Posted on 31 Juli 2010. Tags: Dialog, Dualität, Erfahrung, Evolution, Helfen, Helfersyndrom, Ich-Grenzen, Leid, Liebe, Loslassen, Menschenspiel, Prosa, Seele, Unterschiede
A: Darf ich dich loslassen, obwohl ich sehe, dass du etwas leidvolles spielst?
B: Ja, denn du darfst mir nicht mein Leid nehmen. Du kannst ja gar nicht wissen, wofür ich es noch brauche!
A: Aber ich könnte dir Leid ersparen. Warum musst du leiden, wenn es doch andere Wege gibt?
B: Ich will meine eigenen Erfahrungen machen.
A: Warum kannst du nicht von meiner Erfahrung profitieren?
B: ich will meine eigenen Erfahrungen machen. Bitte stell’ dich nicht über mich. Lass’ mich in Liebe los und sei für mich da, wenn ich dich brauche. Jetzt will ich deine Hilfe nicht. Bitte geh’!
A: Ja. Ich liebe dich.
B: Ich liebe dich.
A: Bist du sicher, dass…?
B: Ja.
A: Und was, wenn ich zweifle, ob ich nicht doch hätte helfen können?
B: Das ist dein Problem, vielleicht sogar dein Leid. Mach’ es nicht zu meinem. Du wähltest einst, dich davon zu befreien. Warum sollte ich es dir abnehmen, indem ich so werde, dass es dich nicht mehr schmerzt?
A: Danke, dass du mich erinnerst, was ich will.
B: Danke, dass du mich erinnerst, was ich bin.
A+B: Wir sind eins, das sich trennt, um den Unterschied zu erfahren.
A: Ich geh’ jetzt meine Hausaufgaben machen…
B: … und ich meine.
Simone Meller
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Posted on 23 Juli 2010. Tags: Achtsamkeit, Allgegenwart, Angemessenheit, Annahme, Demut, Diät, Dienen, Dogma, Ego, Einheit, Einverleibung, Entwicklung, Essenz, extrem, Flexibilität, Form, Freiheit, Führung, Ganzwerdung, Geizhals, Herz, höheres Selbst, Ich, Identifikation, Identität, Integration, Khalil Gibran, Kind, Konflikt, Konzept, Kreise, Liebe, Loslassen, Methoden, Mitte, Mut, Offenheit, Paracelsus, Perfektionismus, Persönlichkeit, Ping Pong, Prestige, Seele, spiralförmig, spirituelle Krise, Status, Symbiose, Teile, Teilearbeit, Verantwortung, Verstand, Völlerei
Wie oft lese und höre ich Menschen sagen: “Mein Verstand will dies…”, “Mein Herz will das…”, “Mein Ego sagt…”, “Mein inneres Kind…”, “Mein höheres Selbst meint…”, “Der Geizhals in mir…”, “Meine Seele möchte…” etc. Solche Arbeit mit inneren Teilen (“Teilearbeit” nennen wir das in der Psychologie) ist manchmal nützlich, wenn es um die Auflösung innerer Konflikte geht.
Anfänger staunen über die Entdeckung ihrer inneren Pluralität, Fortgeschrittene tüten sorgfältig alles wieder ein und dazwischen ist viel Raum für Entwicklung. Denn so sehr wir uns auch hilfsweise unter-teilen können, so bleiben wir doch die Person, die wir nun mal sind. Ich bejahe vorübergehende Teilearbeit und warne vor dauerhafter Abspaltung, so salbungsvoll freundlich getarnt sie auch daher kommen mag. Dies sei den akut an sich selbst arbeitenden Menschen genau so gesagt wie den von Teilearbeit begeisterten Lebensberatern. So wie nach dem Wort des Paracelsus die Menge das Gift macht, kann eine unangemessen verwendete Methode schädlich wirken.
Das Ziel von Teilearbeit ist die Integration
Teilearbeit sollte immer in Integration münden und nicht im Ausgrenzen des Geizhals, des Verstands und anderer ungeliebter, als Sündenbock fungierender Anteile (die häufig unter “Ego” subsummiert werden). Immer bedarf es eines liebenden Ichs, das alle seine Teile heimholt. Dieses Ich weiß: Ich bin nicht nur dieser und jener Teil. Aber auch dieses und jenes bin ich. Damit hat es den Übergang von einer einschränkenden Identifizierung in eine gesunde und frei schwingende Identität vollzogen. Nur dazu dient ja die Methode der Teilarbeit: Aus der Identifikation mit einem Teil heraustreten, sein freies Ich spüren und damit den ursprünglich behindernden Teil versöhnt integrieren können. Ein solcher Mensch übernimmt Verantwortung für sich selbst und weiß, dass es immer seine eigene Energie ist, die diese und jene Anteile speist.
Erst aus einer solchen gefestigten Persönlichkeit heraus kann das Einheitserleben mit anderen Menschen angestrebt werden, ohne unterwegs kindliche Symbiose, kalten Dogmatismus oder eine spirituelle Krise zu riskieren. Die Einheit muss dann nämlich überhaupt nicht “angestrebt” werden, sondern entsteht auf ganz natürliche Weise von allein. Auch deshalb mag ich so sehr das Zitat des Khalil Gibran von der Seele, die auf allen Pfaden wandelt und wie eine Lotusblume mit zahllosen Blättern wächst.
Es gibt keine Trennung von Ego und Seele
Wir sind herausgefordert zur Flexibilität und Achtsamkeit, zum permanenten Fühlkontakt mit der Frage “Was ist jetzt angemessen?”. So unterstütze ich beispielsweise jene, die einen Unterschied zwischen Ego und Seele zu entdecken beginnen. Und ich konfrontiere solche, die die Einheit von allem preisen, ohne sie in sich zu beschließen. Diesen, die vom bedingungslosen Annehmen reden, während sie im gleichen Atemzug subtil ausschließen, sage ich gern augenzwinkernd: “Zeige mir, wie du Ego und Seele trennst – und ich zeige dir, was du nicht bist.”
Damit rede ich nicht dem grundsätzlichen Abschied von der Teilearbeit das Wort, sondern möchte dafür sensibilisieren, offen für die eigene Entwicklung zu bleiben. Das meint permanentes Loslassen von Konzepten, so sehr sie einem früher auch geholfen haben. Zugleich bedeutet es nicht, grundsätzlich alle Konzepte über Bord zu werfen. Mein hiesiges Plädoyer ist ein energisches “Es kommt darauf an”. Es kommt darauf an, was gerade angemessen ist. Ich möchte dafür werben, die Essenz führen und die Form dienen zu lassen. Mit anderen Worten: Praktiziere deine Teilearbeit, so lange es dir bei deiner Ganzwerdung dient. Höre auf damit, sobald sie dich in deiner Ganzwerdung behindert. Sei achtsam dafür, dass es heute so und morgen anders und übermorgen wieder so, nur anders sein kann.
Einverleibung erfolgt jenseits von Diät und Völlerei
Wir entwickeln uns nicht linear, sondern spiralförmig aufwärts. Wir durchlaufen Wachstumskreise, innerhalb derer wir uns schrittweise auf höhere Bewusstseinsebenen schwingen. Da gibt es Tage, an denen ich mit mir selbst Teilearbeit praktiziere, und Tage, an denen ich nicht einmal weiß, wie man Teilearbeit buchstabiert. Ich beuge mich demütig meinem Prozess.
Ich begleite Menschen also nicht beim Abspecken ihres Ichs, indem sie sich trickreich zerlegen und dabei heimlich von immer mehr Teilen trennen dürfen. Solche perfektionistisch motivierten Diätversuche sind nichts als eine Gegenbewegung zur in Status und Prestige verhafteten Völlerei. Zwischen diesen Extremen gibt es einen Weg der Mitte. Jenseits von Diät und Völlerei unterstütze ich Menschen beim Einverleiben von allem, was ihnen begegnet. Damit diese Einverleibung nicht zu tatsächlichem Übergewicht führt, empfehle ich die Hineinnahme in das Herz als einen allverbundenen, inneren Ort der Liebe (s. Als das Pferd die Katze zu essen begann). Je öfter wir diesen Prozess durchlaufen, desto mehr werden wir zu dem Herz, von dem Khalil Gibran so beschwörend einfach spricht:
… stellt euch ein Herz vor, das all eure Herzen enthält, eine Liebe, die all eure Liebe umfasst, einen Geist, in dem sich der Geist eines jeden von euch wiederfindet, eine Stimme, die all eure Stimmen in sich vereint, und ein Schweigen, das tiefer ist als das eure und zudem zeitlos und ewig.
Wie könntest du auch nur einem einzigen Teil von dir diese bergende Erfahrung vorenthalten? Doch selbst wenn du es versuchtest, wäre er geborgen. Denn kein Teil von dir und keiner deiner Wege liegt außerhalb des Göttlichen oder des persönlich Seelischen. Alles ist eine Manifestation aus ein- und derselben Quelle. Ob du dich zerteilst oder nicht – immer bist du in dem Einen geborgen. Du wählst nur, wie sehr du es fühlst. Darauf wollte ich hinweisen.
Simone Meller
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Posted on 20 Juli 2010. Tags: Blühen, Farben, Freude, Genuss, Insekt, Leichtigkeit, Loslassen, Lyrik, Rose, Schatten, Sommer, Sonnenwende
Weder den Duft der englischen Rosen
noch das Zirpen der Grillen im Garten
kann ich bebildern oder in Worte kleiden
Mir bleibt der Genuss von Sommerfreuden
und eine Spur von Buchstaben zum Zeigen
der Spinnennetze im Haar und Krabbelgetier
Schon musste ich lassen die Rosen – verblüht
kürzer werden die Tage die Füße abends kühl
erstmals vergessen zu bewässern die Beete
Versunken in der Exotik des Moschusbocks
leuchten die satten Farben des Sommers
wohin ziehen die Schnecken und mein Herz
Wie gerne hielte ich die Wärme dieser Zeit
geborgen in der Umarmung des Sommers
barfüßig und leicht durch Schatten tanzend
Simone Meller
Foto: Irene Lehman, Pixelio
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Posted on 14 Juli 2010. Tags: Anhaftung, Anschauung, Begriff, ebenbürtig, Energie, Geschichte, Gleichwertigkeit, Identifikation, Klartext, Loslassen, Wahrheit, Wandel
Wir erzählen einander Geschichten, um auszudrücken, wer wir sind.
Wir erzählen einander Geschichten, um uns gegenseitig zu unterstützen, Identifikationen loszulassen.
Wir erzählen einander Geschichten, um uns unserer selbst zu vergewissern.
Aber erzähle mir nicht, deine Geschichte sei wahrer als meine.
Und erzähle mir nicht, du würdest nicht mehr anhaften.
Denn auch das ist eine Geschichte.
Erhebe dich nicht mit deiner Geschichte über meine.
Gerne höre ich deine Geschichte als ebenbürtig zu meiner.
Wir erzählen einander Geschichten, um uns teilhaben zu lassen, wie wir Energien bewegen.
Wie könnten sich Energien ohne Geschichten bewegen?
Was wären wir ohne das Erzählen von Geschichten?
Vielleicht liegen dir manche Geschichten mehr als andere. Das darf natürlich sein.
Doch heißt das nicht, dass deine Geschichten besser wären als meine.
Gibt es Leben ohne Geschichten? Ich glaube: Nein.
Ich glaube: Leben ist das ständige Erzählen und Abwandeln von Geschichten.
Es ist die Epik dessen, was uns zwischen Anschauung und Begriff jonglierend durch die Finger rinnt.
Zum Glück geht uns nie etwas verloren.
Das ist meine Geschichte.
Simone Meller
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