Tag Archive | "Lyrik"

Das Beispiel Jeshua


Der der Jesus Christus genannt wird
ist nicht mehr Christus als du es bist

Der der Judas genannt wird
ist nicht mehr Judas als du es bist

Menschen wie du und ich zu ihrer Zeit
im verwirrenden Spiel ihre Rolle erfüllend

Wir projizieren unser Gutes und Böses
und es kommt die Zeit da wir es heimholen

wenn wir Täter-Opfer-Spiele transformieren
wenn Helfersyndrom und Rettungsethos enden

Du kannst zwar auf Heil und Erlösung warten
auf Leitfigur, Führer und kollektives Seufzen

doch genauso kannst du Christus in dir finden
und in Jeshua einen sehen der das verstanden hat

Simone Meller

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Meine Sommerhymne


Weder den Duft der englischen Rosen
noch das Zirpen der Grillen im Garten
kann ich bebildern oder in Worte kleiden

Mir bleibt der Genuss von Sommerfreuden
und eine Spur von Buchstaben zum Zeigen
der Spinnennetze im Haar und Krabbelgetier

Schon musste ich lassen die Rosen – verblüht
kürzer werden die Tage die Füße abends kühl
erstmals vergessen zu bewässern die Beete

Versunken in der Exotik des Moschusbocks
leuchten die satten Farben des Sommers
wohin ziehen die Schnecken und mein Herz

Wie gerne hielte ich die Wärme dieser Zeit
geborgen in der Umarmung des Sommers
barfüßig und leicht durch Schatten tanzend

Simone Meller
Foto: Irene Lehman, Pixelio

*

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Das geschenkte Leben


Der für tot erklärte Kamikaze-Flieger
kehrt heim freudig und verlegen
voller Scham zu leben kein Held

Da erblickt die Mutter ihren Jungen
traut ihren Augen ihrem Gefühl
Du lebst! Du lebst! Du lebst!

Freut sich an für mit ihm doch
wohl erzogen entschuldigt er sich
für den nicht gewonnenen Krieg

Das ist doch völlig egal! antwortet
die Liebe seiner Mutter erlöst sein
Herz erst Jahre später der Mann weint

Simone Meller

*

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Von den leisen und lauten Tönen


Als ich einst laute Töne zu sprechen lernte,
da fürchtete ich die Vernichtung.
Nur sanft und leise war mein Sein
und voller Aufopferung.
Heute, da ich die lauten wie die leisen Töne kann
schätze ich beide und ihren Wechsel
so wie das Leben sie bringt.
In dieser Annahme des unstörbaren Rhythmus’
fanden Aufopferung und Vernichtung
heim in den Puls der ewigen Liebe.
Dort wo ich früher kämpfte oder erklärte
bin ich heute still und so sehr in meiner Macht.
Dort wo ich früher ängstlich schwieg
erhebe ich heute das energische Wort.
Nicht immer gefallen meine Worte oder mein Schweigen
doch war ich einst von Gefallen abhängig
bin ich heute frei zu sein die ich bin.
Darin liegt eine Einladung für die die mir begegnen
doch bedarf es im Grunde keiner Einladung
sondern nur Erinnerung zu sein was du bist
Du darfst sprechen oder schweigen
still sein oder laut  – dich freuen oder zürnen
doch bitte sei nicht anders als du wirklich bist.
Ich kann dir nur begegnen wenn du zeigst
was du hier und jetzt in diesem Augenblick
zwischen Himmel und Erde wahrhaftig bist.

Simone Meller


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