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Ich habe versucht nicht Psychologin zu werden

Ich habe versucht nicht Psychologin zu werden. Als ich nicht anders konnte, habe ich versucht zumindest nicht Psychotherapeutin zu werden. Als ich wiederum nicht anders konnte, habe ich versucht die Spiritualität herauszuhalten. Als ich auch das nicht abwenden konnte, habe ich mich in den letzten Jahren öfter gefragt, ob ich wirklich immer noch Psychotherapeutin sein muss.

Du kennst die Antwort. Und ich staune über diesen Teil meines Seelenplans und meine Anstrengungen, ihn nicht zu leben. Dabei ist es so leicht, mich von ihm durchs Leben tragen zu lassen. Heilung war immer schon meins, nur an die Fächer Psychologie und Psychotherapie musste ich mich gewöhnen – und später an meine herausfallende Rolle in diesen traditionellen Berufsfeldern. Da ich erfahren habe, dass es die bedingungslose Liebe ist, die heilt, sind mir konzeptuell weder die Psychotherapie noch die Spiritualität besonders wichtig (s. Wissenschaft und Spiritualität sind relativ unwichtig).

Aber ich beuge mich diesem höheren Plan, der da sagt, dass es derzeit trotzdem wichtig ist, als Ansprechperson für beide Konzeptsammlungen zur Verfügung zu stehen. Ich tue das auch wirklich gern, genauso wie ich gerne Psychologie studiert, die Weiterbildung zur Psychotherapeutin gemacht und die Spiritualität in meine Arbeit integriert habe. Was dir nun wie ein einziger Widerspruch vorkommen mag, erscheint mir als eine Art Punktspiegelung im transzendenten Raum, eine Anordnung von Energie in Polarität, um das Wollen wie das Nicht-Wollen und ihre Identität in Einheit erfahren zu können. Hier versagt mir die Sprache, denn letztlich besteht meine Qualifikation als Ansprechperson für Psychotherapie und Spiritualität exakt darin, dass mir beides nicht wichtig ist, aber dieses neue Bewusstsein konnte ich nur entwickeln, weil mir beides einmal so wichtig war, dass ich es am liebsten nicht leben wollte. Heute lebe ich es mit Leidenschaft und Gleichmut zugleich.

Das kann nun deuten, wer will. Ich schließe für heute, bevor mein Verstand kollabiert, während mein Herz gemeinsam mit dir lacht. Ich danke dir, dem ewigen Du in unzähliger Gestalt, das mir täglich aufs Neue zeigt, was zu meinem Seelenplan gehört und was nicht. Fragte mich neulich ein Kollege, woher ich das denn jeweils wüsste, so vermochte ich nicht zu antworten, außer dass ich es eben spüre. Ich spüre den Unterschied zu den Momenten, da ich versuchte nicht Psychologin zu werden…

Text: Simone Meller
Foto: Renate Franke, Pixelio

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