Posted on 08 Januar 2011. Tags: all-ein, Antwort, Begegnung, Erneuerung, Gegenwart, Hand, Herz, Kommunikation, Sein, Sprache, Wort, Zukunft
deine frage führt in deine zukunft
ich antworte auf deine gegenwart
deine frage antwortet auf mein sein
meine antwort fragt nach deinem sein
dein und mein fragendes wort
sind ein antwortendes sein
zwei hände die sich reichen
zu bleiben all-ein
im sich erneuernden wort
von hier nach dort
simone meller
Posted in Lyrik
Posted on 07 April 2010. Tags: achtsam, Authentizität, Chaos, Einheit, Einladung, Erfahrung, Essenz, Form, ganz, Geburt, Gegenwart, Gewohnheit, Hier & Jetzt, Ignoranz, Illusion, Khalil Gibran, Klarheit, Kontinuität, Liebe, Nachdrücklichkeit, Neues Bewusstsein, Polarität, sanft, Schmerz, schmerzfrei, Sein, Selbstverwirklichung, spiralförmig, Strom, Transformation, Übung, wahres Selbst, Wahrnehmung, Wechsel, Wertschätzung, Zerbrechen
“Euer Schmerz ist das Zerbrechen der Schale, die Euer Verstehen umschließt.” – Khalil Gibran
Schmerz ist das Zerbrechen von Illusionen ohne Bewusstsein für die sich dabei entfaltende Essenz. Neues Bewusstsein zeichnet sich dadurch aus, dass es die Schmerzen nicht ignoriert, sondern sie wertschätzend wahrnimmt und aus ihnen herausführt. Es geht um Transformation, die in einem klaren Feld der Liebe geschieht. Siehe dazu auch:
Schmerz ist eine Einladung auf etwas zu achten, das wir gewohnheitsmäßig ausblenden. Schmerz ist ein Geschenk des Seins, das uns daran erinnert, GANZ zu SEIN. Der Schmerz lässt sofort nach, wenn wir uns erlauben, ganz zu sein. Schmerzen sind eine Übung in Achtsamkeit. Die einengende Form weicht, um noch mehr unseres Seins hereinzulassen.
Niemals verlieren wir uns selbst oder andere. Im Gegenteil, es geschieht Selbstverwirklichung: Wir finden das wieder, was wir immer schon waren. Wir finden eine neue Form zu sein, bis irgendwann auch diese Form wieder abgelöst wird. Je mehr wir das durchschauen, desto schmerzfreier werden unsere Transformationen.
Selbstverwirklichung bedeutet, ganz man selbst zu sein. Das wahre Selbst gibt es nur im Hier und Jetzt; es wird in jeder Gegenwart neu geboren. Selbstverwirklichung ist ein permanenter Wechsel der Form zugunsten der einströmenden Essenz. Er unterscheidet sich vom beliebigen Chaos dadurch, dass er in einer Person Kontinuität findet. Die Person wird zu EINEM Strom für ihr wahres Selbst. Das wahre Selbst schwingt sich spiralförmig durch die polare Welt hinauf zu einem authentisch durch Lebenserfahrung erarbeiteten Einheitsbewusstsein.
Simone Meller
Posted in Klartext
Posted on 01 April 2010. Tags: Abgrund, Aggression, agieren, Alles & Nichts, Angst, Antwort, Archetypen, Aspekte, Auflösung, bewusst, Beziehung, Bezugsperson, blind, Böse, brutal, Dualität, Dunkelheit, Erfahrung, Erkenntnis, Erlösung, erzählen, Evolution, Freude, früh, Fundament, Geborgenheit, Gegenwart, Gerd Ziegler, göttlich, Grenzen, Hass, hässlich, Heilen, Heilungsbündnis, Helfen, Herz, Inferno, Ingredenzien, Inspiration, Ja, Kälte, Kirche, Klarheit, Kollektiv, Kraft, Leid, Licht, Liebe, Martin Buber, Meister, Menschenspiel, Mitgefühl, Muster, Nein, Neues Bewusstsein, Personifizierung, Phantom, Polarität, Projektion, Provokation, Prozess, Prüfung, Psychotherapie, Schatten, Schlag, Schöpfung, Sein, sich stellen, subtil, Symbol, Teilearbeit, Transformation, Übertragung, Überzeugung, unbewusst, Unterscheidung, Ursprung, Verblendung, Vergangenheit, Verletzung, Verzweiflung, Wärme, Widerstand
Der früh verletzte Mensch (s. Von der Flucht in die Stille) kann sein Leid nicht erzählen. So bleibt ihm nur, seine Bezugspersonen sein Leid erfahren zu lassen. Je mitfühlender und liebevoller man auf einen früh verletzten Menschen ZUGEHT desto aggressiver und verletzender wird er. Er agiert aus, was ihm widerfuhr. Dies geschieht unbewusst. Wäre es ihm bewusst, könnte er darüber sprechen und den Weg des Erzählens gehen. Was nicht bewusst ist, kann nur agiert werden.
Partner, Freundinnen und Therapeuten geben hier meist ihr Bestes, doch oft reicht das nicht. Häufig bedarf es zahlreicher zerschlagener Beziehungen und mehrerer Therapieversuche, um Bewusstwerdung und damit Heilung zu erreichen. Ich möchte zwei Widerstände beschreiben, die gemeistert werden müssen, der eine liegt in der helfenden Person, der andere im früh verletzten Menschen.
Wenn die helfende Person nicht kompromisslos auf Liebe ausgerichtet ist und alle Übertragungen, Projektionen, Verblendungen und Aggressionen in ihr Herz nehmen kann, wird sie zur blind zurückschießenden Mitspielerin in der Wiederaufführung der Traumata. In diesem Inferno verliert sie die eigene Klarheit, die entscheidend für einen heilsam korrigierenden Prozess ist. Das passiert, wenn die helfende Person selbst eine helfende Person bräuchte.
Das Leid des früh verletzten Menschen sprengt jede Beziehung, wenn nicht beide voll und ganz zum Heilungsbündnis entschlossen sind. Keinesfalls bedeutet das, auf die eigenen Grenzen zu verzichten, denn das wäre lieblos sich selbst gegenüber. Es bedeutet, vollständig “Ja” zu mir und “Ja” zum anderen zu sagen und “Nein” zum Leid gegen mich.
Am Anfang war Beziehung. Der Mensch wird am Du zum Ich. – Martin Buber
Der früh verletzte Mensch versucht, mich mit der Kraft der Verzweiflung zu nötigen, mein Fundament der liebevollen Klarheit zu verlassen. Er versucht mich auf subtile und/oder brutale Weise zu provozieren. Damit bin ich bei seinem Widerstand, der sich u.a. darin äußert, dass er Gründe sucht, sich über sein Leiden nicht bewusst werden zu müssen. Wenn es ihm gelänge, mich wie viele andere vor mir auszuschalten, dann müsste er sich nicht mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen. Widersteht die helfende Person den zahlreichen Versuchungen, so bleibt ihm nur noch, sich zu stellen. Vergangenheitsauflösung ist kein Selbstzweck, sondern dient einzig und allein dazu, Schmerzen von gestern, die den gegenwärtigen Eintritt in die Freude verhindern, zu transformieren.
Die Gegenwart ist der Kraftpunkt, der Vergangenheit und Zukunft verbindet. Nur im gegenwärtigen Augenblick ist es möglich, unbewältigte Vergangenheit abzuschließen und neue Weichen für die Zukunft zu stellen. – Gerd Ziegler
Ein früh verletzter Mensch weigert sich, diesen Schritt zu gehen, wenn er Angst hat, in der eigenen Dunkelheit unterzugehen. Er hat Angst, noch einmal fallen gelassen zu werden. Und so ist sein Widerstand zugleich die Prüfung der helfenden Person auf Geborgenheit: “Hältst du mich wirklich? Hältst du mich aus? Wirst du zu all der Hässlichkeit in mir stehen?” Während ich diese dunkle Seite nur als einen Teil von ihm sehe (eine spielerische Schöpfung des Lichts), fühlt er sich mit dieser finsteren Energie unbewusst identifiziert. Er kann diesen großen Schatten erst sehen und annehmen, wenn die Identifizierung in eine Arbeit mit Teilen übergeht. Dafür braucht er mich. Deshalb greift er mich an. In meinem modellhaften Umgang damit erreicht ihn Inspiration zur Erlösung seiner selbst.
Selbsterlösung ist nichts anderes als die mannigfach wiederholte Erfahrung, dass alles in uns selbst seinen Ursprung nimmt und auch dort wieder sein Ende findet. Wir sind alles und nichts. Erkenntnis genügt nicht. Wir wollten es erfahren, deshalb sind wir hier.
Genauso genügt auch dem verletzten Menschen nicht das verbale “Ja” der helfenden Person: “Ja, ich werde dich halten, egal, was geschieht.” – Bevor er sich für den Abgrund in sich öffnet, will er überzeugt sein. Sein Abgrund ist der eisigste Tiefpunkt an Dualität und Polarität, das maximal erfahrbare Leid im Menschenspiel (s. Kosmische Gesetze). Nun will er erfahren, dass er in bedingungsloser Herzenswärme gehalten wird, egal, was geschieht. Also überzeugt er sich, indem er um sich schlägt.
Jeder Schlag ist eine verzweifelte Frage. Und jede Hineinnahme in das helfende Herz ist eine heilende Antwort. Sie lautet: “Ja, du verletzt mich. Und ich sehe dein Licht.”
Simone Meller
Foto: Pixelio, Achim Lueckemeyer
Posted in Klartext
Posted on 25 Juni 2009. Tags: Abhängigkeit, achtsam, Angst, Atmen, Bedürfnis, Einsamkeit, Energetische Psychologie, Gegenwart, Kind, Krishnamurti, Liebe, Methoden, Neue Energie, Neues Bewusstsein, Schmerz, Seele, Selbstakzeptanz, Transformation, Wut
Sich in die Liebe der eigenen Seele einzukuscheln, ist eine tragende und heilende Erfahrung. Die wenigsten Menschen sind in ihrer Kindheit von ihren Eltern liebevoll und ausreichend lang gehalten worden, wenn sie vor Angst, Wut oder Schmerz geschrieen oder getobt haben. Weil die Eltern die Gefühle selbst nicht gut aushalten konnten, haben sie dirigierend eingegriffen (“Jetzt ist aber genug”) oder waren überhaupt nicht präsent. Das Kind erfuhr wiederholt, dass es in diesem Zustand nicht gewollt, nicht geliebt wurde und blieb mit seinen unangenehmen Gefühlen allein. Weder lernte es, sich selbst zu lieben noch mit seinen Gefühlen liebevoll umzugehen. In fast jedem Erwachsenen steckt ein solch verlassenes Kind, das verzweifelt versucht, durch Symptome und Probleme auf sich aufmerksam zu machen. Emotionale Nachreifung ist gefragt: Es geht darum, genau das zu tun, was man vielleicht nie oder zumindest nicht ausreichend erfahren hat: die vollständige Annahme von sich selbst, auch der dunkelsten und verschmähtesten Teile der eigenen Persönlichkeit.
Jeder, der sich auf diesen Prozess einlässt, entdeckt irgendwann in sich ein Paradox: “Nein, DAMIT (mit einer als furchtbar bewerteten Eigenschaft) kann ich mich wirklich nicht lieben. Aber ich wünschte, du würdest es tun… ich wünschte, du würdest mich damit lieben… dann, vielleicht könnte ich mich dann ein bisschen lieben.” Wie unwahr diese Ausrede ist, erfahren wir spätestens dann, wenn wir tatsächlich vor einem Menschen stehen, der uns DAMIT liebt, während wir uns DESHALB zutiefst ablehnen. Und genau das können wir nicht aushalten, zu spüren, wie unwürdig wir uns dieser großen Liebe gegenüber fühlen. Also wählen wir aus der menschlichen Trick-Kiste: Wir zweifeln die Liebe des anderen an. Wir trauen dem Angebot nicht. Wir beschimpfen den anderen. Wir sagen ihm, dass wir ihn weder brauchen noch schätzen. Wir laufen weg. Wir lassen die Liebe los, bevor sie uns – wie wir befürchten – fallen lassen könnte.
Was ich hier dezidiert ausgesprochen habe, ist nicht immer so bewusst. Aber es passiert täglich in privaten und professionellen Beziehungen, alle Konflikte und Probleme finden in der Tiefe ihren Ursprung in einem Mangel an Selbstliebe. Ein mächtiges Instrument zur Transformation ist die Frage: Was würde Liebe jetzt tun? Ich erfahre immer wieder, wie diese Frage aus jedem subtil oder offen ausgetragenen Machtkampf heraus führt und Heilung bringt. Was würde Liebe jetzt tun? Was würde ich tun, wenn ich mich voll und ganz lieben würde? Welche Möglichkeiten bieten sich, wenn ich mich für die Liebe entscheide? – Auch hierbei lässt sich ein Paradox beobachten: Sobald ich meine Liebe für mich selbst vermehre, ist plötzlich reichlich Liebe für den anderen da. Frei von jeder Heuchelei (“Wir haben uns ja alle sooo liiiiieb”) und Abhängigkeit (“Wenn ich dich liebe, liebst du mich dann auch?”). Freie Liebe braucht den anderen nicht. Vorsicht! Dies bedeutet nicht, die eigene Bedürfnisse zu leugnen. Es bedeutet lediglich, dass die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse nicht von dieser einen Person abhängig gemacht wird.
Meine Arbeit ist letztlich nichts anderes als eine mannigfaltig ausgesprochene Einladung zur Selbstliebe. Als besonders unterstützend erlebe ich dabei die Kraft der Imagination (z.B. Arbeit mit dem Inneren Kind und anderen spontan auftauchenden Bildern), des Atmens und einige Techniken aus der Energetischen Psychologie, z.B. die konsequente Transformation aller wunden Punkte durch Einbettung in stimmige Selbstakzeptanzsätze. Das Interessante dabei ist jedoch, dass dies nur in einer Haltung der Achtsamkeit funktioniert. (Zu mir kommen häufiger Leute, die erzählen, dass sie ein bestimmtes Problem mit der Klopf-Technik nicht “loswerden”. Dann weiß ich immer, dass es unsere Aufgabe ist, gemeinsam etwas zu spüren, was sie sich alleine nicht trauen.)
Unter Achtsamkeit verstehe ich das Bemühen im permanenten Kontakt mit der lebendigen Gegenwart zu bleiben. Letztlich geschehen Heilung und Entfaltung, indem wir einfach wahrnehmen und zulassen, was ist. Dieses Prinzip der Achtsamkeit ist so basal, dass es oft unerhört bleibt. Seine Anwendung fällt uns so schwer, dass wir lieber noch mehr Geld für Bücher, Fortbildungen und Berater ausgeben, um etwas “Einfacheres” zu finden. Dabei wartet das Einfache bereits vor unserer Tür nur darauf, endlich hereingelassen zu werden. Und so ist es auch mit der Liebe für uns selbst, der Liebe unserer Seele, die nur darauf wartet, uns endlich in die Arme schließen zu dürfen. Diese Liebe ist unendlich verlässlich und unzerstörbar.
Ich stimme mit Krishnamurti überein, der da sagt: „Es gibt keine Methode, es gibt nur Achtsamkeit.“ In der Achtsamkeit finden wir mit Leichtigkeit zur Liebe für uns selbst. Und in der Liebe für uns selbst entsteht von ganz allein die Liebe für andere.
Simone Meller
Foto: Angela Reinhardt
*
Posted in Allgemein