um sich zu erholen bzw. ihre Strapazen zu kompensieren. Ich verstehe sehr gut, was sie meinen, wenn sie mir sagen “Wenn man einen gewissen Lebensstandard halten möchte, muss man eben manches Opfer bringen”. Zugleich weiß ich, dass jedes erbrachte Opfer ein Nein zu sich selbst ist und tiefer in den Mangel führt, der als ewig antreibende Existenzangst ins Bewusstsein tritt.

Blicke ich auf die Patientinnen und Coachees, die ich seit 2003 begleitete, so stelle ich immer wieder fest: Existenzangst ist einkommensunabhängig. Sie zieht sich durch alle Schichten, jedenfalls solange, wie die Angst nicht mit Hilfe von Liebe für sich selbst erlöst wird. Das ist der Weg, den ich mit wachsendem Vertrauen gegangen bin.

Es stimmt zwar: Zeit ist Geld. Aber genauso zutreffend ist es, dass wir mit dem durch Selbstopferung verdienten Geld nicht das kaufen können, was uns zwischen Tür und Angel glücklich (ge-)macht (hätte). Denn das, was uns von innen heraus Er-Füllung erleben lässt, ist unbezahlbar. Es entsteht durch die Kraft des Neins. Durch Tausende von Neins zu kleineren und größeren Aktionen der Selbstverleugnung. Und wenn die Angst an deine Tür klopft, dass  man doch so unmöglich erfolgreich sein könne, dann lädst du sie in Liebe ein und zeigst ihr dein neues Leben.

Glück entsteht durch Liebe, also durch die bedingungslose Bejahung jeder Faser deines wahrhaftigen Seins. Das heißt: Du bist davon überzeugt, dass du sein darfst, wie du bist, und dass du dich durch deine liebevolle Wahrhaftigkeit dir selbst und anderen gegenüber ernähren kannst. Und dazu gehört an vielen Stellen die Kraft des Neins. Jedes Nein wird aus Liebe zu dir selbst geboren: Denn wenn du dir alles gönnst, weißt du, was du nicht (mehr) brauchst.

Text und Foto: Simone Meller
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Lieben lernen


1

Ein Mann kam zur Tür der Geliebten und klopfte.
Eine Stimme fragte: “Wer ist da?”
“Ich bin es”, antwortete er.
Da sagte die Stimme:
“Hier ist nicht genug Platz für mich und dich.”
Und die Tür blieb geschlossen.
Nach einem Jahr der Einsamkeit und Entbehrung kam der Mann wieder und klopfte.
Von drinnen fragte eine Stimme:
“Wer ist da?”
“Du bist es”, sagte der Mann.
Und die Tür wurde ihm geöffnet.

Jaluddin Rume

2

“Nein, du bist nicht ich. Du bist du”, sagte die Stimme, die zwischenzeitlich auch gereift war.
Und die Tür wurde wieder geschlossen.
Nach einem Jahr gewachsener Liebe für sich selbst kam der Mann wieder, das neu gewordene Sprüchlein auf den Lippen:
“Ich bin es.”
Da saß die Geliebte bereits in sich selbst ruhend vor der Tür und empfing ihn inniglich in einer Umarmung, die da sprach:
“Jetzt gibt es genug Raum für dich und mich.”

Simone Meller


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Kritisches Statement zum Kreationismus


Ich sah einen Fernsehbericht über den Kreationismus (s. Wikipedia). Demnach sollen 45% der US-Amerikaner und 15% der Deutschen Anhänger dieser Strömung sein, die wissenschaftsfeindlich eine konkretistische Auslegung der Bibeltexte dogmatisiert. Sogar in Schulen wird diese Denke bereits gelehrt. Dahinter steht ein Bedürfnis nach Orientierung und Sicherheit, der Wunsch nach etwas, das über allem steht und klar sagt: “Das ist richtig, das ist falsch. Das will Gott, das will er nicht.”

Der Kreationismus ist ein Beispiel dafür, wie ein Zurückfallen in die Prärationalität persönliche und spirituelle Entwicklung hemmt (s. Transrationalität ist ein Tor). Anstatt das Wagnis eigener Erfahrungen und Werteabwägungen einzugehen, bleiben die Anhänger des Kreationismus im regressiven Bedürfnis nach einer autoritären Macht verhaftet (s. Punkt 1 Pilzsuche im psycho-spirituellen (Esoterik-)Wald).

So bedenklich mir diese Entwicklung aus psychologischer Perspektive erscheint, darf diese Spielart aus Sicht des Seins natürlich sein.

Ich persönlich sage “Nein” zum Kreationismus und akzeptiere auf Seins-Ebene seine Existenz (s. Was Nein-Sagen bedeutet). Sie ist der Ausdruck eines Teilkollektivs, das sich auf seinen eigenen Weg nach Hause macht.

Auch ich habe mich einst auf meinen Weg gemacht und jede Information ignoriert, die noch nicht zu meinem Sein passte (s. Entwicklung von Neuem Bewusstsein). Auch ich habe die Spiele der Idealisierung und Entwertung gespielt und schrittweise zu einer gesunden Mitte gefunden.

Wenn Menschen Spiele spielen, die nicht mehr meine Spiele sind, bleibt mir nur, ihnen im Herzen die Hand zu halten. Ich lasse los und bleibe offen für Neubegegnung zur rechten Zeit. Es ist Liebe, die bleibt.

Simone Meller

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“Ich sehe dein Licht”


Der früh verletzte Mensch (s. Von der Flucht in die Stille) kann sein Leid nicht erzählen. So bleibt ihm nur, seine Bezugspersonen sein Leid erfahren zu lassen. Je mitfühlender und liebevoller man auf einen früh verletzten Menschen ZUGEHT desto aggressiver und verletzender wird er. Er agiert aus, was ihm widerfuhr. Dies geschieht unbewusst. Wäre es ihm bewusst, könnte er darüber sprechen und den Weg des Erzählens gehen. Was nicht bewusst ist, kann nur agiert werden.

Partner, Freundinnen und Therapeuten geben hier meist ihr Bestes, doch oft reicht das nicht. Häufig bedarf es zahlreicher zerschlagener Beziehungen und mehrerer Therapieversuche, um Bewusstwerdung und damit Heilung zu erreichen. Ich möchte zwei Widerstände beschreiben, die gemeistert werden müssen, der eine liegt in der helfenden Person, der andere im früh verletzten Menschen.

Wenn die helfende Person nicht kompromisslos auf Liebe ausgerichtet ist und alle Übertragungen, Projektionen, Verblendungen und Aggressionen in ihr Herz nehmen kann, wird sie zur blind zurückschießenden Mitspielerin in der Wiederaufführung der Traumata. In diesem Inferno verliert sie die eigene Klarheit, die entscheidend für einen heilsam korrigierenden Prozess ist. Das passiert, wenn die helfende Person selbst eine helfende Person bräuchte.

Das Leid des früh verletzten Menschen sprengt jede Beziehung, wenn nicht beide voll und ganz zum Heilungsbündnis entschlossen sind. Keinesfalls bedeutet das, auf die eigenen Grenzen zu verzichten, denn das wäre lieblos sich selbst gegenüber. Es bedeutet, vollständig “Ja” zu mir und “Ja” zum anderen zu sagen und “Nein” zum Leid gegen mich.

Am Anfang war Beziehung. Der Mensch wird am Du zum Ich. – Martin Buber

Der früh verletzte Mensch versucht, mich mit der Kraft der Verzweiflung zu nötigen, mein Fundament der liebevollen Klarheit zu verlassen. Er versucht mich auf subtile und/oder brutale Weise zu provozieren. Damit bin ich bei seinem Widerstand, der sich u.a. darin äußert, dass er Gründe sucht, sich über sein Leiden nicht bewusst werden zu müssen. Wenn es ihm gelänge, mich wie viele andere vor mir auszuschalten, dann müsste er sich nicht mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen. Widersteht die helfende Person den zahlreichen Versuchungen, so bleibt ihm nur noch, sich zu stellen. Vergangenheitsauflösung ist kein Selbstzweck, sondern dient einzig und allein dazu, Schmerzen von gestern, die den gegenwärtigen Eintritt in die Freude verhindern, zu transformieren.

Die Gegenwart ist der Kraftpunkt, der Vergangenheit und Zukunft verbindet. Nur im gegenwärtigen Augenblick ist es möglich, unbewältigte Vergangenheit abzuschließen und neue Weichen für die Zukunft zu stellen. – Gerd Ziegler

Ein früh verletzter Mensch weigert sich, diesen Schritt zu gehen, wenn er Angst hat, in der eigenen Dunkelheit unterzugehen. Er hat Angst, noch einmal fallen gelassen zu werden. Und so ist sein Widerstand zugleich die Prüfung der helfenden Person auf Geborgenheit: “Hältst du mich wirklich? Hältst du mich aus? Wirst du zu all der Hässlichkeit in mir stehen?” Während ich diese dunkle Seite nur als einen Teil von ihm sehe (eine spielerische Schöpfung des Lichts), fühlt er sich mit dieser finsteren Energie unbewusst identifiziert. Er kann diesen großen Schatten erst sehen und annehmen, wenn die Identifizierung in eine Arbeit mit Teilen übergeht. Dafür braucht er mich. Deshalb greift er mich an. In meinem modellhaften Umgang damit erreicht ihn Inspiration zur Erlösung seiner selbst.

Selbsterlösung ist nichts anderes als die mannigfach wiederholte Erfahrung, dass alles in uns selbst seinen Ursprung nimmt und auch dort wieder sein Ende findet. Wir sind alles und nichts. Erkenntnis genügt nicht. Wir wollten es erfahren, deshalb sind wir hier.

Genauso genügt auch dem verletzten Menschen nicht das verbale “Ja” der helfenden Person: “Ja, ich werde dich halten, egal, was geschieht.” – Bevor er sich für den Abgrund in sich öffnet, will er überzeugt sein. Sein Abgrund ist der eisigste Tiefpunkt an Dualität und Polarität, das maximal erfahrbare Leid im Menschenspiel (s. Kosmische Gesetze). Nun will er erfahren, dass er in bedingungsloser Herzenswärme gehalten wird, egal, was geschieht. Also überzeugt er sich, indem er um sich schlägt.

Jeder Schlag ist eine verzweifelte Frage. Und jede Hineinnahme in das helfende Herz ist eine heilende Antwort. Sie lautet: “Ja, du verletzt mich. Und ich sehe dein Licht.”

Simone Meller
Foto: Pixelio, Achim Lueckemeyer

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