Manche Menschen täuschen sich über ihr spirituelles Wachstum, indem sie eine künstliche Trennung zwischen der irdischen Dualität (“unspirituell”) und dem phantastischen Erfahrung der Einheit (“spirituell”) ziehen. Sie entwerten Dualität, denn sie haben ja die wahre Einheit geschaut, die fortan idealisiert wird. Mit anderen Worten: Sie wollen Einheit sein, bevor sie ganz Dualität waren. Sie wollen wesentliche Teile des Menschenspiels überspringen. Sie wollen am Spielziel ankommen, ohne gespielt zu haben.
Spiritual bypassing wird aus Angst vor dem eigenen Schatten betrieben. Dabei ist Schatten nichts anderes als die Herausforderung, in ihm das Licht wiederzuentdecken. Menschen, die wachstumsvermeidend zum himmlischen Licht streben, geben sich mit weniger Licht zufrieden als sie auf der Erde verwirklichen könnten. Sie hemmen sich in ihrer Lebendigkeit. Was könnte da alles an unangenehmen Emotionen und Erinnerungen aufsteigen! Wie könnten sich die Beziehungen (zu Eltern, Freundinnen, Partner, Kolleginnen etc.) verändern!
Klarheit ist manchmal unbequem, aber Voraussetzung für ein bewussteres und freudvolleres Leben. Niemand erreicht seine Ziele, wenn er sich nicht über sein Hier und Jetzt im Klaren ist. Auch im Navigationssystem muss man seinen Standort eingeben, um den Weg zum Ziel zu finden. Spiritual bypassing ist der Versuch, eine spirituelle Krise zu umschiffen. So unangenehm sich eine Krise auch anfühlt, ist sie doch immer eine Chance zu Wachstum und damit zu mehr Licht.
Wer sich diesen Weg ins Licht nicht traut, konserviert seine dunklen Energien, also seinen Schatten. Über das Resonanzprinzip zieht dieser verborgene Persönlichkeitsanteil passende Situationen auf die Bühne des Lebens (s. Kosmische Gesetze). Der Bypasser glaubt sich dem illusionären Spiel entronnen und verstrickt sich dabei immer tiefer. So wird erklärlich, warum sehr lichtvoll erscheinende Menschen plötzlich zusammenbrechen, schwer erkranken oder überraschend zu Tode kommen. Die Übermacht des Schattens zwingt den Hochmut (der eigentlich eine Verzweiflung ist) eines Tages in die Knie.
Die entstehende Krise ist eine Chance. Denn der Weg ins Licht führt durch die Dunkelheit. Leben darf die Transformation von Dunkelheit meinen. Leben darf Heimfinden in Freude sein. Innerhalb unserer kosmischen Ordnung mit ihren Gesetzmäßigkeiten realisieren wir unsere Spiele. Wir dürfen spielen, was wir wollen. Aber nie entkommen wir den Konsequenzen unseres Handelns. Jeder trägt Verantwortung für sich selbst.
Text: Simone Meller | Foto: Pixelio, Erika K.

