Tag Archive | "Dunkelheit"

Wie im “echten” Leben: Selbsterfahrung in der Meditation


Du schaust durch die Brille deiner Biografie

Jede Biografie hinterlässt Spuren und Prägungen. Nur weil du den transzendenten Raum betrittst, hören diese deine Wahrnehmungsfilter und Projektionen nicht auf. Im Gegenteil, sie werden dir Täuschungen, Gaukeleien und Missverständnisse präsentieren, die in perfekter Resonanz zu deinen unbewussten Wünschen und Ängsten stehen. Wisse um dieses Phänomen bei dir und bei anderen. Zentriere dich immer wieder auf die bedingungslose Liebe, in deren Mitte du schonungslos deine persönliche Wunsch- und Angstparade beobachtest und der Transformation anvertraust. Aber wisse auch hier: Zu behaupten, es zu tun, ist nicht dasselbe, wie es wirklich zu tun.

In der psychotherapeutischen Meditationsbegleitung beobachte ich immer wieder, wie Menschen ihre Absicht erklären, in die Klarheit zu gehen oder etwas ins Herz zu nehmen, ohne dabei in ihrem Wort zu sein. Ich kenne das auch aus meiner eigenen Entwicklung. Es geschieht unbewusst, weshalb es hilfreich ist, von Zeit zu Zeit gemeinsam zu meditieren und miteinander die Wahrnehmungen zu vergleichen.

Nicht alles, was glänzt, ist auch Gold

Sehr, sehr oft ist das, was wir in spiritiuellen Kreisen derzeit noch “Medialität” oder “Channeln” nennen, zwar durchaus geistige Kommunikation (offen gesagt: ich kenne nichts, was nicht geistige Kommunikation wäre), aber mit deinen gut verkleideten dunklen Anteilen. Nicht alles, was glänzt, ist auch Gold. Wenn ich das in einer Meditationsbegleitung wahrnehme, stelle ich meine Sicht zur Reflexion zur Verfügung. Ich rege an, das vermeintlich Glanzvolle ins Herz zu nehmen und achtsam zu spüren, was geschieht. Manchmal ist dieser Schritt der Transformation eine Kleinigkeit (dann war das Persönlichkeitsthema in der Regel bekannt und schon zu großen Teilen bearbeitet). Manchmal werden Schmerzen frei gesetzt, die überhaupt erst Zugang zu einem lange verdrängten Thema schaffen.

Lässt sich das Thema im transzendeten Raum bearbeiten, bleiben wir dort. Manchmal ist es der Erschütterung angemessener, in ein “normales” Gespräch zu wechseln. Dies ist fallweise auch deshalb sinnvoll, weil die bestehende Wahrnehmungsverzerrung vermehrt zu eingetrübten Bildern und Falschinformationen in der Meditation führt. In meiner Praxis (oder am Telefon) schwingen wir oft auch fließend hin und her, da gibt es kein Dogma, sondern nur “Freistil” und stete Orientierung an deinem Heilungs- und Entwickungsprozess.

Eine gemeinhin bekannte Herausforderung in der Meditation besteht darin, wahrgenommene Bilder, Empfindungen und Texte nicht vorschnell mit eigenen Konzepten zu überformen. Das ist leichter gesagt als getan. Denn wie willst du beispielsweise Licht oder einen Engel wahrnehmen, wenn du kein Konzept davon hast? Auch die, die angeblich konzeptfrei durchs Leben gehen, sind nicht frei von Bewertungen. Ein Bekannter von mir, mit dem ich gelegentlich gemeinsam meditiere, kommentiert viele unserer gemeinsamen Bilder mit “Schööön!”. Wenn seine  Schön-Bewertungen versiegen, weiß ich, dass ihm die aktuellen Bilder gerade gegen den Strich gehen. Wiederum nimmt er manchmal Geschehnisse wahr, die mir durch die Maschen gerutscht sind.

Den Bildern ihren Lauf lassen

Wie kannst du das Problem der Überformung vermeiden? Indem du den Bildern, Empfindungen und Texten ihren Lauf lässt, anstatt mit deinen eigenen Vorstellungen dirigierend einzugreifen. Das ist nicht immer einfach. “Channelst” du beispielsweise eine dich positiv stimmende Nachricht, ist es ein Leichtes, unbemerkt Teile deines persönlichen Wunschkonzerts mit einfließen zu lassen. Aber auch die Zweifler auf der ewigen Hut vor der “Verdunklungsgefahr” haben ein Problem: Sie resonieren in ihrer Angst vor einer fehlerhaften Wahrnehmung ebenfalls stärker mit der Dunkelheit als mit dem Licht. Im transzendenten Raum besteht also das Risiko, dich entweder blenden zu lassen oder zu sehr an dir zu zweifeln. Beides sind Spielarten der Dunkelheit. Ihre Extreme rufen nach der liebevollen Mitte, in der alles sein darf.

Auch das ist leichter gesagt als getan. Sehr oft beobachte ich in den Meditationsbegleitungen, wie Szenen zugunsten einer Idealvorstellung von Frieden u.ä. aufgelöst oder unverbundene Fragmente mutwillig zusammengefügt werden. Das ist heikel, weil es unerkannt das Persönlichkeitswachstum hemmt, und eine Chance, wenn die eigenen Projektion erkannt und zurückgenommen werden kann. Ein Beispiel: Im transzendenten Raum begegnen wir nicht nur schönen Bildern, sondern auch solchen, die uns schrecklich vorkommen. Dazu zählen auch teuflische Archetypen, also fratzenhafte oder herrlich verkleidete Seelenbilder, die für die destruktiven Kräfte in uns stehen. So wie wir uns im Täglichen gerne vom Hässlichen abwenden, geschieht das auch reflexhaft in der Meditation. Der zweite Impuls ist häufig eine Befriedung, da wird der Fratze vorschnell eine Nuckelflasche aus Liebe gereicht oder eine alles versöhnende Umarmung inszeniert. Die dahinter stehenden Motive mögen ehrenwert sein, doch verschleiert solches “Dazwischenfunken” die tatsächliche Dynamik der Bilder. In der Meditationsbegleitung ermutige ich dazu, sich den Bildern zu stellen und abzuwarten, was geschehen möchte. Dadurch erhellt sich vieles auf überraschende Weise, entstehen tiefe, nonverbale Erkenntnisse.

Wiederum gibt es auch viele Meditationssituationen, in denen du gefordert bist, dich mit deinen Impulsen, deinem Wissen und deinen Absichten aktiv einzubringen. Mir ist klar, dass das jetzt für manche verwirrend klingen mag. Denn das, worauf ich mit diesem Artikel hinauswill, ist zum einen eine Sensibilisierung für die Selbsttäuschung im transzendenten Raum (der keineswegs objektiver ist als unsere äußere Welt) und zum anderen eine Stärkung deines Gefühls für prozessorientierte Angemessenheit.

Es geht nicht um Technik, sondern um Liebe

Ich möchte dort zur Skepsis anregen, wo nur von den allerschönsten Meditationserfahrungen erzählt wird. Falls du einen Meditationslehrer hast, möchte ich dich ermutigen, ihn nach den (verborgenen) Schattenseiten im transzendeten Raum zu fragen. Ich möchte dir Zuversicht schenken, wenn du den Eindruck hast, in deiner meditativen Entwicklung zu stagnieren. Es könnte daran liegen, dass du unbemerkt einer Vernebelungsaktion aus deinem Schattenreich zum Opfer gefallen bist. Vielleicht kannst du jetzt, nachdem du den Text gelesen hast, dich noch bewusster in der bedingungslosen Liebe verankern, um den Nebel zu lichten. Oder du wählst eine Person deines Vertrauens, mit der du gemeinsam meditierst und deine Wahrnehmung abgleichen kannst.

In der Meditation erfährst du dich selbst als spirituelles Wesen. Du wirst konfrontiert mit Spiegelungen deines Seins. Du lernst, dich einerseits dem Strom der Bilder zu ergeben, ohne der Verblendung zu verfallen; andererseits das Geschehen zu reflektieren, ohne es durch Perfektionismus oder Überformung zu zerstören. Was in Worten kompliziert scheint, ist in korrekter Praxis einfach zu erfahren. Korrekt bezieht sich nicht auf die richtige Anwendung einer  (traditionellen) Technik, sondern auf die permanente Ausrichtung deines Prozesses auf die bedingungslose Liebe. Du wirst tausende Male vom Weg abkommen und ihn tausende Male wieder finden im Glauben, ihn jetzt nicht mehr zu verlieren. Denn das ist der Weg.

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Dies ist eine Unterseite meines Informationsangebots über Psychotherapie. Ich biete psychotherapeutische Telefonberatung und Meditationsbegleitung (überregional), Kurz-/Langzeit- und Intensivtherapie (in Hamburg) sowie Krisenintervention bis hin zu 24-h-Begleitung in besonderen Notfallsituationen (vor Ort).

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Text: Simone Meller
Foto: Ren, Pixelio
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Von scheinbarer Tragik und ewiger Sicherheit


Wer sein wahres Sein woanders als im augenblicklichen Moment (und sei es auf der Toilette oder in der Schlange an der Supermarktkasse) sucht, wird ewig suchen, ohne jemals verloren zu sein.

Wer den tiefsten Kern seiner Seele nicht auch identisch mit der Peripherie weiß, wird ewig kämpfen, ohne jemals verloren zu sein.

Wer sein Leben zuckergussgleich mit voreiliger Liebe übertüncht, wird ewig vom Schatten heimgesucht, ohne jemals verloren zu sein.

Wer sich vor der Dunkelheit ängstigt, weil er in ihr nur das Gegenteil von Licht und nicht dessen Schöpfung sieht, wird ewig spalten, ohne jemals verloren zu sein.

Was jemals tragisch scheint, ist ewig sicher geborgen.

Simone Meller
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Rennst du am Hauptgewinn vorbei?


Zu meinem Erstaunen lese ich auf Webseiten (die für das Neue Bewusstsein unserer Zeit antreten!) immer wieder von Wegen, die zu Gott hin und von ihm weg führen. Ich frage mich dann stets, wie das funktionieren soll. Wie könnte überhaupt irgendetwas außerhalb des Göttlichem sein??

Mit meinem Einheitsbewusstsein, also meiner persönlichen Weltanschauung, vertragen sich solche Vorstellungen von Verfehlungen nicht, wohl aber sehe ich in ihnen eben das Alte Bewusstsein, dass von einer Kluft zwischen dem Menschlichen und dem Göttlichen ausgeht (extreme Dualität). Dann gibt es immer etwas zu überwinden und irgendeinen Sündenbock (Verstand, Sexualität, Ego etc.), der dem Seligmachenden im Wege steht.

Göttliche Allgegenwärtigkeit in allem Seienden

Schnell kommt es selbst unter Gleichgesinnten zu Grabenkämpfen und Besserwissereien, wie man nun am schnellsten und sichersten zu Gott komme. Doch was, wenn wir schon da sind!? Könnten wir jemals um seine Allgegenwärtigkeit in allem Seienden, auch dem Elend unserer Welt, drum herum kommen? Ein Wort des Martin Buber zeigt die Unumgänglichkeit des Göttlichen:

Einmal brachte eine Mutter ihren kleinen Sohn zum Rabbi. Da fragte der Rabbi den Jungen: “Ich gebe dir einen Gulden, wenn du mir sagst, wo wohnt Gott?” Er antwortete: “Und ich gebe dir zwei Gulden, wenn du mir sagen kannst, wo er nicht wohnt.”

Dieses Zitat bringt in meinen Augen gemäßigte Dualität (vgl. zu extreme vs. gemäßigte Dualität hier) zum Ausdruck, denn zwar lassen sich noch drei einzelne über Gott sprechende Personen (Mutter, Rabbiner, Sohn) ausmachen, aber der kleinste unter ihnen offenbart ein Einheitsbewusstsein, das ich teile. In diesem Geist habe ich in den letzten Monaten einige Postings veröffentlicht, von denen ich ein paar in den letzten Tagen nachträglich unter dem Schlagwort “Allgegenwart” getaggt habe, um sie auch gebündelt abrufen zu können. Bislang habe ich den Begriff Allgegenwart nicht benutzt, weil das Gemeinte für mich im Bewusstsein der Einheit enthalten ist. Lese ich jedoch anderenorts immer wieder, dass einerseits die Einheit beschworen wird, während andererseits die Zerklüftung fortgeführt wird, so erscheint es mir wichtig, die Facette der Allgegenwart ins Spiel zu bringen. Deshalb schrieb ich auch hier vor einigen Tagen, dass es keine Trennung zwischen der Seele und dem Ego gibt:

Denn kein Teil von dir und keiner deiner Wege liegt außerhalb des Göttlichen oder des persönlich Seelischen. Alles ist eine Manifestation aus ein- und derselben Quelle. Ob du dich zerteilst oder nicht – immer bist du in dem Einen geborgen. Du wählst nur, wie sehr du es fühlst.

Einzig und allein dieser Unterschied im Fühlen und Erleben kann das Ergebnis unserer Bemühungen sein. Doch weder kommen wir dem Göttlichen jemals näher noch entfernen wir uns jemals von ihm. Alle sind in Sicherheit und niemand muss gerettet werden. Es gibt keine besseren oder schlechteren Wege. Es gibt nur unterschiedliche Erfahrungen, von denen alle zum Menschenspiel der göttlichen Selbsterfahrung gehören.

Gewahrsein ist eine tendenziell aktive Haltung, die nicht gemacht werden kann

Wir entscheiden einfach nur täglich, wie weit wir unser Bewusstsein öffnen und wieviel wir von der Einheit jeweils verdauen können. Wir lernen das Licht in der Dunkelheit zu finden und die Dunkelheit als eine  großzügige Spielart des Lichts zu begreifen. Diesen inneren Entwicklungsprozess kann man natürlich, und ich tue das gelegentlich auch, aus einer sprachlichen Hilflosigkeit heraus metaphorisch als Weg bezeichnen. Aber vielleicht magst du mal darauf achten, wie oft heimlich und subtil eine Kluft gezeichnet wird, wenn von den Wegen zu Gott gesprochen wird und von denen, die angeblich von ihm wegführen. Ich betone noch einmal: Auch das Elend ist Ausdruck des Göttlichen. Genauso wie die Angst im Alten Bewusstsein, vom Göttlichen getrennt zu sein, göttlich ist. Im Neuen Bewusstsein hören wir mit all unseren Bemühungen auf und werden uns gewahr, dass wir immer schon angekommen waren. So banal dies auch erscheint und angesichts menschlicher Verstrickungen und Bekriegungen über Jahrtausende hinweg wie ein dürftiger Spruch wirkt: Dir deiner ewigen Ankunft gewahr zu werden, ist kein Trostpreis, sondern der Hauptgewinn. Du musst nicht einmal ein Los kaufen. Doch spüre, wie sich dein Leben verändert, je öfter du diesen Hauptgewinn empfängst.

Zum Schluss sei denen, die jetzt das Aufgeben von Aktionismus mit Passivität verwechseln, gesagt, dass Gewahrsein eine tendenziell aktive Haltung ist, die aber nicht gemacht werden kann. Sie ergibt sich, wenn du dich ergibst. Und weil das so kompliziert klingt, obwohl es im Grunde so einfach ist, haben wir es mit den Missverständnissen über die Wege zu tun, die angeblich zu Gott und von ihm wegführen. Das alles ist nicht zu verdammen, sondern zu preisen, denn dies zu erfahren war eines der göttlichen Ziele. So war es eine Einheit, die sich auf den scheinbaren Weg machte, um Unterschiede in Zeit und Raum zu erleben, die es nicht gibt. Alles befindet sich in vollkommener Ordnung.

Und wenn ich frage, ob du in deiner Betriebsamkeit vielleicht am Hauptgewinn vorbei rennst, dann meine ich mit meiner hilflos-dualen Sprache nicht, dass dein Weg ihn verfehlen könnte, sondern dass du aufhören kannst zu rennen. Du bist bereits da.

Text: Simone Meller
Foto: Matzi55, Pixelio

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Erleuchtungsfalle: Identifikation mit dem Nichts


Nicht meine strahlendste transpersonale Erfahrung hebt mich empor, sondern meine Bereitschaft trotz des Geschauten so sehr Mensch zu sein, das alles, was mir widerfährt, Platz in meinem Herzen findet.

Vor einigen Wochen schrieb ich darüber, dass auch die Erfahrung des Nichts nicht zu vergegenständlichen, sondern loszulassen ist, um offen zu bleiben für alle Varianten des Seins (s. Spiritueller Alltag: Ausdehnung von Erleuchtung). Jede aufgrund einer transpersonalen Erfahrung formulierte Erkenntnis ist nichts weiter als eine hilflose Bezeichnung für etwas Unfassbares, dessen Zipfel das personale Bewusstsein gestreift hat.

Verliebt in das Nichts

Wenn man aber etwas so Schönes geschaut hat wie das Nichts, in dem sich alles einfaltet, um im nächsten Moment voller Anmut wieder aufzuerstehen, so kann das Loslassen dieser Erfahrung genauso schwer fallen wie das Loslassen einer vergangenen Liebesbeziehung. Jeder, der mit dem Nichts identifiziert ist, wird diesen Vergleich entrüstet von sich weisen, und ich kann das gut verstehen. Nonduale Erfahrungen sind so ergreifend, dass in ihrem Angesicht alles bisher Geschaute und Erlebte verblasst. So etwas Phantastisches darf nicht vergehen, sondern muss gehalten werden. Wer sich an seinen ersten Liebeskummer erinnert, wird die Verwandtschaft beider Zustände erkennen. Wie kann DAS vorbei sein! Mit zunehmender Reife wachsen eben auch die Herausforderungen. Konnten wir früher den geliebten Partner nicht loslassen, so ergeht uns das heute  ähnlich mit Erfahrungen im transzendenten Raum.

Bei Dr. Harald Piron las ich die Tage, dass im Buddhismus das Phänomen der Anhaftung am Nichts bekannt ist:

Manche Buddhisten verlieben sich in das Konzept der Leerheit, d.h. sie schaffen es nicht, die Medizin bloß als Medizin zu betrachten. Meditation über Leerheit ist ein Gegenmittel gegen Anhaften. Wenn jemand jedoch das Leben vermeidet, also Gefühle, Verbindlichkeiten, Risiken und alles, was zum menschlichen Leben normalerweise dazu gehört, wäre die Meditation der Leere vielleicht eher eine Flucht und daher kontraindiziert. Im Vajrayana-Buddhismus ist die Gefahr der Konzeptionalisierung von Leere und die Identifikation damit durchaus bekannt. Daher wird auch von der Leere der Leere gesprochen. Am Ende geht es darum, auch die Leere als Konzept wegzuwerfen. Nicht umsonst heißt es im Herzsutra der Prajnaparamita-Sammlung: “Form ist Leere und Leere ist Form.”

Gelingt diese Desidentifikation nicht, kommt es zu einer mehr oder weniger stark ausgesprägten spirituellen Krise. Wir erleben dann Menschen, die permanent vom Nichts reden, auch wenn es gerade nicht darum geht. Anstatt sich auf das einzulassen, was gerade ist, fegen sie kurzerhand alles vom Tisch und wirken dabei ungewollt herablassend, kalt, verächtlich und zynisch. Mit diesen Menschen ist es schwierig bis unmöglich ein bezogenes Gespräch von Herz zu Herz zu führen, weil man sich ständig anhören muss, dass das, wovon man gerade betroffen ist (sei es Ärger, Krankheit oder Begeisterung) überhaupt nicht gibt. Doch der mit dem Nichts identifizierte hält nur scheinbar ein Allheilmittel in der Hand. Tatsächlich erfährt er mit seinem missionarisch vor sich hergetragenen Nichts zunehmend Streit, Kommunikations- und Beziehungsstörungen. Es kommt also der Moment, in dem es darum geht, die vermeintlich überlegene Lehrerrolle abzulegen und sich wieder auf sein wahres Sein einzulassen.

Das wahre Sein ist jetzt

Für viele, die das Nichts gesehen haben, ist es das wahre Sein. Diese Bezeichnung kann ich nachvollziehen, weil die Erfahrung so ergreifend ist. Und doch ist es nur eine Erfahrung von vielen, die wir täglich machen dürfen und dazu zählen eben auch die alltäglichen. Für mich ist all das wahres Sein, was jetzt ist. Ich bin hungrig, müde, wütend, freudig, aufgeregt etc.. Das alles sind duale und höchst personale Zustände, die wir gelegentlich oder immer öfter erlöst im Nichts verschwinden sehen. Doch solange das Nichts gerade nicht da ist, ist das die Wahrheit des Moments. Wer diese Wahrheit nicht wahrhaben will und krampfhaft durch Reden vom Nichts zu überlagern versucht, gerät in etwas Künstliches und letztlich auch Finsteres. Er verlässt seine Ich-bin-Kraft.

Dazu ein Beispiel: Wenn ich im Augenblick traurig bin, ist das meine gegenwärtige Wahrheit. Lasse ich mich liebevoll darauf ein, also ohne ins Drama zu fallen und ohne mich abzulenken, geschieht in völliger Leichtigkeit eine Wandlung, die meinem höchsten Wohl dient. Wenn ich bin, was ich bin, also zu dem stehe, was ich bin, bin ich in meiner vollen Kraft. Kann ich jedoch nicht dazu stehen, weil es nicht zu meinem Selbstkonzept passt (z.B. weil es mir für meinen Erkenntnisstand unwürdig erscheint, also letztlich peinlich ist), dann leugne ich es. Im Grunde ist dies ein neurotisches und weit verbreitetes Prinzip. Meistens handelt es sich um Zustände, in denen wir als Kinder zu wenig bedingungslose Annahme erfahren haben und uns mit diesem Mangel an Liebe identifizieren. Kann ich mich also in meiner Traurigkeit nicht selbst annehmen, finde ich Wege, das unangenehme Gefühl zu übergehen. Dies um so leichter, wenn ich postuliere, dass es mich und das Gefühl nicht gibt. Ich glaube mich aus dem Schneider, doch tatsächlich setzte ich gefährliche Verdrängungsmechanismen in Gang, über die ich in der Vergangenheit unter dem Stichwort Spiritual Bypassing (z.B. Von der Schwierigkeit, auf der Erde zu SEIN) geschrieben habe.

Wohl gemerkt: Nicht die tatsächliche Erfahrung des Nichts ist gefährlich, sondern die Identifikation mit dem Nichts in Momenten, in denen es einfach “nur” darum geht, ich selbst zu sein. Die anstehende Selbsterfahrung, beispielsweise die Traurigkeit, wird unterdrückt zugunsten des bevorzugten Selbstideals, nämlicht nicht mehr personal, sondern nondual zu sein. Damit wird die eigene Kraft geschmälert und infolge kann es nicht nur zu zwischenmenschlichen Problemen, sondern auch zu psychischen Störungen und körperlichen Erkrankungen kommen. Aus mechanistischer Perspektive ist diese Konsequenz nicht nachvollziehbar, jedoch in einem ganzheitlichen Weltbild, in dem Gesundheit und Krankheit als komplementäre Seins-Zustände von Ganzheit (analog dem Welle-Teilchen-Dualismus von Licht) aufgefasst werden.

Die Tragik der Krise

Ich komme nun zu der Tragik dieser Art von spiritueller Krise. In gewisser Weise verweist der mit dem Nichts Identifzierte  auf einen wichtigen Punkt. Vor dem Hintergrund meiner Erfahrung stellt es sich auch für mich so dar, dass unser gesamtes Weltliches einschließlich des geistigen Reichs ein phantastisches Spiel von Illusionen ist, in dem sich die Quelle erfährt. Nur bedeutet das für mich nicht, mit dem Rasenmäher durch sämtliche Lebensbereiche zu fuhrwerken, sondern jede Erfahrung, die mein Leben bereit hält, demütig und dankbar auszukosten.

Es geht darum, um das Spiel zu wissen und es zugleich ernst zu nehmen. Es geht darum, das dem Tod anheim gegebene zu leben.
aus: Spiritueller Alltag: Ausdehnung von Erleuchtung

Wer das Nichts schaute und mit dieser Erfahrung zurück in den Alltag kehrt, hat die Chance, anders zu sehen und zu handeln als zuvor. Er kann hinter den Verwicklungen und Herausforderungen des Alltags die Einheit durchschimmern sehen. Er kann in Konflikten plötzlich anders fühlen und agieren, ohne sich dabei selbst zu verbiegen, weil sich in ihm etwas grundlegendes gewandelt hat. Er findet Gelassenheit und erinnert sich immer öfter daran, dass er nicht anhaften muss. Doch bei alledem gilt: Er lebt, was zu leben ist. Er erfährt das Leben gerade angesichts des Nichts als Geschenk und nicht als Demütigung oder spirituelles Nachsitzen.

Um diesen authentischen Schritt bringt sich der, der sich ins Nichts verliebte, weil er nun das banale Leben nicht mehr lieben kann. Es erscheint ihm unter seinem Niveau. Emsig bemüht er sich, andere von seiner Erkenntnis zu überzeugen. So drängt er seine Gedanken auf, wo einfach nur menschliches Miteinander und gemeinsames Verstehen von Augenblick zu Augenblick gefragt sind. In zwanghafter Weise nötigt er sich und andere zum Meditieren, um die Erfahrung des Nichts zu wiederholen, anstatt einfach zuzulassen, was gerade wirklich ist. Begleite ich Menschen dabei, weil systemimmanentes Vorgehen möglicher Bestandteil meiner Arbeit ist, so erfahre ich mit ihnen tatsächlich einen Zustand, in dem scheinbar nichts mehr ist. Doch weil sich dieser Zustand im Gegensatz zum ewigen Nichts kalt, leblos und gehalten anfühlt, während ich Informationen empfange, was gerade beim anderen unterdrückt wird, nenne ich ihn Pseudo-Nichts. Es ist nicht nichts, sondern jede Menge los, was nicht gefühlt werden will. Damit stelle ich bisherige nondualen Erfahrungen nicht in Abrede, sondern merke lediglich an, dass bei bestimmten Befindlichkeiten das eine noch nicht vom anderen differenziert werden kann. Denn fatalerweise wird dieses Pseudo-Nichts blindlings als Bestätigung dafür aufgefasst, dass sich jederzeit alles Menschliche in Nichts wandeln lasse. Während dies geglaubt und munter praktiziert wird, wächst der eigene Schatten und mit ihm die Fallhöhe. Denn der Tag, an dem die Verblendung nicht mehr aufrechtzuerhalten ist, wird kommen.

Doch bis dahin wird jeder, der daran kratzt, in die Rolle des spirituellen Schülers verwiesen, der nur noch nicht verstanden hat, dass er nicht existiert. Der Moment der Ent-Täuschung wird so lange wie möglich hinausgezögert. Diese Taktik verdient unser Mitgefühl. Denn der, der permanent die Illusion des Lebens niederreißen will, hat dafür gute psychodynamische Gründe und steuert im besten Falle auf eine handfeste Desillusionierung zu. Und das tut weh. Im ungünstigen Falle wähnt er sich dauerhaft als erleuchtet. Piron schreibt dazu:

Die Betroffenen begeben sich höchst selten in psychotherapeutische Behandlung. Häufiger sind es ihre Opfer, die mit solchen Menschen in irgendeiner Art von Beziehung standen oder von ihnen in eine Schülerrolle gedrückt werden.

Transzendenz kann erschüttern

Das hier geschilderte ist nur ein Beispiel von vielen dafür, wie transpersonale Erfahrungen zu spirituellen Krisen führen können. Transzendente Erlebnisse können eben nicht nur erhellen, sondern auch erschüttern. Nicht immer folgt daraus eine Verwirrung der beschriebenen Art, sondern nur dann, wenn aufgrund mangelnder Schattenarbeit eine psychische Instabilität besteht. Ken Wilber hat gesagt:

Aus einem Neurotiker, der meditiert, wird bestenfalls ein erleuchteter Neurotiker.

Deshalb sind Menschen mit spirituellen Krisen gut bei transpersonal arbeitenden Psychotherapeuten aufgehoben. Dort werden sie nicht kränker gemacht als sie sind, sondern ermutigt, endlich voll und ganz das zu sein, was sie sind. Viele Lebensberaterinnen und spirituelle Lehrer tun dies ebenfalls, doch nicht immer haben sie ihre eigene Schattenarbeit geleistet und oft sind sie nicht so erfahren im Durchschauen und Auflösen neurotischer Ablenkungsmanöver. Wiederum neigen noch viele Psychotherapeutinnen mangels spiritueller Selbsterfahrung dazu, transzendente Phänomene per se zu pathologisieren (z.B. als Halluzination), was für die Betroffenen nicht nur kränkend, sondern auch abschreckend ist. Aufklärungsarbeit ist also gleichermaßen bei Betroffenen und Helfern vonnöten.

Transzendenz ist eine natürliche und prinzipiell ungefährliche Erfahrung. Misslingt jedoch ihre Integration in das Alltagsbewusstsein kann es zu Verwirrungen und Problemen kommen, die nicht nur menschlich, sondern allesamt lösbar sind! Denn daran erinnert uns die Erfahrung des Nichts: Es gibt nichts, an dem wir zu haften hätten.

Simone Meller
Foto: Rainer Sturm, Pixelio

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Von hilfreichen Drachen


Mitunter die größten Hilfen auf meiner Abenteuerreise Leben sind mir die Drachen, weil sich mir bei deren Anblick reflexartig das Herz schließt. Und es genau in diesem Moment wieder zu öffnen, ermöglicht eine vollständige Wandlung der Situation. In dem Augenblick, wo es geschieht, erkenne ich im Drachen meinen mir begegnenden Gott. Ich erfahre mein Dunkles und mein Helles in einem Sein (s. Vier Varianten über die Gesichter der Liebe).

Der Drache ist voller Kraft und Ausdauer. Er lässt sich weder scheinheilig in Liebe ertränken noch mit einer rosaroten Nuckelflasche abspeisen (s. Die Schönheit und das Biest). Er will uns begegnen. Diese Begegnung beginnt und endet in Wahrhaftigkeit. Auf diesem Weg durchlaufen wir eine  Transformation, sie geschieht im heiligen Raum der Bezogenheit, der Begegnung des Göttlichen mit sich selbst.

Ich wünsche dir, dass du dich bei dem leisesten wie auch dem tiefsten Schmerz rasch daran erinnerst, dein Herz zu öffnen. Der Schmerz hört sofort auf, weil er in Liebe geborgen und gewandelt wird. Geschieht das nicht, so sei willkommen im Club der Schummler e.V. ;-) . Dein Drache ist unbestechlich. Eure Begegnung beginnt und endet in Wahrhaftigkeit (s. Die Schönheit der Wahrhaftigkeit). Er will in dein Herz. Lässt du ihn voll und ganz herein? Ich wünsche es dir. Denn indem du es wagst, erfährst du die Größe und Weite deines Herzens.

Simone Meller
Foto: Rike/pixelio.de

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Wie sich das Ego selbst erlöst


Natürlich muss sich das Ich (“Ego”) transzendieren. Doch wer es abzustreifen versucht, bevor er Gott in sich und sich in Gott fand, wird enttäuscht suchen, während Gott in ihm und er in Gott ist.

Der bewusste Heimweg geht nur über das Ich. Das Ich regiert über sein Bewusstsein, das sich verschließen, stetig oder sprunghaft erweitern kann (s. Ohne Ego keine Einheit).

So vielfältig dir die geistige Welt auch erscheint, alle energetischen Phänomene sind nur Aspekte eines Seins, die sich begegnen, weil man mit einer Hand nicht klatschen kann. Auf dem Weg zur Einheit geht es weder darum, sich die bunte Dualität zu verbieten, noch sie zu halten. Bist du achtsam, kannst du ihr natürliches Steigen und Sinken wahrnehmen (s. Achtsamkeit für Stadien spirituellen Wachstums).

Doch was auch immer du im multidimensionalen Raum erlebst, immer bist du es, der deine Energien bewegt, und zwar durch das gesamte Spektrum der Polarität.

Ja, das hat seine unbequemen Seiten. Denn es bedeutet Verantwortung für Licht und Schatten zu übernehmen. Es bedeutet, in dir das Göttliche und das Teuflische zu finden. Der Teufel ist kein Feind Gottes. Beide sind zwei Seiten einer Medaille.

Wenn du bereit bist, in die dunkle Nacht deiner Seele einzutauchen, entdeckst du in der Finsternis das Licht. Es ist die Begegnung mit dem Bösen in dir und das Durchschauen dieses liebevollen Schöpfungsparts. Es ist die Erfahrung, dass Vergebung die tiefste Form bedingungsloser Liebe ist. Es ist die Befreiung des Teufels in dir. Es ist deine Heimkehr zur Quelle. Es ist die Erkenntnis, dass du dein Erlöser bist.

Es ist ein Prozess, der jeden Tag ist. Es ist ein Prozess, der solange ist, bis du nicht mehr bist.

Simone Meller

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