Posted on 30 Dezember 2010. Tags: Abhängigkeit, ablehnen, Abwertung, agieren, bedingungslos, Beziehung, Beziehungsabbrüche, Danke, Dynamik, emotional, Erfahrung, Erinnerung, Freiheit, Groll, Heilen, Ignoranz, Introjekt, Kollektiv, Kommunikation, Konflikt, Kontakt, Kränkung, Lästern, Licht, Liebe, nachtragend, Opfer, Perfektionismus, Problem, Scham, Schatten, Schimpfen, Schmerz, Schöpferkraft, Schuld, Selbstwertgefühl, Streit, Täter, unbewusst, Unsicherheit, Verachtung, Verantwortung, Vergebung, Verzeihen, Wohl, Wunde, Wut
Mit “Kränkung” bezeichne ich die emotionale Destabilisierung des Selbstwertgefühls eines Erwachsenen. Auslöser (nicht Ursachen!) für Kränkungen sind zum Beispiel Abgrenzungen, Kritik, Ablehnung und Ignoriertwerden. Solche Auslöser bewirken nicht in jeder Situation eine Kränkung. Zu einer Kränkung kommt es erst, wenn ich das Ereignis als Abwertung meiner selbst interpretiere (s. “Das ist doch völliger Quatsch” oder: Wege zum Frieden). Infolge fühle ich mich als Mensch entwertet bzw. verunsichert. Die Verantwortung für solches Erleben liegt in mir – nicht in dir und deiner Meinungsäußerung.
Dann unterbreche ich den Kontakt zu dir vorübergehend, um mich zu heilen. Das mache ich der Situation entsprechend transparent (s. Streit konstruktiv auflösen). Ich will meine Kränkungsreaktion nicht an dir entladen, sondern mich selbst mit meinen Emotionen wie Scham, Wut, Verachtung und Groll in die Arme schließen. Ich will meine aufgescheuchten Introjekte ent-decken, meine selbstabwertenden (“Ich bin nicht liebenswert”) sowie meine perfektionistischen (“Ich muss mich mehr anstrengen”).
Wenn ich öffentlich darüber spreche, scheine ich manchmal die einzige Person im Raum zu sein, die solche Probleme kennt. Das liegt daran, dass unangenehme Introjekte und Emotionen häufig automatisch ablaufen, unbewusst bleiben und mittels Streit, Kontaktabbruch, Schimpfen, Lästern etc. ausagiert werden. Da mir das in meiner Selbsterfahrungsgeschichte nicht fremd ist, offenbare ich mich hier und da mit meiner Schattenarbeit.
Ich konnte erst heilen, als ich mit dem Ausagieren aufhörte und Verantwortung für meine Gefühle zu übernehmen begann. Wenn ich mir nicht anschaue, welcher wunder Punkt in mir berührt wird und nach Heilung verlangt, trage ich dir im wahrsten Sinne des Wortes etwas nach. Dann bin ich auch Jahre nach dem Vorfall innerlich noch intensiv damit beschäftigt. Dann kette ich mich mit meiner Kränkung an dich. Dann fühle ich mich als abhängiges Opfer und sehe dich als schuldigen Täter. Ich tue so, als ob ich nicht verantwortlich für mein Gefühlsleben wäre.
Dabei kann ich dir für das danken, was du in mir an Kränkung auslöst. Denn es ist ein Hinweis auf eine unerlöste Schattengestalt in meinem Sein. Mein Schmerz mahnt mich, auch sie ins Licht zu holen. So heile ich dank dir, indem ich die volle Verantwortung für das übernehme, was du in mir auslöst. Du bist einfach jemand, der mich erinnert, mich zu lieben wie ich bin. Und zwar mit allem Drum und Dran. Die natürliche Folge davon ist Vergebung. Vergebung geschieht von allein, sobald ich meinen Schatten in Liebe heimgeholt habe. Vergebung ist nichts anderes als bedingungslose Liebe. Solange ich dir nicht vergeben kann, gibt es in mir noch Verbanntes zu entdecken. Vergebung geschieht von allein, wenn ich meine emotionalen Hausaufgaben gemacht habe. Dann fühle ich mich wieder wohl und frei. Deshalb sage ich: Ich vergebe mir und nicht dir zuliebe.
Simone Meller
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Posted on 12 Juli 2010. Tags: Abwertung, Achtung, Alte Energie, Atmen, Auseinandersetzung, Befriedung, Beruf, Bewertung, Beziehungsabbrüche, Dualität, Einheit, Einladung, extrem, Fremdheit, Freude, Frieden, Friedhöflichkeit, Gefühl, Gemeinsamkeiten, Geringschätzung, Gleichmacherei, Grandiosität, Idealisierung, Konflikt, Leben, Lernen, Liebe, Mitte, Neue Energie, Nondualität, Ping Pong, Polarität, sich stellen, Spiritualität, Streit, Symbiose, Transformation, Überforderung, Überheblichkeit, Unternehmen, Unterscheidung, Verachtung, Verantwortung, Werteabwägung, Wunder, Zwietracht
Wie kann man nur so sein! So legen wir gerne Maß an an dem, der uns aus der Ruhe bringt. Jeder private oder berufliche Konflikt hat mit zwischenmenschlichen Unterschieden zu tun. Doch konfliktverursachend sind nicht die Unterschiede, sondern unsere Unfähigkeit, sie zu ertragen. Sei es zu Hause oder in der Firma.
Da können wir helle und dunkle Seiten an uns erleben. In der einen Situation gehen wir liebevoll mit Unterschieden zwischen uns und anderen um. Doch schon im nächsten Moment finden wir uns überfordert von der Fremdheit des anderen in einem handfesten Streit wieder oder kehren um des lieben Frieden Willens die Unterschiede unter den Teppich.
Zwei beliebte Ausweichmanöver im Konflikt
Wenn wir Unterschiede als bedrohlich erleben und uns diesem inneren Thema nicht stellen möchten, haben wir zwei Möglichkeiten zum Ausweichen:
- Nivellieren von Unterschieden und Streben nach Symbiose (“Befriedung”)
- Bewerten der Unterschiede und Abbrechen des Kontakts (“Zwietracht”)
Damit sind zwei extreme Pole beschrieben, über die zu reflektieren sich lohnt. Gerade in dieser Zeit, da so viele spirituell orientierte Menschen davon sprechen, in der Neuen Energie würden Bewertungen aufhören. Bewertungen hören erst dann auf, wenn wir uns klar machen, was wir gewohnheitsmäßig mit Bewertung wegzumachen versuchen, nämlich die wahrhaftige Aus-ein-ander-Setzung mit uns und unserem Gegen-Über.
Nur eine bemerkte Bewertung kann transformiert werden
Viele Menschen, die die Ebene der Bewertung (“Zwietracht”) überwinden möchten, stellen sich nicht dieser Auseinandersetzung, sondern kippen einfach nur in das andere Extrem (“Befriedung”) und halten dies fälschlicherweise für Einheit und überwundene Dualität. Sie wähnen sich in der Neuen Energie, dabei sind sie am gegenüberliegenden Pol schon wieder in der Alten Energie gelandet. Noch haben sie nicht gelernt, die Bewertung zu transformieren, sondern nur sie zu vermeiden. Das ist nicht schlimm, sondern typisch Mensch.
Ich möchte mit diesen Zeilen für Klarheit werben, wo sich derzeit viele verwirren. Ich möchte dazu ermutigen, sich Konflikten zu stellen. Sich der Aufgabe zu stellen, die Unterschiede zwischen dir und mir auszuhalten, während wir gleichzeitig auf gemeinsamen Grund stehen.
Erst in der Mitte kann das Aushalten von Unterschieden gelernt werden. Zwischen “Befriedung” und “Zwietracht” führt ein schmaler Grat durch die Polarität in die Einheit. In der Mitte darf jeder sein, wie er ist. Da gibt es gewährenden Platz für die Unterschiede genauso wie Raum lassende Freude über Gemeinsamkeiten.
Verantwortung für die eigenen Gefühle übernehmen
In der Mitte enden Konflikte, weil jeder Verantwortung für seine Gefühle übernimmt und für sich sorgt. Weil er das liebevoll tut, ist es nicht zum Schaden des anderen, sondern dient dessen Wachstum genauso wie dem eigenen.
Die Mitte ist nicht rechnerisch zu ermitteln. Auch ist sie kein Kompromiss. Sie ist ein Ort der gemäßigten Polarität und der heimfindenden Dualität. Weder vermeidet sie, was ist, noch verstärkt sie, was trennt. Sie lebt in Liebe, was zu leben ist.
In der Mitte bestehen Werte und Wertungen in fließender Weise fort: Nein, diese Vorgehensweise liegt mir nicht. Ja, diese Entscheidung stimmt mit meinen ethischen Vorstellungen überein. Nein, so möchte ich nicht leben. Ja, das gefällt mir sehr. – Das alles darf weiterhin sein und ist etwas völlig anderes, als wenn ich mich oder andere bewerte.
In der Mitte enden Idealisierung und Verachtung
In der Mitte enden Überhebung und Abwertung, Idealisierung und Geringschätzung, Grandiosität und Verachtung. In der Mitte enden Gleichmacherei, Friedhöflichkeit und fromme Verhaltenskodices. In der Mitte werden Polarität und Dualität in gegenseitiger Achtung gelebt und immer wieder auf die eine Liebe ausgerichtet.
In der Mitte atmet das Bewusstsein für das Wunder des Lebens, das ohne Polarität und Dualität nicht möglich wäre.
In der Mitte darfst du weiterhin du selbst und deinen Werten treu sein. In der Mitte darfst du nonduale Erfahrungen sammeln und dein duales Leben lieben.
Die eine Liebe ist überall. In der Mitte und an den Extremen. Doch erst in der Mitte lässt du sie zu. In der Mitte nimmst du mehr und mehr von dieser Liebe an. Du machst den Unterschied.
Du bist der Unterschied zwischen gestern und morgen
Du bist der Unterschied zwischen Neuer und Alter Energie. In tausenden von Entscheidungen Tag für Tag. Sei nachsichtig mit dir. Denn es gibt keinen Grund, streng oder besonders schnell zu sein. Wir alle sind auf dem Weg. Und dieser Weg heißt Leben.
Unterschiede gehören zum Leben. Sie sind eine Einladung uns selbst zu erfahren (s. Von der Bewertung zur Unterscheidung). Nehmen wir die Einladung an. Jetzt.
Text: Simone Meller
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Posted on 03 Mai 2010. Tags: Abstumpfung, Baby, Beziehung, Beziehungsabbrüche, Chaos, Dualität, Eltern, Erde, Existenz, früh, Gefühlsausbruch, Heilen, Herz, Hölle, Kälte, Kind, Kommunikation, Leere, Liebe, Lust, Narzissmus, Säugling, Schmerz, Seele, Sehnsucht, Symptome, Tod, Ungewissheit, Verletzung, Vermischung, Verwirrung
Die beständige Liebe der eigenen Seele ist die erste Liebe beim Eintritt ins Leben. Das Erleben dieser tragenden Liebe vermischt sich mit der fremden Liebe, nämlich der der unzuverlässigen Liebe der Eltern. Es ist verwirrend: Beides fühlt sich nach Liebe an, doch so oft ist da Schmerz und Ungewissheit, ob die Liebe wieder kommt. Das Baby fürchtet den Schmerz, der zugleich als “gut” erlebt wird, weil er immerhin eine Antwort auf die eigene Existenz, die Sehnsucht nach Liebe ist.
Durch die Vermischung beider Lieben, die das Leben auf der Erde mit sich bringt, kann das Baby die eine Liebe nicht mehr von der anderen unterscheiden. Es adaptiert seinen “Begriff” von Liebe an sein Erleben “Liebe/Schmerz” und beginnt sein Herz zu schließen. Es will sterben. Es ist am tiefsten Punkt der Dualität angekommen, der Hölle auf Erden.
Der spätere Erwachsene versteht nicht, was mit ihm los ist: Chaos und Verwirrung prägen seinen Alltag. Die Kommunikation fällt schwer, ist anfällig für Missverständnisse. Typisch sind auch anhaltende Beziehungsschwierigkeiten bis hin zu -abbrüchen, diffuse Schmerzen bis hin zu Lust am Schmerz, innere Kälte im Wechsel mit Gefühlsausbrüchen, dann wieder Leere, Abgestumpftheit und Todeswünsche. Am nächsten Tag ist plötzlich alles prima, bis der nächste Einbruch folgt.
Wie kann ihn sein Umfeld verstehen, wenn er nicht einmal sich selbst versteht? Während er allen Verpflichtungen und Verantwortungen eines erwachsenen Daseins unterliegt, schmort sein Säugling noch in der Hölle.
Alle genanntenn Symptome und viele mehr sind ein einziger Schrei des kleinen hilflosen Wesens:
W a n n h o l s t d u m i c h e n d l i c h h i e r r a u s ?
Simone Meller
Foto: unopaella/Pixelio
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