Tag Archive | "Berührung"

Die Erschaffung von Realität


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Ich projiziere meinen Schatten auf dich. Mein Schatten meint angenehme und unangenehme Seiten meiner selbst, die mir nicht hinreichend bewusst sind. Mein Unerlöstes konturiert sich also zuerst an dir. Sehe ich es an dir, lerne ich es auch in mir zu sehen.

Mein Weg der Erlösung entsteht durch Konturierung meines Unerlösten an dir. Irgendwann endet mein Weg an dir und in mir. Konturlos wurde, was in meinem Herzen erlöst gestorben. Nie mehr sehe ich es wieder. Weder an dir noch an mir.

So kommt es, dass ich im Bus etwas zwei Reihen vor mir nicht höre kann, worüber jedoch meine Sitznachbarin lacht! So kommt es, dass ich bestimmte Passagen in den Nachrichten und vieles andere nicht (mehr) verstehe.

2

So kommt es auch, dass meine Patienten mir von ihren Problemen mehr zu erklären haben als früher. Darin liegt eine Chance. An der Stelle, wo ich sie liebevoll mit meinem Nichtfolgenkönnen konfrontiere, lockert sich das Selbstverständnis ihrer Biografien.

Indem sie nach neuen Wegen suchen, sich mir verständlich zu machen, beginnen sie ihre Festschreibungen über sich selbst zu lösen. Sie heilen sich selbst, indem sie nach einem anderen Verständnis für und von sich selbst suchen. Es ist einfach und mündet manches Mal  in gemeinsamer, heilsamer Stille.

Ihr Unerlöstetes konturiert sich an meinem Nichtverstehen. Schauen sie von mir weg und in sich hinein, lernen sie die bisherige Form zu relativieren und mutig darüber hinaus zu wachsen.

Simone Meller

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Der Bewegung folgen


Kaum weiß ich deinen Namen
schon bist du fort
In der Ferne lotet deine Spur
die Weite meines Herzens aus

Immer ist es Berührung
die uns bewegt
An uns zu reiten auf der Welle
hin zu neuen Ufern so fremd

Text: Simone Meller
Foto: Alexander Just, Pixelio
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In der Mauerritze


Wie eine Eidechse
in der Mauerritze
harre ich der Hitze
in der sich etwas
transformiert
das größer ist
als ich es begreife

Als es Abend wird
verneige ich mich
vor denen mit Panzer
denn diese sind
ohne Haut wund
und geborsten
notgedrungen härter

Mir nicht mehr
meine Haut zerreiben
sondern geschmeidig
und elastisch und
fließend die Nähe
derer suchen die
berührbar sind

Simone Meller

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Der Ruf der fremden Wunde


Wenn ein Mensch Schmerzen leidet, derer er sich noch nicht liebevoll angenommen hat, verteilt er Spitzen an Menschen, die ihn durch ihre Art zu sein daran erinnern.

Wenn ich weiß, wer ich bin, erreichen solche Pfeilspitzen nur meine geschmeidige Seelenhaut, die mir anzeigt, wo ich anfange und aufhöre – und wo der andere beginnt.

In der Geborgenheit meiner selbst brauche ich nicht zurück zu schießen, denn weder wurde ich erschüttert noch verletzt, sondern nur berührt.

Ich fühle diese Berührung und höre den Ruf der fremden Wunde… Sie ruft nach Liebe.

Zwar kann ich dieses Leiden in mein Herz nehmen und auch die durchlöcherte Seelenhaut des anderen, doch nichts entlässt ihn aus der Aufgabe, sich selbst erkennen und lieben zu lernen.

Simone Meller
Foto: Maren Beßler/Pixelio

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