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Die Qual der Wahl reifen lassen

Pfirsich

“Wenn die Zeit reif ist, platzen die Pfirsiche im Schatten”, lautet eine chinesische Weisheit. Als mein Buch Salutogenese durch Selbstverwirklichung endlich veröffentlicht war, erhielt ich von verschiedenen Seiten die Anregung (vielen Dank!), Leseproben im Internet zu veröffentlichen. Davon hatte ich zunächst Abstand genommen, weil ich einen Auszug von 10 Seiten nicht repräsentativ fand für eine Dissertationsschrift, dessen Besonderheit darin liegt, dass es verschiedenste Theorien zu einer gemeinsamen Denkfigur integriert. Heute weiß ich, dass ich einfach zu wenig (emotionalen) Abstand hatte.

Zugleich wünschte ich mir die Verbreitung des Buches, vor allem unter Studierenden, die im Rahmen von Semester-, Diplom- und Doktorarbeiten mit Selbstverwirklichung, Resilienz, Salutogenese, Persönlichkeit, Heilung durch Selbstliebe, wahres/falsches Selbst, Spontanremission, Psychoonkologie, Quantenphysik etc. zugange sind. Das Buch führt den aktuellen Wissensstand zusammen und ist ein verstandesbetontes Plädoyer für eine intuitive Besinnung auf das Einheitsbewusstsein im wissenschaftlichen Mainstream der Psychologie. Es ist über große Strecken im Bewusstsein der Neuen Energie geschrieben und bietet argumentative Brücken (u.a. durch Bezugnahme auf die Quantenphysik und konsequentes Hinterfragen von Paradigmen), wie das “Neue” (von der akademischen Mainstream-Psychologie als esoterisch verbannt) wiederbelebt und mit dem Alten verbunden werden kann. Es ist ein Versuch, psychologisches, medizinisches und spirituelles Wissen versöhnlich zu verbinden und unter dem Dach der Gesundheitspsychologie salon-, pardon wissenschaftsfähig zu machen. Auf dass der Mensch wieder als Ganzes im Forschungsbemühen stehe und nicht seine Aufsplitterung in Persönlichkeitsfragmente.

Nach all den Strapazen, die mit dem Schreiben, der Prüfung und der anschließenden Veröffentlichung verbunden waren, wünschte ich mir vor einigen Monaten eine “MÜHELOSE Auswahl und Veröffentlichung der Leseproben”. Siehe da, Schritt für Schritt entspannte sich der Prozess, in dem u.a. der Verlag die entsprechende Erlaubnis erteilte und sich bei mir eine vage Vorstellung der Umsetzung entwickelte. Noch hatte ich keine Idee, wie ich aus 451 Seiten stringenter Gedankenführung eine AUSWAHL treffen sollte und ließ es innerlich reifen, während ich mich äußerlich auf solche Dinge konzentrierte, die gut von der Hand gingen.

Als ich neulich meinem Überdruss angesichts von Systemdiskussionen Luft machte, erinnerte ich mich an einen ähnlichen Absatz in meiner Diss und plötzlich WUSSTE ich, dass ich mühelos die erste Leseprobe gefunden hatte (oder sie mich!). Hier ist sie:

“Ich weiß um einige Missstände dieser Welt und die Folgen von Arbeitslosigkeit, Armut, sozialer Ungleichheit, Umweltzerstörung und Gewalt (Mielck, 1994; Lampert & Ziese, 2005). Auf die schlechteren Startchancen von Kindern aus unteren Herkunftsschichten, die nachhaltigen Auswirkungen der sozialen Unterschiede auf den Alltag von Kindern und damit auf deren gesundheitliche Belastung machen die jüngsten Kinderstudien (Hurrelmann & Andresen, 2007; LBS-Initiative Junge Familie, 2007) aufmerksam. Ich werde im Weiteren nicht näher darauf eingehen, weil mein Fokus auf gelingender Selbstbestimmung liegt, wie auch immer die Lebensumstände aussehen mögen. Als Psychologin kann ich einen Menschen begleiten, seine Selbstbestimmung auszuschöpfen, sei es, dass er immer mehr ein Leben führt, das seinem Herzen entspricht; dass er politisch aktiv wird oder aus unerträglicher, da menschenunwürdiger Lage die Flucht ergreift. ” Mehr davon lesen

Mich begeisterte der Gedanke, dass nach und nach alle weiteren Leseproben auf einem ähnlichen Weg zu mir kommen würden. Ich begriff, dass bereits Tage zuvor eine andere Leseprobe “angeflogen” gekommen war, ich sie aber nicht hatte umsetzen können, weil mir noch der Anspruch im Weg stand, alle Auszüge in einem Rutsch zu veröffentlichen. Wieder einmal bewährte sich bei komplexen, unübersichtlichen Aufgaben die Salami-Taktik.

Simone Meller
Foto: Uschi Dreiucker, Pixelio

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