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Wissenschaft und Spiritualität sind relativ unwichtig


Wenn es keine Friedhöfe gäbe, bräuchte ich nicht das Konzept der (Re-)Inkarnation. Da ich mich offensichtlich in einer Welt bewege, in der wir uns mit Hilfe von Zeit und Raum orientieren und in der Menschen geboren werden und wieder sterben, kann das Konzept der (Re-)Inkarnation vorübergehend hilfreich sein. Es macht vieles erklärlich und verdaulich, wenn wir von früheren Leben eingeholt, erschüttert und beschenkt werden. Ich erleb(t)e Auflösung von Karma als mächtige Befreiung.
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Jedes Leben ist eine Geschichte und jede Geschichte ist angeordnete Energie

Längst habe ich aufgehört zu zählen, zu sortieren und zu datieren, was “ich” alles war. Doch immer stand liebevolle Intergration an, wenn alte Inkarnationen heimkehrten. Jedes Leben ist eine Geschichte, eine bestimmte Anordnung von Energie. Viele Leben, viele Geschichten ranken sich ineinander wie die Blätter einer Blüte. So bildet jede Einzelseele, jede Überseele, jede Gruppenseele etc. ihre Blüte. Und all diese Blüten sind wiederum Blätter der einen Blüte, der wir alle entsprungen sind.

Alle Manifestationen der materiellen und geistigen Welt, die mir begegnen, sind nichts weiter als Geschichten, verschiedene Variationen ein- und derselben Energiequelle. Deswegen sind mir wissenschaftliche und mystische Erkenntnisgewinnung trotz ihres unterschiedlichen Vorgehens auch völlig gleichwertig, keins von beidem steht über dem jeweils anderen. Das einzige, was in meinen Augen jeweils führen darf, ist das als subjektiv wahr Empfundene. Für den einen sind das die neuesten Erkenntnisse der Neurobiologie, für den anderen die jüngste Wirtschaftsumfrage, für den nächsten die Erhellung in der Stille und für den übernächsten ein Channeling mit Jeshua, Maria Magdalena oder Erzengel Michael, die Worte eines Gurus während eines Satsangs oder schlichtweg die Schrift der Bibel.

Ich diene dir mit dem, was du brauchst

Mit all diesen Menschen komme ich klar, weil ich gelernt habe, mich vor der Wahrheit des anderen zu verneigen, seinen Seelenplan und seinen freien Willen zu achten. Ich verstehe meine Dienstleistungen im ursprünglichen Sinne des Wortes als dienende Leistung, lasse mich auf mein Gegenüber ein und biete das an, was jeweils benötigt wird. Da braucht ein Chemiker eine wissenschaftliche Erklärung, warum sein Migräneanfall während unserer Sitzung binnen weniger Minuten verschwindet, gemeinsam arbeiten wir uns durch die Fragwürdigkeit des cartesischen Schnitts und durch plausible Ableitungen einer generalisierten Quantentheorie. Eine Versicherungsangestellte durchlebt Fragmente ihrer Hinrichtung im sogenannten Konzentrationslager, währenddessen begleite ich sie mit meiner Energie und validiere ihre Wahrnehmungen durch meine eigenen. Ein Manager ist fasziniert vom Resonanzprinzip und ich unterstütze ihn bei der Anwendung in seinem Unternehmen. Eine körperlich schwer kranke, zwischen Ungläubigkeit und verzweifelter Gottsuche schwankende Rentnerin sucht Halt und findet ihn während unseres Gesprächs in der Seele ihres verstorbenen Vaters. Ich werde gebucht für eine Teamentwicklung, in der Spiritualität keine explizite Rolle spielt, wohl aber mein Gespür für Gruppendynamik und meine Fähigkeit zu strukturieren.

Wenn Auftragsarbeit absichtslos wird

Als Dienstleisterin ergebe ich mich dem Prozess zum Wohle meines Kunden, und auf diese Weise erhält Auftragsarbeit den Charakter von Absichtslosigkeit, ohne in gleichgültige Beliebigkeit zu fallen. Während ich mich flexibel auf die Realitäten meiner Kunden einstelle und systemimmanent mit ihnen arbeite, bleibe ich gleichzeitig meiner Wahrnehmung treu. So entsteht ein Dialog, im Zuge dessen wir uns – dem Wachstum der Kundin verpflichtet – über unsere unterschiedlichen und gemeinsamen Konzepte verständigen. Durch dieses Zusammenspiel verschiedener Wahrnehmungen kommen die schwierigen Themen ans Licht,  zum Beispiel wenn sich jemand mit dem Nichts identifiziert, Jeshua verherrlicht, im Resonanzprinzip das Wirken des Schattens übersieht oder Teamkonflikten auszuweichen versucht.

Gerne lasse ich jedes Konzept los, sobald ich es nicht mehr brauche. Und gerne benutze ich es wieder, wenn es der Situation dient. Ich erlebe dieses Hin und Her nicht als das in den Wind Hängen meines Fähnchens und auch nicht als einen bequemen Eklektizismus oder ein Ausweichen vor Schattenarbeit. Vielmehr sehe ich darin eine kompromiss- und bedingungslose Ausrichtung auf das höchste Wohl. des jeweiligen Kunden. Da ich das nicht kenne, bleibt mir nur Demut: ich falle mit all dem mir Anvertrauten in die Liebe. Dort nehme ich den nächsten stimmigen Schritt wahr: ein Impuls zu einer fachlichen Aufklärung, zu einer Anleitung für Stille, zu einer wertschätzenden Konfrontation oder zu einem Plädoyer für das Vergessene im Kunden.

Ich folge den Bewegungen der Seele, bis sie verschwinden

Damit folge ich den Bewegungen der Seele und in Momenten, da sich auch das Konzept der Seele auflöst, den Bewegungen des Geistes. Ist auch der Geist nicht mehr da, ergebe ich mich dem, was bleibt: Nichts. Doch auch an diesem Zustand habe ich nicht zu haften, sondern mich immer wieder neu für die Manifestationen des Lebens zu öffnen. Ich nehme das Leben, wie es kommt, und lasse es los, wie es geht. In dieser Elastizität bin ich geborgen und frei, mit dir zu sein. Deswegen gleicht keine Begegnung der anderen, obwohl es oft um dasselbe geht. Wir sind hier, um ein- und dasselbe in seinen Variationen zu erleben. Darauf lasse ich mich Tag für Tag ein. Deshalb meine ich, dass sämtliche Konzepte von Wissenschaft und Spiritualität relativ unwichtig sind. Aber es ist praktisch, sie vorübergehend zu nutzen.

Text: Simone Meller | Foto: Klaas Hartz, Pixelio

 

 

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Pilzsuche im psycho-spirituellen (Esoterik-)Wald


“Der typische Esoteriker ist nett, mitfühlend, optimistisch, aufgeschlossen, aber leider auch sehr leichtgläubig”, so schrieb mal Wolf Schneider und weiter: “Herzlichkeit und Hingabe werden in diese Szene hoch gehandelt, Intellekt und Unterscheidungsvermögen hingegen diskreditiert. So haben die Verkäufer des Halbwahren ein leichtes Spiel.” Damit ist die Crux der Esoterik so treffend auf den Punkt gebracht, dass ich es selbst nicht besser ausdrücken könnte (auch wenn ich Schneider lieber nicht zitiert hätte, weil mir viele andere seiner Gedanken als zu zynisch und wenig beseeelt erscheinen). Ich spreche von einer “Crux”, weil ich in der Esoterik viele für meine Entwicklung wichtige Impulse gefunden habe, aber auch so viel Schindluderei und strahlende Fassaden mit ungehemmt pathologischem Hintergrund gesehen habe, dass ich jedes Vorurteil, das der Esoterik entgegengebracht wird, verstehen kann. Wie in jedem Lebensbereich (sei es das Bäckerhandwerk oder die medizinische Zunft) gibt es eben solche und solche. Wir tun deshalb gut daran, Menschen und ihre Angebote mit Kopf, Herz und Bauch wahrzunehmen.

Ich schätze es sehr, wenn (potenzielle) Kunden mich mit ihrer Skepsis konfrontieren, denn schließlich konfrontiere ich sie zuvor durch meine öffentliche Selbstdarstellung mit einer ungewohnten Weise zu sein und zu handeln. Neulich äußerte ein Firmenkunde in einem Projekt-Vorgespräch ganz klar: “Ich wollte Sie kennenlernen, um herauszufinden: Wie esoterisch sind Sie?” Aus dieser Offenheit heraus entstand ein sehr spannendes Gespräch, das für beide Seiten Lernmomente beinhaltete. Die Differenzierungen und Verbindungen, die in meiner Person harmonisch zusammenlaufen, sind für manche Menschen zunächst schwer verdaulich. Und zwar für die Esoteriker genauso wie für die Anti-Esoteriker. Eine Freundin meinte mal: “Du passt in keine Schublade – Ikea hin, Prokrustes her”.

Wer mit Medizin, Psychotherapie oder Esoterik schlechte Erfahrungen gemacht hat, neigt aus Angst vor einer Wiederholung dazu, den gesamten Bereich mit einer Armbewegung vom Tisch zu wischen. Das kann man machen, nur landet dabei auch einiges im Mülleimer, was man vielleicht noch brauchen könnte. Hilfreich finde ich deshalb, Erfahrungen zu Kriterien zu verwerten, also eine Art Faustregel zu entwickeln. In diesem Artikel möchte ich ein paar solcher Kriterien vorstellen, die sich auf den boomenden psycho-spirituellen (Esoterik-)Markt anwenden lassen.

Es existiert eine beeindruckende Vielfalt verschiedenster Gruppen und Bewegungen. Seriöse Ansätze koexistieren neben zweifelhaften Angeboten, und aus Abgrenzungen von älteren Gruppen gehen neue guruhafte Bewegungen aus. Wie kann man solche Gruppen einschätzen? Wo wird die eigenen Entwicklung gefördert, und wo wird sie vielleicht unterdrückt? Die Pädagogin und Therapeutin Angelika Doerne hat vor dem Hintergrund ihrer Erfahrung die Literatur zur transpersonalen Psychologie (u.a. Ken Wilber, Ludwig Frambach, Dick Anthony) gesichtet und sechs Kriterien abgeleitet, anhand derer psycho-spirituelle Gruppen kritisch und differenziert betrachtet werden können. Sie untersucht klare, aber auch subtile Phänomene der kollektiven Identifikation und Selbstunterwerfung. Im folgenden referiere ich die von Doerne vorgeschlagenen sechs Kriterien in stark vereinfachter Weise (den Gesamtkontext kann man im Originalartikel nachlesen).

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1.) Regressive Tendenzen (Zurückfallen in kindliche Verhaltensmuster):

Entwertung des Verstands: Hier hilft die Unterscheidung nach Wilber in prä- und transrational: Bei einem transrationalen Verständnis wird der Verstand nicht mehr überbewertet, sondern transzendiert. Er wird in Form von kritisch-rationalem Denken harmonisch integriert. Im Gegensatz dazu schließen prärational agierende Gruppen den Verstand weder ein noch transzendieren sie ihn. Sie betrachten den Verstand irrtümlich als spirituelles Entwicklungshemmnis, als Ursache menschlichen Leidens und werten ihn entsprechend ab. In solchen Gruppen ist kritisches Denken verpönt und wird als Zeichen von spiritueller Unreife gesehen.

Symbiose (kindliche Verschmelzung) wird irrtümlich für spirituelles Einheitserleben gehalten.

Götter, Geister, Dämonen, Außerirdische und andere Kräfte werden als alllmächtig gesehen, die durch richtige Gebete und Rituale den eigenen Wünschen gegenüber gnädig gestimmt werden können.

Diese regressiven Tendenzen werden nur ausgelebt, nicht verstanden und nicht auf einem neuen Bewusstseinsniveau integriert.

2) Sabotage von Entwicklungsprozessen

Verdrängtes und Unangenehmes wird tabuisiert oder bagatellisiert, weil es den Lehrer, die Gruppe, das ideologische System bedroht oder mit solchen Gefühlen nicht umgegangen werden kann.

Gipfel- und Grenzerlebnisse werden durch extrem lange, intensive, die persönliche Schmerzgrenze überschreitende Meditationspraxis überschritten und können deshalb nicht organisch integriert werden.

Pathologische Entwicklungen, die sich auf jeder (!) Stufe im menschlichen Entwicklungsprozess einstellen können, werden aus fachlicher Unkenntnis seitens des Lehrers verkannt. Dadurch können psychopathologische Zustände, die einer bestimmten Therapie bedürften, fälschlich für mystische Erfahrungen gehalten werden und schlimmstenfalls durch kontraindizierte Techniken eskalieren. Doerne schreibt dazu:

Ein Gefühl der inneren Leere und Sinnlosigkeit, wie es bei Borderline-Patienten auftritt, kann mit der buddhistischen Leerheit verwechselt werden. Die innere Leere wird positiv umgedeutet und mystifiziert, statt das Defizit der Entwicklung zu erkennen und therapeutisch zu behandeln. (S. 25)

Transpersonale Entwicklung bedarf eines soliden Fundaments, nämlich einer fortgeschrittenen personalen Entwicklung. Ist diese nicht gegeben, bestehen Risiken. Doerne:

Signer macht auf die Gefahr des ’spiritual bypassing’ aufmerksam (S. 59 ff.): Lebenskrisen mit Hilfe von Meditation o.ä. zu umgehen und Probleme und Entwicklungsprozesse vorschnell zu ‘transzendieren’. Gerade bei Menschen in der späten Adoleszenz sowie in der Krise der Lebensmitte ist dieses Verhalten zu beobachten. Dabei ist es wichtig, die phasenspezifischen Krisen durchzustehen und personale Transformationsprozesse zu fördern. (S. 25/26, Unterstreichung von mir)

3) Stärkung von Narzissmus

Eigene Wünsche werden irrtümlich für universelle Notwendigkeiten und Rechte gehalten (Egoismus-Ausweitung).

Die Macht über das eigene Schicksal oder das anderer Menschen wird überschätzt (Selbstüberschätzung).

Psychische Gipfel- und Grenzerlebnisse werden trophäenhaft zur Schau getragen und münden in einer Arroganz gegenüber anderen (Spitzenleistungen).

4) Überbetonung von Gemeinschaft

Dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit werden kritische Äußerungen und individuelle Bedürfnisse geopfert. In manchen Gruppen erfolgen mehr oder weniger (soziale) Sanktionen, wenn der Ideologie der Gruppe nicht ergeben begegnet wird.

Die Gruppenanhänger polarisieren zwischen sich und unwissenden Nicht-Anhängern der Gruppe (also dem Rest der Welt). Teilweise werden sonstige soziale und berufliche Kontakte abgebrochen, Engagement für die Gruppe und ggf. Unterwerfung unter die Gruppenleiter sind von großer Wichtigkeit.

5) Ungleichgewicht transzendenter und weltlicher Orientierung

In einseitig orientierten Gruppen kommt es entweder zu einer Überbetonung von Transzendenz (einseitige Aufstiegsbewegung: asketische, weltabgewandte Haltung, Abspaltung von Gefühlen und Bedürfnissen, Verwechslung von Dissoziation mit Nicht-Anhaftung etc.) oder zu einer Überbetonung des Weltlichen (einseitige Abstiegsbewegung: Idealisierung starker emotionaler Erfahrungen, emotionale Katharsis wird für transzendierende spirituelle Praxis gehalten etc.).

6) Verflachte Interpretationen spiritueller Inhalte und Erfahrungen

Ein Aspekt aus dem Lehrsystem wird herausgegriffen, zum Dogma stilisiert und als einfältige Antwort auf sämtliche Fragen des Lebens angewandt (z.B. “Der Verstand ist schuld.”, “Alles ist eins” etc.).

Unausgereifte personale Entwicklung führt zu verzerrten Erfahrungsinterpretationen und deren Weitergabe.

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Ich finde solche Kritierien wichtig (vgl. Info über Psychokulte), weil sie eine (fachlich) differenzierte Beurteilung der (Gruppen-)Angebote auf dem psycho-spirituellen (Esoterik-)Markt ermöglichen. Menschen mit fortgeschrittener Selbsterfahrung können die Angebote leichter einschätzen und die Kriterien ggf. auch als Hilfe beim Ausstieg aus (subtil) missbräuchlich agierenden Gruppen nutzen. Doerne wendet am Ende ihres Artikels diese sechs Kriterien beispielhaft auf die Bhagwan-Bewegung an.

Mir kam beim Schreiben das Bild vom Pilze sammeln in den Sinn. Wenn ich durch den psycho-spirituellen Wald schlendere, dann sammle ich die bekömmlichen Pilze ein, die giftigen lasse ich unberührt. Beide stehen dicht beieinander – und genauso ist es im esoterischen Kommerz. Die Schwierigkeit ist nur, dass diese Differenzierung von Pilzen bzw. Angeboten ein gewisses Maß an integrierter Erfahrung und Wissen voraussetzt. Viele der Hilfesuchenden verfügen (noch) nicht über diese personale Reife, deshalb suchen sie ja! Aber jeder verfügt über eine echte Chance, die nie vergeht: Wir alle können täglich aus unseren Erfahrungen lernen. Die von Doerne zusammengetragenen Kriterien können dafür eine Hilfe sein.

Text: Simone Meller | Fotos: Pixelio, Re.Ko., Renate Tröße

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Weihnachten: kleinster gemeinsamer Nenner und größtes Potenzial


82788_R_K_B_by_Claudia-Hautumm_pixelio.deMenschen feiern Weihnachten aus Sehnsucht. Aus Sehnsucht nach Wärme, Geborgenheit und Liebe. Aus Sehnsucht nach der Überwindung von Dualität, der Trennung zwischen sich selbst und dem Göttlichen (Sehnsucht nach innerem Frieden), der Trennung zwischen sich und anderen Menschen (Sehnsucht nach äußerem Frieden). Das Weihnachtsfest ist ein vom Massenbewusstsein noch nicht vollständig ausgedeutetes Symbol für eine tiefe Sehnsucht nach Heimkehr zur Einheit: Egal, ob man im Jesuskind eine Brücke zwischen der Menschheit und dem Göttlichen sieht, oder ob man einfach ein paar besonders schöne Feiertage miteinander verbringt. Für die meisten ist Weihnachten unumstößlich, und egal, ob man auf hoher See, im warmen Süden oder bei der Arbeit ist – Weihnachten zieht um die Welt, nirgendwo kann man ihr entkommen. So säkularisiert unser Leben mittlerweile ist, undenkbar Weihnachten abzuschaffen. Weihnachten ist der kleinste gemeinsame Nenner des Massenbewusstseins, und es ist der Ansatz eines zart sprießenden Einheitsbewusstseins.

Fülle im Alltag statt Geschenkeflut

Am kollektiven Geschenketausch zur Weihnachtszeit beteilige ich mich seit über 10 Jahren  nicht mehr. Während des ganzen Jahres schenke ich mir selbst, was ich brauche. Andere Menschen beschenke ich spontan, Eingebungen und Situationen folgend. Ich ziehe natürliche Fülle im Alltag einer künstlich terminierten Geschenkeflut vor. Bereits als Jugendliche habe ich mich gewehrt, wenn mir verschiedenen Formen von Weihnachten aufgezwungen oder traditionelle Erwartungen an mich herangetragen wurden. Noch heute empfinde ich vieles davon als aufgesetzt, fast heuchlerisch. Mit meiner kritischen Sicht fühlte ich mich oft allein.

So lauschte ich Jahr für Jahr hin, was Weihnachten eigentlich ist. Jedes Jahr wurde ich fündig, jedes Jahr zeigten sich mir veschiedene Facetten von Weihnachten, die sich nach und nach zu einem Bild zusammensetzen. Manche Feste verbrachte ich bewusst allein, und als ich in dieser unangetasteten Stille erstmals bewusst die Christusenergie spürte, weinte und schluchzte ich aus tiefstem Herzen. Es war ein überwältigendes Gefühl, wie diese unendlich liebevolle Energie in alle Häuser, in alle Menschen drang, unabhängig davon, ob sie ein Bewusstsein dafür hatten oder nicht. Es war überwältigend, ihre Kraft der Transformation in mir zu spüren, wie sie Krusten löste und mein Herz befeite.

Jeder Tag kann Weihnachten sein

Vor einigen Jahren entdeckte ich die Kraft der Wintersonnenwende, seitdem sind die Tage und Nächte zwischen dem 21. Dezember und 06. Januar “meine heilige Zeit zwischen den Jahren”. In dieser Zeit (vorchristlich traditionell auch Rauhnächte genannt) vollziehen sich Ablösung vom alten Jahr, intensive Bewusstwerdung und Ausrichtung auf das neue Jahr. Spontan entstehen Rituale, Begegnungen, auch Konflikte, Zeiten von Rückzug und Stille, Unternehmungen… was auch immer  – ich lasse es fließen, vertraue meiner inneren Stimme, die mich so wunderbar bis zum heutigen Ort geleitet hat. Ich lasse mich tragen von der Dynamik dieser Zeit des Wechsels, mal ausgelassen tanzend, mal innig lauschend. Seit zwei Jahren nehme ich bereits im Vorfeld dieser Zeit etwas war, was ich als “Sog der Wintersonnenwende” bezeichne. Themen kündigen sich an, Vorbereitungen werden angestoßen, Weichen gestellt.

In der letzten Nacht stieg mir ins Bewusstsein, dass ich jeden Tag das lebe, wonach sich Menschen nicht nur zur Weihnacht, aber da eben besonders sehnen. Es klingt platt, zu sagen, jeder Tag in meinem Leben ist Weihnachten, doch vom Kern her meine ich das schon. Oft, wenn ich einfach selbstbewusst lebe, was ich bin ,und mich damit über das Private hinaus in meine Arbeitsbereiche Heilkunde, Wirtschaft und Wissenschaft ausdehne, fühle ich mich Jeshua verbunden. Vor 2000 Jahren waren er und seine Freundinnen und Freunde nur wenige. Ihrer liebevollen Ausdehnung wurde ein gewaltsames Ende gesetzt. Die Zeiten haben sich geändert, die menschliche Bewusstseinsevolution schreitet voran.

Zwar erfuhr auch ich Schmerzen von Verkennung und Verrat, doch nahm ich dankbar wahr, dass die Zeiten der Kreuzigung vorbei sind. Bei vielen meiner öffentlichen Schritte durchlebte ich Ängste “wie vor einer Hinrichtung” und war froh, dass die Zeiten der Hexenverbrennung vorbei sind. Ich nehme immer mehr Menschen wahr, die Nondualität erfahren und ihr wachsendes Einheitsbewusstsein in das alltägliche Leben, in bestehende Systeme und Berufe tragen. Anfeindungen, Skepsis und Spott zum Trotz. Warum? Weil es selbstbelohnend ist. Auch wenn auf dem eigenen Herzensweg Wachstumskrisen und Konflikte zu durchschreiten sind, wird das irdische Leben so viel leichter und freudvoller!

Weihnachten als Platzhalter für das größte Potenzial der Menschheit

Bei mir ist diese Weihnachtsbotschaft angekommen: Jeder Tag meines Lebens ist Weihnachten. Ich brauche kein Jesuskind in der Krippe als Zeichen, dass Gott sich mit den Sündern versöhnen will. Ich muss Jesus nicht als Sohn Gottes feiern, sondern ich weiß, das wir alle Töchter und Söhne Gottes sind, ja, dass wir Gott sind. Vor 2000 Jahren war dies kein verbreitetes Bewusstsein, so bedurfte es eines sensitiven Menschens wie Jeshua und seiner Clique, die durch ihr Sein und Handeln daran erinnerten. Infolge schuf die christliche Kultur das Weihnachtsfest als einen (unbewussten) Platzhalter für das größte Potenzial der Menschheit.

Noch heute ist für viele Menschen die gefühlte Kluft zwischen ihnen selbst und dem Göttlichen so groß, dass sie einen Jesus, eine Kirche, einen Guru oder ein Medium als Vermittler brauchen. In diese Gestalt hinein projizieren sie ihre eigene Göttlichkeit. Sie haben ihr Göttliches abgespalten und entdecken es im idealisierten Gegenüber wieder (das je nach Integrität und Geschäftstüchtigkeit daraus Profit schlägt). Projektionen sind Lernfelder, wenn sie Schritt für Schritt zurückgenommen werden. Die Göttlichkeit des idealisierten Anderen steckt ja auch in mir und dir! Das Göttliche antwortet dir in dir.

Weihnachten ist ein großes Lernfeld. Es geht um die Rücknahme (kollektiver) Projektionen, die ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg der Rückverbindung von Himmel und Erde waren. Es geht um die Entwicklung von Neuem Bewusstsein: Wir alle sind Gott, wir erfahren und begegnen uns als getrennte Teile von ihm hier auf Erden im Menschenspiel. Das Menschenspiel ist ein große Selbsterfahrung, es ist Gott, der sich im Menschenspiel erfährt – in den schwärzesten Zeiten und den jubelnden Momenten und in den vielen, vielen Räumen dazwischen.

Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden? Nein. Ehre sei Gott auf Erden! Ehre sei all den den mutigen Seelen, die sich so viel für ihre Menschenleben vorgenommen haben, sich manchmal überfordert und verzweifelt fühlen oder sich so verirrt haben, dass sie vorübergehend den Heimweg nicht finden. Ehre sei Gott auf Erden und den Menschen beim Suchen und Finden von Frieden.

Simone Meller
Foto: Pixelio, Claudia Hautumm
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