Tag Archive | "Augenhöhe"

Der Schüler und der Meister


Ein Schüler kann viel von seinem Meister lernen, indem er das, was ihn an der ausgewählten Person fasziniert, in sich selbst entdeckt und entwickelt. Er lernt auch anhand von Reibung und Unterscheidung, indem er erkennt, was ihm entspricht und was eben nicht (mehr). Ein Schüler, der versucht, wie sein Meister zu werden, wird sich ewig bemühen. Er wird sich ewig bemühen, anders zu sein, als es seiner eigenen Wahrheit entspricht. Dieses Bemühen ist nicht vergeblich, sondern wichtig, weil es die Erfahrung dessen ermöglicht, was keine Erlösung bringt. In dem Moment, da der Schüler kein Schüler und der Meister kein Meister mehr ist, leuchtet etwas auf, was das Leben unwiderruflich erhellt: Der Mensch wird frei, so zu leben, wie es ihm entspricht. Er erlaubt sich jeden Tag neu zu wählen, was ihm entspricht. Dann wird ALLES ihm Begegnende zum Meister, ohne dass es noch so genannt werden müsste.

Simone Meller

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Verehrung und Anbetung entsprechen mir nicht


Ich habe mich diese Woche wiederholt an Menschen gerieben, bei denen ich so etwas wahrnehme, was ich als Verehrung und Anbetung bezeichnen möchte. Also eine Bereitschaft, etwas außerhalb ihrer Person existierendes über sich zu stellen. Ich spüre, dass mir das nicht entspricht. Bislang habe ich das im Fachjargon als Idealisieren oder umgangssprachlich als Anhimmeln bezeichnet. Nun bediene ich mich mit Verehrung und Anbetung eher spirituell konnotierter Begriffe.

Meinem Erleben nach dürfen sich alle Aspekte des Seins auf Augenhöhe begegnen. Alles zwischen Himmel und Erde Existierende verdient Ehre, niemand mehr, niemand weniger. Das Verteilen von besonderer Ehrerbietung bis hin zur Ehrfurcht und all die Formen von Anbetung speisen sich meiner Wahrnehmung nach aus einem Glaubenssystem von Unter- und Überlegenheit. In einem solchen Glaubenssystem wird durch künstliche Rangstufen eine Distanz zwischen dem Menschlichen und dem Göttlichen geschaffen. Das Ausmaß an Verehrung und Anbetung von spirituellen Lehrern, Geistwesen, Engeln und Gott wird zum Gradmesser (noch nicht) erreichter Nähe.

Mir geht es nicht um Gleichmacherei alles Seienden, sondern um Gleichwertigkeit des Unterschiedlichen.  Ich bin nicht gegen das Beten und auch nicht gegen die Erfahrung heiliger Momente. Und schon oft hat es mir gut getan, mit gesenkter Stirn auf dem Boden zu knieen. Aber mir entspricht es nicht, eine Stufe in den Fluss des Seins zu meißeln und meine Kraft solchem Gebilde zu unterwerfen. Auch lehne ich die, die das tun, nicht ab. Ich merke dank unserer Unterscheidung einfach nur, dass ich einen anderen Weg gehe: Ich dulde niemanden über mir und niemanden unter mir. Natürlich ist jeder frei, sein Bild von mir dort “oben” oder “unten” anzusiedeln, aber Begegnung mit mir entfaltet sich auf Augenhöhe.

Das wollte ich formulieren. Und nachdem ich das nun versucht habe, frage ich mich, wie das hier Geschriebene mit meinen bisherigen Texten über Demut und Ergebung zusammengeht. Das tut es. Aber ich kann es derzeit nicht in Worte fassen. Vielleicht vorläufig so: Die Demut meinem mir (un-)bekannten Wachstumsprozess gegenüber bleibt erhalten, während ich allen Aspekten des Seins auf Augenhöhe begegne. Auch bin ich weiterhin bereit, ergeben dem höchsten Wohl derer zu dienen, die sich mir anvertrauen, aber die Augenhöhe bleibt. Egal, was gerade ansteht. Ich stelle mich dem Sein und zwar mit meiner Kraft – wie sie mir nur in Demut zuteil wird.

Text und Foto: Simone Meller

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Evolution und Ideologie unterscheiden


evolutionäres wachstum entwertet nicht vorheriges und anderswo noch bestehendes als weniger wahr
denn es unterscheidet sich wohltuend von einer ideologie die hier idealisiert und dort entwertet

evolution ist ein natürlicher prozess der nicht gemacht werden kann
der sich dort ereignet wo jeweils sein darf was gerade ist
aber auch dort wo (ideologisch) unterdrückt wird was ist
weil auch unterdrückung unter dem deckmantel von befreiung sein darf
auf dass den vermeintlichen befreiern ihre unterdrückung in stimmiger geschwindigkeit bewusster wird

evolution geschieht indem wir unsere wahlen sind
wir fallen in konsequenzen und damit in uns selbst
dort wählen wir neu oder alt wie es uns entspricht

keine wahrheit steht über einer anderen
alle seins-aspekte begegnen sich auf augenhöhe
wenn wir es wählen in unserem bewusstsein
auch wo wir es (noch) nicht wählen dürfen wir sein

dürfen wie üben in diesem einen großen spiel
in dem es keine verlierer und keine gewinner gibt
nur ein unzahl von erfahrungen aneinandergereiht
keine vollkommener als die andere der einzige unterschied
im ausmaß von freude und leiden im (un)wohl sein hier und jetzt

simone meller

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wie unsicherheit entsteht und wozu sie einlädt


unsicherheit entsteht aus kindlicher verlassenheit
es ist die einsamkeit nicht gesehen zu werden
unsicherheit ist der versuch nicht ich selbst zu sein mich zu verlassen
der versuch meine wahrnehmung deiner wahrnehmung zu opfern
der versuch deiner erwartung entgegen zu kommen in deinen augen zu sein

ich muss nicht anders sein nicht besser sein ich muss nicht erklären
ich darf enttäuschen darf die sein die ich bin – ohne wenn und aber
ich darf meinem fühlen und wahrnehmen folgen
ich bin nicht verantwortlich für deine gefühle wohl aber
für die folgen meines handelns für mich

doch keine dieser folgen stellt meinen wert als mensch infrage
immer bin und bleibe ich ein dir ebenbürtiges göttliches kind
immer bin ich vollkommen genau wie du
ohne dass wir jemals anders oder besser sein müssten

unsicherheit ist ein audruck für perfektionistische tendenzen
damit wird mir unsicherheit zur einladung ins hier und jetzt
gewahrsein von vollkommenheit die platz lässt
für die unterschiedenheit von dir und mir

dann steht meine wahrnehmung deiner gegenüber
und es geschieht was geschehen will
dann bin ich sicher
und begegne dir

text: simone meller | foto: nicole celik, pixelio

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