Tag Archive | "Ehre"

Meine göttlichen Patienten


Es sind die Seelen, die vor Antritt der Inkarnation das Leid wählen. Es sind Menschen, die sich dem Leid stellen. Beides geschieht um der Evolution Willen, um zu lernen und sich zu entwickeln. Dem seelischen Mut entspricht die menschliche Verzweiflung; was das eine vom anderen nur scheinbar trennt, ist die Erinnerung. Dekarnierte Seelen “vergessen”, wie schlimm die Hölle auf Erden sein kann. Inkarnierte Seelen “vergessen” den Plan, für den sie angetreten sind. Jeder Mensch, der meine psychotherapeutische Praxis in Hamburg betritt, berührt mich. Mich berührt die Paarung seines seelischen Muts und seiner menschlichen Verzweiflung. Mich berührt seine Bereitschaft, sich dem Leid zu stellen, den Seelenplan anzunehmen und die Energien zu transformieren. Mich berührt, Zeugin werden zu dürfen, wie er den Himmel auf die Erde holt. Ich ehre in ihm den Gott, der auf die Erde kam, sich planmäßig verirrte und neuen Frieden findet. Ich ehre seine Angst, seinen Mut und seine Fähigkeit zur Liebe, mit der er sich selbst erlöst.

Simone Meller

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Nis Randers


Krachen und Heulen und berstende Nacht,
Dunkel und Flammen in rasender Jagd -
ein Schrei durch die Brandung!

Und brennt der Himmel, so sieht mans gut:
Ein Wrack auf der Sandbank! Noch wiegt es die Flut;
gleich holt sichs der Abgrund.

Nis Randers lugt – und ohne Hast
spricht er: “Da hängt noch ein Mann im Mast;
wir müssen ihn holen.”

Da faßt ihn die Mutter: “Du steigst mir nicht ein:
Dich will ich behalten, du bliebst mir allein,
ich wills, deine Mutter!

Dein Vater ging unter und Momme, mein Sohn;
drei Jahre verschollen ist Uwe schon,
mein Uwe, mein Uwe!”

Nis tritt auf die Brücke. Die Mutter ihm nach!
Er weist nach dem Wrack und spricht gemach:
“Und seine Mutter?”

Nun springt er ins Boot und mit ihm noch sechs:
hohes, hartes Friesengewächs;
schon sausen die Ruder.

Boot oben, Boot unten, ein Höllentanz!
Nun muß es zerschmettern …! Nein, es blieb ganz …!
Wie lange? Wie lange?

Mit feurigen Geißeln peitscht das Meer
die menschenfressenden Rosse daher;
sie schnauben und schäumen.

Wie hechelnde Hast sie zusammenzwingt!
Eins auf den Nacken des andern springt
mit stampfenden Hufen!

Drei Wetter zusammen! Nun brennt die Welt!
Was da? – Ein Boot, das landwärts hält. -
Sie sind es! Sie kommen! – -

Und Auge und Ohr ins Dunkel gespannt…
Still – ruft da nicht einer? – Er schreits durch die Hand:
“Sagt Mutter, ‘s ist Uwe!”

Otto Ernst (1862-1925)

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Gott


Als vor Zeiten der erste bebende Laut über meine Lippen drang, erklomm ich den heiligen Berg und sprach zu Gott. Und ich sagte: “Herr, ich bin dein Diener. Dein geheimer Wille ist mein Gesetz, und ich folge dir immerdar.” Aber Gott antwortete nicht. Er entschwand einem mächtigen Sturme gleich.

Und nach tausend Jahren erklomm ich den heiligen Berg, und wieder sprach ich zu Gott. Und ich sagte: “Schöpfer, ich bin dein Geschöpf. Aus Ton hast du mich geformt, und was ich bin und habe, schulde ich dir.” Aber Gott antwortete nicht. Er entschwand tausend eiligen Flügeln gleich.

Und nach tausend Jahren erklomm ich den heiligen Berg, und wieder sprach ich zu Gott. Und ich sagte: “Vater, ich bin dein Sohn. Aus Liebe und Erbarmen hast du mich gezeugt, und in Liebe und Ehrerbietung will ich dein Königreich erben.” Aber Gott antwortete nicht. Er verschwand wie Dunst in der Ferne.

Und nach tausend Jahren erklomm ich den heiligen Berg, und wieder sprach ich zu Gott.Und ich sagte: “Mein Gott, mein Ziel und meine Erfüllung. Ich bin dein Gestern, und du bist mein Morgen. Ich bin deine Wurzel in der Erde, du bist meine Blüte am Firmament, und gemeinsam wachsen wir vor dem Antlitz der Sonne”. Da neigte sich Gott hernieder und flüsterte süße Worte in mein Ohr. Und wie der See das Bächlein umfängt, das in ihn mündet, so umfing er mich.

Und als ich in die Weiten und Täler hinabstieg, war Gott auch dort.

Khalil Gibran
Foto: Pixelio, Rainer Sturm

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Luzifer III


Luzifer
unser Spiel
erreicht
sein Ziel

Wir
erreichen
die Hohe Zeit
es ist soweit

Vernimm das
Hohe Lied der Liebe
trinke mit uns
aus einem Gral

Ich überwinde meine
Angst und Scham
Ich stehe zu dir
erzähle von dir

Du bist wie ich
ein Teil vom
großen Sein

Trete ins Licht
fürchte dich nicht

Gleißend hell
umfängt es dich
Wir alle sind Zeugen
und ehren dich

Mit unendlicher Liebe
hast du deine Pflicht
erfüllt
Danke

Du wirst geschätzt
geliebt und geachtet

Das Sein segnet dich

Weinend entlassen
wir dich
in Freiheit und Liebe

Gemeinsam
wandeln wir uns
im Heiligen Gral
werden lichte Essenz
zu ergießen im
großen einen Sein

Du bist wahre Liebe

Danke

Simone Meller
Foto: Pixelio, Michael Ottersbach

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