Tag Archive | "Gespräch"

Streit konstruktiv auflösen


Zum Streiten gehören immer zwei, zum Aufhören genügt einer. Wenn du mit jemanden Streit hast, so kläre dich selbst, bevor ihr eine Aussprache führt. Wenn du während der Aussprache unklar wirst (das merkst du daran, dass du schneller, lauter und impulsiver reagierst), dann unterbreche euer Gespräch, um dich selbst in Stille zu klären. Aus dieser Klarheit heraus nimmst du den Dialog wieder auf. So fährst du fort, bis euer Gesprächsergebnis klar ist. Der andere klärt sich an dir, wenn du klar bist.  Wenn du aus dieser Klarheit heraus sprichst und handelst, sind das genau die Impulse, die auch deinem Gegenüber zur Klarheit verhelfen, sofern er diese ebenfalls anstrebt. Ist er nicht an Klarheit interessiert, wirst du – wenn du klar bist – zu einem gewissen Zeitpunkt keine Lust mehr haben, das Gespräch fortzuführen und es respektvoll beenden.

Ein solches Ende kann auch disharmonisch ausfallen, wenn der andere deine Grenze nicht achten möchte. Aus deiner Klarheit heraus darfst du deine Grenze nachdrücklich vertreten, auch wenn dies bedeutet, den Hörer auflegen oder den Raum verlassen zu müssen. Eine Repressalie wäre solches Verhalten nur, wenn du es benutzt, um den anderen zu verändern. Doch in der Klarheit ist dies nicht deine Intention. In der Klarheit sorgst du  für deine wahrgenommene Grenze, ohne den anderen verändern zu wollen. Du vermittelst deine Wertschätzung, indem du ihn lässt, wie er ist. Wenn er sich an deiner Grenze stößt, liegt dies in seiner und nicht in deiner Verantwortung. Er wird zurückgeworfen auf sich selbst. Vielleicht nutzt er die Chance, um sich selbst zu klären. Vielleicht auch nicht. Das darf sein.

In der Klarheit ist es egal, wer recht hat, wichtig ist vielmehr, dass sich jeder in Liebe selbst treu bleibt. Unterschiede dürfen sein. Wenn du das nicht aushalten kannst und/oder es dir schwer fällt, dich selbst konsequent zu klären, unterstütze ich dich gern. Konflikte kommen und gehen und werden weiterhin sein. Aber dieses anstrengende Streiten muss nicht sein. Es darf aufhören. Überall.

Simone Meller

Posted in KlartextKommentare deaktiviert

Selten, doch produktiv: Stille im Unternehmen


Wer kauft Stille?

Noch nie wurde ich dafür engagiert, Stille ins Unternehmen zu bringen, aber immer habe ich sie im Handgepäck. Noch bevor ich mir darüber bewusst zu werden begann, erhielt ich oft die Rückmeldung, man würde in meiner Gegenwart zur Ruhe finden. Für Schwung hatte man mich engagiert und fand ihn in der Ruhe der von mir moderierten und begleiteten Prozesse. Mir war’s recht, ich konnte sowieso nicht anders und begann zu explizieren, was ich ohnehin schon tat: nämlich zur Stille anregen.

Stille funktioniert ohne Spiritualität und Psychologie

Wir brauchen weder über Spiritualität noch über Psychologie zu reden, wenn wir hier und da im Unternehmen zur Stille anregen. Ich tue das mittlerweile überall, wo ich auftrete, egal ob es sich um eine Teamentwicklung, einen Vortrag oder eine kleinere Gesprächsrunde handelt. Stille: ungewohnte Labsal in der zuweilen hektischen Betriebsamkeit von Unternehmen und eine oft unterschätzte Quelle für richtungsweisende Erkenntnisse!

Vor Jahren traf ich auf einem Kongress einen Manager der Europäischen Zentralbank, der öffentlich – sonst würde ich das hier nicht wiedergeben – darüber berichtete, wie er gemeinsam mit seinem Team meditierte. Zunächst heimlich, später standen alle dazu. Doch Meditation ist nicht jedermanns Sache, weshalb ich das Wort zumeist vermeide und niedrigschwellige Einstiege in die Stille anbiete. Es folgen ein paar Vorschläge, die alle nicht neu sind, sondern einzig und allein davon leben, wie wir sie realisieren. Der Ton macht die Musik, und unsere Worte der Einleitung bestellen das Feld. Mein persönlicher Stil ist eine entwaffnende Mischung aus Offenheit, Charme und Unerschütterlichkeit. Ich habe eine Idee (Stille!), weiß um ihre Ungewöhnlichkeit und signalisiere dennoch meine Überzeugtheit. Ich beharre nicht auf einer bestimmten Form, sondern achte das Feld, dass ich in meiner Gastrolle als Beraterin oder Moderatorin betrete.

Niedrigschwellige Einstiege in die Stille

  • Minimale Übungen zur achtsamen Wahrnehmung von Boden, Stuhl, Körper, Atmung, Geräuschen, Gedanken und Gefühlen
  • Vor, während, nach der Besprechung einfach eine Minute still miteinander sitzen – ohne Ehrgeiz, ohne Anspruch auf das Erleben phantastischer Phänomene
  • Wenn sich das Gespräch erhitzt oder anderweitig aus dem Ruder läuft, zu ein paar Minuten Stille einladen
  • Wenn der Weg zur lautlosen Stille zu weit ist, zum Beispiel weil es gerade einen heftigen Konflikt gab, dann erzähle ich eine kleine Parabel, zitiere einen passenden Spruch und/oder geleite mit eigenen Herzensworten in ruhigere Gewässer.

Der Schlüssel ist die eigene Stille

All das funktioniert natürlich nur, wenn man selbst still ist und mit jeder Pore des eigenen Körpers ausstrahlt, dass es einem mit dieser Intervention wirklich ernst ist. Das Schließen meiner Augen und der Rhythmus meines Atmens dienen anderen dabei als greifbare Haltepunkte, während natürlich in der Tiefe eine stärkere Feldeinwirkung durch die Kraft meiner eigenen Stille geschieht. Zum Beispiel kenne ich einen Angestellten einer Reederei, der unter fachlichen Vorwänden zu schwierigen Verhandlungen hinzugebeten wird, weil in seiner Präsenz keines dieser heiklen Gespräche eskaliert. Und viele, die Trainings und Seminare selbst durchführen, kennen das Phänomen, dass eine Gruppe still wird, wenn der Referent still wird. Ich werde auch still bei Unterbrechungen, Störungen und bedeutsamen Ereignissen, die leicht übergangen werden könnten.

Ich bereite meine Kunden mit wenigen und zur Situation passenden Worten auf Stille vor. Ich gewöhne sie bereits in unseren vorangegangenen Gesprächen an das Aroma der Stille, indem ich mit Verweis auf meine Langsamkeit das Tempo aus dem Gespräch nehme oder davon erzähle, dass nicht jede Geschäftigkeit auch produktiv ist. Obwohl ich noch nie auf die Anregung von Stille verzichtet habe, wenn sie mir wichtig war, kann ich mir Situationen vorstellen, in denen es sehr schwer sein könnte. Dann wäre meine Empfehlung, an anderen Stellschrauben der Unternehmenskultur zu drehen, z.B. eine Unterbrechungspause von 5 Minuten anzuregen und ggf. anschließend die Sitzordnung verändern. Auch erlebe ich immer wieder Unternehmen, in denen nicht einmal eine Mittagspause kultiviert wird. Wie will man da still werden? Also je schneller die Taktung einer Firma, desto basaler und entschiedener haben unsere Interventionen zu sein. Auch hier brauchen wir weder Spiritualität noch Psychologie. Ich bleibe schlichtweg bei meinen Bedürfnissen und meinem daraus resultierenden Erstaunen: “Wie? Sie machen keine Mittagspause? Also, ich brauche jetzt eine. Kommen Sie mit?”

Den Nutzen der Stille ins Bewusstsein heben

Ob wir nun in die Stille oder immerhin in die Mittagspause gegangen sind – danach ist es wichtig, den erfahrenen Nutzen dieser Zeitinvestition ins Bewusstsein zu heben! Nur zu schnell gehen der Gewinn oder zumindest der Return on invest in der Email-Flut, dem nächsten Telefonat oder der neuen Akte auf dem Schreibtisch unter. Beim Explorieren bestehe ich natürlich nicht auf diesem hier demonstrativ verwendeten betriebswirtschaftlichen Vokabular. Auch referiere ich nicht die Vorteile von vegetativer Entspannung, sondern frage, was in der Stille erlebt oder wahrgenommen wurde oder wie man sich jetzt nach der Mittagspause fühlt. Viele machen die Erfahrung, dass ihnen erst in der (relativen) Stille klar wurde, dass sie die Lösung für ein Problem längst wissen und nur noch zur Anwendung zu bringen haben. Anderen kamen in dieser Pufferzone zwischen Alltag und Alltag auf neue Ideen, die vorher niemand bedacht hatte. Manche bemerken Kopfschmerzen oder Erschöpfung und wissen dann, worum sie sich eben auch zu kümmern haben.

Doch für all das werde ich nicht engagiert. Ich bringe es eben einfach mit, weil es zu mir und meinen Dienstleistungen gehört. Rege ich zur Stille an, so nicht, weil ich Psychologin oder spirituell bin, sondern weil es erfahrungsgemäß gut tut. Immer dient Stille dem Wohl aller Beteiligten und zeitigt ganzheitliche Wirkung. Stille verändert Menschen und damit die Unternehmen, in denen sie arbeiten. Jedes Unternehmen existiert nur durch die Menschen, die es realisieren. Immer sind es Menschen, die etwas unternehmen.

Text: Simone Meller
Foto: Rainer Sturm, Pixelio

*

Posted in KlartextKommentare deaktiviert

Coaching-Tipp für schwierige Feedback-Gespräche


Als Personalentwicklerin, Vorgesetzter, Coach oder Leiter eines Assessment Centers steht man manchmal vor der schwierigen Aufgabe, unangenehmes Feedback geben zu müssen. Das Feedback ist unangenehm, weil es mit Selbstkonzept und Wünschen des Betroffenen divergiert. Die Aufgabe, solches Feedback nutzenstifend an den Mensch zu bringen, fällt uns schwer, weil wir klar zu bleiben haben, ohne zu verletzen. Anstatt lange um den heißen Brei herumzureden (“diplomatische Tour”) oder dem anderen unser Feedback einfach vor die Füße zu knallen (“kurz und schmerzlos”), gibt es einen wertschätzenden Weg der Mitte.

Um Erlaubnis fragen und Raum geben

Ich mache immer wieder gute Erfahrungen damit, vor dem Feedback Geben um Erlaubnis zu fragen. Das heißt, ich formuliere noch einmal auf meine Weise das  anfängliche Anliegen meines Gegenübers, so wie es bei mir angekommen ist. Dann sage ich in angemessenen Worten, die natürlich je nach Kontext zu variieren und konkretisieren sind, dass ich meine etwas darüber verstanden zu haben, warum es (noch) nicht klappt. Pause. Diese kleine Pause gibt Raum dafür, dass sich der Betroffene innerlich auf die Richtung des Gesprächs einstellen, vielleicht sogar öffnen kann.

Anschließend formuliere ich ungefähr in dieser Art: “Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, kann ich Ihnen gerne ein persönliches Feedback geben.” Und wenn ich den Eindruck habe, dass es für mein Gegenüber ein großer Brocken sein könnte, versuche ich ihn in seiner Bereitschaft zu Selbstreflexion und Wachstum zu bestärken: “Das wird vielleicht nicht ganz leicht für Sie sein, ist aber eine Chance zu erfahren, wie Sie auf andere wirken.”

Selbstverwirklichung bedeutet die Art und Weise unserer Pflichterfüllung zu verändern

Erhalte ich auf diese Weise die Erlaubnis, ist es bei innerer Klarheit relativ leicht, auch unangenehmes Feedback wertschätzend und gewinnbringend zu vermitteln. Signalisiert der andere ein “Nein”, so achte ich dies und versuche gemeinam mit ihm herauszfinden, warum nicht. Vielleicht ist der Zeitpunkt ungünstig wegen eines darauf folgenden Termins oder wegen privater Belastung. Wenn das so ist, kann Feedback nicht fruchten. Dies anzuerkennen und einem günstigeren Zeitpunkt entgegenzusehen, macht es für alle Beteiligten leichter. Feedback, aus welcher beruflichen Rolle heraus es auch erfolgt, ist ja niemals Selbstzweck, sondern bei richtiger Zustellung ein Geschenk, das dem Wohle des anderen dient. Und jeder weiß, wie lästig unerwünschte Geschenke sind. Gelingt es uns aber, das Unangenehme jenseits von Beschönigung und Beschwichtigung auf wertschöpfende Weise zu vermitteln, erfahren auch wir Erfüllung. Dieses Gefühl von Erfüllung verweist darauf, dass es uns in dieser einen Sache gelungen ist, uns selbst zu verwirklichen. Wir haben unseren eigenen Stil eingebracht. Plötzlich macht es einen Unterschied, ob wir oder jemand anderes dieses Gespräch geführt hat!

Das ist ein kleines Beispiel dafür, wie Selbstverwirklichung im Beruf möglich ist. Jede bislang unangenehme Job-Aufgabe kann mit etwas Herz und Mühe so gewandelt werden, dass der Ausgang für alle Beteiligten befriedigender ist. Auf diese Weise verändern sich allmählich unsere Berufe, unsere Unternehmen und unsere Wirtschaft. Bei manchen Herausforderungen fehlt einem vielleicht die Idee zur Umsetzung oder man hat Sorge mit dem unkonventionellen Vorgehen aufzufallen.  Doch alles, was man gerne anders hätte, kann auf mutig-kreative Weise realisiert werden. Wie das fallweise und konkret  funktioniert, zeige ich in meinem (Telefon-)Coaching.

Simone Meller

Posted in KlartextKommentare deaktiviert

Die Schönheit der Wahrhaftigkeit


Wenn dich etwas drückt oder berührt, so nimm es wahr und sei damit.

Jetzt.

Es gibt nichts Schöneres als mit dem zu sein, was ist.

Es gibt nicht Schöneres als das zu sein, was du bist.

In der Wahrhaftigkeit liegt deine allergrößte Macht.

Ein der Wahrhaftigkeit ergebenes Gespräch öffnet Tür und Tor ins Himmelreich.

Ein der Wahrhaftigkeit ergebenes Gespräch macht reich. Es macht reich, weil es alles zulässt, alles empfängt, alles loslässt, alles sein lässt, alles in vollkommener Ordnung sein lässt.

Es ist leicht, wahrhaftig zu sein. Es kommt als Impuls die ganze Zeit von allein herein. Nur im dagegen Drücken wird es schwer und anstrengend. Doch es pulst die ganze Zeit von allein herein.

Es ist so leicht wahrhaftig zu sein. Es will die ganze Zeit herein. Anstrengend ist nur dagegen zu sein. So kommt die Härte herein.

Klumpen im Bauch, Enge im Brustkorb, Schmerzen im Körper… Oh nicht schon wieder. Nicht schon wieder! Ich habe doch gerade eben erst so viel in mein Herz genommen.

Und es gibt nichts Schöneres, als mit diesem Oh, nicht schon wieder zu sein.

Oh, nicht schon wieder. Nicht schon wieder.

Es gibt nichts Schöneres als mit dem zu sein, was ist.

Es gibt nicht Schöneres als das zu sein, was du bist.

In der Wahrhaftigkeit liegt deine allergrößte Macht.

Du kannst die Wirkung dieses Klartextes verstärken, wenn du ihn laut und sehr, sehr langsam liest.

Wenn du lebst, was hier steht, inspiriert deine Schönheit andere zur Wahrhaftigkeit. Doch ziele nicht auf deine Wirkung, sondern auf den Ausdruck deiner Wahrheit.

Es gibt nicht Schöneres als das zu sein, was du bist.

In der Wahrhaftigkeit liegt deine allergrößte Macht.

Text: Simone Meller
Foto: Maren Beler/ Pixelio.de
*

Posted in KlartextKommentare deaktiviert

Welle