Tag Archive | "Ignoranz"

Ich lasse mich ein


wenn ich mich abwende
trenne ich mich

wenn ich mich einlasse
werde ich eins

abwenden ist ersatz
für ich-grenzen

einlassen folgt dem
sicheren ich-bin

mein klares herz
lässt alles rein

verliert sich nicht
ist bergender ort

wenn ich mich abwende
trenne ich mich

wenn ich mich einlasse
werde ich eins

simone

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In der Kränkung: Mir und nicht dir zuliebe vergeben


Mit “Kränkung” bezeichne ich die emotionale Destabilisierung des Selbstwertgefühls eines Erwachsenen. Auslöser (nicht Ursachen!) für Kränkungen sind zum Beispiel Abgrenzungen, Kritik, Ablehnung und Ignoriertwerden. Solche Auslöser bewirken nicht in jeder Situation eine Kränkung. Zu einer Kränkung kommt es erst, wenn ich das Ereignis als Abwertung meiner selbst interpretiere (s. “Das ist doch völliger Quatsch” oder: Wege zum Frieden). Infolge fühle ich mich als Mensch entwertet bzw. verunsichert. Die Verantwortung für solches Erleben liegt in mir – nicht in dir und deiner Meinungsäußerung.

Dann unterbreche ich den Kontakt zu dir vorübergehend, um mich zu heilen. Das mache ich der Situation entsprechend transparent (s. Streit konstruktiv auflösen). Ich will meine Kränkungsreaktion nicht an dir entladen, sondern mich selbst mit meinen Emotionen wie Scham, Wut, Verachtung und Groll in die Arme schließen. Ich will meine aufgescheuchten Introjekte ent-decken, meine selbstabwertenden (“Ich bin nicht liebenswert”) sowie meine perfektionistischen (“Ich muss mich mehr anstrengen”).

Wenn ich öffentlich darüber spreche, scheine ich manchmal die einzige Person im Raum zu sein, die solche Probleme kennt. Das liegt daran, dass unangenehme Introjekte und Emotionen häufig automatisch ablaufen, unbewusst bleiben und mittels Streit, Kontaktabbruch, Schimpfen, Lästern etc. ausagiert werden. Da mir das in meiner Selbsterfahrungsgeschichte nicht fremd ist, offenbare ich mich hier und da mit meiner Schattenarbeit.

Ich konnte erst heilen, als ich mit dem Ausagieren aufhörte und Verantwortung für meine Gefühle zu übernehmen begann. Wenn ich mir nicht anschaue, welcher wunder Punkt in mir berührt wird und nach Heilung verlangt, trage ich dir im wahrsten Sinne des Wortes etwas nach. Dann bin ich auch Jahre nach dem Vorfall innerlich noch intensiv damit beschäftigt. Dann kette ich mich mit meiner Kränkung an dich. Dann fühle ich mich als abhängiges Opfer und sehe dich als schuldigen Täter.  Ich tue so, als ob ich nicht verantwortlich für mein Gefühlsleben wäre.

Dabei kann ich dir für das danken, was du in mir an Kränkung auslöst. Denn es ist ein Hinweis auf eine unerlöste Schattengestalt in meinem Sein. Mein Schmerz mahnt mich, auch sie ins Licht zu holen. So heile ich dank dir, indem ich die volle Verantwortung für das übernehme, was du in mir auslöst. Du bist einfach jemand, der mich erinnert, mich zu lieben wie ich bin. Und zwar mit allem Drum und Dran. Die natürliche Folge davon ist Vergebung. Vergebung geschieht von allein, sobald ich meinen Schatten in Liebe heimgeholt habe. Vergebung ist nichts anderes als bedingungslose Liebe. Solange ich dir nicht vergeben kann, gibt es in mir noch Verbanntes zu entdecken. Vergebung geschieht von allein, wenn ich meine emotionalen Hausaufgaben gemacht habe. Dann fühle ich mich wieder wohl und frei. Deshalb sage ich: Ich vergebe mir und nicht dir zuliebe.

Simone Meller

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Es gibt mich, auch wenn du mich nicht liebst


Natürlich gibt es Menschen, die mich ignorieren. Und selbstverständlich auch solche, die mich entwerten. Dennoch existiere ich. Ruht mein seelischer Schwerpunkt in mir, ist mein Leben in Ordnung, bin ich in Ordnung. Ich existiere völlig unabhängig davon, was Schlagzeilen, Karrieristen und Vorübergehende verkünden. Es gibt mich, auch wenn mich nicht jeder Blick mit Liebe streift. Ich bin, auch wenn ich nicht verstanden werde. Es gibt mich, indem ich mich liebe. In der Liebe ist Platz für den Spott dieser Welt und vieles mehr. Jede dieser Erfahrungen hilft mir zu erkennen, wer ich bin (s. Der Schatz der Einsamkeit). Jede dieser Erfahrungen macht mich frei und öffnet mich für noch mehr Liebe. Wie das kommt? Weil ich – die unterschiedlichen Möglichkeiten betrachtend – Liebe wähle. Wie könnte ich Liebe wählen und erfahren, wenn mich jeder unentwegt lieben würde?

Simone Meller

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Was Schmerz ist


“Euer Schmerz ist das Zerbrechen der Schale, die Euer Verstehen umschließt.” – Khalil Gibran

Schmerz ist das Zerbrechen von Illusionen ohne Bewusstsein für die sich dabei entfaltende Essenz. Neues Bewusstsein zeichnet sich dadurch aus, dass es die Schmerzen nicht ignoriert, sondern sie wertschätzend wahrnimmt und aus ihnen herausführt. Es geht um Transformation, die in einem klaren Feld der Liebe geschieht. Siehe dazu auch:

Schmerz ist eine Einladung auf etwas zu achten, das wir gewohnheitsmäßig ausblenden. Schmerz ist ein Geschenk des Seins, das uns daran erinnert, GANZ zu SEIN. Der Schmerz lässt sofort nach, wenn wir uns erlauben, ganz zu sein. Schmerzen sind eine Übung in Achtsamkeit. Die einengende Form weicht, um noch mehr unseres Seins hereinzulassen.

Niemals verlieren wir uns selbst  oder andere. Im Gegenteil, es geschieht Selbstverwirklichung: Wir finden das wieder, was wir immer schon waren. Wir finden eine neue Form zu sein, bis irgendwann auch diese Form wieder abgelöst wird. Je mehr wir das durchschauen, desto schmerzfreier werden unsere Transformationen.

Selbstverwirklichung bedeutet, ganz man selbst zu sein. Das wahre Selbst gibt es nur im Hier und Jetzt; es wird in jeder Gegenwart neu geboren.  Selbstverwirklichung ist ein permanenter Wechsel der Form zugunsten der einströmenden Essenz. Er unterscheidet sich vom beliebigen Chaos dadurch, dass er in einer Person Kontinuität findet. Die Person wird zu EINEM Strom für ihr wahres Selbst. Das wahre Selbst schwingt sich spiralförmig durch die polare Welt hinauf zu einem authentisch durch Lebenserfahrung erarbeiteten Einheitsbewusstsein.

Simone Meller

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