Wir erzählen einander Geschichten, um auszudrücken, wer wir sind.
Wir erzählen einander Geschichten, um uns gegenseitig zu unterstützen, Identifikationen loszulassen.
Wir erzählen einander Geschichten, um uns unserer selbst zu vergewissern.
Aber erzähle mir nicht, deine Geschichte sei wahrer als meine.
Und erzähle mir nicht, du würdest nicht mehr anhaften.
Denn auch das ist eine Geschichte.
Erhebe dich nicht mit deiner Geschichte über meine.
Gerne höre ich deine Geschichte als ebenbürtig zu meiner.
Wir erzählen einander Geschichten, um uns teilhaben zu lassen, wie wir Energien bewegen.
Wie könnten sich Energien ohne Geschichten bewegen?
Was wären wir ohne das Erzählen von Geschichten?
Vielleicht liegen dir manche Geschichten mehr als andere. Das darf natürlich sein.
Doch heißt das nicht, dass deine Geschichten besser wären als meine.
Gibt es Leben ohne Geschichten? Ich glaube: Nein.
Ich glaube: Leben ist das ständige Erzählen und Abwandeln von Geschichten.
Es ist die Epik dessen, was uns zwischen Anschauung und Begriff jonglierend durch die Finger rinnt.
Zum Glück geht uns nie etwas verloren.
Das ist meine Geschichte.
Simone Meller

