Posted on 23 Juli 2010. Tags: achtsam, Allgegenwart, Angemessenheit, Annahme, Demut, Diät, Dienen, Dogma, Ego, Einheit, Einverleibung, Entwicklung, Essenz, extrem, Flexibilität, Form, Freiheit, Führung, Ganzwerdung, Geizhals, Herz, höheres Selbst, Ich, Identifikation, Identität, Integration, Khalil Gibran, Kind, Konflikt, Konzept, Kreise, Liebe, Loslassen, Methoden, Mitte, Mut, Öffnung, Paracelsus, Perfektionismus, Persönlichkeit, Ping Pong, Prestige, Seele, spiralförmig, spirituelle Krise, Status, Symbiose, Teile, Teilearbeit, Verantwortung, Verstand, Völlerei
Wie oft lese und höre ich Menschen sagen: “Mein Verstand will dies…”, “Mein Herz will das…”, “Mein Ego sagt…”, “Mein inneres Kind…”, “Mein höheres Selbst meint…”, “Der Geizhals in mir…”, “Meine Seele möchte…” etc. Solche Arbeit mit inneren Teilen (“Teilearbeit” nennen wir das in der Psychologie) ist manchmal nützlich, wenn es um die Auflösung innerer Konflikte geht.
Anfänger staunen über die Entdeckung ihrer inneren Pluralität, Fortgeschrittene tüten sorgfältig alles wieder ein und dazwischen ist viel Raum für Entwicklung. Denn so sehr wir uns auch hilfsweise unter-teilen können, so bleiben wir doch die Person, die wir nun mal sind. Ich bejahe vorübergehende Teilearbeit und warne vor dauerhafter Abspaltung, so salbungsvoll freundlich getarnt sie auch daher kommen mag. Dies sei den akut an sich selbst arbeitenden Menschen genau so gesagt wie den von Teilearbeit begeisterten Lebensberatern. So wie nach dem Wort des Paracelsus die Menge das Gift macht, kann eine unangemessen verwendete Methode schädlich wirken.
Das Ziel von Teilearbeit ist die Integration
Teilearbeit sollte immer in Integration münden und nicht im Ausgrenzen des Geizhals, des Verstands und anderer ungeliebter, als Sündenbock fungierender Anteile (die häufig unter “Ego” subsummiert werden). Immer bedarf es eines liebenden Ichs, das alle seine Teile heimholt. Dieses Ich weiß: Ich bin nicht nur dieser und jener Teil. Aber auch dieses und jenes bin ich. Damit hat es den Übergang von einer einschränkenden Identifizierung in eine gesunde und frei schwingende Identität vollzogen. Nur dazu dient ja die Methode der Teilarbeit: Aus der Identifikation mit einem Teil heraustreten, sein freies Ich spüren und damit den ursprünglich behindernden Teil versöhnt integrieren können. Ein solcher Mensch übernimmt Verantwortung für sich selbst und weiß, dass es immer seine eigene Energie ist, die diese und jene Anteile speist.
Erst aus einer solchen gefestigten Persönlichkeit heraus kann das Einheitserleben mit anderen Menschen angestrebt werden, ohne unterwegs kindliche Symbiose, kalten Dogmatismus oder eine spirituelle Krise zu riskieren. Die Einheit muss dann nämlich überhaupt nicht “angestrebt” werden, sondern entsteht auf ganz natürliche Weise von allein. Auch deshalb mag ich so sehr das Zitat des Khalil Gibran von der Seele, die auf allen Pfaden wandelt und wie eine Lotusblume mit zahllosen Blättern wächst.
Es gibt keine Trennung von Ego und Seele
Wir sind herausgefordert zur Flexibilität und Achtsamkeit, zum permanenten Fühlkontakt mit der Frage “Was ist jetzt angemessen?”. So unterstütze ich beispielsweise jene, die einen Unterschied zwischen Ego und Seele zu entdecken beginnen. Und ich konfrontiere solche, die die Einheit von allem preisen, ohne sie in sich zu beschließen. Diesen, die vom bedingungslosen Annehmen reden, während sie im gleichen Atemzug subtil ausschließen, sage ich gern augenzwinkernd: “Zeige mir, wie du Ego und Seele trennst – und ich zeige dir, was du nicht bist.”
Damit rede ich nicht dem grundsätzlichen Abschied von der Teilearbeit das Wort, sondern möchte dafür sensibilisieren, offen für die eigene Entwicklung zu bleiben. Das meint permanentes Loslassen von Konzepten, so sehr sie einem früher auch geholfen haben. Zugleich bedeutet es nicht, grundsätzlich alle Konzepte über Bord zu werfen. Mein hiesiges Plädoyer ist ein energisches “Es kommt darauf an”. Es kommt darauf an, was gerade angemessen ist. Ich möchte dafür werben, die Essenz führen und die Form dienen zu lassen. Mit anderen Worten: Praktiziere deine Teilearbeit, so lange es dir bei deiner Ganzwerdung dient. Höre auf damit, sobald sie dich in deiner Ganzwerdung behindert. Sei achtsam dafür, dass es heute so und morgen anders und übermorgen wieder so, nur anders sein kann.
Einverleibung erfolgt jenseits von Diät und Völlerei
Wir entwickeln uns nicht linear, sondern spiralförmig aufwärts. Wir durchlaufen Wachstumskreise, innerhalb derer wir uns schrittweise auf höhere Bewusstseinsebenen schwingen. Da gibt es Tage, an denen ich mit mir selbst Teilearbeit praktiziere, und Tage, an denen ich nicht einmal weiß, wie man Teilearbeit buchstabiert. Ich beuge mich demütig meinem Prozess.
Ich begleite Menschen also nicht beim Abspecken ihres Ichs, indem sie sich trickreich zerlegen und dabei heimlich von immer mehr Teilen trennen dürfen. Solche perfektionistisch motivierten Diätversuche sind nichts als eine Gegenbewegung zur in Status und Prestige verhafteten Völlerei. Zwischen diesen Extremen gibt es einen Weg der Mitte. Jenseits von Diät und Völlerei unterstütze ich Menschen beim Einverleiben von allem, was ihnen begegnet. Damit diese Einverleibung nicht zu tatsächlichem Übergewicht führt, empfehle ich die Hineinnahme in das Herz als einen allverbundenen, inneren Ort der Liebe (s. Als das Pferd die Katze zu essen begann). Je öfter wir diesen Prozess durchlaufen, desto mehr werden wir zu dem Herz, von dem Khalil Gibran so beschwörend einfach spricht:
… stellt euch ein Herz vor, das all eure Herzen enthält, eine Liebe, die all eure Liebe umfasst, einen Geist, in dem sich der Geist eines jeden von euch wiederfindet, eine Stimme, die all eure Stimmen in sich vereint, und ein Schweigen, das tiefer ist als das eure und zudem zeitlos und ewig.
Wie könntest du auch nur einem einzigen Teil von dir diese bergende Erfahrung vorenthalten? Doch selbst wenn du es versuchtest, wäre er geborgen. Denn kein Teil von dir und keiner deiner Wege liegt außerhalb des Göttlichen oder des persönlich Seelischen. Alles ist eine Manifestation aus ein- und derselben Quelle. Ob du dich zerteilst oder nicht – immer bist du in dem Einen geborgen. Du wählst nur, wie sehr du es fühlst. Darauf wollte ich hinweisen.
Simone Meller
Posted in Klartext
Posted on 11 März 2010. Tags: Einladung, Führung, Ganzwerdung, Lauschen, Leadership, Leuchten, Liebe, Loslassen, Pioniere, Sein, Selbstverwirklichung, wahres Selbst
Leuchten ohne zu blenden
Führen ohne zu verführen
Lassen ohne aufzugeben
Lauschen ohne zu verstummen
Lieben ohne zu fordern
Ganz sein ohne Heiler zu sein
Einladen ganz du selbst
mit mir und allem zu sein
Simone Meller
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Posted in Lyrik
Posted on 02 August 2009. Tags: Abhängigkeit, Angst, C. G. Jung, Channeling, Eso-Shopping, Ganzwerdung, Heilen, Idealisierung, Kind, Liebe, Michael Jackson, narzisstische Bedürftigkeit, narzisstischer Missbrauch, Neues Bewusstsein, Psychotherapie, Schatten, sexueller Missbrauch, Spiritualität, spirituelle Praxis, transpersonal, Verdrängung
Michael Jackson ist ein prominentes Beispiel dafür, dass spirituelle Praxis nur dann Heilmittel ist, wenn sie auch zur auflösenden Begegnung mit den eigenen Schatten genutzt wird.
Deepak Chopra, ein Arzt und spiritueller Lehrer (USA), der Jackson in Meditation unterrichtete und sich mit ihm befreundete, würdigt in seinem Nachruf (deutsche Übersetzung in der August-Ausgabe des KGS) Jacksons Potenzial und spirituelle Sehnsucht, spricht aber auch deutlich dessen Probleme an. Chopra räumt ein, dass diese “durch einen fehlgeleitetenden Lebensstil” verschlimmert wurden und Jackson aus Angst vor dem Erwachsenwerden Zuflucht in eine rosarote Phantasiewelt suchte:
Auch wenn er [Jackson] oft ehrlich zugab, dass er Probleme hatte, wich er am Ende eines Gesprächs immer verdrängend aus.
Man kann Jahre auf dem Meditationskissen verbringen oder Tausende von Rosenkränzen beten, ohne sich den eigenen Schatten zu stellen. Menschen können regelrechtes “Eso-Shopping” betreiben (hier ein Kurs, da ein neues Channeling, dort ein Heiler etc.) und in den schönsten Worten über ihre spirituellen Erfahrungen reden, ohne tatsächlich in ihrer Tiefe zu heilen. Heilung geschieht, wenn wir ungeliebte, in den Keller verbannte Anteile von uns ins Licht holen, in Liebe annehmen. Dann können wir weiterschreiten, in mehr Fülle und Freude hinein. Die Begegnung mit dem Schatten ist im ersten Moment unangenehm (“Oh, auch so bin ich… Au weia!”) und wird deshalb gerne vermieden. Konfrontation mit dem Schatten geschieht u.a. in gelingender Psychotherapie (vor allem in der von C. G. Jung geprägten, der auch als Vordenker der transpersonalen Psychotherapie gilt).
Eine Polarisierung “Was heilt — Psychotherapie oder Spiritualität?” halte ich für unangemessen. So wie man Realitätsflucht in die schillernde Welt des esoterischen Kommerz betreiben kann, kann man sich auch auf der Couch bei der Analyse der Schnullerfarbe verfransen. Was letztlich heilt, ist die Liebe. Und zwar die, die man in sich selbst findet. Diese Aussage ist so banal, dass sie im gesellschaftlichen Mainstream kaum ernst genommen wird. Diese Aussage steht auch dermaßen im diametralen Gegensatz zur allgemeinen Angstmache in Politik, Wirtschaft, Gesundheit etc., dass sie für verängstigte Menschen (Angst ist das Gegenteil von Liebe) nur schwer verständlich ist.
Oftmals wird in den klassischen und komplementären Heilkunde, den verschiedenen spirituellen Traditionen und dem esoterischen Markt ein unglaublicher Hype um den Weg der Heilung oder des Erwachens gemacht. Komplizierte Theoriegebäude, die dem Verstand eine Menge zu tun geben, lenken davon ab, dass Heilung mit Ganzwerdung zu tun hat. Nämlich sich ganz zu lieben, und nicht nur die vordergründig strahlenden Anteile seiner selbst. Sich da lieben zu lernen, wo Eltern, Lehrer, Kirche und viele andere Personen und Institutionen einen einst missachteten.
Michael Jackson ist diesen Weg nicht gegangen. Seine Sehnsucht nach Liebe blieb unerlöst und führte u.a. zum Missbrauch von Kindern, der in der Reportage des Journalisten Jacques Peretti (der sich als Fan auf die Spuren von Jackson begab) belegt wird. Für mich ist dabei unerheblich, ob es auch zu sexuellen Handlungen kam. Das gesellschaftliche Massenbewusstsein ist beim Begriff Missbrauch einseitig auf sexuelle Praktiken fixiert. Schwerer zu greifen ist der seelisch-emotionale Missbrauch, also das subtile Benutzen von Kindern für die Erfüllung der eigenen narzisstischen Bedürfnisse. Kinder bezahlen dafür einen hohen Preis, der sich in psychischen und körperlichen Symptomen niederschlägt. Wer als Erwachsener diese Wunden nicht heilt, läuft Gefahr, in asymmetrischen Beziehungen (Eltern/Kind, Arzt/Patient, Therapeut/Patient, Lebensberater/Klient etc.) selbst narzisstischen Missbrauch zu betreiben.
Michael Jackson ist ein prominentes Beispiel für das, was kleiner und unauffälliger Tag für Tag in den Kinderzimmern unserer Welt geschieht. Wahre Stars sind für mich jene Menschen, die aus ihrer Trance erwachen, die beginnen, sich mit ihren schmerzlichen Opfer- und Täteranteilen in erlösender Weise auseinanderzusetzen. (In meine psychotherapeutische Praxis kommen also nur Helden!)
Chopras Nachruf ist loyaler als meine Rede hier:
Wer weiß, ob es uns gelingen wird, ihn [Jackson] nach so vielen Jahren der Medienverfälschung zu retten.
Und er endet mit den Worten:
Sobald der Schock sich gelegt hat und tausend öffentliche Stimmen von Michaels großartigem, freudigem, umkämpften, rätselhaften und bizarrem Leben schreiben, ist es meine Hoffnung, dass ‘freudig’ das Wort ist, das aus der Asche entsteht und so erstrahlt, wie er es einst tat.
Ich teile diese Hoffnung nicht. Denn das, was Chopra hier als Hoffnung bezeichnet, ist der Wunsch nach Idealisierung. Kollektive Idealisierung aber bedeutet immer auch Verdrängung dessen, woran große Teile der Gesellschaft noch kranken, in diesem Fall: der erlösenden Auseinandersetzung mit dem eigenen Schatten. Sie lohnt sich so sehr, denn dahinter, ja dort wartet das freudige Kind!
Das freudige Kind schimmerte zwar durch Michael Jacksons Leben, aber es wurde weder befreit noch durfte es die Führung übernehmen.
Für mich ist Michael Jackson kein Idol, sondern ein Mahnmal — für die Folgen von (kollektiver) Verdrängung.
Text: Simone Meller
Foto: Angelina Ströbel, Pixelio
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Posted in Allgemein