Tag Archive | "Meister"

Der Schüler und der Meister


Ein Schüler kann viel von seinem Meister lernen, indem er das, was ihn an der ausgewählten Person fasziniert, in sich selbst entdeckt und entwickelt. Er lernt auch anhand von Reibung und Unterscheidung, indem er erkennt, was ihm entspricht und was eben nicht (mehr). Ein Schüler, der versucht, wie sein Meister zu werden, wird sich ewig bemühen. Er wird sich ewig bemühen, anders zu sein, als es seiner eigenen Wahrheit entspricht. Dieses Bemühen ist nicht vergeblich, sondern wichtig, weil es die Erfahrung dessen ermöglicht, was keine Erlösung bringt. In dem Moment, da der Schüler kein Schüler und der Meister kein Meister mehr ist, leuchtet etwas auf, was das Leben unwiderruflich erhellt: Der Mensch wird frei, so zu leben, wie es ihm entspricht. Er erlaubt sich jeden Tag neu zu wählen, was ihm entspricht. Dann wird ALLES ihm Begegnende zum Meister, ohne dass es noch so genannt werden müsste.

Simone Meller

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Von der Schwierigkeit, auf der Erde zu SEIN


Es gibt ein gemeinsames Thema zwischen dem, der übermäßig Ablenkung (“Lärm”) und dem, der übermäßig Stille sucht: Beide vermeiden die Auseinandersetzung mit sich selbst. Beide haben Schwierigkeiten, ganz auf der Erde zu SEIN. Während sich der erste Typ in den Fangärmen der Materie verliert, neigt der zweite Typ zum Entschweben ins Geistige (Spiritual Bypassing). Beide versuchen auf ihre Weise, der Herausforderung “Lebenstüchtigkeit” zu entkommen. Auch Mischformen sind weit verbreitet, d.h. Menschen fallen von dem einen Extrem ins andere. Das Ziel für alle drei Typen besteht darin, zu einer gesunden Mitte zu finden: Sich aufgespannt zwischen Himmel und Erde dem Menschenspiel zu stellen. Durch Meisterung all der anstehenden Lebensaufgaben entsteht eine Heimfindung zu sich selbst.

Simone Meller

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“Ich sehe dein Licht”


Der früh verletzte Mensch (s. Von der Flucht in die Stille) kann sein Leid nicht erzählen. So bleibt ihm nur, seine Bezugspersonen sein Leid erfahren zu lassen. Je mitfühlender und liebevoller man auf einen früh verletzten Menschen ZUGEHT desto aggressiver und verletzender wird er. Er agiert aus, was ihm widerfuhr. Dies geschieht unbewusst. Wäre es ihm bewusst, könnte er darüber sprechen und den Weg des Erzählens gehen. Was nicht bewusst ist, kann nur agiert werden.

Partner, Freundinnen und Therapeuten geben hier meist ihr Bestes, doch oft reicht das nicht. Häufig bedarf es zahlreicher zerschlagener Beziehungen und mehrerer Therapieversuche, um Bewusstwerdung und damit Heilung zu erreichen. Ich möchte zwei Widerstände beschreiben, die gemeistert werden müssen, der eine liegt in der helfenden Person, der andere im früh verletzten Menschen.

Wenn die helfende Person nicht kompromisslos auf Liebe ausgerichtet ist und alle Übertragungen, Projektionen, Verblendungen und Aggressionen in ihr Herz nehmen kann, wird sie zur blind zurückschießenden Mitspielerin in der Wiederaufführung der Traumata. In diesem Inferno verliert sie die eigene Klarheit, die entscheidend für einen heilsam korrigierenden Prozess ist. Das passiert, wenn die helfende Person selbst eine helfende Person bräuchte.

Das Leid des früh verletzten Menschen sprengt jede Beziehung, wenn nicht beide voll und ganz zum Heilungsbündnis entschlossen sind. Keinesfalls bedeutet das, auf die eigenen Grenzen zu verzichten, denn das wäre lieblos sich selbst gegenüber. Es bedeutet, vollständig “Ja” zu mir und “Ja” zum anderen zu sagen und “Nein” zum Leid gegen mich.

Am Anfang war Beziehung. Der Mensch wird am Du zum Ich. – Martin Buber

Der früh verletzte Mensch versucht, mich mit der Kraft der Verzweiflung zu nötigen, mein Fundament der liebevollen Klarheit zu verlassen. Er versucht mich auf subtile und/oder brutale Weise zu provozieren. Damit bin ich bei seinem Widerstand, der sich u.a. darin äußert, dass er Gründe sucht, sich über sein Leiden nicht bewusst werden zu müssen. Wenn es ihm gelänge, mich wie viele andere vor mir auszuschalten, dann müsste er sich nicht mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen. Widersteht die helfende Person den zahlreichen Versuchungen, so bleibt ihm nur noch, sich zu stellen. Vergangenheitsauflösung ist kein Selbstzweck, sondern dient einzig und allein dazu, Schmerzen von gestern, die den gegenwärtigen Eintritt in die Freude verhindern, zu transformieren.

Die Gegenwart ist der Kraftpunkt, der Vergangenheit und Zukunft verbindet. Nur im gegenwärtigen Augenblick ist es möglich, unbewältigte Vergangenheit abzuschließen und neue Weichen für die Zukunft zu stellen. – Gerd Ziegler

Ein früh verletzter Mensch weigert sich, diesen Schritt zu gehen, wenn er Angst hat, in der eigenen Dunkelheit unterzugehen. Er hat Angst, noch einmal fallen gelassen zu werden. Und so ist sein Widerstand zugleich die Prüfung der helfenden Person auf Geborgenheit: “Hältst du mich wirklich? Hältst du mich aus? Wirst du zu all der Hässlichkeit in mir stehen?” Während ich diese dunkle Seite nur als einen Teil von ihm sehe (eine spielerische Schöpfung des Lichts), fühlt er sich mit dieser finsteren Energie unbewusst identifiziert. Er kann diesen großen Schatten erst sehen und annehmen, wenn die Identifizierung in eine Arbeit mit Teilen übergeht. Dafür braucht er mich. Deshalb greift er mich an. In meinem modellhaften Umgang damit erreicht ihn Inspiration zur Erlösung seiner selbst.

Selbsterlösung ist nichts anderes als die mannigfach wiederholte Erfahrung, dass alles in uns selbst seinen Ursprung nimmt und auch dort wieder sein Ende findet. Wir sind alles und nichts. Erkenntnis genügt nicht. Wir wollten es erfahren, deshalb sind wir hier.

Genauso genügt auch dem verletzten Menschen nicht das verbale “Ja” der helfenden Person: “Ja, ich werde dich halten, egal, was geschieht.” – Bevor er sich für den Abgrund in sich öffnet, will er überzeugt sein. Sein Abgrund ist der eisigste Tiefpunkt an Dualität und Polarität, das maximal erfahrbare Leid im Menschenspiel (s. Kosmische Gesetze). Nun will er erfahren, dass er in bedingungsloser Herzenswärme gehalten wird, egal, was geschieht. Also überzeugt er sich, indem er um sich schlägt.

Jeder Schlag ist eine verzweifelte Frage. Und jede Hineinnahme in das helfende Herz ist eine heilende Antwort. Sie lautet: “Ja, du verletzt mich. Und ich sehe dein Licht.”

Simone Meller
Foto: Pixelio, Achim Lueckemeyer

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In Erinnerung an einen geteilten Sprung


Erst Jahre später begreifst du
Davon kann ich mir heute nichts mehr kaufen
Zu spät für mich nicht für dich
Erst heute ist für dich der frühest mögliche Zeitpunkt

***
Ich dehne mein Herz zu fühlen mit dir
deinen Aufbruch und deine sprießende Freude
Wie viel hätte mir dein Verstehen damals bedeutet
Wie sehr habe ich einst vergeblich danach verlangt
blieb sitzen auf ohnmächtiger Wut und Verlassenheit

***
Ich dehne mein Herz zu fühlen mit mir
Wie unvorstellbar anders wäre mein Leben verlaufen
hättest du mir gegeben was ich brauchte
Zugleich unvorstellbar ich hätte diese Erfahrung nicht gemacht
meine Lektionen nicht gelernt
nicht in Liebe zu wandeln die schlimmsten Gefühle
Wo wäre ich heute ohne dieses Wissen

***
Ich dehne mein Herz zu sehen den Meister in dir
der mich herausfordert zu sein was ich immer schon war
Ohne zu wissen hast du mich gelehrt
zu sein was ich bin
Du tust es noch heute

***
Ich dehne mein Herz zu lassen dich
Dich zu lassen in deinem Tempo in deiner Sprache
in deiner Reihenfolge der Themen

***
Ich dehne mein Herz zu vergeben mir selbst
dass ich dein Unvermögen persönlich nahm
Ich dehne mein Herz zu vergeben uns beiden
das Missverständnis zu dem wir uns einst verabredeten
in der Quelle atmend bereit zum geteilten Sprung in ein neues Leben

Text: Simone Meller
Foto: Pixelio, Horst Sturm
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