Posted on 11 Dezember 2010. Tags: Anbetung, Aspekte, Augenhöhe, Begegnung, Demut, Distanz, Ehre, Ehrfurcht, Engel, Gaukelei, Gebet, Geistwesen, Gleichmacherei, Gleichwertigkeit, heilig, Idealisierung, Kampf, Knie, Konkurrenz, Kraft, Lehrer, Menschenspiel, Nähe, Rang, Sein, sich stellen, Spiritualität, Stimmigkeit, System, Unterscheidung, Verehrung, Wachstum, Wertschätzung, Wohl
Ich habe mich diese Woche wiederholt an Menschen gerieben, bei denen ich so etwas wahrnehme, was ich als Verehrung und Anbetung bezeichnen möchte. Also eine Bereitschaft, etwas außerhalb ihrer Person existierendes über sich zu stellen. Ich spüre, dass mir das nicht entspricht. Bislang habe ich das im Fachjargon als Idealisieren oder umgangssprachlich als Anhimmeln bezeichnet. Nun bediene ich mich mit Verehrung und Anbetung eher spirituell konnotierter Begriffe.
Meinem Erleben nach dürfen sich alle Aspekte des Seins auf Augenhöhe begegnen. Alles zwischen Himmel und Erde Existierende verdient Ehre, niemand mehr, niemand weniger. Das Verteilen von besonderer Ehrerbietung bis hin zur Ehrfurcht und all die Formen von Anbetung speisen sich meiner Wahrnehmung nach aus einem Glaubenssystem von Unter- und Überlegenheit. In einem solchen Glaubenssystem wird durch künstliche Rangstufen eine Distanz zwischen dem Menschlichen und dem Göttlichen geschaffen. Das Ausmaß an Verehrung und Anbetung von spirituellen Lehrern, Geistwesen, Engeln und Gott wird zum Gradmesser (noch nicht) erreichter Nähe.
Mir geht es nicht um Gleichmacherei alles Seienden, sondern um Gleichwertigkeit des Unterschiedlichen. Ich bin nicht gegen das Beten und auch nicht gegen die Erfahrung heiliger Momente. Und schon oft hat es mir gut getan, mit gesenkter Stirn auf dem Boden zu knieen. Aber mir entspricht es nicht, eine Stufe in den Fluss des Seins zu meißeln und meine Kraft solchem Gebilde zu unterwerfen. Auch lehne ich die, die das tun, nicht ab. Ich merke dank unserer Unterscheidung einfach nur, dass ich einen anderen Weg gehe: Ich dulde niemanden über mir und niemanden unter mir. Natürlich ist jeder frei, sein Bild von mir dort “oben” oder “unten” anzusiedeln, aber Begegnung mit mir entfaltet sich auf Augenhöhe.
Das wollte ich formulieren. Und nachdem ich das nun versucht habe, frage ich mich, wie das hier Geschriebene mit meinen bisherigen Texten über Demut und Ergebung zusammengeht. Das tut es. Aber ich kann es derzeit nicht in Worte fassen. Vielleicht vorläufig so: Die Demut meinem mir (un-)bekannten Wachstumsprozess gegenüber bleibt erhalten, während ich allen Aspekten des Seins auf Augenhöhe begegne. Auch bin ich weiterhin bereit, ergeben dem höchsten Wohl derer zu dienen, die sich mir anvertrauen, aber die Augenhöhe bleibt. Egal, was gerade ansteht. Ich stelle mich dem Sein und zwar mit meiner Kraft – wie sie mir nur in Demut zuteil wird.
Text und Foto: Simone Meller
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Posted on 09 April 2010. Tags: Abwertung, Angst, Beziehung, Chance, Demut, Dualität, Dunkelheit, Einheit, emotional, Erde, Erinnerung, Freiheit, Freude, Gefühl, heim, Hier & Jetzt, Himmel, Hochmut, Idealisierung, Illusion, Knie, kosmische Gesetze, Kosmos, Krankheit, Leid, Lernen, Licht, Liebe, Menschenspiel, Motivation, Ordnung, Plan, Polarität, psychische Umkehrung, Regel, Resonanz, Schatten, Schummeln, Sein, Selbsttäuschung, spiralförmig, spiritual bypassing, Spiritualität, spirituelle Krise, Tod, Transformation, Verantwortung, Vermeidung, Verstrickung, Verzweiflung, Wachstum, Zusammenbruch
Manche Menschen täuschen sich über ihr spirituelles Wachstum, indem sie eine künstliche Trennung zwischen der irdischen Dualität (“unspirituell”) und dem phantastischen Erfahrung der Einheit (“spirituell”) ziehen. Sie entwerten Dualität, denn sie haben ja die wahre Einheit geschaut, die fortan idealisiert wird. Mit anderen Worten: Sie wollen Einheit sein, bevor sie ganz Dualität waren. Sie wollen wesentliche Teile des Menschenspiels überspringen. Sie wollen am Spielziel ankommen, ohne gespielt zu haben.
Spiritual bypassing wird aus Angst vor dem eigenen Schatten betrieben. Dabei ist Schatten nichts anderes als die Herausforderung, in ihm das Licht wiederzuentdecken. Menschen, die wachstumsvermeidend zum himmlischen Licht streben, geben sich mit weniger Licht zufrieden als sie auf der Erde verwirklichen könnten. Sie hemmen sich in ihrer Lebendigkeit. Was könnte da alles an unangenehmen Emotionen und Erinnerungen aufsteigen! Wie könnten sich die Beziehungen (zu Eltern, Freundinnen, Partner, Kolleginnen etc.) verändern!
Klarheit ist manchmal unbequem, aber Voraussetzung für ein bewussteres und freudvolleres Leben. Niemand erreicht seine Ziele, wenn er sich nicht über sein Hier und Jetzt im Klaren ist. Auch im Navigationssystem muss man seinen Standort eingeben, um den Weg zum Ziel zu finden. Spiritual bypassing ist der Versuch, eine spirituelle Krise zu umschiffen. So unangenehm sich eine Krise auch anfühlt, ist sie doch immer eine Chance zu Wachstum und damit zu mehr Licht.
Wer sich diesen Weg ins Licht nicht traut, konserviert seine dunklen Energien, also seinen Schatten. Über das Resonanzprinzip zieht dieser verborgene Persönlichkeitsanteil passende Situationen auf die Bühne des Lebens (s. Kosmische Gesetze). Der Bypasser glaubt sich dem illusionären Spiel entronnen und verstrickt sich dabei immer tiefer. So wird erklärlich, warum sehr lichtvoll erscheinende Menschen plötzlich zusammenbrechen, schwer erkranken oder überraschend zu Tode kommen. Die Übermacht des Schattens zwingt den Hochmut (der eigentlich eine Verzweiflung ist) eines Tages in die Knie.
Die entstehende Krise ist eine Chance. Denn der Weg ins Licht führt durch die Dunkelheit. Leben darf die Transformation von Dunkelheit meinen. Leben darf Heimfinden in Freude sein. Innerhalb unserer kosmischen Ordnung mit ihren Gesetzmäßigkeiten realisieren wir unsere Spiele. Wir dürfen spielen, was wir wollen. Aber nie entkommen wir den Konsequenzen unseres Handelns. Jeder trägt Verantwortung für sich selbst.
Text: Simone Meller | Foto: Pixelio, Erika K.
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