Es ist der geklärte Blick, der mich alles verlieren lässt, ohne arm zu werden, und der mich alles gewinnen lässt, ohne reich zu werden. Es ist der völlige Verlust von Unschuld, ohne dass es jemals um Schuld gegangen wäre. Mir widerfährt nichts, vor dessen Verantwortung ich mich drücken könnte, ohne überhaupt irgendetwas oder irgendwen retten zu können. Manchmal spüre ich die Versuchung beider Pole, die letztlich eins sind, während ich im selben Atemzug wahrnehme, dass es noch nie möglich war, etwas anderes als Spiegelgefechte zu betreiben.
Schritt für Schritt verliere ich Dualität, um mich im nächsten Moment an ihre Reste zu klammern, bis ich mich erinnere, dass auch sie meine Schöpfungen sind. Ich fühle eine Trauer, von der ich noch nicht reden hörte. Sie meint alles, was ich jemals in die Einheit sinken sah. Sie ist der sammelnde Blick eines Abschieds, der Heimkehr ist. Sie ist die Bejahung all meiner Missverständnisse, meines Leids. Vielleicht ähnelt diese Trauer im Ansatz der eines Kindes, das den Rauschebart seines Weihnachtsmanns in den Händen hält.
Heimkehr zur Einheit… – mal lässt sie mich jubeln, mal trauern. Denn ich verliere alles. Oh gewiss, meine Welt ist noch sehr dual, das reicht für viele weitere Jahre saftigen Lebens. Doch ich begreife, dass der Aufstieg nichts anderes als ein Totalverlust ist. Alles sinkt in Einheit. Es ist die schrittweise Metamorphose alles Menschlichen hin zu einem Göttlichen, in deren Verlauf sich alle drei Begriffe – Metamorphose, Mensch und Gott – im Nichts auflösen.
Ergänzende Texte:
- Die Geschichte vom Salzmännchen
- Achtsamkeit für Stadien spirituellen Wachstums
- Ohne Ego keine Einheit
- Wenn Audruck vergeht
- Es ergreift mich
- Ergebung
Simone Meller

