Tag Archive | "Anschauung"

meilensteine auf dem weg des klopfenden herzens


in entscheidenden momenten meiner selbstwerdung
klopfte mir das herz bis zum hals und wurde ich kurzatmig
angst vor selbstwerdung ist die angst vor vernichtung
vermeidung von selbstwerdung war schutz vor vernichtung
als kind! und in jedem totalitären system von politik und weltanschauung

als freie erwachsene würde ich mich unterdrücken vermiede ich weiter
oder trüge ich bei ideologisch zum verbessern der welt
deshalb wähle ich immer wieder den weg des klopfenden herzens
entlarve perfektionismus als kampf um mangelnde liebe
bejahe deine und meine vollkommenheit in jedem moment

dann erhebe ich keine meiner erfahrungen und wünsche zur norm
dann gibt es keinen menschen kein system und keine welt zu verbessern
dann gibt es niemanden zu überzeugen zu strafen zu kreuzigen
dann kann ich in angriff und hinrichtung den kampf der projektionen sehen
dann kann ich frieden finden mit dir und mir und die sein die ich bin

simone meller

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Geschichten erzählen


Wir erzählen einander Geschichten, um auszudrücken, wer wir sind.
Wir erzählen einander Geschichten, um uns gegenseitig zu unterstützen, Identifikationen loszulassen.
Wir erzählen einander Geschichten, um uns unserer selbst zu vergewissern.
Aber erzähle mir nicht, deine Geschichte sei wahrer als meine.
Und erzähle mir nicht, du würdest nicht mehr anhaften.
Denn auch das ist eine Geschichte.
Erhebe dich nicht mit deiner Geschichte über meine.
Gerne höre ich deine Geschichte als ebenbürtig zu meiner.

Wir erzählen einander Geschichten, um uns teilhaben zu lassen, wie wir Energien bewegen.
Wie könnten sich Energien ohne Geschichten bewegen?
Was wären wir ohne das Erzählen von Geschichten?
Vielleicht liegen dir manche Geschichten mehr als andere. Das darf natürlich sein.
Doch heißt das nicht, dass deine Geschichten besser wären als meine.
Gibt es Leben ohne Geschichten? Ich glaube: Nein.

Ich glaube: Leben ist das ständige Erzählen und Abwandeln von Geschichten.
Es ist die Epik dessen, was uns zwischen Anschauung und Begriff jonglierend durch die Finger rinnt.
Zum Glück geht uns nie etwas verloren.
Das ist meine Geschichte.

Simone Meller

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Ohne Manifestation gibt es nichts zu schauen


Ich setze nicht den erfahrbaren Zustand der Nondualität als absolut, sondern das hinter allen erfahrbaren Zuständen unmanifestierte Gewahrsein. Ob man das nun Quelle, Nichts, Ewigkeit oder Gott oder noch anders nennt, ist eine Frage des augenblicklichen Geschmacks und bei mir sehr oft auch eine Angelegenheit der Grammatik (“göttlich” geht leichter als “quellig”).

Die Kunst des spirituellen Weges scheint mir die zu sein, sich von keinem Zustand vereinnahmen zu lassen, also weder vom Streit noch einem Kratzer am Auto noch von nondualen Erfahrungen (s. Spiritueller Alltag: Ausdehnung von Erleuchtung). Göttlich (“quellig”) sind alle drei genannten Zustände, die als Beispiel für unendlich viele dienen. Ein Zustand ist sehr leicht daran zu erkennen, dass er Anfang und Ende hat. Er kommt, ist und geht vorüber. Er ist ein abgrenzbares Ereignis in Zeit und Raum. Verschiedene Zustände erhellen einander.

Alles, was mir erscheint (einschließlich der vielfältigen geistigen Welt), verschwindet auch wieder. Das einzige, für das dies nicht gilt, ist das unmanifestierte Gewahrsein. Es ist das, was ewig ist.

Die Herausforderung der Bewusstseinsevolution besteht also in einer Gratwanderung zwischen zwei Polen. Der eine Pol ist die Verhaftung in einem personifizierten oder anderweitig dualem Gottesbild, der andere Pol ist die Identifikation mit einem vergegenständlichten nondualen Zustand (s. Erleuchtungsfalle: Identifikation mit dem Nichts).

Wenn ich von dieser Herausforderung der Bewusstseinsevolution schreibe, so impliziert das keinesfalls, dass ein personifiziertes oder vergegenständlichtes Gottesbild weniger göttlich wäre. Jede Manifestitation einschließlich des atheistischen Erlebens entspringt derselben Quelle. Deshalb ist das zwanghafte Niederreißen des illusionären Schleiers genauso wenig erleuchtend wie die infantile Anbetung singulärer Manifestationen. Wiederum sind beide Strebungen derselben Quelle entsprungen und genauso göttlich wie alles andere. Es sind eben auch nur Zustände.

Das einzige, was ohne Zustand ist, ist das unmanifestierte Gewahrsein. So verstehe ich meinen Entwicklungsweg als einen der permanenten Gewahrwerdung. Mit der “Permanz” verweise ich auf das über Zustände hinausgehende und mit der “Werdung” auf das den Zuständen noch anheim gegeben sein. Zugleich wissend, dass ich das “Angestrebte” (hilflose Sprache!) bereits bin.

Gewahrsein bedeutet weder Anhaftung noch deren Gegenteil im Form von Weltflucht. Gewahrsein ist kein anstrebbares Ideal, denn damit wäre es wieder Zustand. Reines Gewahrsein ist das unmanifestiert Absolute, das die manifestierten Zustände schaut. Anschauung pur.

So schaue ich jetzt…

und lebe zugleich saftig weiter, denn sonst würde das Schauen unmöglich.

Ohne Manifestation gibt es nichts zu schauen.

Das meint mein Reden vom Nichts. Doch muss ich nicht davon reden, um mir der Welt gewahrzusein.

Simone Meller
Foto: Albrecht E. Arnold, Pixelio

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Die Choreographie der Vögel über das Ich-Erleben


Vor sechs Wochen schrieb ich ein kleines Gedicht über den Freien Flug des Vogels in meinem Herzen.

Thematisch verwandt folgten u.a. vier ausformulierte Texte über das changierende Ich-Erleben in der persönlichen Bewusstseinsentwicklung:

  1. Ohne Ego keine Einheit
  2. Wie sich das Ego selbst erlöst
  3. Das Ich, der Verstand und die Verantwortung
  4. Spiritueller Alltag: Ausdehnung von Erleuchtung

Heute entstand das Gedicht Melodram am Mittag.

Kurz darauf entdeckte ich folgenden Text:

Aus der Tiefe meines Herzens

Aus der Tiefe meines Herzens erhob sich
ein Vogel und flog himmelwärts.
Höher und höher schwang er sich empor
und wurde dabei zusehends größer.
Zuerst war er so groß wie eine Schwalbe,
dann wie eine Lerche,
später hatte er die Größe eines Adlers,
dann die einer Frühlingswolke,
und schließlich füllte er den gesamten gestirnten Himmel.
Aus der Tiefe meines Herzens flog ein Vogel himmelwärts,
je höher er flog,
um so größer wurde er.
Doch er verließ mein Herz nicht.

Khalil Gibran

Dieser Verlauf von Ende April bis heute ist ein handliches Beispiel für Choreographien, wie ich sie täglich in meinem Leben finden kann. Mir übersteigt es den korrekten Begriff der Synchronizitäten, wenn ich mich der Anschauung solcher Fügungen ergebe. Khalil Gibrans Zeilen erscheinen mir wie eine federleichte Zusammenfassung des von mir Gemeinten und schlagen zugleich den Bogen zur Leichtigkeit des ersten Textes in dieser Choreographie. Anfang und Ende dieser Textserie wird durch Vögel angezeigt, die mich bereits vor ziemlich genau einem Jahr so tief berührten (s. Den Vögeln dieser Welt). Und tauchte nicht gestern in einem Gedicht noch die Amsel auf?

Die Leichtigkeit der lyrischen Texte kommt den mystischen Abenteuern am nächsten, während die dazwischen entstandenen Texte mehr der Integration in das Leben dienen. Beides beschrieb ich vor sechs Tagen in Mystische Abenteuer und ihre Integration.

Dies ist ein typischer Blog-Beitrag, den ich nur für mich schreibe. Ein Innehalten, eine Rückschau, ein Begreifen. Ein Staunen, was geschieht, wenn ich ganz ich selbst bin.

Es ist ein herausgegriffenes Beispiel für das, was täglich bei mir genauso wie bei dir passiert. Auch wenn wir uns nicht immer Zeit und Raum nehmen, um die Choreographie noch einmal zu betrachten. Dabei ist eine Choregraphie herrlicher als die andere, ohne dass die erste durch die letzte an Glanz verlieren würde. Es ist und bleibt einfach wundervoll.

Aus der Tiefe unserer Herzen fliegen Vögel empor…

Simone Meller
Fotos: Karin Jung & Uschi Dreiucker/Pixelio.de

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