Tag Archive | "Luft"

Sprache


Die Sonne spricht zu uns mit Licht,
Mit Duft und Farbe spricht die Blume,
Mit Wolken, Schnee und Regen spricht
Die Luft. Es lebt im Heiligtume
Der Welt ein unstillbarer Drang,
Der Dinge Stummheit zu durchbrechen,
In Wort, Gebärde, Farbe, Klang
Des Seins Geheimnis auszusprechen.
Hier strömt der Künste lichter Quell,
Es ringt nach Wort, nach Offenbarung,
Nach Geist die Welt und kündet hell
Aus Menschenlippen ewige Erfahrung.
Nach Sprache sehnt sich alles Leben,
In Wort und Zahl, in Farbe, Linie, Ton
Beschwört sich unser dumpfes Streben
Und baut des Sinnes immer höhern Thron.
In einer Blume Rot und Blau,
In eines Dichters Worte wendet
Nach innen sich der Schöpfung Bau,
Der stets beginnt und niemals endet.
Und wo sich Wort und Ton gesellt,
Wo Lied erklingt, Kunst sich entfaltet,
Wird jedesmal der Sinn der Welt,
Des ganzen Daseins neu gestaltet,
Und jedes Lied und jedes Buch
Und jedes Bild ist ein Enthüllen,
Ein neuer, tausendster Versuch,
Des Leben Einheit zu erfüllen.
In diese Einheit einzugehn
Lockt euch die Dichtung, die Musik,
Der Schöpfung Vielfalt zu verstehn
Genügt ein einziger Spiegelblick.
Was uns Verworrenes begegnet,
Wird klar und einfach im Gedicht:
Die Blume lacht, die Wolke regnet,
Die Welt hat Sinn, das Stumme spricht.

Hermann Hesse

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Ars longa


Der Atem
in einer Vogelkehle
der Atem der Luft
in den Zweigen.

Das Wort
wie der Wind selbst
sein heiliger Atem
geht es aus und ein.

Immer findet der Atem
Zweige
Wolken
Vogelkehlen.

Immer das Wort
das heilige Wort
einen Mund.

Hilde Domin

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Im ewigen Wandel


Ich schaue die Schiffe
und höre den Wind
froh über Fenster
die zwischen uns sind

Ich liebe die Sonne
und meide die Kälte
wo werden erbaut
die künftigen Zelte

Ich ehre das Wasser
und danke dem Land
auf dessen Boden
mein Gesicht erkannt

Ich drehe die Räder
und höre den Traum
trenne Essenzen
vom bloßen Schaum

Ich folge dem Rufe
und lebe mein Lied
bin offen dafür
wohin es mich zieht

Ich lausche der Erde
und neige die Stirn
vernehme den Klang
vom neuen Gebär’n

Ich kenne die Farben
und stimme den Ton
im steten Wandel
was wissen wir schon

Simone Meller
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Urkraft


ich tauche in die tiefe und springe in den himmel
ich tanze auf der erde und zerberste im feuer
ich hänge lichter am nachtenen himmel auf
ich blühe aus meinem herzen der welt entgegen

text: simone meller
foto: pixelio, claudia hautumm

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