Für alle Student/innen der Psychologie, die gerade über wissenschaftlichen Texten brüten,
für alle Diplomand/innen und Doktorand/innen, die mit ihren Schreibblockaden ringen,
für alle humorigen Kolleg/innen,
für alle Wissenschaftler/innen anderer Disziplinen, die über den Tellerrand lugen wollen,
hier kommt was zum Lachen:
Die generalisierte Heiterkeitsstörung,
Psychotherapie bei Gummibären und
Implizites Gedächtnis bei Gummibärchen.
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Nun noch ein ernsthafter Tipp, der mir am meisten durch mein Auf und Ab der Promotion geholfen hat: Eine wissenschaftliche Publikation ist nichts anderes als eine fundierte und systematisch angeordnete Meinungsäußerung. Ich weiß, das klingt provokativ, fast kränkend, und ich betone, dass ich nicht das prosaische Aneinanderreihen von Gemeinplätzen oder pseudowissenschaftliches Geschreibsel meine. Eine wissenschaftliche Publikation ist der Blick auf gemeinsames Wissen durch eine subjektive Brille. Also nur Mut zur Brille – und schon fließt es wieder!
Was ich hier schreibe, ist das Gegenteil von dem, was ich im Grundstudium beim Berichteschreiben im Experimentalpsychologischen Praktikum lernen musste. Doch je mehr wissenschaftliche Texte ich in all den lahren las, desto klarer trat zutage: Dort wird überall nur mit Wasser gekocht! Egal wie hochtrabend der Text verfasst ist. Das arbeiten obige Persiflagen für meinen Geschmack herrlich heraus.
Je bewusster mir die Subjektivität einer wissenschaftlichen Arbeit wurde, desto unehrlicher erschien mir das Objektivität heuchelnde Vermeiden der Ich-Form durch Gebrauch von Passiv, Umschreibungen, Pluralis Majestatis etc.. In meiner Diplomarbeit 2000 hatte ich es mich noch nicht getraut, doch meine im März 2008 abgeschlossene Diss reichte ich in der Ich-Form ein. Leseproben gibt es hier.
Wesentlich für mein Selbstbewusstsein (also die Arbeit so abzugeben und entsprechend zu disputieren) war, dass ich berufsbegleitend und selbst finanziert promoviert hatte. Zum einen war ich dadurch völlig unabhängig. Zum anderen hatte ich während der 5 Jahre viele andere Entwicklungsprozesse privater und beruflicher Art genommen, die mir ein Standing verliehen, das über die Rolle der klassischen Doktorandin hinausging. Außerdem ermöglichte mir diese Konstellation einen Brückenschlag zwischen Praxis und Wissenschaft.
Mein Rat lautet deshalb, sich nicht auf die zu schreibende wissenschaftliche Arbeit zu fixieren, sondern außerhalb des Elfenbeinturms den Impulsen des eigenen Herzens nachzugehen! Bei mir war es sogar so, dass bestimmte Kapitel monate- oder jahrelang auf mich “gewartet” haben, bis ich dem Ruf meines Herzens nachgekommen war und bestimmte Persönlichkeitsentwicklungen vollzogen hatte.
Das wirft ein neues Licht auf Schreibblockaden: Mir signalisierten sie oft “So nicht. Folge deinem Herzen und versuch’ es später noch mal.” Anfangs rebellierte mein Verstand, weil er es nicht erzwingen, sondern nur durch Demut (dem Herzen dienend) erreichen konnte. Immer wenn dann zu einem späteren Zeitpunkt mit neuer innerer Reife die Kapitel nur so aus mir herausflossen, wusste ich: Keinen Tag eher wäre dies möglich gewesen. Die Diss war größer und weiter als ich und hat geduldig wie eine Mutter auf jeden meiner Schritte gewartet.
Die Zeit meiner Promotion war Hochzeit mit mir selbst. Sie war die Zeit der Neugeburt von Anima und Animus, um es archetypisch auszudrücken. Die Bilder meiner Seele waren dafür anfangs ein kleines kreatives Mädchen und ein kesser Junge, der sagte “Ich bin voll und ganz meiner Meinung!”, und zuletzt eine Lokführerin und ein Schaffner (nachzulesen hier). Meine Diss ist immer nur dann geflossen, wenn meine feminine Energie führen durfte. Gleichzeitig konnte sie sich nur in dem Maße ergießen, wie meine maskuline Energie bereit war, tausendprozentig und öffentlich dazu zu stehen.
Als kontrastierender Vergleich dazu eine Anekdote am Tiefpunkt meiner Diss: Nichts ging mehr. Ich war kurz davor, alles hinzuschmeißen. Beim Doktorandenstammtisch gestand ich zwei Kolleginnen: “Ich hoffe, dass niemand meine Arbeit liest…” Mir war so peinlich, was ich verzapft hatte, und es schien in meinen Augen überhaupt nicht wissenschaftlichen Standards zu genügen. Zu meiner Überraschung brachen beide in erleichterndes Gelächter aus, denn ihnen ging es insgeheim genauso. – Das war also jene Zeit, in der meine alte maskuline Energie ohne inneren Halt eine wissenschaftliche Arbeit reißen wollte. Meine Seele duldete es nicht und ließ meinen inneren Mann kläglich scheitern…Demut lernen.
Zur Wende kam es, als meine innere Frau die Führung übernehmen und die Texte KOMPLETT wandeln durfte. Mein innerer Mann geriet dabei immer wieder ins Schwitzen (“Nein, das können wir unmöglich so schreiben!!”), aber tapfer wuchs er mit seinen (Formulierungs-)Aufgaben (“Äh, ja klar vertreten wir das genau so und nicht anders!”) und meisterte am Ende auch den akademischen Initiationsritus, die Disputation. Am Ende blickten beide – Frau und Mann – stolz auf ihr gemeinsames Kind: Ein herausforderndes Buch, hinter dem sie voll und ganz stehen können. Ein Werk, das nur duch ein neues Zusammenspiel von Yin und Yang möglich geworden war.
Nie, niemals hätte ich mir 2003 bei der Wahl meines Dissthemas (“Salutogenese durch Selbstverwirklichung”) träumen lassen, dass mich wissenschaftliches Arbeiten dermaßen transformieren würde. Doch der Name war Programm: Selbstverwirklichung pur. Auf jedem Zentimeter meines Weges.
Diese tiefgreifende Selbsterfahrung fließt in meine Coachings mit ein, wenn es um Schreibblockaden und andere Arbeitsstörungen, wie z.B. Aufschieberitis oder aktive Prokrastination geht. Die Coachings finden statt in meiner Hamburger Praxis oder per Telefon.
Simone MellerFoto: Pixelio, Joujou

