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Das Herz ist auf dem Vormarsch

Vor kurzem meldete mir eine Journalistin zurück, das mein Ansatz in der Wirtschaft “ein therapeutischer” sei. Sie äußerte Skepsis über seine Angebrachtheit. Ich war ihr ankbar für ihre offenen Worte, weil ich so die Chance erhielt, auf ihre Gedanken einzugehen und mir dabei selbst noch klarer über meine Herangehensweise zu werden.

Die Eigen-Art, die die Journalistin an mir wahrnahm und als “therapeutisch” bezeichnete, ist im Grunde eine Sprache und Haltung des Herzens. Man mag es kaum glauben, doch selbst in der Psychotherapie hatte das Herz lange Zeit keinen Platz. Zum Beispiel sind die Verfahren der Psychoanalyse und der Kognitiven Verhaltenstherapie recht kühl und distanziert gehalten. Das Herz fand seinen Einzug in solche Therapien erst durch Psychotherapeut/innen, die sich ein Herz fassten und aus einer seelischen Zugewandtheit zum menschlichen Leid das klassische Setting erweiterten und belebten.

Eine ähnliche Beseelung lässt sich seit einigen Jahren im Bereich Coaching beobachten, und das Herz ist auch in Richtung Wirtschaft auf dem Vormarsch. In meinem Wirkungskreis treffe ich auf Menschen, die zwar sehnsüchtig aufhorchen, wenn sie die Herzenssprache hören, aber noch nicht dazu stehen können. Sie fürchten die Ablehnung und Entwertung durch andere oder glauben, in der Wirtschaft anders sein zu müssen, als sie es im Grunde ihres Herzens fühlen. Immer wenn sich jemand traut, dies auszusprechen, freue ich mich. Weil dieser Schritt bereits ein mutiges Herz voraussetzt und damit ein Schritt zu mehr Liebe in dieser Welt ist. Gerne würde ich viel mehr ermutigen. Aber ich verstehe zunehmend, dass diese zutiefst persönlichen Entwicklungsprozesse in erster Linie durch innere Aha-Erlebnisse stimuliert werden können. Und so finden manche, die sich zunächst an meiner Eigen-Art stoßen, in genau dieser auch einen Anstoß, der zu gegebener Zeit eine Herzöffnung unterstützt.

Was ich hier für Psychotherapie, Coaching und Unternehmensberatung skizziert habe, gilt meinem Empfinden nach für alle Berufe, ja für sämtliche Lebensbereiche. Auf uns wartet so viel Fülle und Freude, wenn wir uns einfach immer mehr trauen, unser Herz dafür zu öffnen.

Text: Simone Meller | Foto: Bernd Wachtmeister, Pixelio

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