Tag Archive | "Aufstieg"

Was wir Aufstieg nennen


was gestern natürlich war
ist heute künstlich
was heute natürlich ist
wird morgen künstlich sein

häutung tag für tag
klären immer wieder neu
bis nichts mehr übrig ist
leicht leichter noch leichter

metamorphose nach innen
als verlust von allem ohne weh
gewordenes sterben lassen
für das was wir aufstieg nennen

text: simone | foto: source unknown – if you hold rights on this picture and do not agree with its publication please email me and it will be removed immediately

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Die zur Wahrheit wandern


DIE ZUR WAHRHEIT WANDERN,
wandern allein,
keiner kann dem andern
Wegbruder sein.

Eine Spanne gehn wir,
scheint es, im Chor…
bis zuletzt sich, sehn wir,
jeder verlor.

Selbst der Liebste ringet
irgendwo fern;
doch wer’s ganz vollbringet,
siegt sich zum Stern,

schafft, sein selbst Durchchrister,
Neugottesgrund -
und ihn grüßt Geschwister
Ewiger Bund.

Christian Morgenstern

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An den andern


Ich hatte mich im Hochgebirge verstiegen.
Die Felsenwelt um mich, sie war wohl schön;
doch konnt ich keinen Ausgang mir ersiegen,
noch einen Aufgang nach den lichten Höhn.

Da traf ich Dich, in ärgster Not: den Andern!
Mit dir vereint, gewann ich frischen Mut.
Von neuem hob ich an, mit Dir, zu wandern,
und siehe da: Das Schicksal war uns gut.

Wir fanden einen Pfad, der klar und einsam
empor sich zog, bis, wo ein Tempel stand.
Der Steig war steil, doch wagten wir’s gemeinsam…
Und heut noch helfen wir uns, Hand in Hand.

Mag sein, wir stehn an unsres Lebens Ende
noch unterm Ziel, – genug, der Weg ist klar!
Daß wir uns trafen, war die große Wende.
Aus zwei Verirrten ward ein wissend Paar.

Christian Morgenstern

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Die Blüte schließt ihre Blätter


Die Trauer der Aufstiegsbewegung entspricht der Aufbruchsstimmung zum Anbeginn der Zeit. Der Jubel der Heimkehr in die Einheit entspricht dem Entsetzen bei einstiger Ankunft in der Dualität. Die Schöpfungskreise der Polarität schließen sich nach und nach wie die Blätter einer Blüte. Für den Moment scheint es eine schnelle Bewegung, für den Lebensverlauf ein unendlich langsamer Akt zu sein. Immer öfter schieben sich Raum und Zeit ineinander, während wir atmend erfahren, wie sich das Leben und das Sterben vereinigen.

Simone Meller

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