Am Wochenende mailte mir ein Freund folgenden Satz: “Ich bin in der Sporthalle und feiere meinen Sohn an.” Schmunzelnd hielt ich inne und freute mich über diesen wunderbaren Versprecher. Ich wusste, wie sehr er seinen Sohn anfeuern würde und das dies bei genauer Betrachtung auch etwas von einer Feier hatte… Was gibt es Schöneres für ein Kind, als wenn seine Eltern seine Existenz feiern? Nicht nur zum Geburtstag oder zu Weihnachten, sondern auch in den unzähligen Momenten des Alltags. Feuer, Feier – wo ist da der Unterschied? Wir sprechen davon, “Feuer und Flamme” zu sein, wenn uns etwas begeistert. Unsere Augen glänzen – genau wie beim Feiern, da glühen dann auch unsere Wangen und uns wird warm ums Herz. Feiern ist eine Hommage ans Leben.
Passend – wie es sich manchmal fügt – bekam ich heute eine kleine Sandrose geschenkt, die mit einem Duftöl, das “Lebensfreude” heißt, genetzt war. Während ich hier schreibe, breitet sich der betörende und fast rauschhafte Geruch im Raum aus, als ob er noch mal von den vielen kleinen Freudenfeuern der letzten Tage erzählt.
Manchmal denke ich, vielleicht feiern wir zu selten, warten zu oft auf Anlässe und Gründe. Man soll die Feste feiern, wie sie fallen, so heißt es im Volksmund. Wenn wir sie nur öfter fallen lassen würden…! Mal fünf gerade sein lassen, sich ein-lassen auf Momente der Freude, sich kindliche Aus-Gelassenheit erlauben… Ich meine, dass Feiern auch mit Selbstwertgefühl zusammenhängt. Nur wenn ich mir meines Wertes bewusst bin, kann ich Feiern – Freude und Menschen in meinem Herzen empfangen.
Menschen, die das Gefühl haben, sich zu selten zu freuen, sind mit diesem Eingeständnis bereits einen Schritt weiter. Ich empfehle in solchen Fällen gerne ein Tagebuch der Freude zu führen: Einfach jeden Tag fünf Dinge notieren, bei denen Freude – und sei es nur ein klitzekleines bisschen – empfunden wurde. Wichtig: Es müssen wirklich fünf Sachen sein! Denn drei Ereignisse sind schnell gefunden. Doch erst bei Nummer Vier und Fünf beginnt die nötige Weitung des Blicks, die mit einem bisschen Training dazu führt, das Leben zu lieben und zu feiern. Hüten Sie das Feuer Ihres Lebens, die Freude am Sein!
Simone Meller
Foto: Norbert Höller, Pixelio

