Posted on 14 September 2010. Tags: Anerkennung, Arbeit, Brücken, Coaching, Energie, feminin & maskulin, fest, Fortschritt, Fremdheit, Führung, Gefühl, Gewohnheit, Glaubenssatz, Herz, Inspiration, Intuition, Kraft, Kundenorientierung, Leadership, Leistung, Liebe, Macht, Mitarbeiter, Motivation, Muster, Präsenz, Respekt, sanft, Tabu, Unternehmen, Unternehmensberatung, Unternehmenskultur, Veränderung, Verstand, Widerspruch, Widerspruchsgeist, Widerstand, Wirtschaft, Zukunft
Ideen scheitern oft an der Unternehmenskultur
Viele gute Ideen und Projekte werden im Unternehmen durch die bestehende Kultur ausgebremst. Das ist nicht ungewöhnlich. Denn dieses sozialpsychologische Phänomen ist überall zu beobachten, wo sich Menschen in Gruppen zusammenfinden und ein unterschwelliges Übereinkommen etnsteht, was im Gruppenkontext wünschenswert ist und was nicht. Diese unsichtbaren Gesetze kann man recht schnell greifen, wenn man sich fragt: Was muss ich hier tun, um anzukommen und Ansehen zu gewinnen? Was muss ich hier tun, um ins Fettnäpfchen zu treten oder es mir zu verscherzen? Gerne frage ich meine Kunden auch ganz klassisch: “Wenn morgen eine Freundin oder ein Freund von Ihnen hier im Unternehmen neu anfangen würde, welche Tipps bezüglich Kleidung, Verhalten, Sprache etc. würden Sie ihr/ihm geben? Über welche dieser Kriterien sind Sie hier und jetzt bereit zu sprechen und über welche nicht? Warum ist das so?”
“Das funktioniert bei uns eh nicht!”
Im Coaching erfahre ich die Unternehmenskultur indirekt, nämlich wenn sich das Gesicht meines Kunden nach einem Aha-Erlebnis plötzlich verdunkelt und er sagt “Das funktioniert bei uns eh nicht”. Wenn ich Prozesse im Unternehmen moderiere oder einen Vortrag halte, erlebe ich den Tabubruch meinerseits entweder durch atemlos gespannte Stille oder durch eine sich zerstreuende Aufmerksamkeit. Während ich in der Spannung noch im Rennen bin, weil ich durch mein Tun die unausgesprochene Frage beantworte, ob ich – bildlich gesprochen – das aufgemachte Fass auch halten kann, warnt mich die Aufmerksamkeitsflucht, dass ich Menschen abgehängt habe. Im ersten Fall mache ich vergnügt weiter (denn das ist mein Job!) und im zweiten Fall halte ich inne, eruiere Widerstände und Zweifel, überprüfe meine Wahrnehmungen und Hypothesen und einige mich gemeinsam mit der Gruppe auf ein weiteres Vorgehen.
Brücken bauen für eine neue Wirtschaft
Sehr oft höre ich also von meinen Kundinnen: „Aber das können wir doch nicht machen…“ Und genau an dieser Stelle kommt meine Dienstleistung ins Spiel. (Wohl gemerkt, wir reden hier nicht davon, morgen als Mann im Schottenrock zur Arbeit zu gehen, sondern davon, Arbeitsabläufe konstruktiv zu verändern und Projekte innovativ aufzuziehen.) Ich kokettiere damit, eine Tabu-Brecherin zu sein. Gewissermaßen entspricht dies den Tatsachen, wenn ich auch nicht brachial vorgehe, sondern Brücken zu neuen Sicht- und Handlungsweisen baue. Ich baue Brücken von der bestehenden Unternehmenskultur zu einem Weg des Herzens in der Wirtschaft. Das Herz steht hierbei als Symbol für die harmonische Vereinigung von Verstand, Intuition und Gefühl.
Ich arbeite mit femininer Energie – also spürig, sensitiv, Zusammenhänge erkennend – und mit maskuliner Energie – indem ich mit meiner Wahrnehmung konfrontiere, hartnäckig bleibe und mich nicht abschütteln lasse. Das, worüber meine Kundinnen und Kunden am liebsten nicht sprechen würden, ist genau das Thema, um das es geht. Mit einer Mischung aus Sanftheit und Festigkeit gelingt die Bearbeitung.
Selbstbewusstsein verändert Unternehmenskultur
Man kann alles machen, wenn es in liebevoller Absicht und mit Respekt vor anderen Menschen geschieht. Dann kann man auch die ungewöhnlichsten Dinge bringen. Dazu ermutige und inspiriere ich andere. Bin ich im Unternehmen engagiert, kann ich es ein Stück weit vorleben und gemeinsam mit den Anwesenden etablieren. Meinen Coachees kann ich nur helfen, indem wir die zugehörigen Selbstblockaden in der Tiefe ihrer Seele auflösen. Dies geschieht bei entsprechender Bereitschaft leicht innerhalb weniger Sitzungen und führt zu veränderten Resonanzen (nicht nur) im Arbeitskontext.
Alles was wir tun, steht und fällt damit, aus welcher Haltung heraus wir es tun. Wer sich zum Beispiel nicht traut, der Chefin oder dem Kunden konstruktiv zu widersprechen (um nur zwei von vielen möglichen Abhängigkeitsbeziehungen zu nennen), weil er in sich den Glaubenssatz trägt, “dass man das nicht tut”, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein bestätigendes Erlebnis (self fullfilling prophecy) haben. Genauso diejenige, die zwar um diesen Glaubenssatz weiß, jedoch untransformiert nach dem Motto “Augen zu und durch” handelt. Wer jedoch wahrhaftig davon überzeugt ist, dass sich Leistungsmotivation bzw. Kundenorientierung durchaus mit inspirierendem Widerspruchsgeist vertragen und dies mit jeder Pore seines Körpers ausstrahlt, wird gerade damit Erfolg haben, dass er anders ist als man gemeinhin erwartet. Und zwar nicht, weil es eine erstrebenswerte Charaktereigenschaft wäre, partout immer anders zu sein, sondern weil das Neue, das den Fortschritt bringt, am Anfang immer ein bisschen fremd ist.
Echtes Leadership führt sicher durch die Fremde
Schon immer ist es das Fremde gewesen, das verunsichert. Deshalb bedürfen wir einer inneren Festigkeit und einer für Einwände offen bleibenden Überzeugung, wenn wir dem anderen unsere neue – fremde – Idee zumuten. Brauchen wir seine Anerkennung und Bestätigung, stehen unsere Chancen schlecht, mit der Idee zu überzeugen. Sind wir davon jedoch unabhängig, weil wir in uns selbst ruhen, leben wir das, was ich echtes Leadership nenne. Nämlich die Fähigkeit ohne Anwendung hierarchischer Macht Menschen zu neuen Möglichkeiten und Erfahrungen zu führen. Einfach durch das kraft- und damit machtvolle Leben der eigenen Präsenz. Genau das braucht unsere Wirtschaft jetzt mehr denn je – von ihren Führungskräften sowieso und gerade auch von der operativ tragenden Basis, die durch ihren anderen Blickwinkel neue Sichtweise eröffnen kann. Jedes Tabu, das sanft berührt und entschlossen überwunden wird, bringt uns nach vorn. Jedes Tabu ist nichts weiter als ein altes Gewohnheitsmuster. Leadership verändert dieses Muster durch die Kraft von Menschen, die vorangehen und Wachstum stimulieren. Immer haben sie Erfolg, auch wenn das oft erst lange Zeit später gesehen wird. Wie gut, dass wahres Leadership von dieser Anerkennung unabhängig ist!
Text: Simone Meller | Fotos: Rainer Sturm, Susanne Beeck, Pixelio
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Posted on 29 Juli 2010. Tags: Arbeit, Assessment Center, Beruf, Coaching, Feedback, Führungskraft, Geschenk, Gespräch, Herz, Klarheit, Mitarbeiter, Mitte, Mut, on the job, Personalentwicklung, Selbstverwirklichung, Tipp, unangenehm, Unternehmen, Verführung, Wertschätzung, Wertschöpfung, Wirtschaft, Wohl
Als Personalentwicklerin, Vorgesetzter, Coach oder Leiter eines Assessment Centers steht man manchmal vor der schwierigen Aufgabe, unangenehmes Feedback geben zu müssen. Das Feedback ist unangenehm, weil es mit Selbstkonzept und Wünschen des Betroffenen divergiert. Die Aufgabe, solches Feedback nutzenstifend an den Mensch zu bringen, fällt uns schwer, weil wir klar zu bleiben haben, ohne zu verletzen. Anstatt lange um den heißen Brei herumzureden (“diplomatische Tour”) oder dem anderen unser Feedback einfach vor die Füße zu knallen (“kurz und schmerzlos”), gibt es einen wertschätzenden Weg der Mitte.
Um Erlaubnis fragen und Raum geben
Ich mache immer wieder gute Erfahrungen damit, vor dem Feedback Geben um Erlaubnis zu fragen. Das heißt, ich formuliere noch einmal auf meine Weise das anfängliche Anliegen meines Gegenübers, so wie es bei mir angekommen ist. Dann sage ich in angemessenen Worten, die natürlich je nach Kontext zu variieren und konkretisieren sind, dass ich meine etwas darüber verstanden zu haben, warum es (noch) nicht klappt. Pause. Diese kleine Pause gibt Raum dafür, dass sich der Betroffene innerlich auf die Richtung des Gesprächs einstellen, vielleicht sogar öffnen kann.
Anschließend formuliere ich ungefähr in dieser Art: “Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, kann ich Ihnen gerne ein persönliches Feedback geben.” Und wenn ich den Eindruck habe, dass es für mein Gegenüber ein großer Brocken sein könnte, versuche ich ihn in seiner Bereitschaft zu Selbstreflexion und Wachstum zu bestärken: “Das wird vielleicht nicht ganz leicht für Sie sein, ist aber eine Chance zu erfahren, wie Sie auf andere wirken.”
Selbstverwirklichung bedeutet die Art und Weise unserer Pflichterfüllung zu verändern
Erhalte ich auf diese Weise die Erlaubnis, ist es bei innerer Klarheit relativ leicht, auch unangenehmes Feedback wertschätzend und gewinnbringend zu vermitteln. Signalisiert der andere ein “Nein”, so achte ich dies und versuche gemeinam mit ihm herauszfinden, warum nicht. Vielleicht ist der Zeitpunkt ungünstig wegen eines darauf folgenden Termins oder wegen privater Belastung. Wenn das so ist, kann Feedback nicht fruchten. Dies anzuerkennen und einem günstigeren Zeitpunkt entgegenzusehen, macht es für alle Beteiligten leichter. Feedback, aus welcher beruflichen Rolle heraus es auch erfolgt, ist ja niemals Selbstzweck, sondern bei richtiger Zustellung ein Geschenk, das dem Wohle des anderen dient. Und jeder weiß, wie lästig unerwünschte Geschenke sind. Gelingt es uns aber, das Unangenehme jenseits von Beschönigung und Beschwichtigung auf wertschöpfende Weise zu vermitteln, erfahren auch wir Erfüllung. Dieses Gefühl von Erfüllung verweist darauf, dass es uns in dieser einen Sache gelungen ist, uns selbst zu verwirklichen. Wir haben unseren eigenen Stil eingebracht. Plötzlich macht es einen Unterschied, ob wir oder jemand anderes dieses Gespräch geführt hat!
Das ist ein kleines Beispiel dafür, wie Selbstverwirklichung im Beruf möglich ist. Jede bislang unangenehme Job-Aufgabe kann mit etwas Herz und Mühe so gewandelt werden, dass der Ausgang für alle Beteiligten befriedigender ist. Auf diese Weise verändern sich allmählich unsere Berufe, unsere Unternehmen und unsere Wirtschaft. Bei manchen Herausforderungen fehlt einem vielleicht die Idee zur Umsetzung oder man hat Sorge mit dem unkonventionellen Vorgehen aufzufallen. Doch alles, was man gerne anders hätte, kann auf mutig-kreative Weise realisiert werden. Wie das fallweise und konkret funktioniert, zeige ich in meinem (Telefon-)Coaching.
Simone Meller
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Posted on 19 Juli 2010. Tags: Abi, Beruf, Büro, Coaching, Coachingdauer, Gruppencoaching, Hamburg, Intensivcoaching, Intervention, Klarheit, Kollegen, Meditation, Mitarbeiter, Projektplan, Ruhe, Schlafen, Selbstverwirklichung, Self Coaching, Telefoncoaching, Termine, Tiefe, Unruhe, Wirtschaft
Es gibt Tage der Unruhe. Nichts besonderes ist geschehen, doch innerlich ist da ein mulmiges Gefühl, scheinbar ohne Grund. Solche Unruhe ist wie Kräuseln an der Wasseroberfläche – ein Zeichen dafür, dass sich in der Tiefe ein Thema rührt. Zugleich fällt es dir schwer, in die Tiefe zu tauchen und nachzusehen. Denn dies setzt ein Mindestmaß an Ruhe und Entschlossenheit voraus, die du akut nicht hast.
Vielleicht gibt es jemanden, der dich unterstützen kann, Klarheit zu gewinnen? Um Hilfe zu bitten und diese auch anzunehmen, ist eine tragende Lebenserfahrung. Wiederum gilt es, den Bedürfnissen nach Wachstum und Autonomie gerecht zu werden. In diese Richtung zielt mein folgender Tipp zum Self Coaching:
- Akzeptanz. Wenn du unruhig bist, dann tust du gut daran, dies zu bemerken und dir einzugestehen. Anstatt darüber hinwegzuhuddeln und dich von deiner Unruhe unbewusst durch den Tag hetzen zu lassen, lässt du deine Unruhe zu. Du weißt, auch mit Arbeit, Sex oder Alkohol kannst du sie nicht platt machen. Du akzeptierst, dass die Unruhe da ist und lässt dich auf sie ein.
- Bergung. Frage dich, ob du bereit bist, deine Unruhe zu bergen. Das ist keine rhetorische Frage. Bist du nicht bereit, so frage dich, was du brauchst und sorge dafür. Bist du bereit, so beginne, deine Unruhe bergen. Zum Beispiel indem du hier und jetzt dir selbst zugewandt sprichst: “Oh, da ist eine Unruhe in mir…” Es muss nicht dieser Text sein, doch ist es hilfreich, ihn laut zu sprechen (Flüstern im Büro oder auf dem Weg zur S-Bahn geht natürlich auch). Damit kannst du ein Feld errichten, so ähnlich, wie wenn du mit dem Fuß einen Kreis in den Sand malst. Es geht einfach nur darum, einen liebevollen Raum zu öffnen, in dem Platz für deine Unruhe ist.
- Inbrunst. Alles bisher und weiter genannte funktioniert nicht, wenn du es technisch anwendest, nach dem Motto “Schnell den Satz, und dann hab’ ich meine Ruhe”. Sei in deinem Wort, werde zu seinem Gehalt. Lass dich inbrünstig ein und halte diesen Raum ohne (!) Anspruch auf Stille, Tiefe oder sonstige ehrgeizige Ziele. Einfach nur den Raum für die Unruhe halten (“den Kreis im Sand nachzeichnen”). Einfach nur lauschen, was sich zeigt. Einfach laut aussprechen, was du vernommen hast und den Raum halten. Wenn dich deine Unruhe lockt, alles hinzuchmeißen, dann beginne wieder beim ersten Punkt der Akzeptanz.
Das ist eine extrem niedrigschwellige Intervention, deren Zyklen du ein- oder mehrmals durchlaufen kannst. Im Laufe dessen weicht die Unruhe und gibt den Blick frei auf dein Thema. Du hast dein “Abi” (Akzeptanz – Bergung – Inbrunst) geschafft! Prima!
Doch bevor dich der Alltag wieder packt: Gehe Verbindlichkeiten mit dir selbst ein. Was erfordert dein Thema? Vielleicht ein Gespräch, einen Spaziergang oder eine Meditation? Eine Änderung im Projektplan, eine Aussprache mit einem Mitarbeiter oder das Absagen eines Termins? Ein Mittagsschlaf oder ein gutes Essen? Was auch immer es ist: Nimm es ernst. Denn es ist ein Teil von dir, der nach Verwirklichung verlangt. Selbstverwirklichung ist kein einzelner, in sich abgeschlossener Akt, sondern ein ständiger Prozess. Und manchmal macht er mit Unruhe auf sich aufmerksam: “Bitte, schau in die Tiefe!”
Immer öfter kannst du diesen Prozess völlig selbstständig durchlaufen. Liebe dich genau dort, wo es dir noch nicht gelingt und erlaube dir fallweise Unterstützung. Vielleicht fällt dir spontan ein Freund, eine Lebensberaterin, ein Coach oder eine Kollegin ein, die in dieser Sache hilfreich wirken könnte.
Auch ich stelle meine Kompetenz gerne in deine Dienste, wenn es sich für beide Seiten stimmig anfühlt. Je nach Anliegen und Thema schwankt meine Coaching-Dauer in der Regel zwischen 1 bis maximal 12 Sitzungen à 60 Minuten. Ich coache nicht nur in meiner Hamburger Praxis, sondern auch flexibel am Telefon und sogar vor Ort, wenn Gruppencoachings organisiert wurden. Hier findest du alle Infos über mein Coaching auf einen Blick sowie Übernachtungsmöglichkeiten, wenn du für ein Intensivcoaching zu mir an den Elbstrand kommen möchtest. Nur eines solltest du vorher wissen: Ich mach’ dir keine Lösung.
Text: Simone Meller
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Posted on 24 Mai 2010. Tags: Arbeit, Arbeitsstörung, Aufgabe, Balanced Score Card, Beitrag, Bewusstseinsfaktor, Bilanz, Burnout, Business, Coaching, Druck, Energieräuber, Erde, Erfolg, Feedback, Fehler, Führung, Führungskraft, Geist, Glaubenssatz, Grenzen, Großunternehmen, Haben, Hamburg, Herz, Insuffizienz, KMU, Kollegen, Kompetenz, Konzentrationsstörung, Kunde, Leadership, leicht, Leistung, Management, Meeting, Mitarbeiter, Mut, Neues Bewusstsein, Organisation, Perfektionismus, Personalmangel, Produktivität, Projekt, Prozess, Reizbarkeit, Ruhe, Same, Schlafstörung, Seele, Sein, Selbstverwirklichung, Sinn, Soll, Störung, Telefoncoaching, To-do-Liste, Umstrukturierung, Wahnsinn, wahres Selbst, Wandel, Wirkung, Wirtschaft, Zielvereinbarungen, Zweifel
Führungskräfte werden durchschnittlich alle 7 Minuten (durch Telefonate, Fragen von Mitarbeiter/innen etc.) gestört und mit ihrer Arbeit aufgrund von Masse nie wirklich fertig. Wenn sie abends nach Hause fahren, gehen sie im Geiste die Dinge durch, die sie noch nicht erledigen konnten. Dabei entgleitet ihnen das, was sie tagsüber faktisch geschafft haben.
Es ist riskant, sich auf das “Nicht” zu fokussieren, während das “Geschaffte” durch das Netz der Erinnerung fällt. Denn auf diese Weise bahnt man Insuffizienzgefühlen, Zweifeln an der eigenen Kompetenz und anderen Energieräubern den Weg. Häufig gestehen sich auf Perfektion bedachte Führungskräfte dieses negative Selbsterleben nicht ein, so dass es unbewusst antreibend wirkt und im Bewusstsein nur als “Druck” ankommt (s. Von der Maßlosigkeit zur Angemessenheit).
Mögliche Folgen sind Reizbarkeit, Schlafstörungen, Vernachlässigung von Hobbies, übermäßiges Arbeiten, zunehmende Flüchtigkeitsfehler, Konzentrations- und Arbeitsstörungen etc.. Schnell schaukelt sich das in einer Spirale bis zum Burnout hoch, das dann letztlich zu der Ruhe zwingt, die bereits jeden Abend auf der Heimfahrt oder, besser noch, bereits am Tage hätte sein dürfen. Auch Führungskräfte sind Menschen mit Grenzen. Einige Punkte auf der täglichen Aufgabenliste können abgehakt werden, andere nicht.
Allen, die sich abends ihr Soll vorhalten, empfehle ich eine banale Haben-Liste, auf der das Erledigte vermerkt wird UND das Unvorhergesehene, das ebenfalls geleistet wurde. Ganz abgesehen von diesem Leistungskatalog rate ich Führungskräften, sich bewusst zu machen, dass ihr größter Beitrag darin besteht, sich auf ihre persönliche Art und Weise in das Unternehmen einzubringen. Es hat einen Sinn, dass sie auf den Posten sitzen und nicht andere. Ihre Handschrift ist gefragt. Diese jeden Tag neu zu erbringen – bei all dem Wahnsinn, der in den letzten Jahren durch die Großunternehmen tobt und auch die KMU nicht unberührt lässt – das ist die wahre Leistung.
Es ist diese Leistung, die in meinen Augen bloßes Management von ernsthaftem Leadership unterscheidet. Sie taucht in keiner Balanced Score Card auf, obwohl sie langfristig und entscheidend auf die Bilanz eines Unternehmens wirkt. Sie ist das, was man im Business-Slang auch “Bewusstseinsfaktor” nennen könnte. Ginge es nur um die Funktion, so wäre jede Führungskraft jederzeit austauschbar. Doch gefragt ist eben auch ihr Sein, das über das Managen von Aufgaben hinaus auf Mitarbeiter, Kolleginnen, Kunden und in Feedbackschleifen zum nächst höheren Vorgesetzten wirkt.
So wie sich die Atmosphäre einer U-Bahn von Station zu Station beim Ein- und Aussteigen der verschiedenen Leute verändert, wandelt sich der Geist eines Unternehmens durch die ihm angehörenden Menschen über ihre bloße Aufgabenerfüllung hinaus. Ob man es nun als Seele oder Bewusstsein eines Unternehmens bezeichnet, ist mir mir weniger wichtig als die Sensibilisierung für den Unterschied, ob DU oder jemand anders den Job macht.
Wie im Privaten beginnt Selbstverwirklichung im Business ebenfalls im Kleinen. Von der Gestaltung der Meetings, der Organisation von Projekten, dem Umgang mit Personalmangel und unhaltbaren Zielvereinbarungen bis hin zu Schritten mehr oder weniger erfolgreicher Umstrukturierungen. In der Rückverbindung an die eigenen wahren Werte und deren mutiger Verfolgung im unternehmerischen Alltag geschehen Dinge, die die To-Do-Liste übersteigen, ohne dass diese nun unwichtig geworden wäre. Nur sollte in all der Geschäftigkeit (übrigens: ist diese wirklich immer produktiv?) nicht der eigentliche Herzensbeitrag zu einer sich wandelnden Wirtschaft untergehen. Nicht immer ist der Beitrag sofort und für alle sichtbar, doch er entfaltet augenblicklich seine Wirkung, wie ein Same, der in die Erde gesetzt wurde.
Mein Business-Coaching bewegt sich genau in diesem scheinbaren Spagat zwischen Leistungserbringung und Bewusstseinswandel. Beides bleibt nur solange ein Widerspruch, wie der Glaubenssatz gepflegt wird, das eine sei mit dem anderen unvereinbar. Dabei kommt beides in einer Person zur Deckung, die sich traut, ihr wahres Sein in das Unternehmen einzubringen und dadurch in Leichtigkeit Prozesse verändern kann, die vorher mit Meißeln nicht zu durchdringen waren. Sehr viele Menschen gehen diesen Weg bereits, und täglich werden es mehr.
Simone Meller
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