Kategorie | Klartext

Unfertig in den Feierabend

Ich bin mit einer konzeptionellen Arbeit nicht fertig geworden. Eigentlich keine große Sache, und Zeit wäre auch noch gewesen. Doch plötzlich versiegten die Ideen, und ich hatte keine Lust mehr. Ungern verlasse ich mit dieser offenen, inneren Gestalt mein Büro, aber vorbei sind die Zeiten, in denen ich mich zur Arbeit zwang. Was fließt, fließt, und was nicht, tut es sicher morgen wieder. Ich mache Feierabend, obwohl, nein, weil das Unerledigte auf meinem Schreibtisch auf mich wartet.

Das ist etwas, was ich als Schreibtischtäterin während eines hochgradig komplexen und unübersichtlichen Projektes, nämlich dem Schreiben meiner Doktorarbeit, gelernt habe: Bestimmte Abschnitte und Kapitel hatten mich zunächst überfordert und geduldig auf meine Persönlichkeitsreifung “gewartet”. Ich konnte sie erst verfassen, als ich mich weiter entwickelt hatte, also selbst in neuer Verfassung war. Manchmal hat das Wochen, Monate und teilweise auch Jahre gedauert. Deshalb war es praktisch, dass es an der Diss selbst und darüber hinaus beruflich so viel zu tun gab. Immer wenn es an einer Stelle nicht weiter ging, machte ich woanders weiter. Nach dem Motto: Nur nicht verbeißen, sondern flexibel bleiben und sich bewegen.

So habe ich das eben auch gemacht und ein bisschen gebloggt ;-) . Und vielleicht darf ich dich mit dem Teilen meiner Erfahrung ermutigen, dein Unfertiges in Ruhe reifen zu lassen und Feierabend zu machen?! Ich jedenfalls tue es jetzt: Feieeeraaabend!!

Simone Meller

P.S.: Dieses hier beschriebene Verlieren von Lust ist nicht dasselbe wie die Unlust, die mich beim Ausfüllen von Steuerformularen überfällt. Aber über diesen Unterschied, der eine kreative Schaffenspause von Aufschieberitis (Prokrastination) zu trennen weiß, schreibe ich ein anderes Mal.

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