Tag Archive | "Gleichwertigkeit"

Einheitsbewusstsein ist keine nonduale Erfahrung


Dem Einheitsbewusstsein entspringt die Gleichwertigkeit, nicht aber die Vereinheitlichung alles Seienden. Im Einheitsbewusstsein akzeptiere ich Dualität: du darfst so sehr anders sein als ich. Ich weiß nicht, woher du kommst und wohin du gehst. Ja, wir wurzeln in einem Grund. Aber ich kenne nicht den Ort, an dem deine harte Knospe die Erde durchbohrte. Und ich kenne nicht den Ort, an dem du sanft vergehen wirst. Und ich kenne nicht deine unzähligen Schritte dazwischen. Ich akzeptiere dieses Erleben von Trennung und lasse mich darauf ein. Im Annehmen von Dualität bin ich plötzlich eins. Deins ist meins. Weil ich bei mir blieb und dich ließ. Einheitsbewusstsein ist nicht eins sein. Einheitsbewusstsein entspringt nondualen Erfahrungen, aber es ist nicht identisch mit ihnen.

Simone

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die heimkehr der pioniere


wir fanden einen pfad und gingen ihn immer weiter
je weiter wir kamen desto mehr kehrten wir heim
um als liebende geliebte nahbar mit denen zu sein
die uns fern ihrer welt hatten entschwinden sehen

daheim in der einen welt umschlängeln wir die erde
zu umarmen die schmerzen neu mit ihnen zu sein
wir kehrten heim zum fühlen doch nicht zum leiden
wir sind zum lösen doch nicht zum retten bereit

von herzen gern lachen und weinen wir mit denen
die an ihren orten neue wege zu zeichnen beginnen
wir achten und ehren auch jene
im dunklen gewand
wie unendlich schön ihr mut ihre hingabe ans spiel

ein nichts in dieser welt das nicht in ordnung wäre
alles aber auch wirklich alles der einen liebe wert
zur gewissheit geronnene erfahrung ist das eine
das andere: es zu üben täglich neu bleibt auch uns

-simone meller

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Von der Klärung zum wortlosen Sein


Worte und Verhaltensweisen, die mir gestern noch dienten und mein Herz weiter werden ließen, dienen mir schon heute nicht mehr. Sie versperren mir sogar die Tür. So darf ich das, was ich gestern noch als neueste Errungenschaft meines Werdens feierte, schon heute eingehen lassen in die Annalen meines Herzens. Auch wenn mir mein Heute mehr dient als mein Gestern, sind beide gleichwertige Seins-Ausdrücke von Simone. Ohne Gestern kein Heute. Was gestern meiner Klärung (Clearing) diente, endet in seiner Nützlichkeit dort, wo Klärung eintrat (geklärtes Sein).

Alles was sich klärt, geht wortlos in meinem Sein auf. Dann ist es leichter, zu sein, was ich bin, als es es zu er-klären. Dann kommt es einem Fallen ins Gestern gleich, wenn ich erneut das Alte bemühe. Dann spüre ich ein Brett im Herzen, wo eben noch Weite war. Doch sobald ich mich auf mein neu gewordenes Sein verlasse, weitet sich mein Herz. Und sofort strömt schon wieder Neues ein. Damit beginnt ein erneuter Zyklus der  klärenden Auseinandersetzung, was mir entspricht und was mir nicht mehr entspricht. Klären – Sein. Klären – Sein. Klären – Sein. So werde ich zwischen gestern und morgen immer wieder das, was ich jeweils heute bin.

Text: Simone Meller | Foto: gpalm, Pixelio

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Wer bringt uns in Liebe, wenn nicht wir?


Im Kontext einer Diskussion habe ich neulich ausformuliert, was ich bislang auf verschiedene Texte verstreut und in Ausdehnung von Liebe ist kein Zerfallen von Persönlichkeit komprimiert zusammengefasst hatte. Hier folgen einige Auszüge mit nachträglich eingefügten Zwischenüberschriften:

[...]

Herzensausdehnung: Wer ist die Welt und wer bin ich?

Ich bezeichne diese liebevolle Annahme des Schrecklichen manchmal auch als Selbsterlösung und es meint jene Herzensausweitung [...]. Das eigene Herz dehnt sich aus, wird weit genug für den eigenen Schmerz. Der in Liebe aufgenommene Schmerz durchläuft einen energetischen Wandlungsprozess, der die eigene Sicht immer wieder neu erhellt. Ich beschreibe hier keine Theorie, sondern meine Erfahrung in der mehrschichtigen Transformation der kleinen und großen Widrigkeiten des Lebens. In solch einem Herzensprozess kann plötzlich ein tief strömendes Mitgefühl entstehen, mein Herz noch weiter aufgehen und das Gegenüber, das einst meine Schmerzen auslöste, darin Platz finden. Auf diese angedeutete Weise “esse” ich seit Jahren die Welt. Das kostet zwar zunehmend mehr Zeit und Kraft. Doch unbeschreiblich die daraus erwachsende Leichtigkeit, Freude und Fülle. Ich “bekomme” immer mehr, aber ich “brauche” auch immer mehr, um meinen Transformationsprozess fortsetzen zu können. Je wohler ich mich fühle, desto mehr Unwohlsein bereitet mir das, wofür ich mich bislang nicht zuständig fühlte. Auch jetzt bin ich nicht zuständig dafür im Sinne die Welt retten zu wollen, sondern zuständig im Sinne von Verantwortung für die Gefühle, die die Welt in mir auslöst. Also nehme ich das einst Fremde in mein Herz, lasse mich ein auf die Transformation der Energien, bis ich mich wieder wohler fühle und neue (Handlungs-)Impulse entstehen. Stößt mein Blick erneut auf etwas von mir Ausgegrenztes, dehne ich mein Herz erneut… Was gestern noch Welt war, belangt mich heute persönlich. Wer ist die Welt und wer bin ich? Alles schiebt sich immer mehr ineinander. So geht das immer weiter. Auf diese Weise entstand zum Beispiel mein Gedicht Soldat, ich ehre dein tapferes Herz. Und auf dieselbe Weise geht immer mehr im Wortlosen auf.

[...]

Deshalb formuliere ich manchmal, dass ich einfach nur nach Herzenslust lebe. Ich folge keinen Dogma, sondern meinem Wohlsein, das sich an Liebe ausrichtet. Das ist auch der wesentliche Unterschied zum Egoismus (siehe bei Interesse hier und hier).

Was auch geschieht, Selbstannahme ist immer möglich

Wenn ich also davon schreibe, immer mehr in Freude zu sein, bedeutet das nichts anderes, als dass ich ständig esse, was mir auf den Tisch kommt, mich aber nicht zwinge, wenn ich mich ekle, sondern dann eben ein paar Tage oder Jahre [sic!] mit dem Ekel herzensschwanger gehe, um die Bilder nun endgültig zu vermischen *schalk*. Und der einzige Grund, warum ich mich auch über den Ekel hermache, ist der, weil ich aus meiner Erfahrung weiß, dass es mir mit ihm im Herzen besser geht, als wenn ich ihn außen vor lasse. Doch solange mein Herz nicht weit genug ist, kann ich ihn nicht aufnehmen. Aber auch mit diesem Unvermögen kann ich mich liebevoll annehmen! Also gleichgültig, was mir passiert: Ständig kann ich mich annehmen, mit dem was ist, mit meinem Unvermögen wie mit meinen Sternstunden und bin dabei immer in der einen Liebe. Die Momente, in denen ich mit meinem Bewusstsein nicht in der Liebe bin, gibt es natürlich. Doch kann ich sie immer schwerer ertragen, weil der Unterschied so gravierend ist! Deshalb sinke ich immer schneller ins Herz – mit alledem, was gerade ist. Und wenn ich in der Liebe bin, kann ich gar nicht anders, als meinen Gegenübern eben mit dieser bedingungslosen Liebe zu begegnen, in der zugleich Platz für meine Präferenzen [...] bleibt.

[...]

In der bedingungslosen Liebe dürfen Präferenzen sein

Durcheinander geht in dieser Diskussion die Sache mit dem Wert. “Wert” kommt in vielen Begriffen vor und ich sehe da (vergleichbar zum Begriff “Spiritualität”) mehrere Bedeutungsebenen.

Ich negiere nicht die lebensnotwendige Existenz von kognitiv-emotionalen Bewertungsprozessen, wenn ich Auf- und Abwertungen im Widerspruch zur Gleichwertigkeit aller Menschen sehe. In der bedingungslosen Liebe, in der alles Seiende wie beschrieben seinen Platz findet, dürfen Präferenzen (unser freier Wille) weiterhin sein. Dürfen wir unser Urteilsvermögen bewahren, nach unseren Bedürfnissen und Werten immer wieder neu bewerten und entscheiden, was uns entspricht. Wenn ich also den Weg in die Freude wähle, so wie ich auch eine Tasse Tee oder ein Kleid wähle, werte ich mit meiner Wahl weder die Traurigkeit, noch den Kaffee, noch die Hose ab. [...]

Kein Gott, sondern dein Wohlsein macht den Unterschied

Ich erhebe meinen Weg nicht zur Norm und beschreibe auch keine Wachstumsnotwendigkeit [...]. Wer sich mit seinem Interesse für Heilung und Fülle an meine Website oder mich wendet, erfährt: Ab in die Liebe mit dir und allem, was in deinem Rucksack ist. Doch, ob du es machst oder nicht, ist vor dem, was du Gott nennst, egal. Einzig und allein für dich macht es einen Unterschied im Wohlbefinden.

Damit behaupte ich nicht, dass mein menschliches Wesen völlig frei von Tendenzen zur Abwertung wäre. Sondern ich pflege eine Haltung, in der jeder frei ist, zu leben wie es ihm gefällt, ohne dabei jemals an (Ehren-)Wert zu verlieren oder zu gewinnen. Auch in meiner Unzulänglichkeit bleibe ich immer gleich viel wert. Das enthebt uns nicht des operativen Handelns (s. bei Interesse: erster Abschnitt von In der Welt zu Hause sein), aber eben auch nicht der Verantwortung für unser Leid (s. bei Interesse: Dialog mit Nicoletta und Helga).

[...]

Eine Freiheit, die den Totalitarismus nicht bedient, sondern in die Liebe überführt

Mir geht es um die subjektive Stimmigkeit, der ich immer wieder neu folgen darf – ohne Angst, jemals in göttliche Ungnade zu fallen.

Daraus erwächst eine Freiheit, die den Totalitarismus nicht bedient, ihm aber seinen Platz in der Welt lässt. Dabei geschieht laaangfristig etwas Wunderschönes (das ist eine Bewertung!): In dem Maße, wie sich die Freiheit in Liebe ausdehnt, verschwindet der Totalitarismus. Er wird von Liebe gegessen. Nicht der Kampf gegen Totalitarismus (das wäre Abwertung!) bringt ihn aus der Welt, sondern unsere wachsende Annahme von allem, was ist (Gleichwertigkeit alles Seienden!). Denn auch meiner Anschauung nach, sehnt sich alles, was ist, im tiefsten Grund nach dieser liebenden Annahme [...]. Aber nicht alles, was ist, fühlt sich bereits dieser Liebe wert (Selbstwertgefühl!). Noch einmal betone ich: Das enthebt uns nicht unserer alltäglichen Verantwortung angesichts dessen, was uns widerfährt und zum angemessenen Handeln auffordert. Das Gegenteil ist der Fall: Die Arbeit beginnt immer in uns selbst. Wenn nicht wir uns mit allem, was wir erleben, alltagstauglich in die Liebe bringen, wer dann?

Simone Meller

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