Posted on 07 März 2011. Tags: Abtreibung, Annahme, Baby, Bejahung, Du, Dualität, Einheit, Embryo, Erfahrung, Erlösung, Fehlgeburt, Frau, Fühlen, Ich, Kampf, Kind, leicht, Leid, Mutter, Polarität, Schuld, Schwere, Seele, Symbiose, Tod, Weg
Frauen schulden ihren abgetriebenen oder verlorenen Kindern nichts. Ihre ungeborenen Kinder schlagen dies vor: Ich bin dein Kind. Und du bist meine Mutter. Eine solche Annahme des ungeborenen Kindes setzt Gefühle frei. Im Zulassen dieser erlösen sich Frauen von bislang unerkannter Last. Sie schenken sich Mutterschaft, Würde und Freiheit: Ja, du bist mein Kind. Und ich bin deine Mutter.
Und wenn eine Frau den einstigen Todeskampf ihres ungeborenen Kindes fühlt, so darf sie inmitten ihrer Tränen sagen: Ich bin ich. Und du bist du. Jede Mutter-Kind-Beziehung steht irgendwann vor der Auflösung der Symbiose. Auch die zwischen Mutter und ungeborenem Kind. Jede Seele darf ihre eigenen Erfahrungen machen. Ich bin ich. Und du bist du. Du gehst deinen Weg. Und ich gehe meinen Weg.
Im Ertragen und Annehmen dieser Dualität liegt die Chance zur seelischen Reifung. Wie könnte Einheit erfahren werden, wenn sie niemals verlassen würde? Wie könnte Leben erfahren werden, wenn nicht gestorben würde? Jedes Leiden endet in der bedingungslosen Annahme des zu Erfahrenden. Annehmen ist leicht. Nur sich dagegen wehren und sträuben ist schwer. Wie könnte das Leichte ohne das Schwere erfahren werden?
Simone
Posted in Klartext
Posted on 14 Februar 2011. Tags: Aspekte, Ausdehnung, autonom, eins, Essenz, Form, Freiheit, Ich, Kampf, Lassen, manifestieren, Öffnung, Ort, Prozessorientierung, Schöpferkraft, Selbst, Weite, Wille, Wort
ich lasse mich ein
mein ich öffnet ein weiteres tor für das selbst
für die aspekte des einen selbst
die durch mein ich kommen möchten
mein ich formt die essenz
indem ich mich formen lasse
kein kampf zwischen wille
und autonomen prozess
sondern einsetzen meiner freiheit
zur verwirklichung des einen selbst
manifestieren ist leicht
ich lasse mich ein
simone
Posted in Klartext
Posted on 02 Februar 2011. Tags: Dualität, Einheit, eins, Genuss, Gewahrsein, Kampf, Lassen, lautlos, Punkt, Sein, Tod, Vereinigung, Weg, Weite, Welt, Willkommen, Zeuge
wo deine welt endet
geht meine welt weiter
wo meine welt stirbt
lebt deine welt weiter
wo ich mich vereinige
lässt du dich nicht ein
wo ich das nicht ertrage
lasse ich mich nicht ein
wo du nicht eins bist
will ich nicht zwei sein
gewahre deins und meins
im ringen sind wir eins
also lasse ich mich ein
mit dir getrennt zu sein
ich genieße dein sein
zeuge von deinem weg
heiße dich willkommen
in unserem einen sein
simone
Posted in Lyrik
Posted on 11 Dezember 2010. Tags: Anbetung, Aspekte, Augenhöhe, Begegnung, Demut, Distanz, Ehre, Ehrfurcht, Engel, Gaukelei, Gebet, Geistwesen, Gleichmacherei, Gleichwertigkeit, heilig, Idealisierung, Kampf, Knie, Konkurrenz, Kraft, Lehrer, Menschenspiel, Nähe, Rang, Sein, sich stellen, Spiritualität, Stimmigkeit, System, Unterscheidung, Verehrung, Wachstum, Wertschätzung, Wohl
Ich habe mich diese Woche wiederholt an Menschen gerieben, bei denen ich so etwas wahrnehme, was ich als Verehrung und Anbetung bezeichnen möchte. Also eine Bereitschaft, etwas außerhalb ihrer Person existierendes über sich zu stellen. Ich spüre, dass mir das nicht entspricht. Bislang habe ich das im Fachjargon als Idealisieren oder umgangssprachlich als Anhimmeln bezeichnet. Nun bediene ich mich mit Verehrung und Anbetung eher spirituell konnotierter Begriffe.
Meinem Erleben nach dürfen sich alle Aspekte des Seins auf Augenhöhe begegnen. Alles zwischen Himmel und Erde Existierende verdient Ehre, niemand mehr, niemand weniger. Das Verteilen von besonderer Ehrerbietung bis hin zur Ehrfurcht und all die Formen von Anbetung speisen sich meiner Wahrnehmung nach aus einem Glaubenssystem von Unter- und Überlegenheit. In einem solchen Glaubenssystem wird durch künstliche Rangstufen eine Distanz zwischen dem Menschlichen und dem Göttlichen geschaffen. Das Ausmaß an Verehrung und Anbetung von spirituellen Lehrern, Geistwesen, Engeln und Gott wird zum Gradmesser (noch nicht) erreichter Nähe.
Mir geht es nicht um Gleichmacherei alles Seienden, sondern um Gleichwertigkeit des Unterschiedlichen. Ich bin nicht gegen das Beten und auch nicht gegen die Erfahrung heiliger Momente. Und schon oft hat es mir gut getan, mit gesenkter Stirn auf dem Boden zu knieen. Aber mir entspricht es nicht, eine Stufe in den Fluss des Seins zu meißeln und meine Kraft solchem Gebilde zu unterwerfen. Auch lehne ich die, die das tun, nicht ab. Ich merke dank unserer Unterscheidung einfach nur, dass ich einen anderen Weg gehe: Ich dulde niemanden über mir und niemanden unter mir. Natürlich ist jeder frei, sein Bild von mir dort “oben” oder “unten” anzusiedeln, aber Begegnung mit mir entfaltet sich auf Augenhöhe.
Das wollte ich formulieren. Und nachdem ich das nun versucht habe, frage ich mich, wie das hier Geschriebene mit meinen bisherigen Texten über Demut und Ergebung zusammengeht. Das tut es. Aber ich kann es derzeit nicht in Worte fassen. Vielleicht vorläufig so: Die Demut meinem mir (un-)bekannten Wachstumsprozess gegenüber bleibt erhalten, während ich allen Aspekten des Seins auf Augenhöhe begegne. Auch bin ich weiterhin bereit, ergeben dem höchsten Wohl derer zu dienen, die sich mir anvertrauen, aber die Augenhöhe bleibt. Egal, was gerade ansteht. Ich stelle mich dem Sein und zwar mit meiner Kraft – wie sie mir nur in Demut zuteil wird.
Text und Foto: Simone Meller
Posted in Klartext