Gestern war mein letzter Praxis-Tag in der Sophienallee, die eine wichtige Zwischenstation zur Realisierung meines Traums von Wohnen und Arbeiten unter einem Dach war. Hier am Blankeneser Elbstrand laufen nun die letzten Vorbereitungen, so dass es ab Montag mit dem Praxisbetrieb im alten Zollhaus losgehen wird. Allerdings ohne Zollerhebung
. Früher, so klärte mich ein Nachbar auf, verlief hier die Grenze zwischen Dänemark und Hannover, weshalb einst in diesem Haus der Zoll kassiert wurde. Eine Nachbarin schlug scherzend vor, für zusätzliche Einnahmen einen rot-weißen Schlagbaum zu errichten.
Ein wenig erschöpft und staunend blicke ich auf die Zeit hinter mir: Zwischen Hausbesichtigung und Umzug lagen knappe vier Wochen, eine Zeit voller Abschiede und Entscheidungen, die in dieser Häufung und Geschwindigkeit nur durch meine kontinuierlich vorher geleistete Transformation möglich war. Dennoch bin ich bei dem rasanten Tempo hier und da an meine Grenzen gestoßen, habe bei aller himmlischen Fügung, die zum Teil unglaublich war, streckenweise Überforderung, Verunsicherung und Angst erlebt. Es war sehr, sehr viel in kürzester Zeit zu organisieren, und alles hat prima geklappt. Wirklich anstrengend waren “nur” die begleitenden Emotionen! Besser ausgedrückt: Das Festhalten der Emotionen war anstrengend, nicht das Loslassen. Meine Kunden kennen diesen Text von mir
.
Viele meiner Gedichte, die ich in der Zeit unmittelbar vor und begleitend zur Hausfindung geschrieben habe, habe ich in den letzten Wochen wieder gelesen und Kraft daraus gezogen. Ich staunte über diese schreibende Vorwegnahme, die mir eher aus nächtlichen Träumen oder bildlichen Eingebungen vertraut ist. Besonders spannend finde ich die Zeile “…wachse hinein [in die Schwingung] und drüber hinaus…”. Ich finde mich in dieser Zeile seelisch wieder und zugleich ist es für mich noch ungewohnt, in etwas “tolles Neues und Größeres” ohne das Gefühl “für immer und ewig oder zumindest für laaange Zeit” hineinzugehen.
Gleichzeitig habe ich Sicherheiten hinter mir gelassen: Waren die letzten Jahre schon durch radikales Aussortieren geprägt (z.B. hier), so fand dieser Prozess kurz vor dem Umzug seinen Höhepunkt: Ich habe fast alle meine alten Möbel verschenkt und noch einiges mehr. Überwiegend fühlt es sich gut an, nur ab und zu rutschte ich in die Angst, wenn ich die überraschten Blicke anderer wahrnahm. Doch immer wieder habe ich mich besonnen und es innerlich drängen gespürt: Das ist Neue Energie! Loslassen, Freilassen, Fließenlassen von Materie, Geld und anderen Sicherheitssymbolen! Vertrauen schauen!
Wieviel leichter ist das Leben, wenn ich dem Strom der Fülle vertraue. Dann ist Materie keine unbeweglich machende Belastung, sondern eine sich flexibel wandelnde Lebensverschönerung, dann kann gehen, was mir nicht mehr entspricht und zu mir kommen, was besser passt. Beim Kistenpacken (ein paar waren es doch noch
, aber es ging ohne Containerschiff) schoss mir durch den Kopf, wie das wäre, wenn alle Menschen an behaglich eingerichteten Orten leben und von Zeit zu Zeit einfach ihre Domizile (komplett eingerichtet) tauschen würden.
Es ist ein phantastisches Gefühl, nicht an den Dingen zu haften. Denn obwohl die Handwerker hier noch ein- und ausgehen, spüre ich schon jetzt die innere Freiheit, jederzeit neu aufbrechen zu können. Ich freue mich auf das, was ich hier erleben werde. Und ich bin gespannt, worauf es mich vorbereitet.
Ich schenke mir diese Zeit am Elbstrand. Ich gönne sie mir im Vertrauen, dass etwas Tolles für mich entsteht, wenn ich meinen Herzenswünschen folge. Einige Menschen, mit denen ich in den letzten Wochen privat sprach, trauen oder gönnen sich vieles nicht, obwohl sie zum Teil mehr verdienen oder besitzen als ich. Leben statt Horten – das ist meine Devise und mit jedem Möbelstück, das ich verschenkte, habe ich sie energetisch weitergegeben.
Leben statt Horten – das kann und darf man nicht forcieren. Aber wir können zulassen, wenn sich Neue Energie ihren Weg bahnen möchte. So wie Wasser, doch diesen Vergleich mag ich akut nicht leiden wegen einer sanitären Baustelle im Haus
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Simone Meller
Foto: Pixelio, Bernd Sterzl

