Wir sind alle Blätter an einem Baum,
keines dem anderen ähnlich, das eine
symmetrisch, das andere nicht, und
doch gleich wichtig dem Ganzen.
Gotthold Ephraim Lessing
Zwischen Umzugkartons habe ich dieses Zitat von Lessing wiedergeefunden. Es erinnert mich an die Entwicklung, die derzeit ein großer Teil der Menschheit vollzieht, nämlich von der Bewertung zur Unterscheidung zu gelangen. Das Leben wird leichter, wenn ich nicht mehr bewerten muss, was gut oder schlecht ist, sondern einfach nur noch Unterschiede wahrnehme. Ohne den Druck von Bewertungen kann ich dann wahrnehmen, dass Unterschiede Identität ermöglichen. Ich bin so und probiere gerade das aus. Aaaah, und so bist du… hey du probierst gerade etwas ganz anderes aus als ich. Wie ich neulich schrieb, sind wir aus Sehnsucht nach der Erfahrung von Identität hier auf Erden inkarniert.
In meinem Artikel über die Kosmischen Spielregeln erläutere ich die Entwicklung von der Bewertung zur Unterscheidung genauer, hier ein Zitat aus dem Abschnitt e) zur Polarität:
Alles hat zwei Pole, die eins sind
Wir Menschen erfahren das Leben in seinen Gegensätzen. Denn aus der Einheit kommend, wo alles reine Liebe ist, kann Liebe nicht erfahren werden. Wir brauchen die Erfahrung der Angst, um zu spüren, was Liebe ist. Ohne Nacht gäbe es keinen Tag, ohne Hässlichkeit keine Schönheit, ohne Trauer keine Freude etc. Alles, was keinen Gegensatz hat, können wir uns nicht vorstellen. Die Energien der polaren Welt ergeben sich also aus einer einzigen Grundenergie, der Einheit. Innerhalb dieser Polaritäten kämpfen Menschen, sie bewerten “Das ist gut/schlecht” oder “Das ist richtig/falsch”. Dabei kann das eine nicht ohne das andere existieren:
“Atme ich ein, so muss ich auch wieder ausatmen. Atme ich aus, so muss ich wieder einatmen. Man sieht sofort: Ein Pol kann nur über seinen Gegenpol erreicht werden. Der eine Pol erzwingt den anderen. Nehme ich einen Pol weg, so existiert auch der andere nicht mehr. Atme ich nicht mehr ein, kann ich auch nicht mehr ausatmen.” (Andreas Dalberg)
Wir entwickeln uns, indem wir immer beide Pole eines Polaritätenpaares erfahren (z.B. Macht/Demut). Indem wir die Pole authentisch leben, transformieren wir deren Energie auf eine höhere Ebene. Die Polarität verschwindet zwar nicht aus dem Leben, ist aber auf einer höheren Schwingungsfrequenz leichter zu leben. Indem wir die Pole immer wieder zyklisch mit wachsendem Bewusstsein durchlaufen, schwingen wir uns spiralförmig zu höheren Ebenen hinauf.
Derzeit gelangen immer mehr Menschen von der Ebene der Bewertung zur Ebene der Unterscheidung. Mittels dieser spiralförmigen Bewegung durch sämtliche Polaritäten hindurch streben wir nach stetiger Erhöhung unser Schwingungsfreqeuenz. Diese endet, wo sie einst begann, nämlich in der Einheit – aber mit dem wesentlichen Unterschied erfahren (!) zu haben, dass alles eins ist.
In den Spielen des Lebens können wir manchmal vergessen, dass wir ALLE Blätter an EINEM Baum sind. Das Lessing-Zitat hilft beim Besinnen und Rückverbinden. Gleichgültig, wie groß die Unterschiede zwischen uns manchmal erscheinen mögen oder wir durch die Erfahrung von Auf- und Abwertung gehen, WIR SIND ALLE BLÄTTER AN EINEM BAUM und GLEICH WICHTIG DEM GANZEN.
Ein anderes Phänomen als das Vergessen der Einheit ist die sich derzeit ausbreitende Vorstellung, dass sich mit den Veränderungen zu 2012 hin die Polarität vollständig auflösen würde. Ich nehme das anders wahr. Polaritäten gehören zum Grundgeschenk des irdischen Lebens, aber wir können wählen, wie heftig wir das Spiel der Polaritäten spielen wollen. Wann immer ich in der Lage dazu bin, wähle ich Unterscheidung statt Bewertung. Aber ich kann meine Entwicklung nicht überspringen (“spiritual bypassing”), d.h. dort, wo ich noch Bewertung fühle, lebe ich sie achtsam, bis sie sich auf eine höhere Schwingungsebene transformiert.
Text: Simone Meller | Foto: Pixelio, Klicker
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