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“Das ist doch völliger Quatsch” oder: Wege zum Frieden


Wenn mir einst jemand sagte “Das ist doch völliger Quatsch”, fühlte ich mich entwertet, bis mir dämmerte, dass dies nichts anderes als eine persönliche Meinungsäußerung ist. In dem Moment, da ich eine solche Unterscheidung (für dich Quatsch, für mich nicht) stehen lasse – vielleicht sogar noch interessiert nachfrage (“Aha, wieso denn?”) – bleibt mein Selbstwertgefühl unberührt.

Persönliche Meinungen (Anwendung von Urteilsvermögen auf das eigene Leben) tasten keinen anderen Menschen  in seiner Würde an, es sei denn sie resultieren in bedrohlichen Handlungen für Leben und Freiheit (z.B. Nötigung, Diskriminierung, Verfolgung, Todesstrafe etc.). Ich rede hier also von einer emotionalen Destabilisierung des Selbstwertgefühls, und diese passiert meiner Beobachtung erst dann, wenn eine Unterscheidung reflexartig schmerzliche Gefühle auslöst und infolge als potenzielle Abwertung der eigenen Person interpretiert wird. Es kommt zu einer inneren Wirklichkeitskonstruktion, die Bestandteil unserer Schöpferkraft ist. In psychologischer Sprache bezeichnet man das als Projektion oder Übertragung.

  • In der Projektion sehe ich im Gegenüber meine eigene Tendenz zur Selbstabwertung und bekämpfe sie dort. Wenn ich also heimlich selbst daran zweifle, ob ich Quatsch fabriziere, dann resoniere ich entsprechend angegriffen auf jemanden, der das sagt – genau so wie auch auf jemanden, der das gar nicht im Sinn hatte, mir aber für meine Projektion geeignet scheint.
  • Bei der Übertragung lebe ich noch in der biografischen Trance, dass das (vermeintliche) Quatsch-Urteil eines anderen (z.B. Eltern, Lehrer, Regime) automatisch auch eine tätliche Unterdrückung meines Seins (bis hin zu Totalitarismus) bedeute. Dann kann ich angesichts meines unerwünschten Seins unangenehme Gefühle wie Scham und (Todes-)Angst erleben.

Projektionen und Übertragungen sind also Chancen, mir alte Gefühlsmuster bewusst zu machen. Dort, wo diese emotionalen Vorgänge in ihrer Tiefe und Tragweite (noch) nicht bewusst wahrgenommen und reflektiert werden können, entsteht Streit. Was mir nicht bewusst ist, muss ich agieren. Rationale Erkenntnis hilft, aber erst das Erleben der Schmerzen und ihre Annahme in Selbstliebe bringt die Erlösung. In beiden Fällen, der Projektion wie der Übertragung (die im übrigen dem spirituell konnotierten Spiegelprinzip entspricht), wird die Verantwortung für diese bislang unbewussten, schmerzlichen Selbstaspekte in dem gesucht, der sie durch seine vorgenommene Unterscheidung auslöst (nicht verursacht!). Es bedarf dafür nicht mal einer deutlich dargelegten Meinung. Mittels Projektion und Übertragung kann bereits die Unterhaltung über ein zu weiches Frühstücksei im Streit enden. (Genauso gibt es aber auch positive Übertragungen und Projektionen, dann kommt es zu Verherrlichung und Idealisierung wie zum Beispiel in der Verliebtheit.)

Das Ende vom Streit beginnt in der Heilung des Schmerzes. Jeder heilt sich selbst, indem er sich immer mehr lieben lernt.  So ist für alle gesorgt. Je mehr ich mir meiner selbst und der Berechtigung meines Daseins gewiss bin, desto weniger muss ich die, die mir weh taten (also alten Schmerz auslösten) bekämpfen oder umerziehen (dies stellt einen Versuch dar, ihr jeweiliges Sein zu kontrollieren, also zu unterdrücken!). Dann kann ich sie lassen, wie sie sind. Indem ich mir Liebe schenke, anstatt sie (autoritär bis totalitär) von anderen zu fordern, übernehme ich Verantwortung für mich sich selbst. Auf diese Weise werden wir alle freier. Indem ich bei mir bleibe und mich meiner Gefühle annehme, geschieht ein absichtsloser Beitrag zum Frieden.

In solcher Zurücknahme von persönlichen Projektionen und Übertragungen lässt sich das Prinzip der Schöpferkraft beschreiben: In der äußeren Welt manifestiert sich das Geschehen meiner inneren Welt. Ob ich das nun psychologisch oder spirituell ausdrücke, ist gehupft wie gesprungen. Mir geht es hier um das Aufzeigen der inhaltlichen Entsprechung. Der Weg zum Weltfrieden führt nicht an der eigenen Persönlichkeit vorbei, sondern manifestiert sich schrittweise durch Arbeit an sich selbst. Insofern ist es für mich kein Quatsch, sondern anteilig erfahrene Realität: Der Frieden auf Erden beginnt als Friede in uns selbst.

Simone Meller

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Wissenschaftliche Vorträge


Eine wissenschaftliche Arbeit ist nichts anderes als eine subjektive Meinungsäußerung, die sich von den alltäglichen Statements dadurch unterscheidet, dass sie rational nachvollziehbar fundiert wird. Die Kunst eines (populär)wissenschaftlichen Vortrags besteht darin, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Herzen öffnen. Denn die besten Argumente und Belege nützen nichts, wenn das Herz der Zuhörenden verschlossen ist. Erkenntnis geschieht eher durch Erfahrung, als durch Worte. Sprache und Struktur bieten dem Verstand eine Orientierung. Ein orientierter Verstand kann dem Herzen den Weg frei machen und hinterher das Erlebte neu ordnen. In der Frontalsituation eines Vortrags geht es nun darum, die bisherige Erfahrung des Publikums zu aktivieren und darin enthaltene Potenziale für eine gemeinsame Schwingungserhöhung nutzbar zu machen. Dies geschieht durch ein erlebnisaktivierendes Vorgehen, das die Faktenlage keineswegs ersetzt, sondern auf geschickte Weise in einer Reihenfolge des Herzens ansteuert. Bei aller Vorbereitung obliegt die schlussendliche (Durch-)Führung der Kraft des Herzens. Ein lebendiger Vortrag ist eine dynamische und multidimensionale Massenkommunikation, deren große Herausforderung darin liegt, persönlich und sachlich zugleich zu sein.

Simone Meller

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