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Erleuchtungsfalle: Identifikation mit dem Nichts


Nicht meine strahlendste transpersonale Erfahrung hebt mich empor, sondern meine Bereitschaft trotz des Geschauten so sehr Mensch zu sein, das alles, was mir widerfährt, Platz in meinem Herzen findet.

Vor einigen Wochen schrieb ich darüber, dass auch die Erfahrung des Nichts nicht zu vergegenständlichen, sondern loszulassen ist, um offen zu bleiben für alle Varianten des Seins (s. Spiritueller Alltag: Ausdehnung von Erleuchtung). Jede aufgrund einer transpersonalen Erfahrung formulierte Erkenntnis ist nichts weiter als eine vorübergehende Bezeichnung für etwas Unfassbares, dessen Zipfel das personale Bewusstsein gestreift hat.

Verliebt in das Nichts

Wenn man aber etwas so Schönes geschaut hat wie das Nichts, in dem sich alles einfaltet, um im nächsten Moment voller Anmut wieder aufzuerstehen, so kann das Loslassen dieser Erfahrung genauso schwer fallen wie das Loslassen einer vergangenen Liebesbeziehung. Jeder, der mit dem Nichts identifiziert ist, wird diesen Vergleich entrüstet von sich weisen, und ich kann das nachfühlen. Nonduale Erfahrungen sind so ergreifend, dass in ihrem Angesicht alles bisher Geschaute und Erlebte verblasst. So etwas Phantastisches darf nicht vergehen, sondern muss gehalten werden. Wer sich an seinen ersten Liebeskummer erinnert, wird die Ähnlichkeit beider Zustände erkennen. Wie kann DAS vorbei sein! Mit zunehmender Reife wachsen eben auch die Herausforderungen. Konnten wir früher den geliebten Partner nicht loslassen, so ergeht uns das heute  ähnlich mit Erfahrungen im transzendenten Raum.

Bei Dr. Harald Piron las ich die Tage, dass im Buddhismus das Phänomen der Anhaftung am Nichts bekannt ist:

Manche Buddhisten verlieben sich in das Konzept der Leerheit, d.h. sie schaffen es nicht, die Medizin bloß als Medizin zu betrachten. Meditation über Leerheit ist ein Gegenmittel gegen Anhaften. Wenn jemand jedoch das Leben vermeidet, also Gefühle, Verbindlichkeiten, Risiken und alles, was zum menschlichen Leben normalerweise dazu gehört, wäre die Meditation der Leere vielleicht eher eine Flucht und daher kontraindiziert. Im Vajrayana-Buddhismus ist die Gefahr der Konzeptionalisierung von Leere und die Identifikation damit durchaus bekannt. Daher wird auch von der Leere der Leere gesprochen. Am Ende geht es darum, auch die Leere als Konzept wegzuwerfen. Nicht umsonst heißt es im Herzsutra der Prajnaparamita-Sammlung: “Form ist Leere und Leere ist Form.”

Gelingt diese Desidentifikation nicht, kommt es zu einer mehr oder weniger stark ausgesprägten spirituellen Krise. Wir erleben dann Menschen, die permanent vom Nichts reden, auch wenn es gerade nicht darum geht. Anstatt sich auf das einzulassen, was gerade ist, fegen sie kurzerhand alles vom Tisch und wirken dabei ungewollt herablassend, kalt, verächtlich und zynisch. Mit diesen Menschen ist es herausfordernd ein bezogenes Gespräch von Herz zu Herz zu führen, weil sie der Meinung sind, dass das, wovon man gerade betroffen ist (sei es Ärger, Krankheit oder Begeisterung) überhaupt nicht gibt. Doch der mit dem Nichts identifizierte hält nur scheinbar ein Allheilmittel in der Hand. Tatsächlich erfährt er mit seinem missionarisch vor sich hergetragenen Nichts zunehmend Streit, Kommunikations- und Beziehungsstörungen. Es kommt also der Moment, in dem es darum geht, die vermeintlich überlegene Lehrerrolle abzulegen und sich wieder auf sein Gegenüber einzulassen.

Das wahre Sein ist jetzt

Für viele, die das Nichts gesehen haben, ist es das wahre Sein. Diese Bezeichnung kann ich nachvollziehen, weil die Erfahrung so ergreifend ist. Und doch ist es nur eine Erfahrung von vielen, die wir täglich machen dürfen und dazu zählen eben auch die alltäglichen. Für mich ist all das wahres Sein, was jetzt ist. Ich bin hungrig, müde, wütend, freudig, aufgeregt etc.. Das alles sind duale und höchst personale Zustände, die wir gelegentlich oder immer öfter erlöst im Nichts verschwinden sehen. Doch solange das Nichts gerade nicht da ist, ist das die Wahrheit des Moments. Wer diese Wahrheit nicht wahrhaben will und krampfhaft durch Reden vom Nichts zu überlagern versucht, gerät in etwas Künstliches und letztlich auch Finsteres. Er leugnet Teile seiner selbst.

Dazu ein Beispiel: Wenn ich traurig bin, ist das meine gegenwärtige Wahrheit. Lasse ich mich liebevoll darauf ein, also ohne ins Drama zu fallen und ohne mich abzulenken, geschieht in völliger Leichtigkeit eine Wandlung, die meinem höchsten Wohl dient. Wenn ich bin, was ich bin, also zu dem stehe, was ich bin, bin ich in meiner vollen Kraft. Kann ich jedoch nicht dazu stehen, weil es nicht zu meinem Selbstkonzept passt (z.B. weil es mir für meinen Erkenntnisstand unwürdig erscheint, also letztlich peinlich ist), dann leugne ich es. Dies ein neurotisches und weit verbreitetes Prinzip. Meistens handelt es sich um Zustände, in denen wir als Kinder zu wenig bedingungslose Annahme erfahren haben und uns mit diesem Mangel an Liebe identifizieren. Kann ich mich also in meiner Traurigkeit nicht selbst annehmen, finde ich Wege, das unangenehme Gefühl zu übergehen. Dies um so leichter, wenn ich postuliere, dass es mich und das Gefühl nicht gibt. Ich glaube mich aus dem Schneider, doch tatsächlich setzte ich Verdrängungsmechanismen in Gang, über die ich bereits unter dem Stichwort Spiritual Bypassing (z.B. Von der Schwierigkeit, auf der Erde zu SEIN) geschrieben habe.

Wohl gemerkt: Nicht die tatsächliche Erfahrung des Nichts ist problematisch, sondern die Identifikation mit dem Nichts in Momenten, in denen es darum geht,  man selbst zu sein. Die anstehende Selbsterfahrung, beispielsweise die Traurigkeit, wird unterdrückt zugunsten des bevorzugten Selbstideals (nämlicht nicht mehr personal, sondern nondual sein zu wollen). Damit wird anstelle der eigenen lebendigen Kraft ein künstlicher Zustand gewählt, der aber nicht nur mit zwischenmenschlichen Problemen, sondern auch mit psychischen Störungen und körperlichen Erkrankungen einhergehen kann. Aus mechanistischer Perspektive ist diese Konsequenz nicht nachvollziehbar, jedoch in einem ganzheitlichen Weltbild, in dem Gesundheit und Krankheit als komplementäre Seins-Zustände von Ganzheit (analog dem Welle-Teilchen-Dualismus von Licht) aufgefasst werden.

Die Tragik der Krise

Ich komme nun zu der Tragik dieser Art von spiritueller Krise. In gewisser Weise verweist der mit dem Nichts Identifzierte  auf einen wichtigen Punkt. Vor dem Hintergrund meiner Erfahrung stellt es sich auch für mich so dar, dass unser gesamtes Weltliches einschließlich des geistigen Reichs ein unglaubliches Spiel von Illusionen ist, in dem sich die Quelle erfährt. Nur bedeutet das für mich nicht, mit dem Rasenmäher durch sämtliche Lebensbereiche zu fuhrwerken, sondern jede Erfahrung, die mein Leben bereit hält, mutig, demütig und dankbar auszukosten.

Es geht darum, um das Spiel zu wissen und es zugleich ernst zu nehmen. Es geht darum, das dem Tod anheim gegebene zu leben.
aus: Spiritueller Alltag: Ausdehnung von Erleuchtung

Wer das Nichts schaute und mit dieser Erfahrung zurück in den Alltag kehrt, hat die Chance, anders zu sehen und zu handeln als zuvor. Er kann in den Herausforderungen des Alltags die Einheit durchschimmern sehen. Er kann in Konflikten plötzlich anders fühlen und agieren, ohne sich dabei selbst zu verbiegen, weil sich in ihm etwas grundlegendes gewandelt hat. Er findet Gelassenheit und erinnert sich immer öfter daran, dass er nicht anhaften muss. Doch bei alledem gilt: Er lebt, was zu leben ist. Er erfährt das Leben gerade angesichts des Nichts als Geschenk und nicht als Demütigung oder spirituelles Nachsitzen.

Um diesen authentischen Schritt bringt sich der, der sich ins Nichts verliebte, weil er nun das banale Leben nicht mehr lieben kann. Es erscheint ihm unter seinem Niveau. Emsig bemüht er sich, andere von seiner Erkenntnis zu überzeugen. So drängt er seine Gedanken auf, wo einfach nur menschliches Miteinander und gemeinsames Verstehen von Augenblick zu Augenblick gefragt sind. In zwanghafter Weise nötigt er sich und andere zum Meditieren, um die Erfahrung des Nichts zu wiederholen, anstatt einfach zuzulassen, was gerade wirklich ist. Begleite ich Menschen dabei, weil systemimmanentes Vorgehen zu meiner Arbeit gehört, so erfahre ich mit ihnen einen Zustand, in dem scheinbar nichts mehr ist. Doch weil sich dieser Zustand im Gegensatz zum ewigen Nichts kalt, leblos und gehalten anfühlt, während ich Informationen empfange, was mein Gegenüber gerade unterdrück, nenne ich ihn Pseudo-Nichts. Es ist nicht nichts, sondern jede Menge los, was er nicht fühlen will. Damit stelle ich seine bisherigen nondualen Erfahrungen nicht in Abrede, sondern merke lediglich an, dass er in Momenten unbewusster Emotionalität das eine noch nicht vom anderen differenzieren kann. Vielmehr fasst er dieses Pseudo-Nichts blindlings als Bestätigung dafür auf, dass sich jederzeit alles Menschliche in Nichts wandeln lasse. Während er dies glaubt und munter praktiziert, wächst der eigene Schatten und mit ihm die Fallhöhe. Denn der Tag, an dem die Verblendung nicht mehr aufrechtzuerhalten ist, wird kommen.

Doch bis dahin wird jeder, der daran kratzt, in die Rolle des spirituellen Schülers verwiesen, der nur noch nicht verstanden hat, dass er nicht existiert. Der Moment der Ent-Täuschung wird so lange wie möglich hinausgezögert. Ich empfinde Mitgefühl für diese Taktik. Denn der, der permanent die Illusion des Lebens niederreißen will, hat dafür gute psychodynamische Gründe und steuert im besten Falle auf eine handfeste Desillusionierung zu. Und das tut weh. Im ungünstigen Falle wähnt er sich dauerhaft als erleuchtet. Piron schreibt dazu:

Die Betroffenen begeben sich höchst selten in psychotherapeutische Behandlung. Häufiger sind es ihre Opfer, die mit solchen Menschen in irgendeiner Art von Beziehung standen oder von ihnen in eine Schülerrolle gedrückt werden.

Transzendenz kann erschüttern

Das hier geschilderte ist nur ein Beispiel von vielen dafür, wie transpersonale Erfahrungen zu spirituellen Krisen führen können. Transzendente Erlebnisse können eben nicht nur erhellen, sondern auch erschüttern. Nicht immer folgt daraus eine Verwirrung der beschriebenen Art, sondern nur dann, wenn aufgrund mangelnder Schattenarbeit eine psychische Instabilität besteht. Ken Wilber hat gesagt:

Aus einem Neurotiker, der meditiert, wird bestenfalls ein erleuchteter Neurotiker.

Menschen in spirituellen Krisen sind bei transpersonal arbeitenden Psychotherapeuten gut aufgehoben. Psychotherapeutinnen mit spiritueller Selbsterfahrung pathologisieren transzendente Phänomene nicht als Halluzination, sondern ermutigen, diese Erfahrung in den Alltag zu integrieren. Viele Lebensberaterinnen und spirituelle Lehrer, die ihre eigene Schattenarbeit geleistet haben und neurotische Ablenkungsmanöver durchschauen, sind ebenfalls kompetent. Transzendenz ist eine natürliche und prinzipiell ungefährliche Erfahrung. Misslingt jedoch ihre Integration in das Alltagsbewusstsein kann es zu Verwirrungen und Problemen kommen, die nicht nur menschlich, sondern allesamt lösbar sind! Denn daran erinnert uns die Erfahrung des Nichts: Es gibt nichts, an dem wir zu haften hätten.

Text: Simone Meller | Foto: Rainer Sturm, Pixelio

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Ohne Ego keine Einheit


Das Ego ist ein Geschenk

Das Ego ist ein Geschenk der Ewigkeit an das menschliche Leben. Es ermöglicht uns, einem ewigem Bewusstsein, eine Selbsterfahrung der evolutionären Art. Seit mehreren Jahren beobachte ich bei einer wachsenden Zahl von Personen die ganz natürliche Heimkehr von alten Inkarnationen. So als ob alle Filme aus früheren Leben in ein Regal einsortiert werden; unser Bewusstsein klärt und erweitert sich.

Manche Inkarnationen kehren eher beiläufig heim, z.B. wache ich nachts kurz auf, sage “Ah ja”, nehme mein altes Leben in mein Herz und schlafe weiter.

Andere Inkarnationen integrieren sich dramatischer über mehrere Tage oder Wochen. Sie bringen angenehme, aber auch schmerzliche Potenziale mit, verlangen nach intensiver Aufmerksamkeit und einen achtsamen Umgang, um karmische Wiederholungsschleifen rechtzeitig in Liebe zu transformieren. Ich habe bei mir und anderen beobachtet, dass diese  intensiveren Integrationen in einem stärkeren Zusammenhang mit dem hiesigen Seelenplan stehen. So fiel mir in den letzten Jahre bei einigen solcher Integrationsprozesse wie Schuppen von den Augen, warum die ersten 20 Jahre meines Lebens genau so und nicht anders verlaufen sind. Ich konnte jeden Millimeter aus ganzem Herzen bejahen.  Denn diese thematische Reinszenierung vor moderner Kulisse entsprach unbewältigten Themen aus anderen Leben, ermöglichte meiner Seele Reifung und Evolution.

Die Heimkehr von Inkarnationen wühlt auf, aber deine Identität bleibt

Weder nehme ich die Identität von heimgekehrten Inkarnationen an, noch ändere ich meinen Namen. Aber ich lasse zu, wie mich das Heimholen von Inkarnationen aufwühlt und mich selbst neu ordnen lässt. Auch so entsteht schrittweise Neues Bewusstsein. Die vorherigen Inkarnationen kamen immer dann rein, wenn ich gerade stark genug worden war, sowohl ihr Leid als auch ihre Kraft zu integrieren. Es war jedes Mal ein erschütterndes Erlebnis mit vielen wertvollen Erkenntnissen.

Zweimal erlebte ich bewusst, wie ich ein früheres Leben heimholte, während andere Menschen vor und nach dieser Integration in einem inspirierenden geistigen Kontakt zu genau diesem einstigen Lebewesen (heute also: Geistwesen) standen. Das hatte einerseits etwas Kurioses (nichts ist verrückter als unser menschliches Dasein), zum anderen fand ich es kurzzeitig ungerecht. Denn während die anderen einfach vom Allerbesten ihres gewählten geistigen Mentors profitierten, heizte mir der Schatten der heimkehrenden Lichtgestalt ordentlich ein. Ich hatte die Schattenseite dieser einstigen Person lieben zu lernen, während die anderen sich einfach nur von deren Sonnenseite wärmen ließen. Ganz abgesehen davon, dass es oft genug auch anders herum ist (ich profitiere von einem Geistwesen, dessen Inkarnation jemand anders heimzuholen hat[te]), war es genau dieses merkwürdige Stolpern, das mein Verständnis über Dualität, Non-Dualität und Einheit sowie über individuelle und kollektive Transformation von Energie wesentlich vertiefte.

Seelen inkarnieren sich in kollektive,  irdische Aufgaben

Seelen tauchen mittels Inkarnationen in die irdischen Energien ein und transformieren diese so weit, wie sie während ihres Lebens kommen. Nach ihrem Tod bleiben die noch zu transformierenden Energien sozusagen als offene Aufgaben zurück, an deren Lösung sich die Seelen mittels weiterer Inkarnationen begeben können. Ich integriere also weder meinen noch den Schatten der heimkehrenden Inkarnationen, sondern transformiere niedrig schwingende kollektive Energie. (Zugleich bleibt es phänomenologisch betrachtet ich-hafte Schattenarbeit.) Einerseits ist das heute leichter als vor 2.000, 1.000 oder 100 Jahren, weil es mit jedem Inkarnationsbeitrag in der kollektiven Evolution voranging. Zugleich wird es auch immer schwerer, weil mit wachsender Schwingung neue Herausforderungen einhergehen.

So ist Jeshua einerseits ein zeitloses Beispiel für einen Menschen, der sich immer wieder neu zu bedingungsloser Liebe aufschwang. Sein Beispiel strahlt bis in die Gegenwart. Andererseits dienten viele seiner Reden mit ihren spezifischen Metaphern nur dem damaligen Christusbewusstsein und nicht unserem heutigen Bewusstseinszustand. Sie reichen nur noch schwach in die Gegenwart hinein. Deshalb können wir in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zunehmend das Auftauchen von Texten beobachten, die das ursprünglich Gemeinte in eine neue, nämlich zeitgemäße Sprache gießen. Auch ich empfange Übersetzungen, die ich zumeist indirekt in meine Arbeit und meine Texte einfließen lasse. Doch geht es dabei weniger um Kosmetik, sondern um weiter gehende Schritte hinein in Neues Bewusstsein. Es gilt den Blick zu lösen von einem Christus, der uns erlöst, und zu erkennen, dass sich jeder nur selbst erlösen kann. So wie uns das Durchdringen der Opfer- und Täterspiele offenbart, dass wir niemanden außer uns selbst kreuzigen können. Dabei kann Jeshuas Wesen genauso inspirieren wie das weiter entwickelte Seelenhaus Sananda. Beide wurzeln in der einen Liebe, während Jeshua eher “hauchig” und Sananda eher “handfest” spricht. Zwischen beiden Energien liegt eben ein zurückgelegter Evolutionsweg an irdischer Transformationsarbeit.

Dualseelen, Überseelen, Seelengruppen als ordnende Hilfen

Auf der einen Seite sind Zeit und Raum Illusion, auf der anderen Seite ist die durch sie mögliche Ordnung wohltuend. Eine Zeit lang fand ich es erstaunlich, wie es bei einer Quelle von allem überhaupt möglich sein kann, von meiner und deiner Inkarnation zu sprechen. Dieses Thema bewegte mich in einigen meiner Beiträge über den Baum der Erkenntnis und Multidimensionalität. Ich vergewisserte mich in der geistigen Welt immer wieder über die “Zugehörigkeit” der verschiedenen Inkarnationen zu mir und anderen. Im Moment verstehe ich es so, dass diese Zuordnungen über die “Splitter der Einheit” ,  also unsere Seelen, möglich sind. Doch auch da erlebte ich Erstaunliches, wie Phänomene von Dualseelen, Überseelen und Seelengruppen (Teilkollektive). Zum Beispiel ist meine Seele die einstige Überseele von drei Dichterinkarnationen; und ich kenne mehrere lebende Personen, durch die gelegentlich ein gemeinsamer Geist spricht. Solche Erlebnisse weiten und differenzieren mein Bewusstsein, während zugleich neue Fragen aufgeworfen werden.

Da ich immer öfter erfahre, dass meine Erlebnisse irgendwann im Alles & Nichts enden, denke ich manchmal: Warum mache ich mir noch die Mühe all das auseinander zu klamüsern? Warum ist es wichtig, dass ich jener Halunke und diese Lichtgestalt war, aber nicht der Meister und die Hexe, die du einst warst? – Zum einen bleibt mir nur, meine Wahrnehmung anzunehmen (mein Wahres anzunehmen), zum anderen erfahre ich, dass bestimmte Differenzierungen spirituell erst dann verzichtbar werden, nachdem man sie vornehmen kann. Sie zu überspringen destabilisiert und führt tiefer in die Dualität. Außerdem scheint die Zuordnung in meins und deins mit etwas zusammenzuhängen, was ich salopp als spirituelle Arbeitsteilung bezeichnen möchte. Jeder transformiert sein Päckchen, und alle profitieren davon.

Die Ausdehnung des Ichs von pathologischen Prozessen wie Psychosen unterscheiden

In einem erweiterten Bewusstseinszustand kann ich ganz bewusst an diesem Profit teilhaben. In solchen Momenten “isst” nicht mehr das Pferd die Katze (meine eigenen Aspekte heimholen), sondern die Katze das Pferd (das “Fremde” heimholen). Ich erfahre, dass es niemals um die Abstreifung eines Egos gehen kann, sondern nur um die Ausdehnung eines Ichs, in dem dann Platz für die ganze Welt ist. Dieses Erleben kommt in einigen meiner Texte durch Formulierungen “Ich bin Licht”, “Ich bin Gott”, “Ich bin du”, “Ich bin Alles und Nichts”, “Kosmischer Orgasmus”, “kristalline Maximalkörpererfahrung” etc. zum Ausdruck. Je bewusster ich werde, desto überzeugter bin ich: Ohne Ego keine Einheit. Entscheidend ist allerdings der Zustand des Ichs.

Rein rhetorisch ist dies nicht von einem Psychotiker zu unterscheiden, der sich als Napoleon oder Gott bezeichnet. Wiederum sagte auch Jeshua, dass er das Licht der Welt, das Brot des Lebens, die Tür zur Seligkeit sei. Der Unterschied zwischen Erleuchtung und Wahnsinn ist nur im Kontakt fühlbar. Das Ich eines Menschen, der eine Psychose erleidet, ist eng, fragmentiert und von Angst zerfressen. Es ist diese Desintegration, die ihm die Orientierung in unserer konsensualen Welt so schwer macht.

Hingegen integriert sich alles, was ich über mein Herz hereinhole, harmonisch in mir. In dem Maße wie mein Herz größer wird, weite ich mich Tag für Tag. Ich bin nicht mehr das Kleinkind Simone, die Abiturientin Simone, die Psychologin Simone etc. Mein Selbst ist all das und all das, was ich fortlaufend von mir, dir und der Einheit erfahre. Nur mittels meines Ichs erfahre ich Einheit. Mein Bewusstsein erweitert sich und macht Platz für wunderbare Erfahrungen von kosmischer Liebe, in der es keine Unterschiede mehr zwischen dir und mir und unseren Inkarnationen gibt. Es ist weich, ewig und still. Ich bin das alles und zugleich nichts. Einfach herrlich. Irgendwann entfaltet sich dann wieder die Dualität, so dass ich mich unterschieden von einem Geistwesen wahrnehmen kann, das mich sanft zurück zu meinen nächsten Spielzügen auf der Erde begleitet. Ich sehe die Welt, und manchmal breche ich dann in lautes Lachen aus. Mich vor Lachen zu schütteln, erleichtert mir die “Rückkehr” in den Körper. Unglaublich hier zu sein.

Dem Leben unter deinem Namen vertrauen

Ebenfalls unglaublich ist die Existenz meines Taufscheins. Nicht nur, weil ich mit 13 Jahren die Konfirmation verweigerte und aus der evangelischen Kirche austrat, sondern weil ich in den letzten Jahren so viel aussortiert habe, dass sein Überleben einem Wunder gleichkommt. Jedenfalls steht auf dem Deckblatt dieses geschrieben:

Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. – Jesaja 43,1

Ich brauchte über 20 Jahre Abstand zur kirchlichen Glaubenslehre und ein gewachsenes Selbstverständnis als transkonfesionelle Mystikerin, um in diesem Zitat meine Gedanken wiederzufinden. Denn in meinem Herzen übersetzt sich das Zitat wie folgt:

Ich vertraue der Liebe hinter dem illusionären Spiel. Ich erlöse mich selbst durch wachsendes Einheitsbewusstsein. Ich lebe mein Leben unter dem Namen der Seele, mit der ich mich scheinbar aus der Einheit, der wir alle angehören, löste. Ich kehre heim.

Text: Simone Meller | Foto: Pixelio, Rainer Sturm
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Weiterführende Texte:

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Spürst du den Unterschied…


… zwischen Einheit und Symbiose?
… zwischen Transformation und Verdrängung?
… zwischen Bewusstsein und Unbewusstsein?
… zwischen Abgrenzung und Abschottung?
… zwischen Hingabe und Selbstaufgabe?
… zwischen Licht und Blendung?
… zwischen Demut und Kleinheit?
… zwischen Größe und Größenwahn?
… zwischen Konfrontation und Streitlust?
… zwischen Weichheit und Ausweichen?
… zwischen Stille und Schweigen?
… zwischen Sprechen und Lärmen?
… zwischen Klarheit und Härte?
… zwischen Ich-Stärke und Ich-Sucht?
… zwischen Leere und Nichts?
… zwischen Bezogenheit und Abhängigkeit?
… zwischen Fühlen und Dramatisieren?
… zwischen Lassen und Ablenken?
… zwischen Verstand und Verkopfung?
… zwischen Intuition und Projektion?

Simone Meller

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Stille


Stille ist der Ort, an dem ich erfahre, ob ich müde bin und schlafen soll oder einfach nur mehr Stille brauche. In der Stille tanke ich Liebe. In Stille erkenne ich meinen nächsten Schritt im Menschenspiel und zwar in der liebevollen Variante. In der Stille bin ich wahrhaftig frei.

Simone Meller

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