Tag Archive | "Flut"

Meine Fülle von heute ist mein Überflüssiges von morgen


Die Fülle des Lebens vollzieht sich im Rhythmus von Entstehen und Vergehen. Ich lebe auf einem Landstrich, der vergehen wird. Meine Fülle von heute ist mein Überflüsiges von morgen. Mein Überflüssiges von heute macht Platz für meine Fülle von morgen. Das Leben gibt und nimmt. Mein wandelndes Sein ist synchron zu Ebbe und Flut. Der Fluss, das Tal, der Berg schwingt. Die Menschen schwingen. Da ist eine einzige Bewegung und keine Trennung von Materie und Geist. Zwar vollziehe ich meine Bewegung und du deine, doch was davon ist die Gischt der nächsten Welle und was davon der aufgewühlte Sand? Wo endet die Elbe und wo fängt sie an? Wo beginnt die Küste und wo hört sie auf? Was ist Niedrigwasser und was ist Hochwasser? Die Fülle des Lebens vollzieht sich im Rhythmus von Entstehen und Vergehen. Ich lebe auf einem Landstrich, der vergehen wird. Ich bejahe meine Fülle im Hier und Jetzt. Amen.

Simone

Posted in KlartextKommentare deaktiviert

Nis Randers


Krachen und Heulen und berstende Nacht,
Dunkel und Flammen in rasender Jagd -
ein Schrei durch die Brandung!

Und brennt der Himmel, so sieht mans gut:
Ein Wrack auf der Sandbank! Noch wiegt es die Flut;
gleich holt sichs der Abgrund.

Nis Randers lugt – und ohne Hast
spricht er: “Da hängt noch ein Mann im Mast;
wir müssen ihn holen.”

Da faßt ihn die Mutter: “Du steigst mir nicht ein:
Dich will ich behalten, du bliebst mir allein,
ich wills, deine Mutter!

Dein Vater ging unter und Momme, mein Sohn;
drei Jahre verschollen ist Uwe schon,
mein Uwe, mein Uwe!”

Nis tritt auf die Brücke. Die Mutter ihm nach!
Er weist nach dem Wrack und spricht gemach:
“Und seine Mutter?”

Nun springt er ins Boot und mit ihm noch sechs:
hohes, hartes Friesengewächs;
schon sausen die Ruder.

Boot oben, Boot unten, ein Höllentanz!
Nun muß es zerschmettern …! Nein, es blieb ganz …!
Wie lange? Wie lange?

Mit feurigen Geißeln peitscht das Meer
die menschenfressenden Rosse daher;
sie schnauben und schäumen.

Wie hechelnde Hast sie zusammenzwingt!
Eins auf den Nacken des andern springt
mit stampfenden Hufen!

Drei Wetter zusammen! Nun brennt die Welt!
Was da? – Ein Boot, das landwärts hält. -
Sie sind es! Sie kommen! – -

Und Auge und Ohr ins Dunkel gespannt…
Still – ruft da nicht einer? – Er schreits durch die Hand:
“Sagt Mutter, ‘s ist Uwe!”

Otto Ernst (1862-1925)

Posted in ZitateKommentare deaktiviert

Stilles Glück


Es fällt mit dem Regen auf das Dach
zieht sich in der Tasse Tee fort
begleitet bei den letzten Einkäufen
breitet sich beim Blick auf die Flut aus
inmitten von Vogelgezwitscher und rufenden Möwen
Wolkenverhangenes Licht trifft innere Ruhe
Unsagbar stilles Glück perlt aus meinem Herzen

Text: Simone Meller
Foto: Pixelio, Sonja Winzer

*

*

Posted in LyrikKommentare deaktiviert

Die ewige Poesie des puren Seins


In mir klingt ein Lied. Was ich auch tue oder lasse, in mir singt eine wundervolle Poesie, die um so köstlicher wird, je einfacher und spiralförmiger sie ihre Tänze dreht. Sie ist ein Sog in die Einheit und verklingt dort in einem einzigen Ton, der sich immer stiller und lauter zugleich durch mein tägliches Leben zieht. Nur ein Bruchteil dieses ewigen Singsangs erreicht meinen Blog. Es ist eine kleine Spur für die, die folgen möchten. Ein plauderndes Rinnsal, das beim vollständigen Hineinnehmen in das eigene Herz (genauso wie das Pferd die Katze in sich aufnimmt), seine volle Fülle enfaltet. Nehmen wir die daraus erwachsende Liebe wiederum in unser Herz, so entdecken wir eine wahre Flut, die aufsteigt und sich in einer solch unbeschreiblichen Anmut wieder in einem Ton versenkt, das nur noch Ewigkeit bleibt.

Simone Meller

Posted in KlartextKommentare deaktiviert

Welle